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"Niemand hatte wirklich damit gerechnet"

UIA Boeing 737-900ER
UIA Boeing 737-900ER, © UIA

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DÜSSELDORF - Die Ereignisse in der Ukraine bedrohen Ukraine International Airlines (UIA) in der Existenz. Im Interview mit aero.de spricht der Vertreter von Ukraine International in Deutschland, Adin Mujic, über den Ausnahmezustand vor Ort, Fluggastklagen im Krieg - und ein Hilfsangebot von Condor.

Seit dem 24. Februar 2022 ist auch für Ukraine International Airlines nichts mehr so, wie es einmal war - Putin führt zunehmend einen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine. Die russische Armee zerbombt die zivile Infrastruktur, die UN sieht Anzeichen für schwerste Kriegsverbrechen.

Adin Mujic muss die Entwicklungen aus dem Deutschlandbüro der Airline verfolgen. aero.de hat mit dem Manager gesprochen.

aero.de: Herr Mujic, Russland hat am 24. Februar in einem Zivilisationsbruch die Ukraine überfallen. Wie sah an jenem Donnerstag Ihr Morgen aus?

Adin Mujic: Mir ging es ähnlich wie vor zwei Jahren als ich erfuhr, dass unser Flug PS752 im Iran vermeintlich zuerst verunglückt war - und man dann doch erkennen musste, dass es sich um einen Abschuss handelte. Man kann das zuerst nicht fassen und ist geschockt. Doch die Realität und Bilder holen einen dann doch schneller ein als gedacht.

Ich habe natürlich direkt mit meinen Kollegen/innen in Kiew vom Headoffice Kontakt aufgenommen. Diese waren auch selber sehr schockiert und mussten sich erstmal sammeln. Natürlich habe ich auch viele Anrufe von direkten Vertriebspartnern und Reisebüroagenten erhalten.

In unserer Branche rechnet man eigentlich immer mit Hiobsbotschaften - jedoch nicht mit einem solchen Kriegsausbruch.

Wie halten Sie gerade Kontakt zu Ihren Kolleginnen und Kollegen in der Ukraine?

In diesen schwierigen Zeiten versuche ich hauptsächlich über Handy oder Messengerdienste mit den noch verbleibenden Kollegen/innen in der Ukraine den Kontakt aufrecht zu halten, auch wenn sich dies nicht immer einfach gestaltet, da viele sich immer noch auf der Flucht befinden oder in Luftschutzbunkern sind.

Der Krieg und gerade auch die immer schwereren Angriffe auf die Hauptstadt Kiew haben leider dazu geführt, dass die Infrastruktur bei UIA und viele Abteillungen geschlossen wurden - oder schlicht nicht mehr erreichbar sind.

Der Mut und Patriotismus der Ukrainer ist hier jedoch wirklich beispiellos. Viele werden bis zur letzten Möglichkeit ihr Land verteidigen, sich dem russischen Militär entgegenstellen und für Land und für die Demokratie kämpfen.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag - so man davon sprechen kann - aktuell aus?

Auch in diesen Zeiten erreichen mich noch täglich viele Refundanträge von Reisebüros und Passagieren, die ihr Geld eindringlich zurückfordern - und sogar einklagen. Man möge vielleicht denken, dass aufgrund der aktuellen Gegebenheiten sich natürlich eine gewisse Solidarität oder Sensibilität bei den Menschen einstellen sollte, aber wenn es um das eigene Portemonnaie geht, endet die Solidarität leider schnell!

Zehn Tage vor dem Angriff hatte Ukraine International Flugzeuge wegen erloschener Versicherungen außer Landes gebracht. Hatten Ihre Teams vor Ort zu diesem Zeitpunkt noch Hoffnung, dass es am Ende nicht zu einem Krieg kommt?

Niemand hatte wirklich damit gerechnet, dass es so weit kommen würde und dass Putin diesen Weg einschlagen wird. Zwar waren die Vorzeichen und Warnungen in den Wochen vor Russlands Truppenaufmarsch präsent. Wir wussten aber aus den letzten Jahren, dass militärische Provokationen und Machtdemonstrationen von russischer Seite immer wieder zur Tagesordnung gehörten.

Dazu gehörten natürlich auch die Konflikte im Donbas. Ich denke, dass viele Ukrainer auch nicht gedacht hätten, dass es zu solch einer brutalen Eskalation kommen würde - aber wiederum ist es auch bemerkenswert, wie geschlossen und einig sich der Widerstand formiert hat. Auch viele Frauen sind in der Ukraine geblieben, um ihr Land zu verteidigen.

UIA hat anderen Airlines Wet-Lease-Flüge angeboten. Wie viele Flugzeuge Ihrer Flotte sind derzeit einsatzbereit?

Laut meinen Kollegen von der Charterabteilung steht zur Zeit eine Maschine des Typs Boeing 737-900 in Moldawien auf dem Flughafen KIV für Adhoc.-Anfragen zur Verfügung und in Spanien eine Embraer E190 bei Teruel. Die restlichen Maschinen sind an die Leasinggeber bereits zurückgegangen. 

Hier auch nochmal der Aufruf: Interessenten können sich gerne an unsere - noch bestehende - Charterabteilung unter der Emailadresse charter(-at-)flyuia.com oder an mich direkt wenden. Informationen gibt hierzu es auch auf unserer Internetseite.
 
Haben Sie bereits einen konkreten Wetlease-Auftrag erhalten?

Ja, wir haben vereinzelt einige Aufträge aus Israel und anderen Ländern erhalten.

Anmerkung der Redaktion: zwischenzeitlich hat Air Baltic ein Wet-Lease mit UIA über die 737-900 vereinbart.

Erfahren Sie derzeit Unterstützung von anderen europäischen Airlines?

Wir haben viel positiven Zuspruch und Unterstützung von einigen großen Airlines erhalten. Einige Airlines bieten uns kostenlose Tickets für geflüchtete Ukrainer ab den ukrainischen Nachbarländern zu europäischen Zielen an. 

Ein großer deutscher "gestreifter" Ferienflieger hat sogar direkte Jobangebote für unsere geflüchteten Crewmitglieder, Piloten und Mechaniker angeboten. Ich habe alle Angebote an meine mir bekannten Kontakte und Gruppen weitergeleitet.

Anmerkung der Redaktion: Condor hat auf Anfrage entsprechende Angebote an UIA-Mitarbeitende bestätigt. "Wir stehen in engem Kontakt", sagte eine Sprecherin aero.de. "Wir wollen unbedingt helfen."

Antonov Airlines will mit fünf An-124 aus Leipzig fliegen - wird Wet-Leasing aus dem "Exil" auch für UIA zu einer Art Übergangsgeschäftsmodell bis in der Ukraine wieder Flugbetrieb möglich ist?

In diesen schwierigen Zeiten sollte jede Option, die sich bietet, genutzt werden - und da UIA buchstäblich ums Überleben kämpfen muss, sind natürlich auch solche Geschäftsmodelle denkbar. Soweit ein Markt dafür gegeben und operativ möglich ist, wird UIA jede sich bietende Möglichkeit nutzen.

Wie ist es nach Ihren Informationen derzeit um die Airportinfratruktur in der Ukraine bestellt?

Die primären Ziele der ersten Luftangriffe Russlands konzentrierten sich zuerst "angeblich" auf strategische militärische Ziele, wozu auch der Militärflughäfen Hostomel bei Kiew gehörte. Dies traf dann leider auch die Mrija AN-225. Russland geht es hauptsächlich um Zerstörung und Beseitigung der ukrainischen Infrastruktur - ohne Rücksicht auf Verluste und Menschenleben! 

Da die Angriffe inzwischen auch viele zivile Ziele treffen, werden immer häufiger Flughäfen der Ballungsgebiete von Raketen getroffen. Aktuell wurde der Flughafen in Odessa/ODS mit Raketen angegriffen und immer wieder hört man auch von unmittelbaren Einschlägen in der Nähe von Kiew-Boryspil. Ich hoffe natürlich, dass es nicht zu einer völligen Zerstörung kommen wird.

Generell wäre immer noch die gesamte Sperrung des Luftraumes über der Ukraine sehr hilfreich, um der wahllosen Zerstörung und den Luftangriffen ein Ende zu bereiten, wie dies auch in den letzten Tagen immer wieder von der ukrainischen Regierung gefordert worden ist.

Wie wichtig wird die zivile Luftfahrt für die Zukunft der Ukraine?

Die zivile Luftfahrt war und wird auch in der Zukunft eines der wichtigsten Zweige der ukrainischen Wirtschaft bleiben. Betrachtet man die Größe der Ukraine - fast doppelt so groß wie Deutschland - ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Flugverkehr für die Infrastruktur des Landes eine große Rolle spielt.

Ich denke deshalb, dass sich dieser Zweig schnell erholen wird und der Regierung auch viel daran gelegen ist, eine gute Infrastruktur im Land zu haben. 

Die Frage ist nur: wieviel wird noch übrig bleiben von der jetzigen Infrastruktur - und werden Landesgrenzen jetzt wieder neu gezogen? Und welche Airlines werden überhaupt überleben?

Wenn man sich Städte wie Mariupol ansieht, wo kein Stein mehr auf dem anderen steht, wird es noch eine lange Zeit dauern bis dies alles wieder aufgebaut ist und man von einer Infrastruktur reden kann.

Eine letzte Frage: Sie sind Country Manager für Deutschland - betreuen Sie derzeit auch geflüchtete Mitarbeitende von UIA? Was berichten Ihnen diese Menschen?

Ja, ich versuche jede Hilfestellung meinen Kollegen/innen zu leisten und über lokale Hilfsorganisationen und erste Anlaufstellen hier in Deutschland zu informieren sowie auch bürokratische Hürden bei den Ämtern zu nehmen.

Da sich viele Kollegen/innen noch auf der Flucht befinden, habe ich leider nicht zu allen Kontakt mehr. Ich habe nur zu Kriegsbeginn mitbekommen, dass viele meiner Kollegen/innen Unterschlupf in U-Bahnstationen und Luftschutzbunkern suchen mussten und über mehrere Tage dort ausharrten.

Die Versorgung mit Lebensmitteln und Hilfsgütern ist vielerorts abgeschnitten, im Osten und Süden entlang der Belagerungszone ist die Lage sogar noch etwas schlimmer als im Westen, da den Menschen dort jeder Fluchtweg versperrt ist und die medizinische Versorgung aufgrund von den ständigen Angriffen nicht mehr vorhanden ist.

Es tut mir am meisten um die Kinder leid sowie auch um die Alten hilfsbedürftigen Menschen. Dieser Krieg hat vieles verändert und vielen alles genommen. Bleibt nur zu hoffen, dass das russische Volk endlich aufwacht und Putin stoppt!

Herr Mujic, vielen Dank für diese Einblicke!
© aero.de | Abb.: UIA | 03.05.2022 06:45

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Beitrag vom 17.05.2022 - 02:16 Uhr
@VB & Viri..ist das hier eine Internetseite wo es um's fliegen und alles was dazugehört geht?...wenn hier irgendwas politisiert,dann ihr beide!Ich bin Fluggast und hatte das zweifelhafte "vergnügen" mit UIA zu fliegen.Oder um welche Airline geht es in dem Artikel?...oder sollte ich meine Eindrücke von Sudan Airways runterschreiben?

Sind Sie denn schon mal mit Sudan Airways geflogen?

Ich bin in Vorkriegszeiten mehrfach mit UIA von Berlin via Boryspil nach Odessa und zurück geflogen - mit der 737-800 zwischen Berlin und Boryspil und E190 zwischen Boryspil und Odessa. Zweimal auch mit Windrose und ERJ-145, die Wetlease für UIA zwischen Boryspil und Odessa flogen. UIA hatte in den letzten Jahren vor dem Krieg ihre Flotte weitgehend erneuert und die Classics aus der Gründungszeit gegen NG´s ausgewechselt. Routen mit geringerem Aufkommen wie die nach Odessa wurden mit auch noch recht neuen E190 und etwas älteren E195 bedient. Bei gering ausgelasteten Routen kamen dann die ERJ-145 von Windrose zum Einsatz.
Die Flüge waren immer pünktlich. Der Service brauchte sich neben dem der Lufthansa nicht zu verstecken. Die Cabin Crews waren immer freundlich und sehr professionell. Von den drei Möglichkeiten, per Flugzeug von Deutschland aus nach Odessa und zurück zu kommen - mit der AUA via Wien, mit LOT via Warschau Chopin und eben mit der UIA via Boryspil - war die mit der UIA immer die bequemste, beste, und ja, auch preisgünstigste. Den Gruppentarif bot sonst keine andere Airline an.

"Billigflieger" war UIA aber nur, wenn man sie unreflektiert mit "Westleraugen" betrachtete. Wenn man etwas über die durchschnittlichen Einkommen und Lebenshaltungskosten in der Ukraine vor dem Krieg weiß und tatsächlich mit UIA geflogen ist, dann weiß man auch, dass UIA für ukrainische Verhältnisse eine Hochpreis-Airline war. Deshalb hatte z.B. Wizzair in Zhuliany auch eine sehr gut gehende Basis eingerichtet, Ryanair flog Kiew ebenfalls regelmäßig an und mit SkyUp war erst vor kurzem ein eigener ukrainischer LCC gegründet worden. Der ukrainische "Ottonormalverdiener" konnte sich die modernen Embraer von UIA kaum leisten wenn er nach Odessa wollte sondern fuhr entweder mit dem Zug oder flog mit den uralten Kisten aus Sowjetzeiten von Motor Sich. Wenn Sie einmal mit einer von deren Jak-40 oder AN-24 unterwegs gewesen wären, dann hätten Sie die 737-300 von Sudan Airways schätzen gelernt. Und Sie hätten etwas über die realen Lebensbedingungen der Menschen in diesem Land erfahren. Die dort jetzt trotzdem unter Einsatz ihres Lebens um jeden Quadratmeter ihrer Heimat kämpfen.
UIA bot dagegen immer Weststandard zu den in der Ukraine höchstmöglichen Marktpreisen.

Das ist jetzt alles Geschichte.

Ich will Ihnen Ihr miserables Flugerlebnis nicht absprechen. So etwas kann passieren. Ich bin einmal mit Germania am Flughafen von Las Palmas de Gran Canaria mit 23stündiger Verspätung abgeflogen. Der Flug wurde alle zwei bis drei Stunden um weitere zwei bis drei Stunden verschoben, irgendein Ansprechpartner der Airline war nicht vorhanden, eine Hotline gab es nicht, eine SMS aufs Handy, eine WhatsApp-Nachricht oder E-Mail auch nicht. Die Nacht am Flughafen war nicht die prickelndste meines Lebens. Meinem Arbeitgeber habe ich im Nachgang dann auch noch erklären müssen, warum ich meinen Urlaub eigenmächtig um einen Tag überzogen habe. Kosten für eine Rechtsanwaltskanzlei kamen hinzu.
Trotzdem verallgemeinere ich dieses Erlebnis nicht und reduziere die Germania im Rückblick nicht auf dieses Erlebnis. Und schon gar nicht sage ich: "So sind halt die deutschen Airlines - hohe Preise, große Klappe, nichts dahinter. Ich fliege lieber mit Sudan Airways."


Dieser Beitrag wurde am 17.05.2022 02:46 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 04.05.2022 - 10:56 Uhr
...meine erfahrung als Passagier mit UIA waren durchweg negativ!Ich und einige Mitreisende kamen uns an Bord vor wie Menschen 4.Klasse...das Kabinenpersonal war an arroganz und selbstverliebtheit nicht zu überbieten.Der Flug von Deutschland nach Kiev ging gerade noch...von Kiev nach Istanbul-unterirdisch.Seither gebe ich lieber ein Euro mehr aus und steige für meine Strecke nach Istanbul lieber bei den anderen,netteren und serviceorientierten ein!

Zu mir waren sie recht freundlich ;) Als informierter Konsument ist Ihnen sicher vor der Buchung aufgefallen, dass sich das Angebot von UIA im unteren Preissegment ansiedelt. Wenn Sie mehr möchten, müssen Sie mehr zahlen. Das haben Sie aber bereits selbst erkannt, Glückwunsch! (Nein, Sie dürfen jetzt nicht sagen, dass der Flug aber kein Günstigflug war - immerhin haben Sie selbst "bessere" und "teurere" Alternativen ins Spiel gebracht)
Beitrag vom 04.05.2022 - 00:30 Uhr
...meine erfahrung als Passagier mit UIA waren durchweg negativ!Ich und einige Mitreisende kamen uns an Bord vor wie Menschen 4.Klasse...das Kabinenpersonal war an arroganz und selbstverliebtheit nicht zu überbieten.Der Flug von Deutschland nach Kiev ging gerade noch...von Kiev nach Istanbul-unterirdisch.Seither gebe ich lieber ein Euro mehr aus und steige für meine Strecke nach Istanbul lieber bei den anderen,netteren und serviceorientierten ein!

Ihre subjektiven Erfahrungswerte hier interessieren wirklich niemanden!
und sind sowas von Fehl am Platz! Dafür gibt es sicherlich andere Foren für Airlinebewertungen.
einfach mal googlen !


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