Dubai Air Show 2019
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Emirates-Chef kritisiert "massives Versagen" bei 777X-Tests

Tim Clark
Tim Clark, © IATA

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BERLIN - Emirates wird auf der Dubai Air Show, die an diesem Wochenende beginnt, keine Bestellungen aufgeben. Im Interview mit aero.de übt Airlinechef Tim Clark hingegen harsche Kritik an der Boeing 777X. Das Strukturversagen einer 777-9 im Belastungstest hat den erfahrenen Manager "alarmiert".

Emirates hat auf der Dubai Airshow ein Heimspiel. Neue Aufträge seiner Airline seien auf der Messe aber dennoch nicht zu erwarten, "wenn nicht viele Dinge überraschend zusammenwirken", sagte Emirates-Präsident Sir Tim Clark in einem exklusiven Interview mit aero.de kurz vor Messebeginn am Sonntag.

Auf der letzten Dubai Air Show vor zwei Jahren hatte Emirates eine Absichtserklärung über 40 Boeing 787-10 unterschrieben, ein Kaufvertrag kam bisher nicht zustande. Zuletzt war von Emirates eine Rücknahme dieser Kaufabsicht aufgrund mangelnder Triebwerks-Leistungsgarantien erwartet worden.

Mögliche Stornierungen könnte es auch für einen Teil der bisher 150 georderten Boeing 777X - 115 777-9 und 35 777-8 - geben. Boeing hatte Clark zuletzt nicht nur durch die massiven Verzögerungen bei den ursprünglich bereits für kommendes Jahr geplanten ersten Auslieferungen der 777-9 verärgert.

Nachdem der Erstflug nun aber auf 2020 verschoben wurde, wollte Boeing der Airline aus Dubai ihre ersten Flugzeuge Anfang 2021 ausliefern. Das lehnt Clark ab.

"Ich akzeptiere kein Flugzeug das nicht mindestens ein 16-monatiges Testprogramm durchlaufen hat, obwohl es Boeing uns mit weniger angeboten hat", sagte Clark aero.de. "Sogar die 737 MAX absolvierte 16-monatige Tests - und das war nur die Neuauflage eines bestehenden Musters."

Clark macht sich ohnehin Sorgen über die 777X: "Das strukturelle Versagen mit einer explodierten Tür im September bei 1,48-facher Maximalbelastung hat mich alarmiert, vor allem die Art dieses Versagens. Ich stelle sehr tiefgreifende Fragen, was exakt hier vorgefallen ist. Das war kein kleiner Riss, das war ein massives Versagen."

Gleichzeitig erwartet Emirates auch Verzögerungen bei der Lieferung von 40 Airbus A330-900neo, die eigentlich ab 2021 angekündigt war. "Die damalige Absichtserklärung sprach sogar von der Inbetriebnahme schon im kommenden Jahr, aber dann werden sie mit den Triebwerken, die wir brauchen, noch nicht verfügbar sein", bedauert Clark.

A330-900 für regionale Strecken

"Ich hätte die A330neo gern eher, die ist mit ihren neuen Tragflächen und Triebwerken ein wirklich gutes Flugzeug, das genau auf viele unserer Routen passt", ergänzte Clark. "Damit können wir Angebot und Nachfrage auf unseren regionalen Strecken wie nach Maskat, Bahrain und in die ganze Golfregion besser feinabstimmen, das würde deren Profitabilität verbessern. Aber unsere Möglichkeiten, hier Geld zu verdienen, sind eingeschränkt, weil wir einfach nicht an diese Flugzeuge kommen."

Im Gespräch mit aero.de kritisierte Clark die Triebwerkshersteller. "Die haben schlicht zu viel versprochen und für viele Jahre einfach nichts getan. Sie sollten uns Innovationen erst ab einem ausgereiften Standard anbieten und uns nicht als Versuchskaninchen missbrauchen. Denen ging es viel zu lange viel zu gut, während bei uns die Kundenbeziehungen leiden, wenn deren Produkte nicht das halten, was versprochen wurde."

Rennen um Clark-Nachfolge weiter offen

Der Emirates-Präsident hat die Fluggesellschaft aus Dubai seit 1985 mit aufgebaut zur heute größten internationalen Airline mit 267 Flugzeugen. Er gilt als einer der einflussreichsten Branchengrößen. Der gebürtige Engländer feiert am 22. November seinen 70. Geburtstag und die Frage nach seiner Nachfolge beschäftigt die Branche innerhalb und außerhalb von Emirates.

Mit Christoph Müller und Thierry Antinori hatten sich lange Zeit zwei ehemalige Lufthanseaten als mögliche Nachfolger in Position gebracht. Beide haben das Unternehmen inzwischen wieder verlassen.

Gegenüber aero.de lässt Clark durchblicken, dass er selbst die Weichen für seine Nachfolger stellen will, aber die Regierung von Dubai als Eigentümer der Gesellschaft ihn nur ungern ziehen lassen wolle.

"Ich kümmere mich um die Flotte und die generelle Ausrichtung, aber übergebe schrittweise Aufgaben an Leute, mit denen ich seit langem arbeite, ich teste das - und es funktioniert", so Clark. Seine engsten Mitarbeiter sind COO Adel Al Redha und CCO Adnan Kazim, beides Einheimische.

Clark und offenbar auch die Regierung Dubais möchten einen von ihnen an der Spitze sehen. "Es sollte ein Emirati übernehmen", sagte Clark. "Eine Firma dieser Größe von einem Ausländer führen zu lassen, ist ein wenig peinlich."
© Andreas Spaeth, aero.de | Abb.: IATA, Boeing | 15.11.2019 12:45

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Beitrag vom 18.11.2019 - 18:21 Uhr
Airbus hat kein Verbot die hinteren Plätze zu nutzen ausgesprochen. LH hat freiwillig auf die Belegung der letzten Reihe mit 6 Plätzen verzichtet um die Beladung des Frachtraumes wie bisher vorzunehmen.
Warum es bei einem Go around erst unter 50 Fuß in bestimmten Konfigurationen zu Problemen kommen KANN, wissen Sie als CPT sicher genau.
MenschMeier hat alles sehr gut erklärt.
Beitrag vom 18.11.2019 - 18:14 Uhr
Es stellt sich mir die Frage, wie ein A 320 neo die Zulassung von der EASA bekommen konnte?
Lufthansa und andere Airlines dürfen die letzten 10 Sitzplätze nicht besetzen, da das Flugzeug sonst beim go around due to aft CG out of control geht!
Die Zuverlässigkeit der Triebwerke ist nicht gegeben. 2 inflight shutdowns pro Monat in einer Flotte von 30 Flugzeugen! Das ist UNSAFE
Indien hat das einzig Richtige gemacht: grounding!
Habe vor einer Woche diesbezüglich die EASA um Stellungnahme gebeten- keine Antwort bisher!
A 330 neo- toxic fumes- grounding
Ich bin selbst A320/330 Kapitän seit vielen Jahren.
Wo bleibt der Aufschrei von VC?
Wo bleiben Eure Nachfragen bei der EASA?
Passagierbeförderung in Airlines ist NICHT die verbilligte Testflugabteilung von Airbus oder Boeing! ES REICHT!
Beitrag vom 17.11.2019 - 16:12 Uhr
Die 777-8
Wird wohl vor dem
Hintergrund des Frachters erscheinen. Vom
Frachter dürfte man einen deutlich höheren absatz erwarten, als von der Passagiervariante.

Die Frage ist, ob eine hypothetische 777-8F vom Markt gefragt wird?
Dann können Sie die 747 Linie einen Tag darauf dicht machen.

Von der Nutzlast sicher, die 747 hat aber natürlich immernoch den Vorteil der Nose-Door, die die Zuladung größerer Fracht ermöglicht. Ob das allein reicht gegen eine 777-8 kann ich nicht beurteilen.

Gleichzeitig ist die Frage ob sich für Boeing nicht eh irgendwann die Frage nach einer Produktionseinstellung der 747 stellt, unabhängig von einer 777-8F. So groß ist die Nachfrage nach 747-8F ja jetzt auch nicht. Da kann es schon sein, dass sich das irgendwann nicht mehr lohnt, bei so geringen Stückzahlen.


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