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Lufthansa und Piloten setzen ihre Tarifbeziehungen in Teilen neu auf. Zuletzt schwappten offene Tarifthemen und Richtungsstreits in der Kernmarke ineinander - Cockpit streikte, Lufthansa schäumte.
Jetzt schalten Konzern und Gewerkschaft Schlichter und Mediatoren ein. Eine "Prozessvereinbarung" gibt die Spielregeln vor. Lufthansa Personalvorstand Dr. Michael Niggemann erläutert die Hintergründe.
Die Medien berichten über eine Einigung zwischen Lufthansa und der Vereinigung Cockpit. Was genau wurde vereinbart?
Dr. Michael Niggemann: Wir haben uns mit der VC im Grundsatz verständigt, um die anstehenden Themen gemeinsam zu bearbeiten. Die letzten Details dieser Vereinbarung werden derzeit noch finalisiert.
Vorgesehen sind drei getrennte Schlichtungsverfahren. Eines für Lufthansa Classic und Lufthansa Cargo, eines für Eurowings und eines für Lufthansa CityLine. Im Mittelpunkt stehen hier die jeweiligen Tarifkonflikte.
Gleichzeitig wollen wir eine umfassende Mediation starten. Hier gilt es insbesondere, gemeinsam Verantwortung für die Zukunftsfähigkeit von Lufthansa Classic zu übernehmen. Ein weiteres Schrumpfen ist nicht in unserem gemeinsamen Interesse. Im Vertrauen darauf, dass wir gemeinsam Lösungen finden, werden wir unsererseits die Anzahl der Flugzeuge bei der Lufthansa Classic und Lufthansa Cargo während des Prozesses stabil halten.
Auch werden wir die Freistellungsvereinbarung wieder in Kraft setzen. Die VC hat ihrerseits eine Friedenspflicht zugesagt. Wir wollen wieder stärker miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsame Lösungen entwickeln.
Wie lange werden Sie sich Zeit nehmen?
Wir wollen uns die Zeit nehmen, die wir gemeinsam brauchen, um zu guten Lösungen zu kommen. Entscheidend ist für mich nicht das genaue Datum, sondern dass wir die Zeit nutzen und am Ende zu tragfähigen Ergebnissen kommen.
Warum ist diese Vereinbarung aus Ihrer Sicht der richtige Schritt?
Weil sie uns die Chance gibt, die Themen wieder gemeinsam am Verhandlungstisch zu lösen. Genau darum geht es. Unterschiedliche Interessen und Sichtweisen gehören zu Verhandlungen dazu. Entscheidend ist, dass wir einen Weg finden, konstruktiv damit umzugehen.
Mit der angestrebten Vereinbarung werden wir dafür gemeinsam einen klaren Prozess definieren. Das hilft uns, offene Themen Schritt für Schritt zu bearbeiten und gleichzeitig den Blick nach vorne zu richten.
Welche Themen werden konkret bei den drei Schlichtungsverfahren behandelt?
Bei Lufthansa Classic und Lufthansa Cargo soll es um die betriebliche Altersversorgung, die Übergangsversorgung und den Vergütungstarifvertrag gehen. Bei Eurowings sollen die betriebliche Altersversorgung im Mittelpunkt stehen, bei Lufthansa CityLine die Themen im Zusammenhang mit der Betriebsstilllegung.
Neben den Schlichtungen soll auch eine Mediation vereinbart werden. Warum braucht es beides?
Weil die Mediation die Beziehungen mit der VC als Ganzes in den Blick nimmt und damit umfassender ist. Es geht also nicht nur um die erwähnten Tarifthemen, sondern auch um weitergehende Fragen der Perspektiven für Lufthansa Classic. Das ist wichtig, weil viele Tarifthemen miteinander zusammenhängen.
In der Mediation können wir diese Themen gemeinsam angehen und Lösungen entwickeln, die insbesondere die Lufthansa Classic wettbewerbsfähiger machen. Das ist die Voraussetzung dafür, unseren Pilotinnen und Piloten langfristig gute Perspektiven bieten zu können. Wenn uns das gelingt, wäre das ein wichtiger Schritt hin zu einer nachhaltigen Befriedung in der Sozialpartnerschaft.
Was passiert, wenn Schlichtung und Mediation zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen?
Schlichtung und Mediation ergänzen sich. Beide Verfahren sollen uns helfen, gemeinsam zu einer Lösung zu kommen. Bei Lufthansa Classic und Lufthansa Cargo soll die Mediation möglichst zu einer gesamthaften Einigung führen, die gleichzeitig Zukunftsperspektiven und Tariffrieden schafft. Gelingt das nicht, kann der Vorschlag aus der Schlichtung zum Ergebnis werden.
Bei Eurowings und Lufthansa CityLine entscheiden die jeweiligen Parteien am Ende der Schlichtung final, ob sie den Vorschlag aus der Schlichtung annehmen. Am Ende zählt für mich, dass wir gemeinsam zu guten und vor allem nachhaltigen Lösungen kommen.
Sie haben die Friedenspflicht erwähnt. Bedeutet das, dass Streiks ausgeschlossen sind?
Das ist zutreffend, aber nicht der entscheidende Punkt. Wir betrachten den Prozess als Chance, in einem konstruktiven Rahmen über die Zukunftsfähigkeit von Lufthansa Classic zu sprechen. Dass mit der Vereinbarung auch eine Friedensplicht einhergeht, schafft aber natürlich Planungssicherheit für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für unsere Gäste und für unseren Flugbetrieb.
Wenn Sie nach vorne blicken: Was ist Ihr Ziel für die weitere Zusammenarbeit mit der Vereinigung Cockpit?
Das Ziel ist klar: Wir müssen wieder stärker miteinander statt übereinander sprechen. Dafür brauchen wir eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und Vereinbarungen, die beiden Seiten gerecht werden. Wichtig ist, dass wir jetzt nicht nur Lösungen für die aktuellen tariflichen Konfliktthemen finden, sondern eine belastbare Grundlage für Zusammenarbeit der kommenden Jahre schaffen.
Wenn es uns gelingt, auch zukünftige Herausforderungen partnerschaftlich anzugehen, haben wir viel erreicht. Denn Lufthansa Classic, Lufthansa Cargo und Eurowings müssen jeweils für sich wirtschaftlich stark und wettbewerbsfähig sein, um langfristig sichere Arbeitsplätze und gute Perspektiven bieten zu können. Davon profitieren am Ende beide Seiten.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Lufthansa | 11.08.2026 16:44







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Dieser Beitrag wurde am 12.08.2026 05:32 Uhr bearbeitet.