Corona-Krise
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Tui erhält weitere Staatshilfen

Tuifly Boeing 787 Dreamliner
Tuifly Boeing 787 Dreamliner, © Tuifly

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BERLIN - Der Tui-Konzern bekommt weitere Staatshilfen gegen einen möglichen finanziellen Absturz in der Corona-Krise. Wie der weltgrößte Reiseanbieter aus Hannover am Mittwoch mitteilte, einigte sich Tui mit dem Bund sowie privaten Investoren und Banken auf ein Finanzierungspaket im Gesamtvolumen von 1,8 Milliarden Euro.

Die Tourismusbranche ist neben Luftverkehr und Gastronomie besonders stark vom Nachfragerückgang in der Pandemie betroffen.

Das Finanzierungspaket stärke die Position der Tui und stelle ihr ausreichende Liquiditätsreserve zur Verfügung, hieß es. "Diese gleicht auch die bis zum Beginn der Sommersaison 2021 angenommenen Reisebeschränkungen aus." Das Paket sei notwendig geworden aufgrund der zunehmenden Reisebeschränkungen durch wieder ansteigende Infektionszahlen und ein damit verbundenes kurzfristigeres Buchungsverhalten einiger Kunden.

Das Paket sieht laut Tui konkret eine Kapitalerhöhung über rund 500 Millionen Euro vor, die von privaten Investoren geschultert wird. Daneben geht es um eine in Aktien der Tui wandelbare stille Einlage des staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) in Höhe von 420 Millionen Euro. Daneben geht es um eine nicht wandelbare stille Einlage des WSF in Höhe von 280 Millionen Euro.

Vorausgegangen waren Verhandlungen mit der Bundesregierung. Zwei vom WSF benannte Personen sollen Mitglieder des Aufsichtsrats der Tui werden. Der staatliche WSF dient der Stabilisierung der Wirtschaft in Folge der Coronavirus-Pandemie. Er stellt Unternehmen Stabilisierungsmaßnahmen zur Stärkung ihrer Kapitalbasis und zur Überwindung von Liquiditätsengpässen bereit. So hatte die Politik bereits ein milliardenschweres Rettungspaket für die Lufthansa beschlossen.

Die EU-Kommission muss nach der Einigung über die stillen Einlagen bei der Tui noch prüfen, ob es sich um eine zulässige staatliche Beihilfe. Weiter geht es laut Tui um eine Staatsgarantie über 400 Millionen Euro oder alternativ eine entsprechende Erhöhung der nicht wandelbaren stillen Einlage des WSF sowie eine zusätzliche Kreditlinie der Staatsbank KfW über 200 Millionen Euro. Eine bestehende Kreditlinie der KfW wird bis Juli 2022 verlängert.

Die stillen Einlagen durch den WSF seien mit weiteren Einschränkungen verbunden, unter anderem hinsichtlich Investitionen in andere Unternehmen, solange der WSF investiert bleibe.

Tui war im Frühjahr als erstes deutsches Großunternehmen von der staatlichen Förderbank KfW mit einem Darlehen über 1,8 Milliarden Euro unterstützt worden. Neben Lufthansa und Tui wird auch der Reise-Konkurrent FTI öffentlich gestützt. Ende September waren für Tui 1,2 Milliarden Euro in Form einer zweiten Kreditlinie sowie einer Anleihe hinzugekommen, die der Bund auch in eigene Anteile bei den Hannoveranern umwandeln kann. Nun wurden Verhandlungen über eine dritte Hilfstranche beendet.

Der Tui-Konzern ist trotz eines laufenden Sparkurses und des Abbaus Tausender Stellen angeschlagen, weil die Kunden trotz einiger regionaler Lichtblicke viele Urlaubsziele meiden. Reisewarnungen und -hinweise sorgen für eine hohe Unsicherheit bei den Verbrauchern.

Im Winter ist das Geschäft zudem immer deutlich schwächer als in den Sommermonaten - Tui ist jetzt daher noch stärker gezwungen, seine Zahlungsfähigkeit zu sichern. Mit Blick auf das neue Jahr hatte sich das Tui-Management zuletzt wieder etwas optimistischer gezeigt. Entscheidend dürfte auch sein, wie rasch großflächige Impfungen gegen das neue Coronavirus anlaufen können.
© dpa-AFX | Abb.: TUI | 02.12.2020 16:08

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Beitrag vom 03.12.2020 - 11:33 Uhr
Nun ja, ganz unrecht hat Sonnenbar mit seinem Eingangsposting natürlich nicht: Der absolut einzige Grund, warum private Unternehmen (Banken mal ausgenommen) von staatlicher Seite gestützt, gerettet oder sonstwie mit Liquidität ausgestattet werden, ist die Erhaltung von Arbeitsplätzen. Und dafür muß das Unternehmen erhalten werden.
Die Punkte stimmen, ich würde nur die Reihenfolge ändern. Die staatliche Unterstützung sichert zunächst die Liquidität, damit ein Unternehmen nicht Insolvenz anmelden muss und folglich die Arbeitsplätze weg wären. Da, soweit ich weiß, in keiner Staatshilfe ein Bezug zur Sicherung der Arbeitsplätze verküpft ist, wären die Unternehmen frei in der Gestaltung des Überlebens und der Neuaufstellung für die Zeit danach. Ein mit einem Darlehen, um nichts anderes handelt es sich ja, finanziertes "Weiter so" in den aktuellen Bedingungen dürfte schnell zum Scheitern verurteilt sein und später genau das auslösen, was man eigentlich verhindern will. @V178 bringt es auf den Punkt, es muss denen helfen, die später noch da sind.

Dieser Beitrag wurde am 03.12.2020 11:35 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 03.12.2020 - 11:28 Uhr

Wenn das Unternehmen fünf Milliarden nimmt und trotzdem knapp 1.000 Leute bei der Tuifly auf die Straße setzt, dann ist der Sinn der Hilfe verfehlt - Sanierung soll bitte aus eigener Kraft erfolgen und nicht mit Steuermitteln. In Zukunft werden zwei Leute vom Staat im Aufsichtsrat sitzen (die "echte" Arbeitgeberbank ist also in der Unterzahl), daher denke ich auch, daß in Bezug auf die Umstrukturierung der Tuifly die letzte Messe noch nicht gelesen ist.

Ob die "zwei Leute vom Staat" das auch so sehen?

Bei der Lufthansa sitzen ebenfalls "zwei Leute vom Staat" im Aufsichtsrat, doch laut Spiegel denkt der Staat eher anders:

"Die Bundesregierung hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr (53) indirekt den Auftrag zu einem radikalen Sparkurs erteilt. Die Personalkosten würden den Konzern "auffressen, wenn nicht etwas dagegen unternommen" werde, sagte ein Regierungsvertreter."

 https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/lufthansa-pleiteszenario-trotz-milliardenhilfen-die-airline-schmiert-ab-a-00000000-0002-0001-0000-000173898780
Beitrag vom 03.12.2020 - 11:03 Uhr
Nun ja, ganz unrecht hat Sonnenbar mit seinem Eingangsposting natürlich nicht: Der absolut einzige Grund, warum private Unternehmen (Banken mal ausgenommen) von staatlicher Seite gestützt, gerettet oder sonstwie mit Liquidität ausgestattet werden, ist die Erhaltung von Arbeitsplätzen. Und dafür muß das Unternehmen erhalten werden.

Wenn das Unternehmen fünf Milliarden nimmt und trotzdem knapp 1.000 Leute bei der Tuifly auf die Straße setzt, dann ist der Sinn der Hilfe verfehlt - Sanierung soll bitte aus eigener Kraft erfolgen und nicht mit Steuermitteln. In Zukunft werden zwei Leute vom Staat im Aufsichtsrat sitzen (die "echte" Arbeitgeberbank ist also in der Unterzahl), daher denke ich auch, daß in Bezug auf die Umstrukturierung der Tuifly die letzte Messe noch nicht gelesen ist.

Was Verluste bei der Airline angeht - die dürften wohl als gesichert angesehen werden. Für eine Konzernairline gelten dennoch andere Gesetze: Die TUI hat diese Verluste jahrelang hingenommen, und zwar nicht, weil sie so ein gutes Herz hat. Ihr war immer klar, daß es besser ist, mit der eigenen Airline ein paar Verluste zu akzeptieren, als die Kapazitäten extern einzukaufen - denn man macht sich abhängig. Sobald andere Airlines wissen, daß TUI die angefragten Flugkapazitäten dringend braucht, würden bzw. werden die Preise dafür in die Höhe schießen - und das wäre sehr viel teurer als die moderaten Verluste bei der Tuifly.


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