Airlines verunsichert
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Airbus-Gewitter stellt Flottenpläne auf den Kopf

Airbus A321XLR
Airbus A321XLR, © Airbus

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TOULOUSE - Airbus hatte an der Börse einen Lauf. Der ist vorerst gestoppt. Die Lieferkette stottert - und zwingt Airbus zu einem langsameren Hochlauf der Produktion. Die Bandbreite der aktuellen Probleme hatten selbst Branchenkenner zu lange unterschätzt - umso größer ist nun die Verunsicherung.

Airbus machte an der Börse nach der Krise rasch Boden gut - im März stellte die Aktie bei 170 Euro ein neues Allzeithoch auf. Nach einer Gewinnwarnung und gesenkter Lieferprognose befindet sich das Airbus-Papier in Kursturbulenzen und notiert fast 25 Prozent tiefer.

Der Konzern hat sein 2024er-Ziel von 800 auf 770 Flugzeuge herabgesetzt. Zum Halbjahr dürfte Airbus bei rund 300 Auslieferungen stehen. Ohne die Kürzungen hätte Airbus schon Ende Juni "Maschinen ohne Triebwerke" ausliefern müssen, verteidigte Konzernchef Guillaume Faury den Schritt.

In einer Mitteilung führt Airbus aber nicht nur Engpässe bei Triebwerken und Kabinenausstattung ins Feld. Für beide Produktgruppen tragen externe Zulieferer Verantwortung. Auch "Strukturkomponenten" stehen nicht in ausreichender Menge und termingerecht zur Verfügung - und die fertigt Airbus überwiegend selbst.

Der Hersteller hatte sich 2022 gegen einen Verkauf der Strukturensparte Premium Aerotec entschieden - und die Werke neuen Organisationseinheiten zugeordnet.

In der Airbus Aerostructures GmbH fertigt Airbus in Hamburg, Bremen, Stade und Nordenham Rumpfsegmente und weitere Strukturteile für die Kernprogramme A320neo und A350 selbst.

Faury wies zudem auf "Unsicherheiten" rund um Spirit Aerosystems hin. Das US-Unternehmen liefert A350-Vorprodukte und Tragflächen für die A220 - und steht vor einer Übernahme durch Boeing. Zumindest das A220-Tragflächenwerk in Belfast will Airbus aus dem Deal herauslösen und in Zukunft selbst betreiben.

Die Probleme in den Lieferketten werden Airbus noch bis zu drei Jahre in Atem halten, hatte Faury zuletzt bereits Erwartungen flach gehalten. Am Montagabend zog der Konzern nach Börsenschluss die Reißleine - und schockte nicht nur Anleger.

Dass Airbus das laufende Jahresziel "um nur 30 Flugzeuge trimmt" habe man eher als positive Nachricht zur Kenntnis genommen, sagte ein Flottenmanager eines großen europäischen Airbus-Abnehmers aero.de am Donnerstag. "Die Maschinen reicht Airbus dann eben ein paar Wochen später nach."

Weitaus schwerer trifft Airlines der schleppende Ausbau der A320neo-Produktion. "Wir fahren hoch, aber langsamer", sagte Faury. Airbus hält im wichtigsten Programm zwar weiter Kurs auf eine 75er-Monatsrate, will die Schwelle nun aber erst 2027 nehmen, ein Jahr später als geplant.

Und bis dahin? Airbus bleibt nach der gesenkten Prognose vage, steckt zunächst keine Zwischenziele ab - besonders das sorgt in der Szene für Unbehagen.

"In jedem Fall heißt das, dass wir auch 2025, 2026 und 2027 weniger Neos erhalten werden als die für diese Jahre terminierten Flugzeuge", sagte der Airlinemanager. "Uns werden nicht nur unter dem Strich Flugzeuge fehlen - jede A321neo, die eine A320ceo später ersetzt, reißt eine Lücke in die Kapazitätsplanung."

Warnung "massiv und langfristig"

Für Airbus preist der Finanzmarkt die Entwicklung mit dem aktuellen Kursrutsch bereits ein: J.P.Morgan-Analyst Analyst David Perry kappte seine Ergebnisschätzung bis 2027 am Dienstagmorgen um bis zu 18 Prozent. Damit reagierte er auf die Prognosesenkungen des Luft- und Raumfahrtkonzerns. Dessen Warnung sei "massiv und langfristig".
© aero.de, dpa-AFX | Abb.: Airbus | 28.06.2024 06:26

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Beitrag vom 28.06.2024 - 07:28 Uhr
umso größer ist nun die Verunsicherung.

Verunsichern würde mich eher, wenn Airbus jetzt auch zB die Boxen mit den rot markierten Teilen durchsuchen würde, um trotz Lieferengpässen um jeden Preis die Produktionszahlen zu halten...

Nicht dass "die Börse" das honorieren würde.


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