Iran-Krieg
Älter als 7 Tage

Das Krisenparadox von Lufthansa und Ryanair

Lufthansa Airbus A350-900
Lufthansa Airbus A350-900, © Lufthansa

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FRANKFURT - Der Iran-Krieg strahlt auf die Weltluftfahrt ab. Lufthansa legt sich einen Notfallplan zurecht. Konzernchef Carsten Spohr lässt Teams zwei Eskalationsszenarien durchspielen - auch, um Überreaktionen vorzubeugen. Denn diese Krise spielt sich für Lufthansa auf mehreren Ebenen ab.

Der Iran-Krieg katapultiert den Kerosinpreis auf Höchststände. Zuletzt notierte das Barrel, 159 Liter, bei rund 180 US-Dollar, mehr als doppelt so hoch wie vor dem US-israelischen Angriff.

Für den Moment gehen Preisszenarien für den weiteren Jahresverlauf von einer Normalisierung aus. "Die Prognose für den Juni liegt bei 160 (US-Dollar), für September bei 110 (US-Dollar)", sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary jetzt der "WirtschaftsWoche". "Und im nächsten Jahr sind wir wieder bei 86 Dollar pro Fass."

Das setzt voraus, dass der Krieg im April endet - und der Iran seinen Klammergriff um die Straße von Hormus, die Passage für Tanker aus dem Persischen Golf, lockert.

Andernfalls droht Airlines nicht nur eine weitere Preisexplosion beim Kerosineinkauf - der Flugtreibstoff könnte auch in Europa physisch knapp werden - Ryanair müsste dann - wie andere Airlines auch - Flugangebot einhegen. Für dem Moment mache die Airline aber "mehr Geschäft zu höheren Margen".

Zumindest in Hinblick auf den europäischen Flugmarkt befindet sich Ryanair in einer ähnlich paradoxen Geschäftssituation wie Lufthansa. Auch beim Kerosin sind die Ausgangslagen vergleichbar - beide Flugkonzerne hatten vor Kriegsbeginn 80 Prozent ihres Tankbedarfs für 2026 mit Preissicherungskontrakten unterlegt.

Das sogenannte "Fuel Hedging" fängt den ersten Preisschock teilweise ab. Den nicht abgesicherten Teil ihres Kerosinbedarfs müssen Ryanair und Lufthansa allerdings zum Tageskurs decken. Lufthansa rechnet allein daraus mit bis zu 1,5 Milliarden Euro Mehrkosten, Ticketpreise ziehen deswegen an.

Denn selbst eine ausgeklügelte Hedging-Strategie ist keine Vollkasko - Kerosin hat sich wesentlich stärker verteuert als Rohöl, der sogenannte "Crack Spread" gilt unter Finanzern als schwer absicherbar.

Abseits der Preisszenarien muss sich Lufthansa im Falle längerer Kriegswirren an den Treibstoffmärken auch auf handfeste Versorgungsengpässe an einigen Zielen im Netz einstellen.

"Wir bekommen von ersten Flughäfen in Asien Signale, dass Kerosin knapp wird", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr diese Woche laut "WirtschaftsWoche" auf einer Mitarbeiterveranstaltung. Singapur, Bangkok und einige Flughäfen in Indien wiesen bereits Anfragen für zusätzliche Lufthansa-Flüge ab.

Das Basisszenario für einen mehrstufigen Lufthansa-Krisenplan, der gerade erarbeitet wird, ist damit bereits eingetreten. Der Konzern spielt nun angemessene Reaktionen auf zwei weitere Eskalationsstufen durch.

Flughäfen in Asien könnten bei anhaltenden Kerosinengpässen nicht zur zusätzlich von Lufthansa angefragte, sondern auch bereits vereinbarte Lufthansa-Flüge abweisen. Im Extremfall reißen auch in Europa Versorgungslücken beim Treibstoff auf.

Entlang der Lageentwickung will Lufthansa mit vorbereiteten Krisenplänen "schnell reagieren", etwa durch "Streichung unprofitabler Strecken oder auch einer vorzeitigen Ausflottung von älteren Flugzeugen", teilte Lufthansa diese Woche mit.

Konkret hat Lufthansa laut Konzernkreisen dabei die Teilflotten Airbus A340-600 und Boeing 747-400 im Blick. Auch im Zubringernetz könnte es Einschnitte geben, heißt es.

Vorerst will der Konzern die Flugzeuge anderweitig nutzen, die derzeit nicht zu Zielen im Nahen Osten fliegen. Denn die Flugnachfrage ist laut Spohr trotz bereits gestiegener Ticketpreise ungebrochen. Auch das ist Teil des komplexen Marktpuzzles, das Lufthansa gerade zusammensetzen muss.

"Grundsätzlich anderes Krisenszenario"

Geplant sind zusätzliche Verbindungen zu verschiedenen Zielen in Indien ebenso wie zu touristisch attraktiven Destinationen auf der iberischen Halbinsel, in Italien und Griechenland. Über den Sommer ergebe das rund 1.600 zusätzliche Abflüge von den Drehkreuzen in Frankfurt, München, Zürich, Wien und Brüssel, teilte Lufthansa am Dienstag mit.

Lufthansa sehe bei Flugbuchungen für die Hauptreisezeit einen "Trend zu Europa" in den Buchungssystemen, sagte ein Lufthansa-Kenner aero.de am Donnerstag. "Wenn der Markt es will, schicken wir im Sommer dann halt auch wieder Interkontgerät nach Palma."

Der Iran-Krieg schaffe damit ein "grundsätzlich anderes" Krisenszenario als 2020 die erste Phase der Covid-19 Pandemie. "Da hatten wir Treibstoff, aber keine Nachfrage mehr."

Eine "gleitende Krisenstrategie" bis hin zu Flottenstilllegungen und Kurzarbeit stehe deswegen nicht in Widerspruch zu einem expansiven Europaangebot. Als Konzern dürfe man jetzt "nicht in die Situation geraten, sich an einer Stelle machbares Geschäft durch Überreaktionen an anderer Stelle abzuschneiden".

Auch der "Best Case" hat für Lufthansa Tücken

Gleichwohl könnte Lufthansa auch im besten Fall eines baldigen Kriegsendes in die Besteckkiste zur Krisenbewältigung greifen.

Lufthansa muss sich laut Spohr dann nämlich auf Dumpingstrategien der Golfcarrier einstellen, die möglichst schnell versuchen werden, Marktanteile im Asiengeschäft zurück an ihre Drehkreuze Dubai, Abu Dhabi und Doha zu holen. Zudem sind die makroökonomischen Folgen des Iran-Kriegs kaum absehbar.
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 04.04.2026 06:36

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Beitrag vom 07.04.2026 - 08:20 Uhr
Und wenn ich solche Aussagen: ....Sie haben ja die Alternativen genannt und ich befürchte, die sind realer denn je..... lese, dann weiß ich ja, wo in dem Laden Sie zu verorten sind.
Das wäre jetzt mal interessant zu erfahrten. Wo bin ich denn zu verorten und warum?

Das ist eines der Hauptprobleme in diesem Forum und wurde auch schon oft genug thematisiert. Wenn man Dinge anspricht, die im Bereich der Möglichkeiten sind aber nicht gefallen, dann wird gleich unterstellt, man würde das gut finden.
Meine Güte, wenn man immer nur die Dinge auf dem Schirm hat, die einem gefallen, dann läuft man schnell mal ins offene Messer.
Dabei haben Sie doch diese Variante ins Spiel gebracht und ich halte das durchaus für möglich. Ob das gut, schlecht, clever oder dumm ist spielt doch keine Rolle. Es könnte kommen und dann sollte man nicht kalt erwischt werden. Die Liste an teilweise überraschenden Maßnahmen, die umgesetzt wurden ist lang und mit den Ergebnissen muss man jetzt leben.
Drohungen ausstoßen und Angstmacherei ist schließlich Kernkompetenz des LH-Managements in allen Abteilungen. Genützt hat es bisher NIX! Leute wie ich und meine Kollegen haben da schon in der Coronazeit drüber gelacht! War an 2 Händen abzuzählen, dass schon damals zu wenig Personal im Cockpit vorhanden war und der RampUp wurde dann ja mächtig verkackt. Weil man sich hat in ein Freiwilligenprogramm hat treiben lassen - sonst hätte man ja die Kündigungsdrohungen zum Abpressen von Zugeständnissen fallen lassen müssen. Personalpolitische Weitsicht war noch nie eine Kernkompetenz dieser Führung.
Und so wird es auch diesmal wieder sein!
Möglich, aber es könnte auch anders ausgehen.

Sie hatten angekündigt, mir den TV KA zukommen zu lassen. Kommt der noch? Dropbox Link oä reicht. Danke

Dieser Beitrag wurde am 07.04.2026 09:55 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 06.04.2026 - 19:55 Uhr
Mann oh Mann, bei dieser Ahnungslosigkeit gepaart mit "Ich habe sowieso recht und die Anderen sind dumm" wird das ja schwierig!
Ich gestehe, in der Sache haben Sie Recht, in der Auflistung der Details nicht immer. Grundsätzlich liegen wir Beide da nah beisammen. Da wären wir wohl schon schneller zu einer Einigung gekommen, wenn Sie präziser formiliert hätten und das mit Ihrem Ton noch irgendwie hinbekommen. Warum Sie das nötig haben, keine Ahnung.
Wenn nicht genügend natürliche Intelligenz vorhanden ist - dann fragen Sie-ich-weiss-alles Typ doch einfach mal die KI!
Was soll so eine Aussage?
Frage:
Musste in der Coronazeit im Cockpit der Lufthansa ein Tarifvertrag Kurzarbeit abgeschlossen werden, ohne den dort keine Kurzarbeit möglich gewesen wäre?
Jein, wäre grundsätzlich vielleicht auch durch einfach Zustimmung gegangen. Aber die Komplexität der bestehenden Verträge hat das wohl nötig gemacht. Der TZ Kurzarbeit wurde dann ja im TV Krise I nochmal präzisiert.
Antwort:
Kurz gesagt: Ja – ohne tarifliche Grundlage wäre Kurzarbeit im Cockpit bei Lufthansa so nicht möglich gewesen.
Das ist doch eine schöne Formulierung. Geht doch.

Warum überhaupt ein Tarifvertrag nötig war

Kurzarbeit greift rechtlich nur, wenn es dafür eine Rechtsgrundlage im Arbeitsverhältnis gibt. Das kann sein:
• im Arbeitsvertrag,
• in einer Betriebsvereinbarung, oder
• in einem Tarifvertrag.
Sagt man das so? Da fehlt, wenn nichts anderes vereinbart ist. Wenn etwas anderes vereinbart ist, zB über AV, BV, TV dann muss erst eine Rechtsgrundlage geschaffen werden.

Im Cockpit-Bereich bei Lufthansa gelten typischerweise Tarifverträge (MTV/Tarifwerke), nicht individuelle Einzelregelungen oder einfache Betriebsvereinbarungen. Deshalb musste die Kurzarbeit dort tariflich geregelt werden.
Stimmt

Spezielle Situation im Cockpit

Für die Pilot:innen (z. B. organisiert in der Vereinigung Cockpit) gilt:
• Die bestehenden Tarifverträge sahen keine Kurzarbeit vor.
• Daher musste ein spezieller Krisen- bzw. Kurzarbeits-Tarifvertrag abgeschlossen werden.
Grundsätzlich ja

• Ohne diesen hätte Lufthansa keine Kurzarbeit einseitig anordnen können.
Stimmt

Was ohne Tarifvertrag passiert wäre

Ohne eine solche tarifliche Regelung hätte Lufthansa nur folgende Optionen gehabt:
• individuelle Zustimmung jedes Piloten einholen (praktisch kaum umsetzbar),
Das kann man in Frage stellen. Existiert ein BR/PV, hat er ein erzwingbares Mitbestimmungsrecht bei vorübergehender Verkürzung der Arbeitszeit. Das trifft hier zu.
Ich kann als Individuum auch nicht entscheiden, dass ich außerhalb des TV arbeite, wenn der AV auf den TV Bezug nimmt "Es gilt der Tarifvertrag in seiner jeweils gültigen Fassung" Das stand so in meinen AV. Sie schreiben ja selbst, es gelten die TV.
Eine mögliche individuelle Zustimmung ergibt sich daraus, dass bei fehlendem BR/PV und TV nur der Arbeitsvertrag als Rechtsgrundlage übrig bleibt. Trifft hier nicht zu.

oder
• andere Maßnahmen (z. B. unbezahlte Freistellungen, ggf. betriebsbedingte Kündigungen).
Das stimmt

Fazit

???? Ja, der Tarifvertrag war zwingende Voraussetzung, um Kurzarbeit im Cockpit rechtssicher umzusetzen.
Ich würde das zwar anders formulieren "eine tarifliche Regelung war..." Aber ja, stimmt.

???? Gerade im Cockpit mit stark tarifgebundenen Strukturen geht ohne tarifliche Öffnung nichts.
Gilt für alle, die tariflich Regelungen haben die da eingreifen und kam ja auch zur Anwendung.

Aber, wahrscheinlich hat auch die KI keine Ahnung!
Hat sie durch, wenn man richtig fragt. Das ist uns alle hier nicht optimal gelungen.

Wahrscheinlich wollte das Mänätschment der LH einfach nur nett sein damals und hat einen TV abgeschlossen, den sie gar nicht gebraucht hätten!
Wenn man auf solche Koryphäen wie Sie gehört hätte....
Wollen wir mal hoffen, dass KA nicht nötig wird. Ob die VC da auf Sie als tarifstrategische Koryphäe hört, das zu sehen wird spannend sein. Sie haben ja die Alternativen genannt und ich befürchte, die sind realer denn je.


Tja, auch in Etappen zurückrudern bleibt zurückrudern!
Ihre Aussage war: LH braucht die GW nicht, nur den BR/PV für Kurzarbeit.
Meine: Ohne eine vorherige Einigung über einen TV zur Einführung von Kurzarbeit mit der VC geht da für LH NIX!

So sind nun mal die Fakten.
Und ob die VC auf mich "hört", weiß ich nicht, ich bin auch nur eines der vielen tausend Mitglieder, und bestimmt kein "Tarifstratege", die von der VC vertreten werden und sie unterstützen.

Und wenn ich solche Aussagen: ....Sie haben ja die Alternativen genannt und ich befürchte, die sind realer denn je..... lese, dann weiß ich ja, wo in dem Laden Sie zu verorten sind.

Drohungen ausstoßen und Angstmacherei ist schließlich Kernkompetenz des LH-Managements in allen Abteilungen. Genützt hat es bisher NIX! Leute wie ich und meine Kollegen haben da schon in der Coronazeit drüber gelacht! War an 2 Händen abzuzählen, dass schon damals zu wenig Personal im Cockpit vorhanden war und der RampUp wurde dann ja mächtig verkackt. Weil man sich hat in ein Freiwilligenprogramm hat treiben lassen - sonst hätte man ja die Kündigungsdrohungen zum Abpressen von Zugeständnissen fallen lassen müssen. Personalpolitische Weitsicht war noch nie eine Kernkompetenz dieser Führung.
Und so wird es auch diesmal wieder sein!
Beitrag vom 06.04.2026 - 10:56 Uhr
Das das mittlerweile reformiert ist ändert nur nichts am Status quo.
Es ging um die Frage nach dem warum. Auch LHXYZ hat einen BR- aber halt keinen TV.


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