Ölkrise in Zeitlupe
Älter als 7 Tage

Europas Raffinerien laufen schon im "Max-Jet-Modus"

Betankung
Betankung, © Lufthansa

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PARIS - Hohe Ölpreise drücken den Verbrauch. Zeitgleich bauen sich globale Ölreserven im Rekordtempo ab. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht durch den Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus von einer "massiven" Unterversorgung des Markts bis in den Herbst aus. In Europa schalten Raffinierien bereits um.

Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet wegen der Folgen des Iran-Kriegs mit einem spürbaren Rückgang der weltweiten Ölnachfrage - und einem Abschmelzen der Ölreserven.

Weil sich das Angebot verknappe, dürfte die globale Nachfrage nach Rohöl in diesem Jahr voraussichtlich um durchschnittlich 420.000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag sinken auf etwa 104 Millionen Barrel pro Tag, heißt es in dem in Paris veröffentlichten Monatsbericht des Interessenverbandes großer Industriestaaten.

Bereits im Vormonatsbericht hatte die IEA einen Rückgang der Nachfrage prognostiziert, aber nur um 80.000 Barrel pro Tag, nachdem der Interessenverband zu Beginn des Jahres noch von einem Anstieg der Nachfragte um täglich 770.000 Barrel ausgegangen war.

Lieferströme unterbrochen

Die IEA spricht in ihrem Bericht von einer "sich verschärfenden Zerstörung der Nachfrage". Dies sei eine Folge des sprunghaften Anstiegs der Ölpreise seit Beginn des Krieges. Zu Beginn des Iran-Kriegs war der Preis für Rohöl der Sorte Brent im März zeitweise bis auf über 120 US-Dollar pro Barrel gestiegen, von zuvor etwa 70 Dollar. Zuletzt wurde Rohöl der Sorte Brent aus der Nordsee bei 110 Dollar gehandelt.

Infolge des Iran-Kriegs wurde mit der Straße von Hormus eine wichtige Handelsroute faktisch geschlossen. Die Lieferströme für Rohöl, Erdgas und Kraftstoffe aus den Fördergebieten am Persischen Golf sind weitgehend unterbrochen, was die Sorgen um das globale Wirtschaftswachstum schürt und die Ölpreise auf hohem Niveau hält.

"Angesichts lokaler Versorgungsengpässe arbeiten Regierungen und Unternehmen daran, den Ölverbrauch einzudämmen und so die Krise unter Kontrolle zu bringen", heißt es weiter im Monatsbericht. Dies erfolge durch Sparmaßnahmen, Preiskontrollen oder auch Rationierungen.

International tätige Airlines spüren dies bereits. Flughäfen in Asien nehmen bereits seit Wochen unter Verweis auf eine angespannte Kerosinversorgung keine zusätzlichen Umläufe aus Europa mehr an. In ihren Heimatmärkten setzen Lufthansa und Co. auf neue Bezugsquellen.

Laut Lufthansa-Chef Carsten Spohr erhielt Europa bisher 25 Prozent seiner Kerosinimporte direkt aus der Golfregion. "Die Hälfte davon wird durch Importe aus den USA und insbesondere Nigeria ersetzt", sagte Spohr kürzlich in Frankfurt.

Die andere Hälfte lasse sich noch mindestens bis "Mitte Juni" durch kommerzielle Lagerreserven kompensieren. Nationale Reserven seien hier noch nicht berücksichtigt.

Eine Folge des Iran-Kriegs ist allerdings auch, dass die weltweiten Lagerbestände an Rohöl nach Einschätzung der IEA in einem Rekordtempo sinken. Die IEA geht davon aus, dass diese Entwicklung noch über Monate anhalten dürfte.

Vor dem Iran-Krieg betrug der globale Puffer rund 8,4 Milliarden Barrel - aufgeteilt in 1,8 Milliarden Barrel in Tankern auf See und 6,6 Milliarden Barrel in kommerziellen Lagern an Land und staatlichen Depots. Letzte Tankerlieferungen vom Persischen Golf inzwischen weitgehend gelöscht.

Die Inventare nicht flexibel abrufbar oder global verteilbar - das Reservesystem ist selbst auf stetigen Nachfluss angewiesen, um stabil zu funktionieren. Umschichtungen aus den strategischen Lagern können einen Kollaps noch hinauszögern.

Mit Freigabe von Notfallreserven durch führende Volkswirtschaften wie die USA, Japan oder Deutschland verringerten sich die weltweit erfassten Öllagerbestände in den Monaten März und April um rund vier Millionen Barrel pro Tag. Der Markt werde bis Oktober "massiv unterversorgt" bleiben, schreiben die IEA-Experten.

Und dies gelte auch, wenn der Konflikt bereits im kommenden Monat ein Ende finden würde.

"Illusion vom Überfluss"

Noch stabilisieren Konserven den globalen Ölkreislauf. Die Investmentbank J.P. Morgan sieht in einer Studie, betitelt "Die Illusion vom Überfluss" aber bereits im Juni ein erstes "operationalles Stresslevel" in der globalen Ölversorgung auf die Märkte zurollen - und im September ohne eine baldige Wiederöffnung der Straße von Hormuz am "operationallen Boden" den Kipppunkt erreicht.

Illusion of Plenty, © XSL
 
Das globale System bekommt erst Schluckauf, dann verlieren Pipelines Druck - und Raffinerien fahren runter. Binnen Tagen sind Ölprodukte nicht mehr nur teuer, sondern schlicht nicht mehr verfügbar.

Beim Kerosin werden Lieferausfälle nach Europa für den Moment auch durch Produktionsumstellungen in Raffinerien entschärft.

"Max-Jet-Modus"

Der Shell Energy and Chemicals Park in Rotterdam, die größte Raffinerie in Europa, hat laut Betreiber bereits auf den sogenannten "Max-Jet-Modus" umgeschaltet - läuft also auf höchstmöglicher Kerosinquote. Das gelte auch für andere Anlagen in Europa.

"Man kann den Raffineriebetrieb je nach Marktlage an Prognosen und Marktdaten anpassen", sagte Frans Everts, Präsident von Shell Nederlands, kürzlich vor Medienvertretern. Allzuviel Spielraum gibt es aber nicht. "Es handelt sich um wenige Prozentpunkte in die eine oder andere Richtung."

Lufthansa hatte zu Monatsbeginn eine Entlastung der Produzenten gefordert. Die müssen derzeit in Europa nämlich neben der Neuproduktion auch importiertes Jet-A aus den USA zu der Europa-Sorte Jet-A1 veredeln. 

"Das können wir uns sparen", sagte Spohr. Die Raffineriekapazität lasse sich sinnvoller für die Produktion zusätzlichen Kerosins einsetzen. Lufthansa will importiertes Jet-A stattdessen - wie an US-Flughäfen - direkt vertanken.

Derzeit sehe Lufthansa bis in den Juni keine physischen Treibstoffengpässe auf sich zukommen, bekräftigte Lufthansa-Finanzvorstand Till Streichert. Der Konzern bereite sich gleichwohl auf "alternative Szenarien" vor, die laut Streichert eine "Zwischenbetankung auf ausgewählten Strecken nach Asien und Afrika" einschließen.

Der Konkurrent Ryanair warnt unterdessen vor Panikmache. "Wir haben nahezu keine Bedenken hinsichtlich der Treibstoffversorgung in Europa", sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary am Montag in Dublin. Ryanair sehe "kein reales Risiko für die Versorgung" mit Flugtreibstoff.
© aero.de, dpa-AFX | Abb.: Lufthansa | 19.05.2026 09:20

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Beitrag vom 21.05.2026 - 08:49 Uhr
Aus einem Beticht gestern auf Tagesspiegel.de:

"Umweltschützer beziffern diese Subventionen auf über zwölf Milliarden Euro pro Jahr. Aus ihrer Sicht leistet die Luftverkehrsteuer zumindest einen kleinen Beitrag dazu, die Folgekosten des durch den Luftverkehr mitverursachten Klimawandels zu berücksichtigen, und sollte eher steigen als sinken. Andere Länder gehen diesen Weg: In den Niederlanden wird die Luftverkehrsteuer kommendes Jahr auf bis zu 71 Euro erhöht."

Btw. Eingeführt wurde die Luftverkehrsteuer von Regierung Merkel (kein rot/grün versifftes Gesetz...).
Beitrag vom 20.05.2026 - 17:56 Uhr
denn auch bei dem vermindeten Steuersatz fließt immer noch Geld an den Staat - und nicht umgekehrt.

Wieviel Geld fließt beim Kerosin-Steuersatz von 0% an den Staat?
Wieviel Geld zahlt die Bahn an Energiesteuern, MWSt auf Diesel und die Energiesteuer, EEG Umlage, CO2 Umlage, etc?
Nein ich weiß es auf die Schnelle auch nicht genau, aber _deutlich: mehr als 0%...
Beitrag vom 20.05.2026 - 17:37 Uhr
>
Eine Subvention ist eine Förderung, bezahlt mit Steuergeld (Wärmepumpe oder E-Mobilität z.B)
Eine Steuerminderung ist eine Minderung der Einnahmen, kein Cent Steuergeld fließt hier in den Erwerb von Kraftstoffen.
Daß hier Mineralölkonzerne sich daran gütlich tun, ist ziemlich wahrscheinlich, auch wenn (Achtung Spott) das Bundeskartellamt strengstens kontrollieren und ahnden wird.
Es könnte sich um hier vielleicht um eine versteckte Subvention der Konzerne handeln, keinesfalls aber um eine Subvention von Kraftstoff denn auch bei dem vermindeten Steuersatz fließt immer noch Geld an den Staat - und nicht umgekehrt.
Definition aus dem "wirtschaftslexikon.gabler": "Versteckte Subventionen sind staatliche oder öffentliche Förderungen, die nicht als direkte Zahlung erscheinen, sondern indirekt wirken, zum Beispiel durch Steuervergünstigungen, Preisnachlässe, Bürgschaften oder andere finanzielle Vorteile ohne marktübliche Gegenleistung."
Die Steuerminderung für Kraftstoffe (Energiesteuer-Senkung bei Benzin/Diesel) ist in diesem Zusammenhang eine versteckte Subvention – genauer gesagt eine Steuerermäßigung als Subventionsform.
Für den Bundeshaushalt bedeutet das Mindereinnahmen von ca. 1,45 Milliarden Euro – das ist die "Subventionshöhe".
"Fazit
Steuerermäßigung = versteckte Subvention, weil der Staat faktisch Geld schenkt (durch Verzicht), aber es nicht als Zuschuss sichtbar ist" (Quelle: SPON)


Was genauso auf die Nichtbesteuerung von Kerosin und die Nichterhebung einer USt. auf internationale Flpge zutrifft.


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