Fachkräftemangel
Vor 3 Tagen

Das Personalproblem der Luftfahrt in Zahlen

Lufthansa-Flugbegleiter
Lufthansa Flugbegleiterin, © Lufthansa

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BERLIN - In der Luftfahrt zeichnet sich nach einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ein struktureller Fachkräftemangel ab. Der bremst die Erholung aus. Grund dafür sind anhaltende Nachwirkungen der Corona-Einschränkungen in den vergangenen Jahren, heißt es in der Analyse.

Für eine Normalisierung des Flugverkehrs auf Vorkrisenniveau fehlt es demnach zurzeit an Personal. Das Problem: Viele Arbeitskräfte haben sich den Angaben nach während der Pandemie andere Jobs gesucht.

Insgesamt sei die Zahl der Beschäftigten um mehrere Tausend gesunken. Gleichzeitig gebe es auf dem Arbeitsmarkt derzeit aber keine Reserven, um die Lücken zu füllen.

Besonders betroffen ist den Angaben zufolge der Bereich der Servicefachkräfte im Luftverkehr, also unter anderem der Flugbegleiterinnen und -begleiter. Hier sei die Zahl der Beschäftigten vom Vorkrisenzeitraum 2018/2019 zu den Jahren 2020/2021 trotz Kurzarbeit um 15 Prozent gesunken.

Bei den sogenannten Fachkräften im technischen Luftverkehrsbetrieb, unter die etwa Flugzeugabfertigerinnen und -abfertiger fallen, ging die Zahl im gleichen Zeitrum um 12,9 Prozent zurück. Die Entwicklung lege einen "strukturellen Mangel an Arbeitern in einer schrumpfenden Bevölkerung offen", stellte Lufthansa-Chef Carsten Spohr diese Woche in Doha fest.

Besser sieht es bei den Pilotinnen und Piloten aus, hier sank die Zahl der Beschäftigten lediglich um 1,5 Prozent. Laut der Studie sind deren Kenntnisse kaum auf andere Arbeitsfelder zu übertragen.

Fachkräfte in Kundenservice und Logistik hätten dagegen vergleichsweise gute Chancen gehabt, etwa im Zugverkehr oder im pandemiebedingt boomenden Online-Handel einen neuen Job zu finden.

Auch Luftfrachtunternehmen suchen dringend Beschäftigte. "Es ist derzeit eine Riesenherausforderung, Personal zu finden", sagte Jens Oechler, Geschäftsführer beim hessischen Logistik-Dienstleister Prime Air Cargo am Dienstag in Berlin.

Lange Schuldungsdauer

Ein Problem sei der lange Vorlauf: Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssten manchmal zwei bis drei Monate geschult werden, um in sicherheitssensiblen Bereichen des Flughafens eingesetzt werden zu können.

Insbesondere für ausländische Bewerber seien die Hürden hoch: Sie müssten etwa Arbeits- und Wohnsitznachweise über einen langen Zeitraum vorweisen können, bevor sie anfangen dürften, kritisierte Oechler.

Die entstandenen Lücken sind nicht leicht zu füllen, wie die Studie zeigt: So gab es im April 2022 etwa deutschlandweit 888 offene Stellen für Servicefachkräfte im Luftverkehr, aber nur 846 passend qualfizierte Arbeitslose - daraus ergibt sich eine sogenannte Fachkräftelücke von 42 Personen. Im technischen Luftverkehrsbetrieb ist diese Lücke mit 633 sogar noch deutlich größer.
© dpa-AFX | Abb.: Lufthansa | 22.06.2022 06:50

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Beitrag vom 23.06.2022 - 10:10 Uhr

Wie hoch sind denn Einnahmenausfälle und zusätzliche Entschädigungsleistungen? Vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm, weil man jetzt nur eine Stunde später am Zielort ankommt.

Das ist eine gute Frage. Ich würde sagen die Enstschädigungsleistungen sind erheblich.

Ich sage die Entschädigungskosten sind minimal, weil die Flüge früh genug abgesagt wurden.

Wenn Sie sich da mal nicht täuschen: eine vorher 14täge Annullierung schützt nicht automatisch vor jeder Art von Kosten.

Man schaue sich nur mal Eurowings in Düsseldorf diese Woche an. Jeden Tag 10 und mehr Annulierungen. Heute bis 10:00 sind es auch schon wieder 4. Die sind keineswegs früh genug abgesagt. Die werden kurzfristig gecancelt. Das kann man ja dann mal hochrechnen, wenn die Quote so bleibt...
Beitrag vom 23.06.2022 - 09:06 Uhr
JA, tun sie, solange sie genügend bezahlen oder sonstigen Status haben. Wer sich noch immer nicht bewusst ist, dass eine Mehrklassengesellschaft existiert, sollte mal dringend von RTL wegschalten und mal mit offenen Augen raus gehen. Das mag man auch zu Recht kritisieren, aber das gibt es tagtäglich überall.

Sorry, aber selbst Status und ein Ticket der höheren Preisklasse (C) hilft nicht wirklich. Habe ich zur Genüge erfahren müssen. Und das war in normalen Zeiten (also vor Corona!).
Und genauso musste ich dann meine Rechte fast (Ausnahme SAS) immer auf juristischem Weg durchsetzten. Auch da half Status und höhere Preiskategorie nicht. Das gilt aber für fast alle Airlines.
Beitrag vom 23.06.2022 - 07:39 Uhr
JA, tun sie, solange sie genügend bezahlen oder sonstigen Status haben. Wer sich noch immer nicht bewusst ist, dass eine Mehrklassengesellschaft existiert, sollte mal dringend von RTL wegschalten und mal mit offenen Augen raus gehen. Das mag man auch zu Recht kritisieren, aber das gibt es tagtäglich überall.


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