Community / Kommentare zu aktuellen Nachrichten / Ryanair droht Piloten Konsequenzen an

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Beitrag vom 13.12.2017 - 16:27 Uhr
UserWeideblitz
Moderator
Das Stichwort ist gefallen, es geht um Skaleneffekte. Die vielen AOC sind aus meiner Sicht eher eine Momentaufnahme, ich gehe davon aus, dass wir eine teilweise Bereinigung sehen. Aufgrund der Gewerkschaftsstärke in D werden verschiedene AOCs aber auch in Zukunft nötig sein, um (a) die Produktionskosten niedrig zu halten (interne Konkurrenz) und (b) das Ausfallrisiko bei einem Streik zu minimieren.

Diesen letzten Satz muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen ;-o
Eine gewerkschaftliche (starke) Vertretung als Grund für die Notwendigkeit der Zersplitterung anzuführen, entzieht der sozialen Marktwirtschaft jeglichen Grund und Boden.
Sollte das der Grundsatz diese Handelns sein, wäre es der Beweis für die Umgehung von tariflichen Regelungen und für dafür, dass man sich bewusst den sozialen Regeln verschiedener Staaten entziehen will, "nur" um eine Gewinnsteigerung zu erzielen.
Da stellt sich dann als nächstes die Frage: Auf wessen Kosten?

Sie verkennen da einen wesentlichen Umstand: die Ursache für die Notwendigkeit der AOC Zersplitterung liegt primär nicht bei den Unternehmen, sondern in der Zersplitterung duch verschiedene nationale Regelungen beim Arbeitsrecht, Steuerrecht und Tarifrecht. Durch diese verschiedenen nationalen Spielregeln funktioniert der Arbeitsmarkt trotz eines europäischen Wirtschaftraums national untereinheitlich. Und mit diesem Fakt ist es ganz klar, daß jedes Unternehmen versucht, sich die für sich besten Konditionen herauszusuchen - und das kann man den Unternehmen auch nicht vorwerfen, weil das ist einfach deren Aufgabe, wie alle anderen auch um deren Interessen kämpfen. Und genau das macht FR wie auch LH, wenn auch mit teilw. verschiedenen Mitteln.

Übrigens: die Mitarbeiter, die flexibel sind, nutzen diese Unterschiede auf gleiche Weise aus und suchen sich das Land aus mit den für sie besten Arbeitskonditionen.
Beitrag vom 13.12.2017 - 16:44 Uhr
UserDigiflieger
User (726 Beiträge)
Das Stichwort ist gefallen, es geht um Skaleneffekte. Die vielen AOC sind aus meiner Sicht eher eine Momentaufnahme, ich gehe davon aus, dass wir eine teilweise Bereinigung sehen. Aufgrund der Gewerkschaftsstärke in D werden verschiedene AOCs aber auch in Zukunft nötig sein, um (a) die Produktionskosten niedrig zu halten (interne Konkurrenz) und (b) das Ausfallrisiko bei einem Streik zu minimieren.

Diesen letzten Satz muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen ;-o
Eine gewerkschaftliche (starke) Vertretung als Grund für die Notwendigkeit der Zersplitterung anzuführen, entzieht der sozialen Marktwirtschaft jeglichen Grund und Boden.
Sollte das der Grundsatz diese Handelns sein, wäre es der Beweis für die Umgehung von tariflichen Regelungen und für dafür, dass man sich bewusst den sozialen Regeln verschiedener Staaten entziehen will, "nur" um eine Gewinnsteigerung zu erzielen.
Da stellt sich dann als nächstes die Frage: Auf wessen Kosten?

Sie verkennen da einen wesentlichen Umstand: die Ursache für die Notwendigkeit der AOC Zersplitterung liegt primär nicht bei den Unternehmen, sondern in der Zersplitterung duch verschiedene nationale Regelungen beim Arbeitsrecht, Steuerrecht und Tarifrecht. Durch diese verschiedenen nationalen Spielregeln funktioniert der Arbeitsmarkt trotz eines europäischen Wirtschaftraums national untereinheitlich. Und mit diesem Fakt ist es ganz klar, daß jedes Unternehmen versucht, sich die für sich besten Konditionen herauszusuchen - und das kann man den Unternehmen auch nicht vorwerfen, weil das ist einfach deren Aufgabe, wie alle anderen auch um deren Interessen kämpfen. Und genau das macht FR wie auch LH, wenn auch mit teilw. verschiedenen Mitteln.


Da haben Sie grundsätzlich recht.
Es erklärt aber nicht "den Zwang" es innerhalb eines Landes für die gleiche Produktion (EWD, GWI, LGW) uneinheitlich zu machen. Oder aber so wie bei NIKI ursprünglich geplant und jetzt mit SN, die Firma im Ausland, aber die Produktion im Inland zu machen. (Firma Österreich/Belgien, Produktion in DUS)
Genauso gut hätte man mit den "teueren" deutschen Regeln und Tarifen ins Ausland gehen können...

Übrigens: die Mitarbeiter, die flexibel sind, nutzen diese Unterschiede auf gleiche Weise aus und suchen sich das Land aus mit den für sie besten Arbeitskonditionen.

Je nach System, hat der MA aber genau diese Flexibilität nicht. Wer erst einmal lang genug in ein bestimmtes System "investiert" hat, kann nur unter "Totalverlust" wo anders weiter machen.
Die besten Arbeitskonditionen sind so nicht zu erreichen, bzw. es gibt eher das race-to-the-bottom...
Beitrag vom 13.12.2017 - 17:49 Uhr
UserWeideblitz
Moderator
Sie verkennen da einen wesentlichen Umstand: die Ursache für die Notwendigkeit der AOC Zersplitterung liegt primär nicht bei den Unternehmen, sondern in der Zersplitterung duch verschiedene nationale Regelungen beim Arbeitsrecht, Steuerrecht und Tarifrecht. Durch diese verschiedenen nationalen Spielregeln funktioniert der Arbeitsmarkt trotz eines europäischen Wirtschaftraums national untereinheitlich. Und mit diesem Fakt ist es ganz klar, daß jedes Unternehmen versucht, sich die für sich besten Konditionen herauszusuchen - und das kann man den Unternehmen auch nicht vorwerfen, weil das ist einfach deren Aufgabe, wie alle anderen auch um deren Interessen kämpfen. Und genau das macht FR wie auch LH, wenn auch mit teilw. verschiedenen Mitteln.


Da haben Sie grundsätzlich recht.
Es erklärt aber nicht "den Zwang" es innerhalb eines Landes für die gleiche Produktion (EWD, GWI, LGW) uneinheitlich zu machen. Oder aber so wie bei NIKI ursprünglich geplant und jetzt mit SN, die Firma im Ausland, aber die Produktion im Inland zu machen. (Firma Österreich/Belgien, Produktion in DUS)
Genauso gut hätte man mit den "teueren" deutschen Regeln und Tarifen ins Ausland gehen können...

Wieso sollte eine Firma das tun? Es wäre unternehmensschädliches Verhalten, solche Vorteile nicht zu nutzen, was für Manager rechtlichre Konsequenzen durch die Investoren nach sich ziehen könnte. Aber auch ohne Investoren würde das keinen Sinn machen, wettbewerbsrelevante Vorteile liegen zu lassen.

Davon abgesehen ist anzunehmen, dass zumindest die verschiedenen AOCs in D nur eine Momentaufnahme sind und diese zusammengelegt werden. Das wurde aber auch schon oben gesagt. Aber das passiert vermutlich auch nur dann, sofern nicht die teuersten Konditionen herangezogen werden. Sonst könnte LH die AOCs auch getrennt lassen. Und auch das ist aus Unternehmenssicht einfach notwendig aus denselben Gründen: das Liegenlassen von Vorteilen führt zu direkten Nachteilen im Wettbewerb, und damit kann auch der Fortbestand des Unternehemens gefährdet werden, siehe Air Berlin. Und das liegt schlicht und einfach daran, daß der Wettbewerb bei vergleichbareer Verbindung fast ausschießlich über den Preis geht. Und das liegt wieder nicht an den Unternehmen, sondern an den Verbrauchern, den Passagieren, die in den Bergleichsportalen dann immer beim billigsten Ticket aufs Knöpfchen drücken.


Übrigens: die Mitarbeiter, die flexibel sind, nutzen diese Unterschiede auf gleiche Weise aus und suchen sich das Land aus mit den für sie besten Arbeitskonditionen.

Je nach System, hat der MA aber genau diese Flexibilität nicht. Wer erst einmal lang genug in ein bestimmtes System "investiert" hat, kann nur unter "Totalverlust" wo anders weiter machen.
Die besten Arbeitskonditionen sind so nicht zu erreichen, bzw. es gibt eher das race-to-the-bottom...

Genau deswegen ist es sinnvoll, diese Regeln EU-weit zu vereinheitlichen und diese nationalen Ansätze zu beenden. Dann gibt es auch dieses Auspielen gegeneinader auch nicht mehr.
Beitrag vom 13.12.2017 - 18:09 Uhr
UserDigiflieger
User (726 Beiträge)
Es erklärt aber nicht "den Zwang" es innerhalb eines Landes für die gleiche Produktion (EWD, GWI, LGW) uneinheitlich zu machen. Oder aber so wie bei NIKI ursprünglich geplant und jetzt mit SN, die Firma im Ausland, aber die Produktion im Inland zu machen. (Firma Österreich/Belgien, Produktion in DUS)
Genauso gut hätte man mit den "teueren" deutschen Regeln und Tarifen ins Ausland gehen können...

Sorry, das ist natürlich nicht ernst gemeint ;-)

Wieso sollte eine Firma das tun? Es wäre unternehmensschädliches Verhalten, solche Vorteile nicht zu nutzen, was für Manager rechtlichre Konsequenzen durch die Investoren nach sich ziehen könnte. Aber auch ohne Investoren würde das keinen Sinn machen, wettbewerbsrelevante Vorteile liegen zu lassen.

Mir und sicher jedem anderen hier auch ist mittlerweile schon klar, dass das einzige Merkmal, an dem man in der Marktwirtschaft gemessen wird nun einmal der Gewinn ist. Deshalb ja auch meine These, dass wir uns vom "sozial" verabschiedet haben...


Davon abgesehen ist anzunehmen, dass zumindest die verschiedenen AOCs in D nur eine Momentaufnahme sind und diese zusammengelegt werden. Das wurde aber auch schon oben gesagt. Aber das passiert vermutlich auch nur dann, sofern nicht die teuersten Konditionen herangezogen werden. Sonst könnte LH die AOCs auch getrennt lassen. Und auch das ist aus Unternehmenssicht einfach notwendig aus denselben Gründen: das Liegenlassen von Vorteilen führt zu direkten Nachteilen im Wettbewerb, und damit kann auch der Fortbestand des Unternehemens gefährdet werden, siehe Air Berlin. Und das liegt schlicht und einfach daran, daß der Wettbewerb bei vergleichbareer Verbindung fast ausschießlich über den Preis geht. Und das liegt wieder nicht an den Unternehmen, sondern an den Verbrauchern, den Passagieren, die in den Bergleichsportalen dann immer beim billigsten Ticket aufs Knöpfchen drücken.

Ja, ist wohl so. Das Problem ist nun einmal, dass entgangener Gewinn als einzige allgemein akzeptierte Kenngröße sofort als Wettbewerbsnachteil definiert ist. Das setzt sich auch in den Köpfen der Kunden fest, da sie es in ihrem eigenen Unternehmen ebenso zu spüren bekommen.



Übrigens: die Mitarbeiter, die flexibel sind, nutzen diese Unterschiede auf gleiche Weise aus und suchen sich das Land aus mit den für sie besten Arbeitskonditionen.

Je nach System, hat der MA aber genau diese Flexibilität nicht. Wer erst einmal lang genug in ein bestimmtes System "investiert" hat, kann nur unter "Totalverlust" wo anders weiter machen.
Die besten Arbeitskonditionen sind so nicht zu erreichen, bzw. es gibt eher das race-to-the-bottom...

Genau deswegen ist es sinnvoll, diese Regeln EU-weit zu vereinheitlichen und diese nationalen Ansätze zu beenden. Dann gibt es auch dieses Auspielen gegeneinader auch nicht mehr.

Das sind aber sehr dicke Bretter und die wehren sich ;-) Es wäre ja schon einmal gut, wenn die gewerkschaftlichen Bemühungen zur vergleichbaren Bezahlung nicht gleich wieder als unangemessen tituliert werden würden ;-)
Beitrag vom 13.12.2017 - 18:56 Uhr
UserWeideblitz
Moderator
@Digiflieger
klar, solcher "Bretter sind richtig fett, aber national bekommt man das leider niemals geregelt. Wenn man das versucht, endet das leider in Firmen-/Kapitalflucht, und zwar massiv. Also geht es nur, indem man die Fluchtmöglichkeiten (Steueroasen, siehe Panama Papers) reduziert und das geht nur international wirklich effektiv. Und dabei will ich gar nicht global reden (obwohl der der gesamte Longhaul-Bereich ein weltweitger Markt ist), sondern zunächst europäisch. Aber dazu benötigt es eine reformierte EU, basierend auf Mehrheitsentscheidungen ohne Vetos und eine halbierte Kommission und demokratisch legitimiert...


Dieser Beitrag wurde am 14.12.2017 17:52 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 14.12.2017 - 19:57 Uhr
Uservalhs
User (172 Beiträge)
Mir und sicher jedem anderen hier auch ist mittlerweile schon klar, dass das einzige Merkmal, an dem man in der Marktwirtschaft gemessen wird nun einmal der Gewinn ist. Deshalb ja auch meine These, dass wir uns vom "sozial" verabschiedet haben...

vielleicht interessant - was bedeutet soziale Marktwirtschaft 'jedem anderen hier':
'Das Soziale in der Sozialen Marktwirtschaft. In der Öffentlichkeit und bis in die Spitzen der Politik verbreitet ist folgende Denk- und Argumentationsweise: die Marktwirtschaft wird erst durch den Zusatz des Sozialen moralisch akzeptabel. Bei dieser Argumentation handelt es sich um ein klassisches Eigentor. Wer so denkt und redet, transportiert nämlich im Umkehrschluss die Auffassung, dass die Marktwirtschaft als solche eigentlich unmoralisch ist. Da Moral und Ethik wichtiger sind als Ökonomie und Ökonomik, lässt sich daraus dann für die Politik leicht die Folgerung ableiten, dass der Markt mit Wettbewerb und Gewinnstreben der Unternehmen aus moralischen Gründen eingeschränkt, gebändigt, domestiziert werden muss. Diese Auffassung provoziert also permanente sozialpolitische Eingriffe in Marktprozesse; es wird so lange an den Marktergebnissen herumgedoktert, bis von der Marktwirtschaft nicht mehr viel übrig bleibt.'
 DP 14-04 Karl Homann Die moralische Qualität der Marktwirtschaft

Dieser Beitrag wurde am 14.12.2017 19:58 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 14.12.2017 - 20:03 Uhr
Userjasonbourne
User (1014 Beiträge)
Das Stichwort ist gefallen, es geht um Skaleneffekte. Die vielen AOC sind aus meiner Sicht eher eine Momentaufnahme, ich gehe davon aus, dass wir eine teilweise Bereinigung sehen. Aufgrund der Gewerkschaftsstärke in D werden verschiedene AOCs aber auch in Zukunft nötig sein, um (a) die Produktionskosten niedrig zu halten (interne Konkurrenz) und (b) das Ausfallrisiko bei einem Streik zu minimieren.

Diesen letzten Satz muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen ;-o
Eine gewerkschaftliche (starke) Vertretung als Grund für die Notwendigkeit der Zersplitterung anzuführen, entzieht der sozialen Marktwirtschaft jeglichen Grund und Boden.
Sollte das der Grundsatz diese Handelns sein, wäre es der Beweis für die Umgehung von tariflichen Regelungen und für dafür, dass man sich bewusst den sozialen Regeln verschiedener Staaten entziehen will, "nur" um eine Gewinnsteigerung zu erzielen.
Da stellt sich dann als nächstes die Frage: Auf wessen Kosten?

Sie verkennen da einen wesentlichen Umstand: die Ursache für die Notwendigkeit der AOC Zersplitterung liegt primär nicht bei den Unternehmen, sondern in der Zersplitterung duch verschiedene nationale Regelungen beim Arbeitsrecht, Steuerrecht und Tarifrecht. Durch diese verschiedenen nationalen Spielregeln funktioniert der Arbeitsmarkt trotz eines europäischen Wirtschaftraums national untereinheitlich. Und mit diesem Fakt ist es ganz klar, daß jedes Unternehmen versucht, sich die für sich besten Konditionen herauszusuchen - und das kann man den Unternehmen auch nicht vorwerfen, weil das ist einfach deren Aufgabe, wie alle anderen auch um deren Interessen kämpfen. Und genau das macht FR wie auch LH, wenn auch mit teilw. verschiedenen Mitteln.

Übrigens: die Mitarbeiter, die flexibel sind, nutzen diese Unterschiede auf gleiche Weise aus und suchen sich das Land aus mit den für sie besten Arbeitskonditionen.

Das ist ein sehr guter Punkt und in meinen augen auch einer der hauptgründe für den frust bei der arbeitenden bevölkerung.

Während unternehmen wie Apple, Google und co. die globalisierung nutzen um steuern zu sparen, produktion in niedriglohnländer verlagern und sich aus der finanzierung der systeme zurückziehen hat das der arbeitnehmer nicht.

Und dieses ausnutzen von systemlücken ist zwar auf seiten der unternehmen "richtig" aber mmoralisch verwerflich.
Die EU wäre eine der institutionen die da den riegel vorschieben könnte- indem sie ihre regelungen vereinheitlicht.
passiert aber nicht.
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