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Wie schlägt sich die 737 MAX bei Airlines und Passagieren?

American Airlines Boeing 737 MAX
American Airlines Boeing 737 MAX, © AA

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SEATTLE - Die 737 MAX ist in den meisten Ländern rehabilitiert - und steht kurz vor 150.000 Flügen seit der Wiederzulassung. Zeit für eine Zwischenbilanz. Wie schlägt sich die 737 MAX im rauen Airlinealltag? Und hegen die Passagiere noch Vorbehalte gegen den Krisenjet? aero.de hat nachgefragt.

Singapur und Malaysia tragen dunkelblau. Auf der Boeing-Weltkarte steht die Farbe für Staaten, in denen die 737 MAX wieder zugelassen ist. Das trifft inzwischen auf die meisten der 195 eingezeichneten Länder wieder zu.

"Die 737 MAX kann jetzt wieder in 178 Ländern eingesetzt werden, nachdem Malaysia und Singapur ihre Luftraumbeschränkungen vergangene Woche aufgehoben haben", informierte Boeing Airlines und Leasingfirmen am 8. September in einem Programm-Update.

Zwei Totalverluste mit 346 Toten hatten das Vertrauen in die 737 MAX und ihren Hersteller erschüttert. Zwischen März 2019 und November 2020 war die 737 MAX weltweit gesperrt. Als Hauptursache der Abstürze gilt ein Designfehler der neuen Trimmautomatik MCAS. Alle 737 MAX, die jetzt wieder abheben, fliegen mit einer modifizierten Flugsteuerung.

Nach frühen Wiederzulassungen in Nordamerika und Europa hat Boeing 2021 auch die meisten anderen Aufsichtsbehörden von den Änderungen überzeugt. China und Russland lassen Boeing noch schmoren - Experten rechnen zumindest für China aber mit einer Freigabe der 737 MAX bis Jahresende.

Inzwischen setzen 31 Airlines die 737 MAX wieder im regulären Passagierverkehr ein. Laut Boeing hat die Weltflotte bis Anfang September 347.812 Flugstunden absolviert und Zuverlässigkeitswerte von durchschnittlich 99,36 Prozent erzielt. Spiegeln sich die vertrauensbildenden Zahlen auch im Buchungsverhalten wider?

Laut Ryanair-Chef Michael O'Leary hat bislang zumindest kein Fluggast eine Beförderung mit der 737 MAX abgelehnt. Ein ähnliches Stimmungsbild zeigt eine Stichprobe unter anderen Betreibern.

Boeing 737 MAX Airspace Status
Boeing 737 MAX Airspace Status, © Boeing

American Airlines hat die 737 MAX seit Jahreswechsel wieder im Linieneinsatz. "Seit der Rückkehr der Boeing 737 MAX im Dezember sind die Buchungseingänge vergleichbar mit denen anderer Flugzeuge unserer Flotte", sagte eine Sprecherin aero.de. "Wir haben keinerlei Feedback oder Daten, die darauf hindeuten, dass die Kunden mit diesem Flugzeug unzufrieden wären."

"Keine besonderen Nachfragen"

Auch bei der deutschen Tuifly und ihren Schwesterairlines "hat es keine besonderen Nachfragen der Gäste gegeben", sagte Airlinesprecher Aage Dünhaupt aero.de.

Während manche Airlines die 737 MAX einfach wieder in den Flugplan schreiben, hat Flydubai die Wiederinbetriebnahme mit einer Informationskampagne flankiert. Seit Juni setzt Flydubai ihre elf 737 MAX und drei 737 MAX wieder im Streckennetz ein - und holt Passagiere auf einer eigens eingerichteten Internetseite ab.

"Wir haben proaktiv mit unseren Passagieren kommuniziert", beschrieb eine Airlinesprecherin gegenüber aero.de den Ansatz. Passagiere wurden "zu jeder Zeit über den Flugzeugtyp informiert, für den sie gebucht waren, auch in Fällen, in denen ein Flugzeugwechsel stattgefunden hat". Wer nicht MAX fliegen wollte, konnte umbuchen.

Mit der 737 MAX ist Flydubai inzwischen auch regelmäßig nach Europa unterwegs - die Airline setzt das Flugzeug unter anderem auf der neuen Linie nach Salzburg ein.
© aero.de | Abb.: American Airlines | 14.09.2021 07:06

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Beitrag vom 15.09.2021 - 08:56 Uhr
Man blicke dagegen rund 50 Jahre zurück. Damals stand die DC-10 nach ihrer Absturzserie jahrelang in sehr schlechtem Ruf. Zwar kam es auch damals nicht wirklich zu "Widerstand" der Passagiere.


Wobei da sicher noch dazukommt, daß damals der durchschnittliche Fluggast der "gebildeteren Schicht" angehörte.

Heute kann sich ja theoretisch "jeder" ein Ticket leisten ( ohne da jetzt eine Verbindung zwischen Bildung und Reiseverhalten herzustllen).

Dieser Beitrag wurde am 15.09.2021 08:57 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 15.09.2021 - 00:01 Uhr
@Cinrella, genau so meinte ich es, lediglich der Preis ist bei sehr vielen Passagieren der ausschlaggebende Faktor, um welches Flugzeug Muster es sich handelt ist meist unbekannt.
Beitrag vom 14.09.2021 - 23:23 Uhr
Die Mehrheit der Passagiere interessiert sich halt auch nicht wirklich mit welchem Fluggerät sie fliegen. Das Thema war medial für eine beschränkte Zeit in den Medien, das ist aber auch schon wieder 2 Jahre her. Zudem kommt hinzu, dass ein jeder sich wieder nach Normalität sehnt, in den Urlaub fliegen möchte. Da ist es egal mit welcher Maschine, bzw. 90% der Passagiere wissen gar nicht mit welchem Herstellee, geschweige denn Muster sie überhaupt fliegen.

Ich würde hier die heutige Nachrichtendichte verdächtigen, die die Menschen so überfrachtet, dass sie gar nicht mehr die Zeit finden, Nachfragen zu stellen und schnell vergessen, was gestern war.

Man blicke dagegen rund 50 Jahre zurück. Damals stand die DC-10 nach ihrer Absturzserie jahrelang in sehr schlechtem Ruf. Zwar kam es auch damals nicht wirklich zu "Widerstand" der Passagiere.

Aber das Image des Fliegers war so angekratzt, dass selbst die nachfolgende MD-11 als "Unglücksflieger" galt, was deren Unfälle zu bestätigen schienen.

Manchen Quellen zufolge gab der fusionierte McDonnell Douglas-Konzern auch deshalb das etablierte Markenkürzel "DC" auf – was nicht unbedingt selbstverständlich war, immerhin hatte McDonnell keine Erfahrung mit Verkehrsflugzeugen –, um PR-mäßig einen Neuanfang hinzulegen.


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