Heiße Hauptversammlung
Vor 2 Tagen

"Lufthansa betreibt nur halbherziges Krisenmanagement"

Carsten Spohr
Carsten Spohr, © Lufthansa

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FRANKFURT - Bei der Lufthansa sorgen geplante Einschnitte beim Personal weiter für Streit. Einige Aktionäre kritisierten auf der Hauptversammlung am Dienstag, Lufthansa verschlanke sich nicht schnell genug und leiste sich zu hohe Gehälter. Gewerkschaften warfen dem Konzern Tarifflucht und Stellenverlagerung ins Ausland vor.

In einem offenen Brief an die Bundesregierung forderten die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und andere Personalvertretungen, die Aufsichtsratsvertreter des Staates bei der Lufthansa müssten dem Einhalt gebieten.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr verteidigte niedrigere, nicht tarifgebundene Gehälter bei der Ferienfluglinie Eurowings Discover. Sie seien notwendig, damit die Airline profitabel sei. "Tarifierung sichert nicht unbedingt Arbeitsplätze", sagte er. Zu hohe Löhne seien der Grund gewesen, dass die Lufthansa die Tochter Germanwings in der Krise schloss.

Die Mitarbeiterzahl im Lufthansa-Konzern sank weltweit seit Ausbruch der Corona-Krise von knapp 140.000 auf zuletzt 111.000. Schon im vergangenen Jahr hieß es, die Belegschaft müsse auf 100.000 Köpfe schrumpfen. Das Lufthansa-Management kündigte zuletzt an, weitere 10.000 Jobs in Deutschland 2022 abzubauen - auch über Kündigungen, wenn keine neuen Vereinbarungen mit den Gerwerkschaften über alternative Kostensenkungen gelängen.

Die Fondsgesellschaft Union Investment kritisierte auf dem virtuellen Aktionärstsreffen, dass die Lufthansa anders als die Billigflieger Ryanair oder Easyjet die Krise nicht konsequent nutze, um sich schlanker aufzustellen.

"Die Lufthansa betreibt nur ein halbherziges Krisenmanagement, obwohl sie in der schwersten Krise ihrer Geschichte steckt", erklärte Michael Gierse, Fondsmanager bei Union Investment. Ein anderer Aktionär monierte, die Gehälter bei der Lufthansa seien zu hoch. Auch die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes für Piloten durch die Airline auf ein Monatsgehalt von bis zu 15.000 Euro wurde hinterfragt.

Gewerkschaften und Personalvertreter des Flugpersonals von Lufthansa, Condor und TUIfly prangerten an, die Lufthansa verdränge mit dem Sparkurs die Konkurrenten Condor und TUIfly. Die Politik solle ihren Einfluss über die beiden Vertreter des deutschen Staates im Lufthansa-Aufsichtsrat endlich geltend machen, "um der rücksichtslosen Ausnutzung dieser Krise zulasten der Arbeitnehmer:innen ein Ende zu setzen".

Kapitalerhöhung

Der Staat ist als Beteiligter an der insgesamt neun Milliarden Euro schweren Rettungsaktion der Lufthansa in der Corona-Krise seit dem vergangenen Jahr größter Lufthansa-Aktionär mit einem Anteil von 20 Prozent. Ohne Staatshilfe wäre eine Insolvenz unvermeidlich gewesen, erklärte Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley. Seither erholte sich der Luftverkehr wegen der Reisebeschränkungen in der Pandemie kaum.

Ein Großteil der Flotten von Lufthansa, Eurowings, Austrian und Brussels Airlines sowie Swiss stehen noch am Boden. Neben Germanwings wurde auch der mit Turkish Airlines betriebene Ferienflieger SunExpress Deutschland geschlossen. "Die Restrukturierung der Lufthansa bleibt auch 2021 allerhöchste Priorität", erklärte Kley.

Von den Aktionären will sich die Lufthansa grünes Licht geben lassen für Kapitalerhöhungen im Volumen von bis zu 5,5 Milliarden Euro in den kommenden fünf Jahren. Der Plan stieß auf ein geteiltes Echo. Union Investment wollte gegen den "völlig überdimensionierten" Kapitalvorratsbeschluss stimmen. "Wegen der schwachen Historie bei der Krisenbewältigung sind wir nicht bereit, dem Management einen Blankoscheck auszustellen", erklärte Fondsmanager Gierse.

Die DekaBank dagegen zeigte Verständnis. Das sei nicht überraschend, da das Eigenkapital auf nur noch zwei Milliarden Euro geschmolzen sei und die Bilanz gestärkt werden müsse, erklärte Nachhaltigkeits-Expertin Vanessa Golz.

Die Lufthansa erklärte, die Höhe sei eine technische Zahl und entspreche den vom Staat gewährten stillen Einlagen. Denn Kapitalerhöhungen müssten zum Rückzahlen der Staatshilfe genutzt werden. Der MDax-Konzern tilgte bereits den Milliardenkredit der Staatsbank Kfw, indem er Geld über Anleihen aufnahm. "Wir finanzieren uns lieber am Kapitalmarkt als beim Steuerzahler", betonte Konzernchef Spohr.
© Reuters | Abb.: Lufthansa | 04.05.2021 15:33

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Beitrag vom 04.05.2021 - 20:14 Uhr
Das eigene Personal war diesem Vorstand noch nie so wenig wert wie in diesen Tagen! (Genau dieses Personal ist aber das wichtigste Kapital dieser Firma!)


Dann machen Sie doch dem Herrn Spohr einen Vorschlag wie er besser mit dem wichtigsten Kapital dieser Firma ungehen soll, wenn ...

Deutschland NICHTS mit den USA gemein hat, wo mittlerweile die eingesetzten Flieger wieder gut gefuellt sind, aber die Tarife der Fluege auch WEIT vom Wert von den vor Maerz 2020 entfernt sind.

und

Es gibt auch "billigere Angebote" diese sind aber nur mit viel Stress fuer Deutsche anwedbar, aufgrund der 48 Std. Regelung die ein PCR-Test fuer die Einreise nach Deutschland haben darf!

und

Daher werden bald alle Reisenden nach Deutschland VIEL tiefer in die Tasche greifen muessen und auch neugegruendete Billigmarken der Lufthansa werden an diesen Regeln nicht vorbeikommen, was somit auch deren Flugzeuge leer starten lassen wird.

und

Genau deshalb wird sich der Deutsche Flugmarkt NICHT so schnell erholen!

und

Familienurlaub die Ferienflieger fuellen sollen, ganz ausgenommen, denn reisen mit 4 Pers. um ins Ausland reisen zu koennen, dafuer muss heute viel Geld aufgewandt werden.
8x PCR Test plus evtl. Schnelltest am Abflugsteig zu manchen Destinationen (z.B. wie AMS das verlangt hat) das wird unerwartet teuer!

und

Ganz einfach, das Reisen hat sich veraendert und es wird noch lange so bleiben!

Auf geht's, lassen Sie hören!

Dieser Beitrag wurde am 04.05.2021 20:15 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 04.05.2021 - 18:33 Uhr
Es sieht so aus, als rechne Herr Spohr immer noch mit einem Business nach den Einschraenkungen und dieser Pandemie wie zu Zeiten vor Maerz 2020?
Deutschland hat NICHTS mit den USA gemein, wo mittlerweile die eingesetzten Flieger wieder gut gefuellt sind, aber die Tarife der Fluege auch WEIT vom Wert von den vor Maerz 2020 entfernt sind.
Ausserdem geben US Amerikaner immer schon mehr aus als Deutsche oder Europaerer fuer nicht noetige Dinge.
Verstaendlich, dass Union Investment zur Vorsicht mahnt, der Businessplan des Herrn Spohr kann fuer ALLE Beteiligten ein boeses Erwachen haben.
Vanessa Golz in Ihrem zarten Alter und Ihrer Sparkassen Karriere hat hier bestimmt noch nicht viele Erfahrungen sammeln koennen, um bereits als Nachhaltigkeits Expertin betitelt zu werden?
Sieht hier sehr nach Volksbank vs. Sparkasse aus!
Ich denke die meisten hier werden wissen, wie schwer es ist fuer einen angeschlagenen Airlinekonzern in der heutigen Zeit wieder auf die Beine zu kommen!
Waren 9 Milliarden zuviel?
Am Ende verlueren Investoren noch mehr, als seit ueber einem Jahr nun sowieso schon weg ist von deren Investment in diese LH-Group.
Mitbewerber gehen in dieser Krise weit vorsichtiger um, ob da die Spohr Anhaenger "wirklich" einen Plan haben wage ich zu bezweifeln!
Die Zeiten als ein Lufthansa Konzern noch den Ton angab, sind laengst vorbei, da zu starr, alt und festgefahren mit veralteten Plaenen.
Mittlerweile mutiert die eigene Konzernmutter Fluggesellschaft immer mehr zur Low Cost Airline, jede Leistung (ausserhalb des Ticketpreises) nur noch gegen Zuzahlung, was macht hier dann den Unterschied zu Low Cost Anbietern.
Immerhin, NOCH besteht der Titel einer 5* Airline. Wofuer auch immer? :-) :-)
Das eigene Personal war diesem Vorstand noch nie so wenig wert wie in diesen Tagen! (Genau dieses Personal ist aber das wichtigste Kapital dieser Firma!)


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