Verkehrspolitik
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Schnellere Bahnverbindungen sollen Flüge ersetzen

ICE-Triebkopf am Frankfurter Flughafen
ICE-Triebkopf am Frankfurter Flughafen, © Deutsche Bahn

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BERLIN - Union und Grüne wollen Kurzstreckenflüge durch einen Ausbau der Bahnverbindungen überflüssig machen. Zeitgleich schieben sich die Parteien gegenseitig die Verantwortung für den bisher verfehlten Streckenausbau zu. Viele Kurzstreckenflüge bleiben noch über Jahrzehnte kaum verzichtbar.

Sowohl Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet, Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock als auch Verkehrsminister Andreas Scheuer forderten am Montag den Ausbau der Bahn-Schnellverbindungen zwischen großen Städten.

"Kurzstreckenflüge sollte es perspektivisch nicht mehr geben", hatte Baerbock am Wochenende in einem Interview gesagt - und dafür Kritik von Union und FDP geerntet. Am Montag betonte Baerbock nun, dass sie damit aber kein Verbot gemeint habe. "Das funktioniert überhaupt nicht."

CDU-Chef Laschet hatte solche Verbote scharf kritisiert und generelle Kritik sowohl an Baerbock als auch SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz geübt. "Das ist ohne jede klimapolitische Wirkung, was die beiden in den letzten Stunden vorgeschlagen haben."

Im Kern sind sich Union und Grüne aber einig, dass ein Ausbau der Bahn mit Blick auf den Flugverkehr nötig sei. Laschet verwies darauf, dass es etwa keine Kurzstreckenflüge zwischen Köln und dem Frankfurter Flughafen mehr gebe, seit dort eine Hochgeschwindigkeitsverbindung existiere.

Verkehrsminister Scheuer nannte als weites Beispiel die Strecke Berlin-Hamburg. Auf der Verbindung Berlin-München wiederum habe der Flugverkehr um 30 Prozent abgenommen, seit beide Städte mit einer Vier-Stunden-Zugverbindung miteinander verbunden seien.

Er kündigte zudem an, dass sich Deutschland, Tschechien und Österreich auf den Ausbau der Strecke Berlin-Dresden-Prag-Wien verständigt hätten. Dort soll die Fahrzeit fünf Stunden betragen - wegen der langen Bauzeit allerdings erst Mitte der 30er Jahre.

Laschet und Scheuer warfen den Grünen vor, den Ausbau der Bahn verschleppt zu haben. "Wenn die Grünen bereit sind, Planungsrecht, Genehmigungsverfahren zu ändern (...) dann heißen wir sie herzlich willkommen im Club", sagte der CDU-Chef. "Wir werden ganz konzentriert darauf hinschauen, wie sich die Grünen bei Großprojekten verhalten", betonte auch Scheuer. Es gebe eine Diskrepanz bei den Grünen zwischen den Forderungen nach mehr Schiene und der Zustimmung für Bauprojekte vor Ort.

Schuldzuweisungen

Baerbock hielt im Gegenzug Verkehrsminister Scheuer vor, die falschen Prioritäten gesetzt zu haben. Die staatliche Subventionierung des Luftverkehrs sei erheblich. "Wir brauchen eine massive Planungsbeschleunigung." Für Scheuer habe die Bahn nicht die oberste Priorität.

Unions-Kanzlerkandidat Laschet kritisierte aber auch Scholz. Der SPD-Kanzlerkandidat verabschiede sich "von den normalen Menschen", wenn er eine Mallorca-Reise verteuern wolle. Damit treffe er vor allem diejenigen, die sich nur einmal im Jahr einen solchen Urlaub leisten könnten. Scholz hatte gesagt, dass kein Flug billiger als alle anfallenden Gebühren sein dürfe und es dann sicherlich keinen Flug mehr unter 50, 60 Euro geben werde.

Kooperationen auf der Schiene

Die Deutsche Bahn begrüßt die Weichenstellung zum "Trans-Europa-Express 2.0" (TEE). Der Ansatz berge "hohes politisches und unternehmerisches Potenzial", teilte der Konzern mit. "Viele europäische Bahnen (...) arbeiten darauf aufbauend bereits am gemeinsamen Konzept EuroLink, einer Vision für europaweite Expressverbindungen."

Bahn-Vprstand Ronald Pofall sprach am Montag von einem "vielversprechenden Blick" in die europäische Eisenbahnzukunft. "Mit unseren Partnern werden wir die internationalen Angebote ausbauen. Die Nachfrage dafür wird weiter zunehmen."
© Reuters, aero.de | Abb.: BDL | 19.05.2021 07:50

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Beitrag vom 20.05.2021 - 12:46 Uhr
Die Siedlungsgeografie von Deutschland ist in der Tat anders.

Evtl. sollte man also überlegen inwiefern eine Art von Zug der an den meisten Leuten eh nur vorbeifährt überhaupt Sinn macht.

In Deutschland gibt es außer vielleicht Hamburg-Berlin keine Strecke ähnich Tokio-Osaka oder London-Paris wo Mio. Menschen im Grunde um den Bahnhof wohnen und quasi nichts dazwischen liegt.



Das tollste Argument für den ICE war ja dass diverse ostdeutsche Städte durch eine ICE-Anbindung einen Wettbewerbsvorteil bekommen und sich deswegen dann besser entwickeln und der Wohlstand steigt ...
Beitrag vom 20.05.2021 - 12:35 Uhr
*die hatten aber auch noch keine Oberleitug ...

Ich hab mir das Video nicht angeschaut, der TEE war der am letzten genannte Zug deswegen ging ich davon aus es sei der neuste in der Aufzählung und so weit ic weiß hatte der einen Diesel.
Beitrag vom 20.05.2021 - 12:34 Uhr
Was hat denn die Bürokratie damit zu tun?

Die tun nur die von der Politik erfundenen Gesetze abarbeiten.



Außerdem sollte man wenn man einen Tunnel baut die Geologie, Grundwasser usw. besser vorher kennen und wenn gewisse Baustoffe und Geräte gewisse technische Normen nicht erfüllen dann hat das in der Regel gute Gründe weil z.B. ein für Privatwohnungen zugelassener Heizlüfter eben auch nur die Anforderungen für Privatwohnugen und nicht die für eine Bergbahnen erfüllt.

Das und auch Verkehrsbeziehungen, Lärmschutz usw. sind eine Frage der Sorgfalt.



Die größten Verzögerungen entstehen aber eh in der Beschluss- und Vorplanungsphase und die sind wirklich zu 100% Politik.


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