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MTU rechnet erst 2024 mit neuem Wachstum

MTU Maintenance
Die MTU Maintenance hat ihr 7000. überholtes Triebwerk wieder übergeben. Es war ein GE90 für AeroLogic, © MTU

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MÜNCHEN - Der Münchner Triebwerksbauer MTU rechnet nach dem Umsatzeinbruch in der Corona-Krise erst in einigen Jahren wieder mit kräftigem Wachstum. Mit einem starken Wartungs- und Ersatzteilgeschäft will der Konzern die Durststrecke überbrücken - Anleger sind skeptisch.

"Wir sehen die nächsten Jahre als eine Phase des Neustarts, in der wir unsere Technologieführerschaft, Innovationskraft und Flexibilität zum Ausbau unserer guten Ausgangsposition nutzen, um ab 2024 wieder überproportional am Wachstum der Branche teilzuhaben", sagte Vorstandschef Reiner Winkler bei einer Analystenveranstaltung des Konzerns am Donnerstag in München. Nach dem Corona-Tief von 2020 sollen die Erlöse aber schon 2021 wieder steigen.

An der Börse wurden die Nachrichten mit einem Kursrutsch quittiert. Die MTU-Aktie fiel am Nachmittag um 4,12 Prozent auf 193 Euro und war mit Abstand schwächster Wert im Dax. Allerdings hatte die Aktie seit den positiven Nachrichten zu einem ersten Corona-Impfstoff Anfang vergangener Woche kräftig zugelegt. Zuletzt wurde sie rund ein Viertel billiger gehandelt als noch zu Beginn des Jahres.

Dabei klangen die Aussagen des Vorstands zu 2021 eher positiv. Während MTU im laufenden Jahr wegen der Corona-Pandemie und dem Einbruch des Flugverkehrs weiterhin mit einem Umsatzrückgang auf 4,0 bis 4,2 Milliarden Euro rechnet, soll es nach Einschätzung der Führungsspitze 2021 besser laufen. Analysten hatten hingegen mit einem weiteren Rückgang auf rund 3,9 Milliarden Euro gerechnet.

Vor allem im Geschäft mit der Triebwerkswartung bei Passagier- und Frachtflugzeugen erwartet MTU für das kommende Jahr ein Umsatzplus zwischen 20 und knapp 30 Prozent. Der Vorstand hofft darauf, dass der Flugverkehr wieder anzieht und die Airlines wieder mehr Triebwerke bei MTU überholen lassen.

Vorstandsmitglied Michael Schreyögg baut vor allem auf die Airbus-Mittelstreckenjets der A320-Reihe und deren Neuauflage A320neo - sowie auf die Frachtfluggesellschaften, die in der Corona-Krise einen Boom erleben und ihre Maschinen zur Wartung schicken.

Im lukrativen Ersatzteilgeschäft und im Militärbereich geht die MTU-Führung für 2021 von leichten Zuwächsen aus. Das Geschäft mit neuen Triebwerken für Verkehrsflugzeuge dürfte hingegen auf dem Niveau von 2020 stagnieren. "Die gedrosselten Flugzeug-Produktionsraten spiegeln sich in der Triebwerks-Produktion wider", sagte Vorstandsmitglied Schreyögg. So erwartet MTU im zivilen Seriengeschäft im kommenden Jahr einen stagnierenden Umsatz.

Trotz der erwarteten Steigerungen in mehreren Segmenten wird MTU voraussichtlich auch 2021 deutlich hinter den Geschäftszahlen der vergangenen Jahre zurückbleiben. So hatte der Konzern 2019 einen Umsatz von gut 4,6 Milliarden Euro erzielt. Und bevor die Corona-Pandemie die Luftfahrtbranche in die wohl schwerste Krise ihrer Geschichte stürzte, hatte die MTU-Führung für 2020 noch eine weitere Steigerung angepeilt. Ende März zog das Management diese Ziele zurück und rang sich im Sommer zu einer ersten neuen Prognose durch.

Da hatten die großen Flugzeugbauer Boeing und Airbus ihre Produktion wegen der Corona-Krise bereits deutlich gedrosselt. Viele Fluggesellschaften können neue Maschinen wegen des herben Einbruchs im Flugverkehr derzeit kaum gebrauchen. Im Gegensatz zum US-Konzern Boeing hat der europäische Hersteller Airbus bisher jedoch kaum Stornierungen kassiert.

Die MTU-Führung hatte sich bei der Vorlage der Zwischenbilanz Ende Oktober ähnlich positiv geäußert. Die meisten Kunden wollten ihre Flugzeuge jedoch einige Monate oder Quartale später abnehmen, hieß es.

MTU ist bei den Kurz- und Mittelstreckenjets vor allem bei den Antrieben für den Airbus A320 und dessen Neuauflage A320neo im Geschäft - den Verkaufsschlagern des Flugzeugherstellers. In der Branche wird erwartet, dass der Flugverkehr auf der Kurz- und Mittelstrecke zuerst wieder anzieht. Das Geschäft mit Langstreckenflügen dürfte sich erst später erholen. MTU baut hier etwa an einem Antrieb für Boeings Großraumjet 787 "Dreamliner" und die noch größere neue 777X mit. Zudem liefert der Konzern Ersatzteile und wartet viele ältere Flugzeugtypen.
© dpa-AFX | Abb.: MTU | 19.11.2020 14:13


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