"Der Spiegel"
Vor 7 Tagen

Condor-Übernahme durch PGL vor dem Aus

PGL übernimmt Condor
PGL übernimmt Condor, © Condor

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FRANKFURT - Die für April geplante Condor-Übernahme durch die polnische Holding PGL droht zu platzen. Der LOT-Mutterkonzern hat nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" vor Abschluss des Geschäftes kaum erfüllbare Nachforderungen an das Bundeswirtschaftsministerium gerichtet.

PGL bereitet einen Rückzieher aus der Condor-Rettung vor. Gleichzeitig wurde am Donnerstag bekannt, dass Condor bereits beantragt hat, den Überbrückungskredit von 380 Millionen Euro zu verlängern. Nur mit diesem vom Bund und dem Land Hessen verbürgten Geld der KfW hält sich die Airline seit Monaten in der Luft.

Unter Berufung auf Verhandlungskreise berichtet "Der Spiegel", dass die Erfüllung neuer PGL-Forderungen einer nahezu kompletten Absicherung des Investments gleichkommen würde. Die PGL hatte sich mit ihrem Gebot gegen zwei Finanzinvestoren durchgesetzt und am 24. Januar einen in Polen bejubelten Kaufvertrag unterzeichnet.

Aus der nicht genannten Kaufsumme muss bis zum 15. April der KfW-Überbrückungskredit zurückgezahlt werden. Sollte es nicht zu einem Abschluss kommen, müsste PGL üblicherweise Vertragsstrafen zahlen. Zu deren Höhe ist aber nichts bekannt.

Laut "Spiegel" sind die Nachforderungen der PGL kaum erfüllbar. "Wenn man darauf eingehen würde, käme dies einem Verschenken der Condor  an ein polnisches Unternehmen gleich", sagte ein Insider dem Nachrichtenmagazin. In den Kreisen werde vermutet, dass der polnische Konzern auf ein Platzen des Deals hinarbeitet.

Condor wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen. Der deutsche Ferienflieger mit knapp 60 Flugzeugen war nach der Pleite des britischen Mutter-Konzerns Thomas Cook in ein Schutzschirmverfahren genommen worden, das von dem Insolvenz-Spezialisten Lucas Flöther begleitet wird.

Noch ist der von den Gläubigern verabschiedete Schutzschirmplan nicht rechtskräftig, so dass die vereinbarte Übernahme durch die PGL nicht vollzogen werden kann. Condor hatte bislang stets erklärt, dass dem Geschäft seitens der LOT-Mutter nichts im Wege stehe. Die PGL lehnte in Warschau einen Kommentar während der laufenden Transaktion ab.

Kurzarbeit bei Condor

Hintergrund der Zweifel an dem Deal ist die Corona-Krise, die besonders die Luftverkehrsunternehmen hart trifft. Noch sind sowohl die LOT als auch die Condor im Auftrag der jeweiligen Regierungen gut damit beschäftigt, die jeweiligen Urlauber nach Hause zu holen.

Doch danach gähnt ein tiefes Nachfrageloch: Condor will daher einen großen Teil der Belegschaft in Kurzarbeit schicken.

Mit den Gewerkschaften seien für alle Berufsgruppen Vereinbarungen erzielt worden, erklärte eine Sprecherin am Donnerstag in Frankfurt. Auch habe man wie andere Fluggesellschaften noch zusätzliche Staatshilfen beantragt. Der genaue Umfang der Kurzarbeit werde später festgelegt, sagte die Sprecherin. Sie soll in allen Bereichen des Unternehmens mit knapp 5.000 Beschäftigten greifen.

Über die mögliche Kreditverlängerung hatte zuvor das Fachmagazin "fvw" berichtet. Beim hessischen Finanzministerium war am Donnerstag aber noch keine Anfrage bekannt. Der Kredit über 380 Millionen Euro wurde von der staatlichen KfW-Bank gewährt, wobei der Bund und das Land Hessen als Bürgen aufgetreten sind.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Condor | 26.03.2020 15:54

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Beitrag vom 01.04.2020 - 19:35 Uhr
Ich glaube schon, dass es Sinn macht. Ohne Verkauf ist der Kredit verloren. Gibt es einen Käufer muss der vielleicht nur den Kredit ablösen, den Rest gibts umsonst. So wäre der wenigstens gerettet, wenn die Gläubiger mitspielen. Jetzt haben die Reiseveranstalter die zweite Chance, sterben lassen kann man immer noch.
Obwohl ich hier keinen Käufer sehe. Wer soll das denn sein? Da werden doch jetzt die Millionen verbrannt und der Schuldenberg wächst.

Widersprechen Sie sich hier tatsächlich selbst? :-)
Stimmt ;-) Aber die Macher haben wahrscheinlich mehr Informationen und sehen etwas, was ich nicht sehe.
Wie bereits erwähnt, mit dieser Maßnahme kommen jetzt alle und wollen unter die Fittiche das Staates. Das wäre ein Megamusterfall.
Oder die LH wird auch verstaatlicht und beide Töchter werden dann zusammengefügt. Da kann die EU wohl nichts sagen und dann werden sie wieder freigelassen. Keine Ahnung ob das ginge, aber allein die Senioritätsverhandlungen würden 100 Jahre dauern ;-)

Das fürchte ich nämlich auch. Wenn man jetzt eine Firma, in meinen Augen sehr teuer rettet, ohne eine kurzfristige Strategie, wie man die wieder an den freien Markt bringt und die vor allem schon vor der Krise gerettet werden musste, dann öffnet man Tür und Tor...je nachdem wie lange das alles hier noch geht, wird das entweder sehr sehr teuer werden in einigen Monaten oder aber für sehr viel Missgunst, Neid und Unverständnis sorgen, wenn irgendwann dann die Kriterien deutlich härter werden.
Die Missgunst sehe ich da auch. Alle Big Player erwarten eine Verkleinerung auf absehbare Zeit. Das bedeutet Entlassungen (wie auch immer das dann gemacht wird) Aber wenn man mit Condor zusammenkommt und dann Downsized, wen muss man entlassen? Werde ich dann gehen müssen, weil jemand von der Condor besseren Sozialstatus hat und mich überholt. Das würde auf Jahre Animositäten hervorrufen, die keiner heilen kann. Ich weiß wovon ich rede, das habe ich durch. Airlines sind da sehr speziell.

Dieser Beitrag wurde am 01.04.2020 19:36 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 01.04.2020 - 18:54 Uhr
Ich glaube schon, dass es Sinn macht. Ohne Verkauf ist der Kredit verloren. Gibt es einen Käufer muss der vielleicht nur den Kredit ablösen, den Rest gibts umsonst. So wäre der wenigstens gerettet, wenn die Gläubiger mitspielen. Jetzt haben die Reiseveranstalter die zweite Chance, sterben lassen kann man immer noch.
Obwohl ich hier keinen Käufer sehe. Wer soll das denn sein? Da werden doch jetzt die Millionen verbrannt und der Schuldenberg wächst.

Widersprechen Sie sich hier tatsächlich selbst? :-)

Wie bereits erwähnt, mit dieser Maßnahme kommen jetzt alle und wollen unter die Fittiche das Staates. Das wäre ein Megamusterfall.
Oder die LH wird auch verstaatlicht und beide Töchter werden dann zusammengefügt. Da kann die EU wohl nichts sagen und dann werden sie wieder freigelassen. Keine Ahnung ob das ginge, aber allein die Senioritätsverhandlungen würden 100 Jahre dauern ;-)

Das fürchte ich nämlich auch. Wenn man jetzt eine Firma, in meinen Augen sehr teuer rettet, ohne eine kurzfristige Strategie, wie man die wieder an den freien Markt bringt und die vor allem schon vor der Krise gerettet werden musste, dann öffnet man Tür und Tor...je nachdem wie lange das alles hier noch geht, wird das entweder sehr sehr teuer werden in einigen Monaten oder aber für sehr viel Missgunst, Neid und Unverständnis sorgen, wenn irgendwann dann die Kriterien deutlich härter werden.
Beitrag vom 01.04.2020 - 18:34 Uhr
Ich glaube schon, dass es Sinn macht. Ohne Verkauf ist der Kredit verloren. Gibt es einen Käufer muss der vielleicht nur den Kredit ablösen, den Rest gibts umsonst. So wäre der wenigstens gerettet, wenn die Gläubiger mitspielen. Jetzt haben die Reiseveranstalter die zweite Chance, sterben lassen kann man immer noch.
Obwohl ich hier keinen Käufer sehe. Wer soll das denn sein? Da werden doch jetzt die Millionen verbrannt und der Schuldenberg wächst.
Wie bereits erwähnt, mit dieser Maßnahme kommen jetzt alle und wollen unter die Fittiche das Staates. Das wäre ein Megamusterfall.
Oder die LH wird auch verstaatlicht und beide Töchter werden dann zusammengefügt. Da kann die EU wohl nichts sagen und dann werden sie wieder freigelassen. Keine Ahnung ob das ginge, aber allein die Senioritätsverhandlungen würden 100 Jahre dauern ;-)

Dieser Beitrag wurde am 01.04.2020 18:36 Uhr bearbeitet.


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