Merkels Flug zum G20-Gipfel
Älter als 7 Tage

Komplettausfall der Funkanlage stoppt A340 der Flugbereitschaft

A340-300 Konrad Adenauer
Luftwaffe A340-300 Konrad Adenauer, © Deutsche Lufthansa AG

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BONN - Nach einem schwerwiegenden technischen Defekt an ihrem Airbus A340 ist Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Weg zum G20-Gipfel unbeschadet in Köln gelandet. "Es war eine ernsthafte Störung", sagte Merkel nach dem Zwischenfall am frühen Freitagmorgen in Bonn.

Dort verbrachte sie wegen des Abbruchs der Reise nach Buenos Aires die Nacht. Die in Berlin gestartete Maschine des Typs A340-300 hatte nach etwa einer Stunde Flugzeit über den Niederlanden umkehren müssen.

Der Flugkapitän sprach von einem technischen Problem, das den Ausfall einiger elektrischer Systeme bewirkt habe.

Am Freitagmorgen gegen 4.30 Uhr wollte Merkel zunächst mit einer anderen Maschine der Flugbereitschaft der Luftwaffe nach Madrid und von dort mit einem Linienflug nach Buenos Aires weiterreisen. Am Abend (Ortszeit) wollte Merkel dann am Abendessen mit den anderen Staats- und Regierungschefs in Argentiniens Hauptstadt teilnehmen.

Für Freitag geplante bilaterale Treffen am Rande des Gipfels, etwa mit US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping, kommen wegen der verspäteten Anreise Merkels zunächst nicht zu Stande. Offen war, ob die Termine noch während des G20-Treffens, das bis Samstagnachmittag dauern sollte, nachgeholt werden können.

Nach "Spiegel"-Informationen fiel an Bord "Konrad Adenauer" das komplette System zur Kommunikation aus. Ein solcher Komplettausfall der Kommunikationsanlage, die durch mehrere Ersatzsysteme abgesichert sei, gilt als gefährlicher Notfall. Deswegen hätten sich die Piloten sofort entschlossen, den Flug abzubrechen.

Auch nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sollen weite Teile eines für den Flugbetrieb dringend benötigten Elektroniksystems ausgefallen sein. Über dem Atlantik sei Kerosin abgelassen worden, um das Gewicht des für den Transatlantikflug vollgetankten Airbus zu verringern.

Zeitweise sei fraglich gewesen, ob überhaupt eine geordnete Landung möglich gewesen wäre.

Der "Spiegel" schreibt, nur mit dem Satellitentelefon an Bord sei es der Crew gelungen, Kontakt zur Flugleitstelle aufzunehmen und die Landung auf dem Flughafen in Köln-Bonn zu planen. Die Situation soll nach "Spiegel"-Informationen so brenzlig gewesen sein, dass Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) schon nach dem Komplettausfall der Funkanlage informiert wurde.

Regierungssprecher Steffen Seibert wollte sich zunächst nicht näher zu dem Defekt äußern. Er bitte um Verständnis, aber zu technischen Details und zur Fehleranalyse müssten sich die Flugbereitschaft und das Verteidigungsministerium äußern.

Die Kanzlerin äußerte sich ausgesprochen lobend über den Flugkapitän und die Besatzung: Sie habe "eine sehr, sehr exzellente Crew gehabt" und das Kommando habe "der erfahrenste Kapitän der Flugbereitschaft" geführt. Als sie gegen 20.00 Uhr von einem Mitglied der Crew aus einem Briefing geholt worden sei, habe sie zunächst daran gedacht, dass in Deutschland etwas vorgefallen sein könnte.

Auf die Frage, ob es nach mehreren Vorfällen mit Regierungsmaschinen in jüngster Zeit notwendig sei, die Sicherheit der Flugzeuge in Frage zu stellen, sagte Merkel am Freitagmorgen: "Ein einzelner Vorfall sollte uns nicht dazu bringen, das System zu verändern."

Auf dem Flughafen Köln/Bonn erwarteten mehrere Feuerlösch-Fahrzeuge Merkels Flugzeug, das eine harte Landung hatte. Der Flughafen ist der Heimatstandort der Regierungsflugzeuge.

Seibert zufolge wird Merkels Ehemann Joachim Sauer die Kanzlerin nicht mehr nach Buenos Aires begleiten, sondern nach Berlin zurückkehren. Wegen der Verzögerung bei der Anreise würde Sauer zu viel vom Partnerprogramm verpassen, sagte Seibert zur Begründung.

Flugzeuge der Bundesregierung bereiten immer wieder Probleme. Erst Mitte Oktober gab es eine Panne mit der "Konrad Adenauer". Nagetiere hatten die Maschine in Indonesien lahmgelegt und Scholz zur Rückreise per Linie von der Tagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) gezwungen. Mäuse oder Ratten waren in den geparkten Airbus gelangt und hatten wichtige Kabel angeknabbert.

Somit wurde Scholz nun zum zweiten Mal binnen sechs Wochen Leidtragender eines Defekts mit einem Langstrecken-Airbus, von denen die Flugbereitschaft nur zwei hat. Jüngst war es auch bei der Afrika-Reise von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Verzögerungen wegen eines technischen Defekts an seiner Maschine gekommen.

Update 9:48 Uhr: Regierung schließt Sabotage aus

Die Panne am Regierungsflugzeug von Kanzlerin Angela Merkel ist nach bisherigen Erkenntnissen der Luftwaffe nicht auf Sabotage zurückzuführen. "Es gibt überhaupt keinen Hinweis auf einen kriminellen Hintergrund", sagte ein Sprecher der Luftwaffe am Freitagmorgen der Deutschen Presse-Agentur.

Man gehe von einem Fehler in einer elektronischen Verteilerbox aus, die sowohl die Funkanlage als auch das System zum Ablassen des Kerosins steuere. Das System zur Satellitenkommunikation hänge dagegen an einer anderen Verteilerbox. Wegen der Lage sei entschieden worden, nicht nach Berlin zurückzukehren, sondern auf dem Flughafen Köln/Bonn zu landen.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Lufthansa Technik | 29.11.2018 21:09

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Beitrag vom 04.12.2018 - 13:53 Uhr
Ach, da gibt´s noch mehr Anekdoten. Wache schieben ist ein wahrer Quell an Stories.
Aber zum Thema: mir ist aus persönlicher Verbundenheit wichtig, dass hier kein Bashing auf die Flugbereitschaft betrieben wird. Die Betroffenen sind wohl so ziemlich die letzten, die das verdient hätten.
Beitrag vom 04.12.2018 - 12:28 Uhr
Das war etwas anderes, aber auch nicht schlecht :-)

 https://www.welt.de/print-welt/article400921/Pannen-und-Stilfragen-des-Rudolf-Scharping.html

und dann noch hier

 https://www.welt.de/print-welt/article400921/Pannen-und-Stilfragen-des-Rudolf-Scharping.html
Beitrag vom 04.12.2018 - 12:16 Uhr
Nochmals Danke.

Bei den Flugstunden beziehe ich mich mit meiner Aussage, nehme an die meinten Sie, auf den Fall der dann verunglückten TU154. Da wurde das Orchester mit der Luftwaffe (anstatt Linie) nach CPT geflogen um Flugstunden zu schaffen. So die Aussage bei der öffentlichen Betrachtung der Reise/Unfalls.

Das gibt es durchaus auch, dass im Rahmen von Trainingsflügen (Start-/Landetraining, fliegerische Inübunghaltung von abkommandierten Piloten) solche Zwecke miteinander kombiniert werden.
>
Irgendwas war auch mal mit einer Reise zweier Grünen Minister mit der Challenger nach Brasilien bekomme das aber so spontan nicht zusammen.

Das war der Herr Scharping (Stichwort: Challenger-Affäre)



Das mag natürlich heute ganz anders aussehen und, da stimme ich zu, es lässt sich die Flugbereitschaft nicht mit einer Airline OPS vergleichen.

Das Bild der Flugbereitschaft hat sich seit Gründung der Bundeswehr ernorm gewandelt. Ursprünglich hieß die FlBschft mal "Genscher-Airlines", weil Außenminister Genscher ein wohl "Frequent Traveller" war, so erzählt man sich. Heute geht das Aufgabenprofil schon alleine durch unsere Bündnisverpflichtungen weit über die originären Aufgaben hinaus. Die Flugbereitschaft übernimmt Verlegelufttransporte von Truppen in Krisenregionen (nach Afghanistan über Kunduz in Uzbekistanin) einem Umfang, den unsere eigentlichen Transportmaschinen aufgrund ihrer kleinen Ladekapazität, Betriebgrenzen (Hitze und hohe Dichtehöhen) sowie deren längeren Reisezeiten niemals stemmen könnten.
Hinzu kommen medizinische Evakuierungsflüge (Mexiko 2004, Ukraine 2015/16, Hurricanereignis in Costa Rica und und und).

Dieser Beitrag wurde am 04.12.2018 12:17 Uhr bearbeitet.


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