Paninternational-Flug 112
Älter als 7 Tage

Als die A7 zur Ausweichpiste wurde

HASLOH - Eine fliegerische Glanzleistung der Piloten kann am Ende nicht verhindern, dass Menschen sterben. Vor 50 Jahren setzt Flugkapitän Reinhold Hüls einen brennenden Urlauberjet auf der Autobahn auf. Die Ursache für den fatalen Triebwerksausfall ist Nachlässigkeit am Boden.

Unter der schmalen Autobahnbrücke zwischen Norderstedt und Hasloh rauscht lärmend der Verkehr. Eine Notlandung eines Flugzeugs mit 121 Menschen an Bord kurz nach dem Start in Hamburg scheint hier unvorstellbar.

Pilot Reinhold Hüls gelingt das Unmögliche am 6. September 1971 auf der damals gerade fertiggestellten Autobahn 7 im Kreis Pinneberg. Dennoch überleben 22 Menschen das Unglück nicht.

Paninternational-Flug 112
Paninternational-Flug 112 - Exklusivbilder eines Passagiers, nie zuvor in Farbe veröffentlicht, © Uwe Renken


Der 81 Jahre alte Manfred Maier blickt 50 Jahre später von der inzwischen erneuerten Brücke, an der das Flugzeug in zwei Teile zerrissen wird, auf das Gelände, das damals ein Trümmerfeld ist. Der damalige Polizist und Gruppenführer der Freiwilligen Feuerwehr Hasloh hebt den Arm, spricht leise, kommt gegen den Verkehrslärm kaum an. "Da lag das Cockpit."

Maier hat alle Details im Kopf. Damals wie heute wohnt er keinen Kilometer von der Unglücksstelle entfernt. Er hört den Knall und sieht die Rauchsäule des brennenden Wracks, zögert keinen Augenblick und kommt zusammen mit zwei Nachbarn als einer der ersten Retter an der Autobahnbrücke an.

Paninternational-Flug 112
Paninternational-Flug 112 - Exklusivbilder eines Passagiers, nie zuvor in Farbe veröffentlicht, © Uwe Renken

Mit Mühe sei es ihm gelungen, Pilot und Copilotin ins Freie zu bringen. Sein Nachbar kümmert sich inzwischen um die Toten und Verletzten in der ersten Reihe.

"Einer Frau hat er das Bein mit Stacheldraht abgebunden", erzählt Maier. Was soll man machen, wenn man nichts hat, um zu helfen? Seinen Autofeuerlöscher legt er angesichts des Kerosinflammeninfernos gleich wieder weg. Aussichtslos.

Was ist passiert? Die zweistrahlige Maschine vom Typ BAC 1-11 der Münchner Fluggesellschaft Paninternational ist mit 121 Menschen an Bord voll besetzt auf dem Weg ins spanische Malaga. Bei einem Start mit Volllast ist vorgesehen, die Triebwerke durch Einspritzen von Wasser zu kühlen.

Fataler Leichtsinn


Pilot Hüls ordnet an, den Wassertank aus Kanistern zu füllen, die im Frachtraum mitgeführt werden. Was Hüls nicht ahnt: In den Wasserkanistern ist auch Kerosin.

Paninternational-Flug 112
Paninternational-Flug 112 - Exklusivbilder eines Passagiers, nie zuvor in Farbe veröffentlicht, © Uwe Renken

Kurz nach dem Start erschüttern Explosionen beide Triebwerke. In geringer Höhe bleibt der Schub weg. Die Aufarbeitung durch das Luftfahrt-Bundesamt und ein Gericht ergibt: Techniker am Boden suchten Kanister, um Kerosin zwischenzulagern und griffen sich, was sie fanden. Fataler Leichtsinn.

Nach dem Triebwerksausfall drückt der 32 Jahre alte Pilot die Nase des Jets nach unten, um Fahrt zu behalten. Ihm bleiben nur wenige Sekunden, sich zu entscheiden. Umkehren ist ausgeschlossen, voraus die Autobahn. Verkehr in Richtung Norden, freie Bahn in Fahrtrichtung Süden. Er steuert die Maschine unter einer Hochspannungsleitung durch, setzt hart auf.

Paninternational-Flug 112
Paninternational-Flug 112 - Exklusivbilder eines Passagiers, nie zuvor in Farbe veröffentlicht, © Uwe Renken

Dann passiert, was die Notlandung doch zur Katastrophe macht. Das linke Fahrwerk knickt ein, das Flugzeug gerät mit dem Flügel in die Leitplanken, trifft eine Notrufsäule und dreht sich genau in dem Moment, in dem es mit hoher Geschwindigkeit unter der Brücke durchrutscht.

Ein Pfeiler zerfetzt den Rumpf direkt hinter dem Cockpit. 22 Menschen verlieren ihr Leben durch diesen Aufprall, niemand durch das anschließende Feuer.

Jeder Flugunfall wird detailliert von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung analysiert. Die damalige Untersuchungskommission des Luftfahrtbundesamts spricht unter anderem die Empfehlung aus, Behälter für demineralisiertes Wasser zu kennzeichnen.

Das Wunder von Hasloh - im Podcast

Im neuen Podcast Flugforensik.de arbeiten die Luftfahrt-Journalisten Benjamin Denes und Andreas Spaeth das "Wunder von Hasloh" (Flugforensik - Episode 1) detailliert auf - und sprechen mit Uwe Renken, der den Absturz als Passagier überlebt hat.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Uwe Renken | 06.09.2021 09:55

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Beitrag vom 07.09.2021 - 13:02 Uhr
Laut Wikipedia war sie die erste Passagier-Jet Pilotin.

So viel Pech -da fehlen einem die Worte ...
Beitrag vom 07.09.2021 - 11:59 Uhr
Und Copilotin Elisabeth Friske, die 1987 bei einem Absturz in Lübeck mit Uwe Barschel an Bord verstorben ist.
Beitrag vom 06.09.2021 - 13:40 Uhr
Da kommen doch einige Erinnerungen auf. Eine Woche vor dem Ünglück bin ich mit der Gesellschaft und dem gleichen Typ (BAC-11?)und möglicherweise derselben Maschine von München nach Gerona geflogen. Ca. eine Woche später kam dann die Nachricht vom Unglück.

Eine weitere Woche später kam dann (glaube einen Tag vor geplanten Rückflugatum)die Nachricht sofort Reiseferig machen. Am Flughafen ca. 3-4 Stunden am Abend auf eine B707 gewartet die dann schon mit Urlaubern von Teneriffa einschwebte.

An Bord erfuhren wir dann das die Maschine nicht wie geplant nach München sondern nach Nürnberg fliege. Der Grund war das die Maschine sofort weitere Urlauber abholen mußte. In München hätte sie nachts aber nicht mehr starten dürfen und die verunglückte Maschine fehlte natürlich bei einer so kleinen Fluglinie.

In Nürnberg so gegen 12 Uhr nachts zunächst keinerlei konkrete Information oder Ansprechparter. Es solle ein Bus kommen aber so sicher war das zunächst nicht. Gegen Nachts 4-5 Uhr kam aber wirklich einer so das wir gegen 6-7 Uhr am Flughafen Rien waren.

Später stand in der Presse das die 707 nicht gerade Top war. Um die Zulassung beim Luftfahrtsamt hat es angeblich wohl nur mit politische Einflußnahme eines Abgeordneten eine gegeben. Die Airline ging auch kurz danach pleite.

Wenn am eine Reise macht dann kann man halt was erleben. Manchmal mehr als man will.


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