Hallo @Reynolds,
danke für deine schnelle und umfassende Antwort. So gut erläutert, dass ich auch mir als Laien
ein bisschen vorstellen kann, welches Wissen, welche Erfahrung erforderlich ist, um in solchen Momenten das richtige zu tun.
Nachdem ich dich schon an der „Angel“ habe, gestatte mir bitte noch eine weitere Frage:
Wie im Video zu sehen, kommt der Wind von rechts. Nach meiner Vorstellung driftet das Flugzeug, also mit seiner Gesamtmasse nach links ab. Seitenruder + (geringes?) Querruder sind also die Gegenmaßnahmen, oder (?)
Welchen zusätzlichen Einfluss hat denn der Seitenwind auf die Drehung in der Hochachse? Der Leitwerksturm und das Seitenruder bieten doch eine für den Wind recht große weitere Angriffsfläche.
Wird dadurch das Flugzeug nicht auch, im Uhrzeigersinn nach rechts, in der Hochachse beeinflusst? Ist das zu berücksichtigen, wenn ja, wie?
Ich weiß, „Ein Narr kann mehr Fragen stellen, als ein Weiser beantworten kann.“ Aber sicher kannst Du mit einer Antwort meine Unwissenheit verringern.
Danke und einen schönen Tag
Dieser Beitrag wurde am 13.01.2012 14:12 Uhr bearbeitet.
Wie im Video zu sehen, kommt der Wind von rechts. Nach meiner Vorstellung driftet das Flugzeug, also mit seiner Gesamtmasse nach links ab. Seitenruder + (geringes?) Querruder sind also die Gegenmaßnahmen, oder (?)
Im Anflug wird für gewöhnlich einfach mit einem "Vorhaltewinkel" in den Wind gedreht, so dass aus der Vektorsumme aus Wind und Vorwärtsbewegung genau in Landerichtung "getracked" wird, dieser Winkel wird auch als Crab-Angle bezeichnet, da sich das Flugzeug ähnlich einer Krabbe seitwärts der Bahn nähert. Je nach Zulassung und Bauart kann in diesem "Schiebewinkel" auch aufgesetzt werden, denn nicht alle Bauarten erlauben bedingt durch geringe Bodenfreiheit eine Wing-Low Landung, was die klassische Technik ist. Dabei wird im Flare der Vorhalt wieder zurückgenommen und mit in den Wind hängender Fläche und leicht dagegen ausgeschlagenem Seitenruder (verhindert das Gieren zur hängenden Fläche und hält damit dann die Richtung) aufgesetzt. Ein einseitiges Aufsetzen ist hierbei gewollt.
Welchen zusätzlichen Einfluss hat denn der Seitenwind auf die Drehung in der Hochachse? Der Leitwerksturm und das Seitenruder bieten doch eine für den Wind recht große weitere Angriffsfläche.
Wird dadurch das Flugzeug nicht auch, im Uhrzeigersinn nach rechts, in der Hochachse beeinflusst? Ist das zu berücksichtigen, wenn ja, wie?
Solange das Flugzeug aeroydynamisch flugfähig ist, hat es ausreichend Stabilität um die Hochachse, wird man jedoch langsamer wird dieser Wetter Hahn-Effekt zunehmend stärker, da der Vorwärtsvektor kleiner und die Anströmung des Leitwerks ebenfalls geringer und damit weniger wirksam/richtend ist. Nach dem Aufsetzen und Abbremsen nimmt hier also der Segeleffekt zu, und das Flugzeug dreht wie schon richtig erkannt in den Wind, dies ist bei einigen der Landung gut zu erkennen, es kommt dann häufig beim Ausrollen zu einem gewissen Schlingern, wenn dann dagegen korrigiert wird. Die gleiche Problematik gilt dann ebenso beim Startlauf.
Ich weiß, „Ein Narr kann mehr Fragen stellen, als ein Weiser beantworten kann.“ Aber sicher kannst Du mit einer Antwort meine Unwissenheit verringern.
Danke und einen schönen Tag
Bei youtube gibt es Seitenwindlandungen einer 777 bei starkem Seitenwind - allerdings nicht direkt von vorn.
Erst kurz vor dem Aufsetzen des Bugfahrwerkes wird die Flieger in Bahnrichtung gedreht - das müssen Hauptfahrwerk und Reifen einer 777 aushalten können.
ich möchte davon ausgehen, dass das nicht nur die B777 aushalten muss, die A380 Videos von den Seitenwindlandungen in Island sind auch bei Youtube zu finden. Meines Wissens nach ist das ein ganz elementarer Test im Zulassungsprozess.