Community / Kommentare zu aktuellen Nachrichten / Airbus zahlt nur noch in Dollar

Beitrag 1 - 6 von 6
Beitrag vom 08.10.2008 - 15:23 Uhr
UserAviatorNZ
Moderator
Jaja, das gute alte Currency Risk :roll:

 http://www.sueddeutsche.de/,ra3m1/wirtschaft/333/313240/text/
Beitrag vom 08.10.2008 - 16:35 Uhr
UserOldfly1
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User (1570 Beiträge)
Moin,

der Dollar wird nach der US-Wahl ins bodenlose fallen, ich tausche dann auch mein Auto gegen eine A318 ein, ist doch Klasse oder ?

Und wenn Enders glaubt Er könne das bestimmen dann muss Er halt alles umrechnen, "Made in Europe" gibt es nur für Euro. :wink:

Und wenn man bald in ganz USA mit Euro bezahlen kann, dann ist Zappenduster mit dem Dollar. :D

Und by the Way, Enders und vielleicht das gesamte EADS-Board ist sowieso nicht mehr lange da, bis jetzt wurden keine Vorgaben der HV erzielt und somit wird der Vorstand nicht mehr entlastet, Basta. 8) (Den Schröder "Satz" finde ich zu schön.)

Der A400M fliegt nicht, der A380 wird keine 12 Stück in diesem Jahr abwerfen, Power8 liegt auch nicht im Ziel usw.

Edit: Würde man mal ein wenig Nachdenken, bräuchte man kein Power 8 und könnte beim A380 im Zeitplan liegen, und vielleicht wäre der A400M auch schon in der Luft.

Ich kann nur jedem Airbus Mitarbeiter raten, soviel wie irgend möglich Aktien von EADS zu kaufen, und dann wird EADS zur nächsten HV ein Olympia Stadion brauchen. :D

Airbus bleibt Europäisch oder Enders und Konsorten werden einen Aufstand auslösen.

Und wenn Enders sich nicht beeilt dann wird Er wohl auch keine Abfindung mehr bekommen.

Gruß
Beitrag vom 08.10.2008 - 23:13 Uhr
UserRunway
User (2975 Beiträge)
Ich hatte mit eigentlich geschworen auf Unsinn nicht zu reagieren. Kann das aber nicht länger durchhalten. Wenn ich einen Satz lese wie Made in Euope gibt es nur für Euro weiß ich, das der Schreiber keine, aber wirklich keinerlei Ahnung von der Realität im globalen Welthandel hat.

Ich will das zunächst auch gar nicht an Boeing/Airbus festmachen, das wurde verschiedentlich aber offenbar erfolglos versucht, sondern an ganz normalen Produkten. Aus eigener Kenntnis beispielsweise im weltweiten Chemikalien-Produktenhandel. Dort werden Angebote nur in Dollarangaben gemacht. Angebote in Euro werden weitgehend gar nicht akzeptiert bzw ingnoriert oder bestenfalls für kurzfristige Spotgeschäfte aber nicht für langfristige Geschäftsbeziehungen, wie sie dort üblich sind.

Mit anderen Worten: Der deutsche Verkäufer trägt in solchen Fällen das volle Währungsrisiko. Wenn der Dollar wirklich stark fällt hat er den schwarzen Peter. Bei üblichen Zeiträumen wie bis zu einem Jahr kann der europäische Lieferant sich im Kurs absichern oder nach Ablauf der Bindungsfrist die Preisangebote heraufsetzen. Bei Airbus kann derzeit beim A350 zwischen Auftragserteilung und Lieferung bis zu 12 Jahren liegen. Dieser Zeitraum ist durch keine Kurssicherung wirtschaftlich zu überbrücken. Eine Verringerung des enormen Risikos durch eine teilweise Auslagerung auf Produzenten im Dollarraum oder eine Weitergabe an Unternehmen, die in Europa dieses Risiko teilen, ist für Airbus deshalb existenziell.

Was mit Banken passiert, die die Rückzahlfähigkeit ihrer Kreditnehmer grob fahrlässig unterschätzen, sieht man gerade in Amerika. Es ist ein Geburtsfehler aus staatlicher Zeit die bei Airbus bisher einen vernünftigen Währungsmix verhindert hat. Als der Dollar in der Anfangszeit des Euros irgendwo bei 0,85 gelegen hat wurde bei Airbus gut verdient. Das der Kurs auch mal bei 1,40 und darüber liegen könnte ist den damaligen Lenkern nicht in den Sinn gekommen.

Auch bisher liegen die Zeiträume zwischen Bestellung und Lieferung durchaus bei bis zu 8 Jahren. An Fliegern aus so alten Verträgen verdient Airbus deshalb derzeit nicht viel bzw. gar nichts (A380). Zumindest nicht genug um 10 Mrd. Euro für die Entwicklung des A350 aus solchen Gewinnen vorzufinanzieren.
Beitrag vom 08.10.2008 - 23:44 Uhr
UserAviatorNZ
Moderator
Da stimme ich Dir uneingeschränkt zu Mr. Runway
Beitrag vom 09.10.2008 - 00:09 Uhr
UserOldfly1
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User (1570 Beiträge)
Moin,

:D zugegeben ich habe das mit "Made in Europe" extra provokant geschrieben um eine solche Reaktion zu provozieren, weil ich beschäftige mich schon lange mit dem Thema Weltleitwährung, und warum es der Dollar sein muss/soll.

Deine Einwände sind berechtigt aber leider nicht ganz nachvollziehbar, weil der Dollar das eigentliche ungerechte ist, denn der Amerikaner lebt auf unsere Kosten, und wie das dazu kommt erzähle ich Dir/Euch gern.

[quote]weiß ich, das der Schreiber keine, aber wirklich keinerlei Ahnung von der Realität im globalen Welthandel hat.[/quote] Keine "Ahnung" von Welthandel ? na dann pass mal auf jetzt, ich weiß heute schon worauf wir alle zusteuern. :D

Nun, ich muss dazu ein wenig ausholen,

Der US-Dollar ist bekanntlich die Welt-Leitwährung. Während der Zeit von Bretton-Woods (1945-1971) war der Dollar an Gold gekoppelt und alle wichtigen Währungen der Welt koppelten sich wiederum an den Dollar. Dies garantierte stabile Wechselkurse und ermöglichte somit ein stabiles Wirtschaftswachstum und sicheren internationalen Handel.

Mit der Ablösung des Dollars von Gold (Nixon: 1971) begann der Dollar naturgemäß einen steilen Sinkflug, der die Wirtschaftskrise 1973 auslöste.

1973 gelang der US-Regierung dann allerdings ein höchst genialer Schachzug: Sie (Henry Kissinger) vereinbarte ein Abkommen mit Saudi Arabien, Erdöl exklusiv in US-Dollars zu fakturieren. 1975 schlossen sich die anderen OPEC-Staaten diesem Abkommen an. Als Gegenleistung für das Exklusivrecht des Dollars garantierte die USA den OPEC-Staaten, dass diese US-Treasury Bonds (also Staatsanleihen) für die Dollars kaufen konnten.

Dies war die Geburtsstunde des  >Petrodollars<

Was hatte dies nun für Konsequenzen für die Weltwirtschaft?

Nun, ganz erhebliche! Alle Industrieländer (mit Ausnahme Russlands) sind von Erdölimporten abhängig. Da aber Erdöl nur mit Dollar bezahlt werden kann, ist jedes Land gezwungen, einen Außenhandelsüberschuss in Dollar zu erwirtschaften. Wenn die Schweiz also Uhren nach China verkauft, dann wird der Handel nicht in Schweizer Franken oder Renminbi abgewickelt sondern es fließen US-Dollars, denn schließlich braucht die Schweiz Dollars, um Ã?l kaufen zu können.

Somit ist verständlich, dass 60% des Welthandels mit US-Dollars abgewickelt werden. Für jeden Dollar, der in den USA intern benötigt wird, existieren 3.1 Dollar im Rest der Welt.

Aufgrund dieser Konstellation halten die meisten Länder auch einen Großteil ihres Staatsschatzes in Dollar. Es ist somit also nicht nur im Interesse der USA sondern der ganzen Welt, dass der Dollar möglichst stabil bleibt.

Aus Sicht der USA ist dieses Petrodollar-Monopol ein wahrer Segen! Denn im Gegensatz zu allen anderen Nationen dieser Welt müssen sie keine Waren oder Dienstleistungen produzieren, um Dollars zu kriegen. Nein, sie können das Zeugs einfach drucken!!!
Anders ausgedrückt: Amerika kann Erdöl fast gratis importieren. Dies ist auch die Erklärung dafür, dass die USA den weltweit höchsten Lebensstandard haben. Sie brauchen sich keine Sorgen um benzinfressende Autos zu machen und sie können problemlos auf Kosten der Welt auf Pump leben. Außenhandelsüberschuss ist für die USA kein Thema. Im Gegenteil Amerika verschuldet sich gegenüber der Welt mit über $500 Mia pro Jahr.

Wie oben erwähnt: Für jeden Dollar, den die Amis in Form von Gütern produzieren, können sie 3.1 Dollar zusätzlich drucken und verkonsumieren. Die Rest-Welt wird ihnen die Dollars aus der Hand reißen, weil sie Ã?l braucht!
Das Privileg, Weltleitwährung zu sein bedeutet also, auf Kosten der Rest-Welt zusätzlich konsumieren zu dürfen. Das ist wie eine globale Steuer, die die USA der Welt aufbürden.

Stellen wir uns nun vor, was passieren würde, wenn die OPEC-Länder ihre Erdölfakturierung auf Euro umstellen würde:

In einem ersten Schritt würden all die Länder, die derzeit ihren Staatsschatz in Dollar halten, die Dollars gegen Euro umtauschen. Ein Absturz des Dollars und Anstieg des Euros wäre die unmittelbare Folge.

Die USA wären nun gezwungen, nicht nur eine ausgeglichene Außenhandelsbilanz zu erwirtschaften sondern darüber hinaus einen Ã?berschuss in Euro in Höhe ihrer jährlichen Erdöl-Importe. Und dies bei rapide fallendem Dollar-Kurs!
Ein unmögliches Unterfangen.

Selbst wenn die Erdölfakturierung nur gelockert würde (man also in Dollar, Euro und Yen bezahlen könnte), würde dies den Dollar bereits ins Grab treiben, denn die im Umlauf befindliche Dollar-Menge müsste mindestens halbiert werden.

Das würde konkret bedeuten, dass die USA eben nicht mehr $3.1 für jeden im eigenen Lande produzierten Dollar ausgeben könnten sondern nur noch $1.60. Oder sogar noch weniger. Denn wer will schon Staatsreserven in einer Währung halten, die regelmäßig um die 10-15% pro Jahr an Wert verliert?

Rein logisch und auch für den Durchschnittsamerikaner verständlich und nachvollziehbar wäre es durchaus sinnvoll, wenn Länder wie beispielsweise der Iran ihre Erdölfakturierung auf Euro umstellen würden. Schliesslich bezieht der Iran 70% seiner Güter aus Europa. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass die USA äußerst sensibel auf derartige Intentionen reagieren:

Einen Monat nachdem Hugo Chavez (Venezuela) die Erdölfakturierung von Dollar auf Euro umgestellt hatte, hat die CIA gegen ihn einen Mordanschlag verübt. Zufall?
Der erste, der sein Erdöl gegen Euro verkaufte war Saddam Hussein indem er das "Oil for food program" der Uno kurzerhand von Dollar in Euro abrechnen lies. Damals stand der Euro bei 0.84 Dollar. Das war der absolute Tiefpunkt. Hat Saddam nur den Tiefpunkt erwischt oder durch seine Aktion dem Euro zum Aufschwung bzw. dem Dollar zum Niedergang verholfen? Auf alle Fälle hat der Irak durch diesen Schachzug enorme Währungsgewinne realisieren können. Genützt hat's wenig, die Amis sind dennoch einmarschiert.
Iran hat etwa im Mai 2003 angekündigt, Erdöl auch in Euro abzurechnen. Tage darauf stand der Iran ganz oben auf der Abschussliste der Amis. (= Axis of evil)


Sowohl Deutschland als auch Frankreich haben von Anfang an gegen den Petrodollar rebelliert. Doch keines dieser Länder alleine konnte mit seiner Währung gegen den Dollar antreten. Erst die Vereinigung beider - und weiterer europäischer - Währungen zum Euro hat eine Marktmacht hervorgebracht, die dem Dollar die Stirn bieten konnte und dies mittlerweile auch mit steigendem Erfolg tut.

Mit einer Freigabe der Erdölfakturierung auf alle wichtigen Währungen dieser Erde (Dollar, Euro, Yen, Kanadische Dollar, Schweizer Franken, Schwedische Kronen) würde der Dollar über Nacht sehr stark an Gewicht und Wert einbüßen. Denn schließlich unterliegt auch er dem Regelsystem von Angebot und Nachfrage.

Verlierer wären die USA. Gewinner jene Länder, deren Währung Ã?l bezahlen kann.

Das passt den USA natürlich nicht in den Kram. Aber es wäre für den regierenden Proleten-Cowboy unmöglich, das amerikanische Volk davon zu überzeugen, gegen die Emirate oder Saudi-Arabien in den Krieg zu ziehen, weil die auf einmal auch Euros für ihr Ã?l akzeptieren. Das würde John Dow von der Strasse einfach nicht kapieren.

Eine freie Erdölfakturierung würde die USA in den Abgrund reißen und all ihre Bomben und Kanonen könnten ihnen nicht dabei helfen, die Krise abzuwenden.

Dabei ist es doch so einfach: Es braucht nur eine Unterschrift der jeweiligen Ã?lminister der OPEC-Staaten um den Dollar und die USA zu stürzen.

Und das macht die Geschichte irgendwie auch sexy: Die Feder ist stärker als das Schwert

Und da Mister Enders Vorstandsvorsitzender der  >PNAC< unterstützt solltest nun auch Du begreifen woher der Wind weht, oder ?

Der Dollar wird schneller als Weltleitwährung kippen als dem Amerikaner lieb ist, und am besten währe wenn man gleich einen Intelligenten Leitwährungs- Ersatz schaffen würde, der nicht mehr an einen Staat gebunden ist.

Und das Amerika weiter auf Pump leben kann ist nun vorbei, denn die momentane Krise wird alles Geld in sich reisen was da her kommt, und am Schluss wird es einen Umbau des Finanzmarktes geben, und die Weltleitwährung wird nicht mehr der Dollar sein, dass heißt auch der Amerikaner muss nun umdenken, man ist auf Kompromisse mit anderen angewiesen sonst wird man schnell als Außenseiter abgetan und verliert an Anerkennung.

Gruß

P.S. Das Flugzeuge nun ausgerechnet in Dollar bezahlt wurden, wird dann schnell der Geschichte angehören, dieser Meinung bin ich nicht alleine  >Alan Greenspan< und andere sagen das auch. (Die 200 Familien die die USA kontrollieren wollen das nur verhindern, es lässt sich aber nicht verhindern.)
Am Dollar klebt das Blut von aber Millionen Menschen die ungerechtfertigt ermordet worden sind, und der Euro ist Jung und "noch" sauber, und wird das Vertrauen in den Finanzmarkt wieder herstellen.
Und nebenbei wird dann auch Gerechtigkeit gegenüber des Dollarvorteils gegenüber Boeing/Airbus ermöglicht, und Boeing wird abgestraft für die Milliarden an Subventionen die man "niemals" erhalten haben will. :wink:
Beitrag vom 09.10.2008 - 12:16 Uhr
UserRunway
User (2975 Beiträge)
Deine umfangreiche Antwort zeigt, dass du durchaus über viele Details informiert bist. Umso unverständlicher sind manche deiner Schlussfolgerungen, wie die von mir aufgegriffene.

Ich möchte nicht im Detail darauf eingehen, denn über Fakten und Schlussfolgerungen daraus kommt man ins unendliche. Soll jeder für sich denken was richtig ist und was nicht.

Die These, dass Amerika auf Grund seiner früheren (und eigentlich schon beendeten) weltweiten Wirtschaftsdominanz, seiner politischen Führungsrolle in der demokratischen Welt sowie seiner Militärbedeutung für Europa und die Welt sich über den Dollar ein Leben auf Pump finanziert ist leider im Grundsatz richtig. Bei keinem anderen Land hätte die Welt solange mitgemacht.