FAA stößt auf neues Problem
Älter als 7 Tage

737 MAX setzt Piloteneingaben verzögert um

Boeing 737 MAX 9
Boeing 737 MAX 9, © Jeff Hitchcock

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SEATTLE - Für die Boeing 737 MAX zeichnen sich längere Flugverbote ab. Tests im Simulator haben eine in der neuen Programmierung der Flugsteuerung verborgene "potenzielle Gefahrenquelle" aufgedeckt, die im Ernstfall "katastrophale" Folgen nach sich ziehen kann - offenbar bis hin zum vollständigen Kontrollverlust.

Die Wiederzulassung der 737 MAX droht sich um bis zu drei Monate in Richtung Jahresende zu verschieben. Grund dafür ist eine potenziell gefahrenträchtige Eigenschaft der überarbeiteten Flugsteuerung, die Testpiloten der US-Luftfahrtaufsicht FAA bei Validierungsflügen im Simulator ins Netz ging.

In einem "Runaway Trim"-Szenario setzte die Flugsteuerung der 737 MAX Korrektureingaben der Testpiloten über Daumenschalter der elektrischen Trimmung am Steuerhorn nur verzögert um. Das manuelle Recovern der  "ausbrechenden" Höhentrimmung wurde den Piloten dadurch erschwert.

Die Informationen stammen von einem Insider, den die Nachrichtenagentur "Bloomberg" zitiert. Die Untersuchung eines Microprozessors habe ergeben, dass eine Datenflut die Verarbeitung der Pilotenbefehle verlangsamte - der Prozessor sei durch Fehler im Programmcode "eingefroren".

In einer Mitteilung vom Mittwochabend grenzte die FAA das Problem lediglich auf "eine potenzielle Gefahrenquelle" ein, "die Boeing abgestellen muss". Boeing hielt sich zum konkreten Problem ebenfalls bedeckt, will die 737 MAX aber erst nach einer Behebung zur Wiederzulassung anmelden.

"Wenn man ein Flugzeug überarbeitet, will man nicht den nächsten Crash einprogrammieren", sagte eine Quelle der Nachrichtenseite "The Air Current".

Verzögertes Ansprechverhalten

Nach zwei Totalverlusten mit 346 Toten ist die 737 MAX seit März gegroundet - Boeing arbeitet fieberhaft an einer Neuprogrammierung des umstrittenen Fluglagekorrektors MCAS, der nach ersten Ermittlerberichten bei den Abstürzen von JT610 und ET302 aktiv in die Trimmung eingegriffen hat.

Das verzögerte Ansprechverhalten der MAX bei Eingaben über die elektrischen Trimmschalter fiel nach Angaben der Insider bei jüngsten Tests zur Überprüfung des MCAS-Updates auf. Zwar sei die getestete Konstellation im Normalbetrieb kaum zu erwarten, die möglichen Auswirkungen habe der FAA-Pilot wegen eines drohenden Kontrollverlusts gleichwohl in eine eindeutige Kategorie eingestuft: "katastrophal".
© aero.de, Bloomberg News | Abb.: Jeff Hitchcock | 28.06.2019 09:46

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Beitrag vom 02.07.2019 - 14:47 Uhr
Auch ein Autopilot regelt konstant und ich Echtzeit und geht nicht schlafen. Der gleich Kursabweichungen durch Turbulenzen, Windveränderungen, Gewichtsverlagerung im Flugzeug usw aus. Alles an sich ganz kleine Störgrößen, aber diese würden sich summieren.
Ein Mensch würde bei der Arbeit schnell ermüden, ein Autopilot nicht.

Ganz zu Schweigen von Stressreduzierenden Steuerinputs um das Flugzeugleben zu verlängern, wie Load Alleviation, Active Lift Control usw usw.
Beitrag vom 02.07.2019 - 13:15 Uhr
der Unterschied besteht im Detail, der Autopilot ist ein "Steuerungssystem" das auf Basis von Daten bestimmte Werte setzt für Richtung, Höhe, Geschwindigkeit und dann wieder schlafen geht (bzw nur die Werte auf Änderung überwacht) solange sich daran nichts ändert. Bei manueller Steuerung schaltet sich der Autopilot ab.
Im Gegensatz dazu ist MCAS ein "Regelsystem" das permanent aktiv in die Steuerung eingreift, dazu muß das gesamte System aber verlässich aktuelle Daten liefern und auch innerhalb einer bestimmten Zeit diese Werte liefern. Wenn das MCAS die Nase so lange senkt bis der AoA Wert niedriger ist, dieser schon tatsächlich reduzierte AoA Wert aber erst nach 10 Sekunden beim MCAS Regelsystem ankommt senkt es 10 Sekunden zu lange die Nase.
Beitrag vom 02.07.2019 - 13:02 Uhr
beim Autopilot ist das egal ob die Steueranweisung 1-2sek später kommt oder nicht. Wenn man mit TOGA Thrust in nur einigen 1000 Fuß Höhe unterwegs ist und MCAS die Nase Richtung Boden senkt ist es essentiell daß manuelle Eingaben des Piloten in Echtzeit umgesetzt werden.
Sonst endet das sehr schnell in einem Haufen Altmetall.


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