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Piloten ziehen sich aus Krisenregelung zurück

Lufthansa Cargo Boeing 777F
Lufthansa Cargo Boeing 777F, © Lufthansa Cargo

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FRANKFURT - Die Piloten von Lufthansa Cargo steigen aus den Sonderregelungen zum Corona-Flugbetrieb aus. Ein Kompromiss zwischen Management und Piloten wendet drohende Flugausfälle in letzter Minute ab. A321PF2-Pläne der Lufthansa greifen unterdessen wohl weiter als bislang bekannt.

Lufthansa Cargo hat im Krisenjahr 772 Millionen Euro für den Konzern eingeflogen. Der Ergebnisrekord wurde auch durch eine "Regelungsabsprache" möglich - in der Pandemie setzten Lufthansa und Piloten Tarifbestimmungen außer Kraft. Lufthansa Cargo konnte auf Maximalbetrieb hochfahren.

Der Frankfurter Cargo-Krisen-Spirit ist längst verflogen. Bis zu 160 Piloten droht bei Lufthansa Cargo im Zuge einer Flottenreduktion das vorzeitige Karriereende. Jüngeren Ersten Offizieren soll die Airline in dieser Woche bereits nahegelegt haben, sich neue Jobs zu suchen.

Unter diesen Vorzeichen hat die Personalvertretung der Lufthansa-Cargo-Piloten die am Freitag abgelaufende Regelungsabsprache Corona nicht verlängert. "Dies wirkt sich sowohl auf die Operation als Ganzes als auch auf jede und jeden Einzelne/n von uns aus", heißt es einem Rundbrief der Personalvertretung, der aero.de vorliegt.

Damit greifen wieder die Regelungen des Manteltarifvertrags - Lufthansa Cargo drohten kurzfristig Flugausfälle. "Mit der Aufgabe der Corona-Regelungen ist der ab Montag geplante Flugbetrieb nicht mehr darstellbar", beschrieb eine mit der Entwicklung vertraute Person aero.de die Folgen des Schritts am Freitag. "Das wird mehr als die Hälfte der Strecken betreffen."

Ein Sprecher von Lufthansa Cargo und ein Sprecher der Personalvertretung der Cargo-Piloten wollte den Vorgang auf Anfrage von aero.de nicht kommentieren.

"Wirklich schwierige Situation"

Der Ausstieg der Piloten aus der Krisenregelung hat Lufthansa Cargo kurz vor dem Wochenende aber offenbar kalt erwischt. "Dieses Vorgehen katapultiert uns ohne Vorlauf- und Reaktionszeit in eine wirklich schwierige Situation", wandte sich Lufthansa-Cargo-Betriebsvorstand Harald Gloy direkt an die Piloten.

Insbesondere der Wegfall der 2-Leg-Regelung bringt die Flugplaner ins Schlingern. Gloy warnte vor einem drohenden Verlust von "begrenzten Slots" und "ganz erheblichen Verwerfungen".

Die Piloten halten entgegen, dass Lufthansa Cargo Verhandlungen über die Zukunft der Cockpitjobs mittlerweile mehr als zwei Jahre verschleppt habe.

Der Ausstieg aus der Krisenregelung bringt jetzt zumindest neue Bewegung in die Sache. Nach aero.de-Informationen haben Management und Piloten am Freitag bis in die späten Abendstunden in einer Krisenschalte beraten. Am Samstag stand ein vorläufiger Kompromiss: für die kommende Flugwoche ist der geplante Flugbetrieb von Lufthansa Cargo sichergestellt.

In den nächsten Tagen stehen nach aero.de-Informationen weitere Gespräche an, an deren Ende sogar eine langfristige Lösung im Dauerstreit erzielt werden könnte.

Belastungsprobe durch A321P2F

Die Piloten sehen auch in einem aktuellen Punkt Redebedarf. Lufthansa hatte in dieser Woche den Aufbau einer weiteren Fracht-Ops neben Lufthansa Cargo im Konzern verkündet. Lufthansa Cityline wird 2022 mit Airbus A321P2F Umbaufrachtern aus Frankfurt ein europäisches Luftfrachtnetz aufziehen.

Lufthansa begründet den Aufbau der Ops mit steigender Nachfrage aus dem E-Commerce-Segment. Nach Informationen von aero.de reichen die A321P2F-Netzpläne der Lufthansa aber auch bis Istanbul, Kairo und Tel Aviv - Ziele, die Lufthansa Cargo aktuell mit Großraumfrachtern anfliegt.
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 11.07.2021 10:56

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Beitrag vom 13.07.2021 - 20:05 Uhr
Über die Gehälter kann ich keine Aussage treffen. Aber genau das, was Sie im zweiten Teil beschreiben ist der Grund, warum es tarifiert werden "muss". Sunexpress war auch nicht tarifiert. Auch deshalb konnte LH dort "wüten"... Und für individuelle Verträge, die im Zweifelsfall eben dem "Markt" unterliegen gibt es monetär eben einen Bonus. Oder eine schnelle Perspektive oder oder oder....
Aber Jobsicherheit über Jahre eben nicht...


Ich glaube nicht, dass LH bei Aerologic wüten kann. Eines wird hier scheinbar nicht so gesehen: der Laden gehört zu 50% (wenn es um die Eigentumsverhältnisse geht) der DHL. Meinen Sie, dass die DHL die "gleichen Scherereien" auf dem Hof haben will wie LH?

"Wüten" war die falsche Formulierung. Sie haben Recht. Allerdings bestellt der LH-Konzen Flugzeuge und die gehen nach Maßgabe der LH Vorstandes zu Aerologic oder zu LCAG. Insofern hat der 50% Anteil durchaus Gewicht.
DHL könnte es aber ja auch gleich ganz alleine machen. Tun die aber auch nicht... Warum? LCAG ist vor Aerologic übrigens genau dieses Geschäft für DHL geflogen... Hat der LCAG auch eine "Grundlast" geliefert. Die Einführung der B777 wollte man aber unbedingt NICHT bei LCAG haben, obwohl es Synergien mit einer eventuellen Passage B777 Einführung hätte geben können.


Für DHL ist Aerologic eine gute Plattform. DHL hat wirtschaftlich die Hosen an. 3/4 der Flieger dort fliegen für die DHL. LH ist wirtschaftlich gesehen der Juniorpartner. Meinen Sie, dass die DHL toleriert, dass dort LH/VC Grabenkämpfe gekämpft werden? Ich glaube, wenn das naht, wird DHL dort Ansagen machen und zwar sehr deutliche - das Ziehen des Steckers nicht ausgeschlossen.


Aerologic war für beide DLH und DHL ein Puffer. Man konnte unterschiedliche Geschäftsverläufe gegenseitig mit Aerologic "Puffern" oder auch Streckensynergien heben wo weder LCAG, noch DHL den Flieger füllen konnte. Die B777 hat auch ein etwas anders Einsatzspektrum als eine MD11, das sich eine ganze zeitlang nicht so sehr überschnitten hat. Ich denke, dass der Aufschrei auch nicht so groß gewesen wäre, wenn die MD11 zahlenmäßig 1zu1 bei LCAG ersetzt worden wäre. Dann wäre Wachstum bei Aerologic auch nicht von der VC kritisiert worden.

Ich rate, das Thema Aerologic nicht so heiß zu essen, wie es von vielen gekocht wird. Vor allem sollte man die Phantasien mal beiseite legen, dass die VC dort die gleiche Macht haben kann wie bei LH. Der Tag wird nun einfach nie kommen. Aber politisch verstehe ich die VC. Denn vielleicht höhlt der stete Tropfen mal den Stein, oder auch nicht.

Ich denke, dass die VC sich das aber ja gar nicht leisten kann, zu ignorieren. Einen Betrieb, der untarifiert in direkter Konkurrenz zu Mitgliedsbetrieben wächst, während man selbst im gleichen Konzern abgebaut wird, kann keine Gewerkschaft kalt lassen.

Wenn dann noch die Kollegen der Aerologic genau das als positives Merkmal heraus stellen, kann eine Gewerkschaft eigentlich gar nicht mehr anders, als massiv dagegen an zu gehen. Es gefährdet letztendlich alle Gewerkschaftsmitglieder, wenn ein Betrieb "auf Kosten" organisierter Betrieb wächst. Ob das wirklich so ist, wissen ja auch nur die direkt Beteiligten und mag sicherlich diskussionswürdig sein. Aber allein der Eindruck, dass dies der Fall sein könnte, lässt die Gemüter offensichtlich nicht kalt...
Beitrag vom 13.07.2021 - 17:25 Uhr
Über die Gehälter kann ich keine Aussage treffen. Aber genau das, was Sie im zweiten Teil beschreiben ist der Grund, warum es tarifiert werden "muss". Sunexpress war auch nicht tarifiert. Auch deshalb konnte LH dort "wüten"... Und für individuelle Verträge, die im Zweifelsfall eben dem "Markt" unterliegen gibt es monetär eben einen Bonus. Oder eine schnelle Perspektive oder oder oder....
Aber Jobsicherheit über Jahre eben nicht...


Ich glaube nicht, dass LH bei Aerologic wüten kann. Eines wird hier scheinbar nicht so gesehen: der Laden gehört zu 50% (wenn es um die Eigentumsverhältnisse geht) der DHL. Meinen Sie, dass die DHL die "gleichen Scherereien" auf dem Hof haben will wie LH?

Für DHL ist Aerologic eine gute Plattform. DHL hat wirtschaftlich die Hosen an. 3/4 der Flieger dort fliegen für die DHL. LH ist wirtschaftlich gesehen der Juniorpartner. Meinen Sie, dass die DHL toleriert, dass dort LH/VC Grabenkämpfe gekämpft werden? Ich glaube, wenn das naht, wird DHL dort Ansagen machen und zwar sehr deutliche - das Ziehen des Steckers nicht ausgeschlossen.

Ich rate, das Thema Aerologic nicht so heiß zu essen, wie es von vielen gekocht wird. Vor allem sollte man die Phantasien mal beiseite legen, dass die VC dort die gleiche Macht haben kann wie bei LH. Der Tag wird nun einfach nie kommen. Aber politisch verstehe ich die VC. Denn vielleicht höhlt der stete Tropfen mal den Stein, oder auch nicht.


Dieser Beitrag wurde am 13.07.2021 17:26 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 13.07.2021 - 10:44 Uhr
@Viri

Wo war meine Aussage selektiv. Sie gaben genau das aufgezählt, was ich zum Thema Bodenmitarbeiter schrieb.
Ich machte keine Aussagen zu UFO und Cockpit.

Genau das ist ja selektiv! Ich schrieb vorher von den anderen Gewerkschaften und Sie picken sich nur eine andere Berufsgruppe raus. Merken Sie selber, was?


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