Wahlkampf 2021
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Zu kurz gedacht

Lufthansa Cityline CRJ-900LR
Lufthansa Cityline CRJ-900LR, © Lufthansa

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BERLIN - Feindbild Kurzstrecke: die Kandidatin der Grünen für das Kanzleramt will kurze Airlinelinien wegbesteuern. Interkont- und Nachtflüge hat die Partei um Annalena Baerbock im Klima-Wahlkampf 2021 ebenfalls auf dem Kieker. Fakten und Folgen treten dabei in den Hintergrund.

Die Luftfahrt verursacht Emissionen. Der Anteil der Kurzstrecke daran ist jedoch ziemlich überschaubar.

Eurocontrol hat 2020 nachgerechnet. Laut einer Studie der Flugsicherung zur Auswirkung von Steuern auf Flugtickets erreichen 24 Prozent aller im europäischen Luftraum startenden Flüge ihr Ziel nach maximal 500 Kilometer Luftweg.

Auf diese Kurzstrecken entfallen laut Eurocontrol-Daten gleichwohl nur vier Prozent der Airline-Emissionen im CRCO-Kontrollgebiet.

Vier Prozent. Selbst eine vollständige Abschaffung der Kurzstrecke würde die Umweltwirkungen der europäischen Luftfahrt also kaum verbessern - aber 24 Prozent der Flüge und sämtliche damit verbundene Jobs vernichten.

Dennoch legt Baerbock sich fest: "Kurzstreckenflüge sollte es perspektivisch nicht mehr geben", kündigte die Kandidatin in der "Bild am Sonntag" Steuererhöhungen auf Airlinetickets an, um dem Flugscham jedes Einzelnen spätestens auf der Buchungsmaske nachzuhelfen.

Als klimapolitische Stellschraube hat die Kurzstrecke dabei weit weniger Wumms als zu Wahlkampfzwecken.

Zur besseren Einordnung: "Strecken über 3.000 Kilometer machen nur neun Prozent der abfliegenden Flüge aus, verursachen aber 53 Prozent der CO2-Emissionen", rechnet Eurocontrol vor. "Die Dekarbonisierung von Mittel- und Langstreckenflügen ist daher von entscheidender Bedeutung, um eine signifikante Reduzierung der CO2-Emissionen im Luftverkehr zu erreichen."

"Echtes Nachtflugverbot"

Die Luftfahrt ist hier noch lange nicht am Ziel, aber auf Kurs. Von 2009 bis 2017 hat sich die Verkehrsleistung im europäischen Luftraum, gemessen in der Einheit Passagierkilometer, laut Eurocontrol-Daten um 45 Prozent erhöht - die CO2-Emissionen blieben mit einer Zunahme von 15 Prozent auf Abstand.

Im Programmentwurf für die Bundestagswahl 2021 sprechen sich die Grünen für weniger Langstrecken aus und fordern ein "echtes Nachtflugverbot" - nicht die besten Anreize für technische Innovation und weitere Investionen.
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 17.05.2021 13:52

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Beitrag vom 19.05.2021 - 14:24 Uhr

Ich höre immer nur alles scheisse oder Deine Idee ist scheisse. Ja überall sind auch negative Dinge aber was ist denn das richtige Ziel und wie wollen wir dahin kommen.
Da höre ich von niemanden etwas.


Also ich habe vor über 10 Jahren den Herrn Tönnes als unseren BTA angeschrieben. Fließwasserkraftwerke ausbauen und Modernisieren z.B. bringt Verdoppelung der Wasserkraft und ist fast Jahreszeitlich unabhängig. PV bevorzugt in Spanien oder weiter südlich. Wasserstoff Herstellung bei Stromüberschuss usw...
Auf einer Wahlveranstaltung dann die ausstehende Antwort angemahnt - nach fast einem Jahr - kam dann ein Politikerstatement zurück. Laber Rhabarber, der hat es fachlich nicht begriffen.

In 2019 hat jeder S-H Bürger 130 Euro für nicht produzierten Strom bezahlt, 2020 "nur" 110. (Gerechnet mit 3 Mio EW). Vor 2 Jahren das Ministerium von Altmeier angeschrieben, die seit 150 jahren bekannte Elektrolyse von Wasser zur H2 Herstellung zu nutzen statt die Stromherstellung abzuschalten und trotzdem zu bezahlen - keine Reaktion. Unsere Industrie braucht soviel Wasserstoff, dass bei der Herstellung dieser Menge aus Erdgas 5 Mio t CO2 anfallen - p.a. Altmeier im TV "Windstrom kostet 1-2 Cent. Der billigste Strom ist der von PV Anlagen rd. 8 Ct". Der merkt es nicht einmal.

Aber jedes Jahr wird ein neues Forschungsprojetkt aufgelegt um die technische Machbarkeit von Elektrolyse zu prüfen. Natürlich hoch subventioniert. Einfach mal mit 10 Mrd. anfangen und z.B. in Heide S-H einen ersten Block bauen. Würde für etwa 10 GW reichen. Die nächsten 10 GW mit den gewonnenen Ergebnissen verbessern. Learnig bei doing. Aber nichts passiert.

Ich habe dann mal einen weiteren Politiker angeschrieben: Nur noch pensionierte Ingenieure, Physiker und Chemiker als Berater auswählen die keine Lobbyarbeit mehr machen können. Natürlich keine Abtwort. Lieber holt man sich Leute die Mitreden statt das Wissen haben.

Ich nehme die Politiker nicht mehr ernst.
Beitrag vom 19.05.2021 - 11:25 Uhr


Wirtschaftlich ist das meiste im Kontext Umwelt/Klimaschutz fragwürdig, da es immer mit höheren Kosten verbunden ist - aber wo haben die Grünen aktuell Maßnahmen ohne wissenschaftliche Grundlage propagiert?

Allerdings ist das erklärte Ziel 2% bis 2030 dermaßen un-ambitioniert, dass ich auch da an eine Alibi-Veranstaltung denken muss

Z.B. die gerade von den Grünen immer wiederholte Argumentation, dass E-Autos Emmisionsfrei sind ist soetwas von verlogen und entbehrt jeder wisschenschaftlichen Grundlage.

Stimmt, sind sie nicht. Weder im Betrieb am aktuellen Strommix noch in der Herstellung.
Im Betrieb immerhin sind sie es.
Immerhin: Über den gesamten Lebenszyklus ab IIRC 60.000km über 10 Jahre, also bei bereits relativ moderaten Fahrleistungen, erzeugen sie summarisch tatsächlich weniger CO2 als ein Vebrenner.
Aber OK, der aktuelle Zustand ist ebenfalls un-ambitioniert, die Ziele für 2030 und darüber hinaus allerdings sind im Gegensatz zu den E-Fuels schon etwas ambitionierter, da sich ein kontinuierlich besser werdender Strommix in Herstellung und Betrieb beides positiv auf die CO2 Gesamtmenge auswirkt.
Wohingegen der Verbrenner nach ~100 Jahren Entwicklung nur noch ein minimales Verbesserungspotential hat.
D.h. mit E-Antrieben _kann_ die CO2-Null _möglicherweise_ erreicht werden, mit Verbrennern garantiert nie.


Generell: Fahrrad und S-Bahn fahren oder Homeoffice _sind_ deutlich CO2 neutraler als mit dem E-SUV ( oder Flugzeug :) ) weiter zu pendeln...

Des weiteren, dass wir nur genug PV und Windkraft bauen dann sind die Probleme der Umstellung gelöst. Von Geld wird nicht gesprochen und wer heute weiten EEG Ausbau fordert ohne zuvor von Speichern gesprochen zu haben ist für mich nur dumm oder gefährlich für den wirtschaftsstandort Deutschland.

Speichern und Transport.
Selbst eine dusslige Stromleitung wird ja heute schon zum Politikum, das die Republik über Jahre beschäftigt - das ist aber kein reines Problem der Grünen.
Aber selbst die Erzeugung mit Wind, Wasser und PV hat ja in DE recht enge Grenzen.
Ich denke daher dass wir ohne einen Atom-Ausbau (bevorzugt mit eigensicheren Reaktoren) effektiv nie CO2 neutral in der Stromerzeugung werden, geschweige denn im gesamten Energiesektor.

Wo sind die wegweisenden Projekte der Grünen?

Das ist eins meiner Hauptprobleme mit den Grünen. Sie wissen ziemlich genau wogegen sie sind (fast alles), aber nicht wofür. Selbst beim Widerstand gegen "Verschandelung der Natur durch Windkraftanlagen" und dem "Verbau von Fisch-Wanderwegen durch Wasserkraftwerke" sind sie dabei, falls es jeweils "vor Ort" stattfindet...


Ich glaube, dass ist ein Problem unserer Zeit (und auch hier im Forum)
- Es gibt keine einfache Lösung für alles. Fast alle Lösungen sind ein Kompromiss und haben so auch negative Komponenten d.h. es braucht immer einen Konsens. Man muss plus und minus kommunizieren und abwären und dann Konsens bei allen Stakeholdern finden wo man hin will. Das ist schwer und erfordert hohes politisches und kommunikatives Geschick und das kann kaum einer und das liegt auch der deutschen Mentalität nicht.
- dann gibt es auch keinen einfachen Weg von schlecht zu gut, sondern es ist meist ein langer Weg mit Risiken und Bereichen wo sich keiner auskennt aber danach es alle besser wissen (z.B. erster Lockdown, BER)auch hier muss man viel kommunizieren und unterwegs auch Einschränkungen und Rückschläge hinnehmen. Eventuell stellt man auch fest, dass man das Ziel so gar nicht mehr erreichen kann oder will.

All das kann in der Plitik keiner.
- Lösungsvorschläge erarbeiten, abwägen und präsentieren
- diese diskutieren und abstimmen lassen
- danach ein klares Ziel defineren
- Rsisken kommunizieren
- wo soll das Geld her kommen
- den Weg planen und beschreiben
- ständig Zwischenbilanz ziehen und kommunizieren

Ich höre immer nur alles scheisse oder Deine Idee ist scheisse. Ja überall sind auch negative Dinge aber was ist denn das richtige Ziel und wie wollen wir dahin kommen.
Da höre ich von niemanden etwas.
Beitrag vom 19.05.2021 - 09:37 Uhr


Wirtschaftlich ist das meiste im Kontext Umwelt/Klimaschutz fragwürdig, da es immer mit höheren Kosten verbunden ist - aber wo haben die Grünen aktuell Maßnahmen ohne wissenschaftliche Grundlage propagiert?

Allerdings ist das erklärte Ziel 2% bis 2030 dermaßen un-ambitioniert, dass ich auch da an eine Alibi-Veranstaltung denken muss

Z.B. die gerade von den Grünen immer wiederholte Argumentation, dass E-Autos Emmisionsfrei sind ist soetwas von verlogen und entbehrt jeder wisschenschaftlichen Grundlage.

Stimmt, sind sie nicht. Weder im Betrieb am aktuellen Strommix noch in der Herstellung.
Im Betrieb immerhin sind sie es.
Immerhin: Über den gesamten Lebenszyklus ab IIRC 60.000km über 10 Jahre, also bei bereits relativ moderaten Fahrleistungen, erzeugen sie summarisch tatsächlich weniger CO2 als ein Vebrenner.
Aber OK, der aktuelle Zustand ist ebenfalls un-ambitioniert, die Ziele für 2030 und darüber hinaus allerdings sind im Gegensatz zu den E-Fuels schon etwas ambitionierter, da sich ein kontinuierlich besser werdender Strommix in Herstellung und Betrieb beides positiv auf die CO2 Gesamtmenge auswirkt.
Wohingegen der Verbrenner nach ~100 Jahren Entwicklung nur noch ein minimales Verbesserungspotential hat.
D.h. mit E-Antrieben _kann_ die CO2-Null _möglicherweise_ erreicht werden, mit Verbrennern garantiert nie.


Generell: Fahrrad und S-Bahn fahren oder Homeoffice _sind_ deutlich CO2 neutraler als mit dem E-SUV ( oder Flugzeug :) ) weiter zu pendeln...

Des weiteren, dass wir nur genug PV und Windkraft bauen dann sind die Probleme der Umstellung gelöst. Von Geld wird nicht gesprochen und wer heute weiten EEG Ausbau fordert ohne zuvor von Speichern gesprochen zu haben ist für mich nur dumm oder gefährlich für den wirtschaftsstandort Deutschland.

Speichern und Transport.
Selbst eine dusslige Stromleitung wird ja heute schon zum Politikum, das die Republik über Jahre beschäftigt - das ist aber kein reines Problem der Grünen.
Aber selbst die Erzeugung mit Wind, Wasser und PV hat ja in DE recht enge Grenzen.
Ich denke daher dass wir ohne einen Atom-Ausbau (bevorzugt mit eigensicheren Reaktoren) effektiv nie CO2 neutral in der Stromerzeugung werden, geschweige denn im gesamten Energiesektor.

Wo sind die wegweisenden Projekte der Grünen?

Das ist eins meiner Hauptprobleme mit den Grünen. Sie wissen ziemlich genau wogegen sie sind (fast alles), aber nicht wofür. Selbst beim Widerstand gegen "Verschandelung der Natur durch Windkraftanlagen" und dem "Verbau von Fisch-Wanderwegen durch Wasserkraftwerke" sind sie dabei, falls es jeweils "vor Ort" stattfindet...


Dieser Beitrag wurde am 19.05.2021 11:02 Uhr bearbeitet.


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