Abgestürzter Superfighter
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Dieses Häufchen Elend war mal eine F-22 Raptor

F-22 Raptor
F-22 Raptor, © USAF

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CRESTVIEW - Die F-22 Raptor ist der teuerste Fighter der US Air Force. Im Mai 2020 stürzte einer der 201 Millionen-Dollar-Kampfjets über der Eglin Air Force Base ab - weil er falsch gewaschen wurde. Um ein Haar hätten die USA an diesem Tag in Eglin noch mehr Stealth-Jets verloren.

Dieser Wartungsfehler kam die US Air Force teuer zu stehen: Weil Techniker sich beim Waschen einer F-22A nicht an die festgelegten Vorgaben hielten, stürzte der sündhaft teure Superfighter am 16. Mai 2020 kurz nach dem Start zu einem Übungsflug nahe der Eglin Air Force Base in Florida ab.

Der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten, doch das Flugzeug zerschellte am Boden - und der finanzielle Schaden ist immens. Den Wert des Flugzeugs bezifferten US-Berichte auf 201 Millionen US-Dollar. Dazu kam eine weitere Million für die Beseitigung des Wracks und der entstandenen Umweltschäden.

Und alles nur, weil der Raptor an einer Stelle nass wurde, wo Feuchtigkeit auf keinen Fall eindringen darf. So zumindest schildern es Dokumente der US-Luftwaffe, die dem Portal "Air Force Times" vorliegen und denen zufolge der nicht näher erläuterte Fehler die "Steuereingaben, die an das Flugzeug übertragen werden", verhängnisvoll beeinflusste.

Erste Warnung schon beim Start

Davon war noch nichts zu ahnen, als der Pilot, ein Captain der 43rd Fighter Squadron, am Morgen des 15. Mai 2020 gegen 8:30 Uhr Ortszeit in Eglin ins Cockpit der F-22A kletterte. Der Plan für diesen Tag sah vor, zu einer Luftkampfübung mit insgesamt sechs F-35, vier F-16C und drei F-22 aufzubrechen.

Bereits beim Startlauf jedoch blinkte im Cockpit ein nicht näher definierter "Warnhinweis" auf. Da diesem keine unmittelbaren Konsequenzen folgten, entschied sich der Pilot, den Start fortzusetzen. Doch kaum in der Luft, neigte sich der Jet in einer Flughöhe von gut 15 Metern mit einem Mal nach links.

Der Captain schilderte den Ermittlern später, sein erster Gedanke sei ein Problem mit den Nachbrennern gewesen. Daher habe er die beiden Triebwerke seiner F-22A gedrosselt und das Flugzeug wieder geradegerichtet. Ein Flügelmann inspizierte die Triebwerke von außen, konnte aber keinen sichtbaren Defekt feststellen.

Kampf um die Kontrolle

Der Pilot ging mit seiner F-22 in einen 45-Grad-Steigflug - und empfing im Cockpit kurz darauf eine zweite Warnung, die ihm dieses Mal "verschlechterte Flugdaten" anzeigte. Wieder neigte sich der Jet plötzlich nach links "und kippte ohne Vorwarnung nach unten", so die "Air Force Times".

Abermals erlangte der Pilot laut Bericht die Kontrolle über das Flugzeug zurück, erhielt jedoch kurz darauf eine dritte Warnmeldung, die ihn auf eine Überlastung der Zelle durch zu hohe g-Kräfte hinwies. Er beschloss daraufhin, zur Bass zurückzukehren, auf dem Rückweg noch Treibstoff zu verbrennen und den Jet schließlich auf der längsten Runway von Eglin zu landen.

Doch dazu kam er nicht: "Als ich 10.000 Fuß passierte, begann der Jet wieder mit unkontrollierbaren Tendenzen ... Es fühlte sich an wie bei einer Fassrolle", so der Captain gegenüber den Ermittlern. Er habe einen "Großteil des Drucks, den ich in meinem rechten Arm zur Verfügung hatte" gebraucht, um das Flugzeug im Geradeausflug zu halten. "Und dann konnte ich nicht mehr nach links abbiegen."

Er habe im Austausch mit seinem Flügelmann außerdem bemerkt, dass die Systeme im Cockpit ihm falsche Angaben zu Höhe und Geschwindigkeit lieferten. Deshalb habe er sich letztlich dazu entschlossen, auszusteigen.

Viel Chaos und ein "near miss"

Während der Pilot kurz darauf mit leichten Verletzungen geborgen und in ein Krankenhaus gefahren wurde, war sein herrenloses Flugzeug in einen Wald gestürzt und dort in Flammen aufgegangen. Die an der gemeinsamen Übung beteiligten F-35 verblieben zunächst im Luftraum über der Absturzstelle und koordnierten die Rettungsaktion.

Als ihre Spritreserven sich dem Ende neigten, zogen sie ab und überließen das Feld laut Bericht einigen Aufklärungsflugzeugen vom Typ U-28A Draco. Den Luftraum am Ort des Geschehens beschrieben die Ermittler in ihrem Bericht später als "gesättigt und ... ziemlich gefährlich".

Dieser Umstand wurde den abrückenden F-35 beinahe zum Verhängnis: denn offenbar kam es in der Luft zu einer Beinahe-Kollision mindestens einer F-35 mit den beiden F-22A, die ebenfalls noch in der Nähe waren. Dass die US Air Force an diesem 15. Mai 2020 nicht noch mehr Stealth-Kampfjets im Chaos über Eglin verlor, war also Glück im Unglück.

Die Ermittler bezeichneten den Beinahe-Zusammenstoß nach dem eigentlichen Absturz als "Lernmöglichkeit für die zukünftige Koordinierung der Notfallmaßnahmen in der Region". Darüber hinaus lehnte die US Air Force eine weitergehende, unabhängige Untersuchung des Unfalls ab – aus Gründen der "Betriebssicherheit", wie es hieß.
© FLUG REVUE - Patrick Zwerger | 24.10.2021 07:30

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Beitrag vom 24.10.2021 - 20:21 Uhr
Es sind leider meistens die Piloten ...



Aber gerade bei so einem feinen "Sieb" kann man mit dem bloßen Auge evtl. garnicht erkennen ob es verstopft oder im Raum dahinter irgendwas ist.

Der Hintergrund ist zwar schwarz und eventuelle Waschmittelrückstände wohl weiß/ hell aber trotzdem: vielleicht schien die Sonne drauf etc.
Beitrag vom 24.10.2021 - 18:45 Uhr
Bereits beim Startlauf jedoch blinkte im Cockpit ein nicht näher definierter "Warnhinweis" auf. Da diesem keine unmittelbaren Konsequenzen folgten, entschied sich der Pilot, den Start fortzusetzen. Doch kaum in der Luft, neigte sich der Jet in einer Flughöhe von gut 15 Metern mit einem Mal nach links.

Warum fliegt man trotzdem los, wenn ne Warnlampe blinkt? An dem Punkt gehörte der Start schon abgebrochen und Flieger schon geprüft.

Und warum fliege ich weiter und steige mit 45 Grad, wenn die Kiste direkt nach dem Start direkt nach links weg kippt und lande nicht sofort wieder?

Also ich frage mich, wer hier falscher gearbeitet hat, der Techniker, oder der Pilot? Der Techniker hat dieser Schilderung nach m.E. jedenfalls nicht alleine Schuld, auch wenn er das initiale Problem verursachte.
Beitrag vom 24.10.2021 - 17:36 Uhr
Das Funktionsprinzip ist dabei natürlich dasselbe wie beim konventionellen Staurohr welches man aus den selben Gründen auch nicht waschen sollte, nur ist das auch optisch deutlich besser erkennbar.

Ich vermute stark dass das hier das Problem war.

Vermutlich liegt es daran dass man sich überlegen müsste was die unter "waschen" verstehen. Sicher sind die Probes beheizt und das Flugzeug muss man auch mal im Regen parken. Das kann also nicht alleine das Problem sein. Ich vermute Waschmittelrückstände die dort nie hätten sein dürfen bzw. hinterher nicht vollständig entfernt wurden. Da frage ich mich aber auch ob der Pilot die Vorflugkontrolle sorgfältig genug durchgeführt hat.


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