Studie
Älter als 7 Tage

Senioren verzögern Evakuierungen nach Flugunfällen

Flugunfall bei Endeavor Air
Flugunfall bei Endeavor Air, © TSB

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WASHINGTON - Die Alterung der Gesellschaft hat auch Auswirkungen auf die Rettung von Menschen aus Flugzeugen. Die Dauer von Evakuierungen aus Flugzeugen steige mit dem Alter der Fluggäste. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie eines internationalen Forschungsteams in der Fachzeitschrift "AIP Advances".

Demnach sind die international vorgegebenen Evakuierungszeiten bei einem hohen Anteil älterer Passagiere zurzeit kaum einzuhalten.

Gemäß der US-Luftfahrtbehörde FAA muss ein Flugzeug im Notfall innerhalb von 90 Sekunden vollständig geräumt sein. Daran orientiert sich auch die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA).

Die aktuelle Studie zeigt jedoch, dass dieses Ziel unter realistischen Bedingungen mit Senioren an Bord in keinem von 27 simulierten Szenarien erreicht wurde. Selbst im günstigsten Fall benötigten die Passagiere 141 Sekunden, um ein Flugzeug zu verlassen und den Boden zu erreichen - also fast eine Minute länger als die behördliche Vorgabe.

Die Wissenschaftler um Chenyang Zhang von der kanadischen Universität Calgary hatten die Räumung eines Airbus A320 untersucht, also eines der weltweit am häufigsten eingesetzten Flugzeugtypen. Als Grundlage diente ein Szenario mit einem Brand beider Triebwerke. In einem solchen Fall sind die Notausstiege direkt über den Tragflächen unpassierbar, sodass lediglich die vier Ausgänge im vorderen und hinteren Bereich der Kabine zur Verfügung stehen.

Anteil an Senioren entscheidend für Dauer der Evakuierung

Für die Studie nutzten die Forscher computergestützte Modelle und eine branchenübliche Simulationssoftware, um das menschliche Bewegungsverhalten in der engen Kabine abzubilden. Dabei wurden drei verschiedene Kabinen-Layouts mit drei unterschiedlichen Anteilen von Passagieren über 60 Jahren kombiniert.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sowohl der prozentuale Anteil der Senioren als auch deren genaue Sitzverteilung die Rettungsdauer deutlich beeinflussen.

Die Verzögerungen erklären sich der Studie zufolge aus den körperlichen und geistigen Besonderheiten älterer Menschen. In den Simulationen wurde für Senioren eine deutlich geringere Gehgeschwindigkeit angesetzt. Zudem könnten kognitive Beeinträchtigungen im Alter das Situationsbewusstsein schmälern und die Entscheidungsfindung in Stresssituationen verlangsamen. Auch eine nachlassende Feinmotorik kann demnach das Verlassen der Sitze erschweren.

Empfehlungen für die Luftfahrtindustrie

Die längste Evakuierungszeit wurde mit 218,5 Sekunden in einer dicht bestuhlten Kabine mit 80 Prozent älteren Passagieren gemessen.

Um die genannten Risiken zu minimieren, schlagen die Autoren verschiedene Maßnahmen vor: So könnten Fluggesellschaften ältere Passagiere gezielt in der Nähe der Ausgänge platzieren oder die Kabinenarchitektur durch breitere Gänge und optimierte Haltemöglichkeiten anpassen. Zudem könnten spezielle Sicherheitseinweisungen für Senioren helfen, die Reaktionszeit im Ernstfall zu verkürzen.

Die Forschenden räumen ein, dass auch Kinder, Kleinkinder und schwangere Frauen die Evakuierungszeit verlängern könnten. Das wollen sie künftig gezielt untersuchen.
© dpa | Abb.: TSB | 01.04.2026 06:56

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Beitrag vom 02.04.2026 - 23:01 Uhr
Bei dieser Arbeit wurde - falls ich mich nicht irre - kein Test mit nur Nicht-Alten durchgefühert.
Diese Simulation ist aber das Mass für die Beurteilung der Simulation mit gemischten Altersgruppen.


Man kann alles aushebeln in real oder Simulation.
Wenn ich nur bei diesen Test hin gehe und schnappe mir 5 Leute und sagen den wer von euch bei diesen Test als erste aus der Maschine ist bekommt 1000€. Dann bekommt man die 90 Sek. auch nicht hin und so ist es auch in realen leben. Da will jemand seinen Koffer retten der 3 Sitzplätze in die andere Richtung ist, der andere will als erstes draußen sein ohne Rücksicht auf Verluste.

Bei der Übung bzw. Test sind in der Regel alle gechillt weil jeder weiß es passiert niemanden was.

Deswegen bleibe ich dabei als effektivste Maßnahme wer bei einer Evakuierung mit Gepäck draußen steht, da muß es ein 1000€ Ticket geben, gibt es verletze noch mehr, bei toten kann er sich auf fahrlässige Tötung verantworten. Wenn das 10 mal medial gegangen ist überlegt sich jeder 3 mal ob der Koffer wirklich so wichtig ist.
Beitrag vom 02.04.2026 - 22:39 Uhr
Bei dieser Arbeit wurde - falls ich mich nicht irre - kein Test mit nur Nicht-Alten durchgefühert.
Diese Simulation ist aber das Mass für die Beurteilung der Simulation mit gemischten Altersgruppen.

Beitrag vom 02.04.2026 - 15:06 Uhr
Diese Masken funktionieren aber nicht in 12000 Meter Höhe (Anforderung drucklose Kabine) und liefern dann noch min. 15min Sauerstoff. Und beim Hudson River Vorfall waren die Passagiere sicher froh um die Schwimmweste. Tote durch Rauchvergiftung waren früher mal ein Problem heute nicht mehr in dem Umfang. Wenn es brennt, dann so schnell und intensiv (vgl Lithium Feuer) dass sie die Rauchmaske nur noch verzögert. Entweder bei der Evakuierung wegen eingeschränktem Sichtfeld oder bis dahin durch das untrainierte Anlegen.



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