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Beitrag 1 - 3 von 3
Beitrag vom 27.10.2026 - 11:11 Uhr
UserMinorItem
User (151 Beiträge)
Wenn man übersetzt, was Lufthansa mit "Reformunwilligkeit" meint, bleibt im Kern eine ziemlich simple Botschaft: Die Stammbelegschaft ist nicht bereit, mal eben 30 bis 40 Prozent ihrer Vergütung und ihrer tariflichen Arbeitsbedingungen aufzugeben, damit das Geschäftsmodell für den Arbeitgeber noch günstiger wird.
Wer jede Forderung nach Verzicht als mangelnde Reformbereitschaft bezeichnet, versucht, eine wirtschaftliche und tarifpolitische Auseinandersetzung sprachlich umzudeuten.
Denn Reformbereitschaft bedeutet nicht, dass Beschäftigte bereit sein müssen, auf einen erheblichen Teil dessen zu verzichten, was sie sich über Jahrzehnte erarbeitet und tarifvertraglich abgesichert haben.

Komisch. Fragt man die Belegschaft, klingt die Diagnose zur angeblichen "Reformunwilligkeit" plötzlich ganz anders. Dort wird eher die mangelnde Bereitschaft der Lufthansa gesehen, echte Kompromisse zu verhandeln und diese am Ende auch zu akzeptieren. Gelingt so ein vermeintlicher Kompromiss, ist er das Papier nicht wert, auf dem er steht! Verträge werden einfach missachtet!

Stattdessen scheint man lieber auf dem eigenen Standpunkt zu beharren und ihn durchzusetzen – ganz nach der Devise: Die Geschäftsführung weiß schließlich am besten, was gut für die Beschäftigten ist. Wozu also ernsthaft verhandeln? Und wozu braucht es eigentlich Mitbestimmung, wenn die Unternehmensleitung ohnehin glaubt, die Interessen der Arbeitnehmer besser zu kennen als diese selbst?

Dieses Denken erinnert weniger an moderne Sozialpartnerschaft als an die längst überwunden geglaubten Arbeitsbeziehungen des 19. Jahrhunderts: Der Arbeitgeber bestimmt, die Beschäftigten sollen folgen, und wer sich dagegen wehrt, gilt als reformunwillig. Grandiose Einstellung, Ihr Koryphäen im LH Vorstand!

Man implementiert also einfach Regelungen. Warum sollte man vorher die Mitbestimmung einbeziehen? Warum sollte man ernsthaft mit den Betroffenen verhandeln? Die Unternehmensleitung weiß schließlich ganz genau, was das fliegende Personal braucht und will. Wozu also der ganze Aufwand mit Beteiligung, Dialog und Kompromissen?

Und wenn man doch einmal eine Expertise benötigt, fragt man einfach einen Aufsichtsratsgreis wie Kley. Der hat schließlich den vollen Durchblick. Immerhin kennt er die Fliegerei aus eigener Anschauung.

Zugegeben: vorzugsweise aus der Business und First Class. Aber so weit weg vom Cockpit ist das ja nun auch wieder nicht. Da kann man die Belastungen, Arbeitsbedingungen und tariflichen Realitäten der Cockpitbesatzungen natürlich umfassend beurteilen. Wer braucht da noch die Perspektive derjenigen, die tatsächlich vorne sitzen?

Mensch Carsten, zieh doch mit deiner tollen Lufthansa Group einfach nach Afrika um. Da findest du vielleicht Länder, in deren Sprache es das Wort "Mitbestimmung" nicht einmal gibt! Da kann man dann vielleicht nach Herzenslust schalten und walten, ohne dass einem ständig Betriebsräte, Tarifverträge und Mitbestimmungsrechte in die Quere kommen.

Oder noch besser: Mach doch einfach den AUDI!
Lackier doch einen deiner A340-600 in Gold und schenk ihn Trump. Dann kannst du nach Amerika umziehen, und Trump regelt dir den Rest per Dekret. Keine lästigen Verhandlungen, keine Mitbestimmung, keine Kompromisse – einfach durchregieren.

Bis dahin hilft weiter kollektives Jammern über die Gründerväter, die damals das Betriebsverfassungsgesetz geschrieben haben und die Mitbestimmung implementiert haben. Der LH VV hat messerscharf erkannt, dass der einzige Zweck, den sie hatten war, Lufthansa zu gängeln.
Zehntausende von Betrieben in Deutschland kommen mit der Mitbestimmung hervorragend klar. Nur bei Lufthansa funktioniert es nicht.
Woran könnte das wohl liegen....?
Beitrag vom 27.10.2026 - 11:27 Uhr
Userbuslover
Pensionär
User (241 Beiträge)
Komisch, vor Jahren unterstellten wir das den Griechen, heute gilt es für die Franzosen. Es ist überall so. Deswegen stimme ich Minoritem zu.
Beitrag vom 27.10.2026 - 12:07 Uhr
UserF11
einfach nur Pax...
User (1666 Beiträge)
Wenn man übersetzt, was Lufthansa mit "Reformunwilligkeit" meint, bleibt im Kern eine ziemlich simple Botschaft: Die Stammbelegschaft ist nicht bereit, mal eben 30 bis 40 Prozent ihrer Vergütung und ihrer tariflichen Arbeitsbedingungen aufzugeben, damit das Geschäftsmodell für den Arbeitgeber noch günstiger wird.
Wer jede Forderung nach Verzicht als mangelnde Reformbereitschaft bezeichnet, versucht, eine wirtschaftliche und tarifpolitische Auseinandersetzung sprachlich umzudeuten.
Denn Reformbereitschaft bedeutet nicht, dass Beschäftigte bereit sein müssen, auf einen erheblichen Teil dessen zu verzichten, was sie sich über Jahrzehnte erarbeitet und tarifvertraglich abgesichert haben.

Komisch. Fragt man die Belegschaft, klingt die Diagnose zur angeblichen "Reformunwilligkeit" plötzlich ganz anders. Dort wird eher die mangelnde Bereitschaft der Lufthansa gesehen, echte Kompromisse zu verhandeln und diese am Ende auch zu akzeptieren. Gelingt so ein vermeintlicher Kompromiss, ist er das Papier nicht wert, auf dem er steht! Verträge werden einfach missachtet!

Stattdessen scheint man lieber auf dem eigenen Standpunkt zu beharren und ihn durchzusetzen – ganz nach der Devise: Die Geschäftsführung weiß schließlich am besten, was gut für die Beschäftigten ist. Wozu also ernsthaft verhandeln? Und wozu braucht es eigentlich Mitbestimmung, wenn die Unternehmensleitung ohnehin glaubt, die Interessen der Arbeitnehmer besser zu kennen als diese selbst?

Dieses Denken erinnert weniger an moderne Sozialpartnerschaft als an die längst überwunden geglaubten Arbeitsbeziehungen des 19. Jahrhunderts: Der Arbeitgeber bestimmt, die Beschäftigten sollen folgen, und wer sich dagegen wehrt, gilt als reformunwillig. Grandiose Einstellung, Ihr Koryphäen im LH Vorstand!

Man implementiert also einfach Regelungen. Warum sollte man vorher die Mitbestimmung einbeziehen? Warum sollte man ernsthaft mit den Betroffenen verhandeln? Die Unternehmensleitung weiß schließlich ganz genau, was das fliegende Personal braucht und will. Wozu also der ganze Aufwand mit Beteiligung, Dialog und Kompromissen?

Und wenn man doch einmal eine Expertise benötigt, fragt man einfach einen Aufsichtsratsgreis wie Kley. Der hat schließlich den vollen Durchblick. Immerhin kennt er die Fliegerei aus eigener Anschauung.

Zugegeben: vorzugsweise aus der Business und First Class. Aber so weit weg vom Cockpit ist das ja nun auch wieder nicht. Da kann man die Belastungen, Arbeitsbedingungen und tariflichen Realitäten der Cockpitbesatzungen natürlich umfassend beurteilen. Wer braucht da noch die Perspektive derjenigen, die tatsächlich vorne sitzen?

Mensch Carsten, zieh doch mit deiner tollen Lufthansa Group einfach nach Afrika um. Da findest du vielleicht Länder, in deren Sprache es das Wort "Mitbestimmung" nicht einmal gibt! Da kann man dann vielleicht nach Herzenslust schalten und walten, ohne dass einem ständig Betriebsräte, Tarifverträge und Mitbestimmungsrechte in die Quere kommen.

Oder noch besser: Mach doch einfach den AUDI!
Lackier doch einen deiner A340-600 in Gold und schenk ihn Trump. Dann kannst du nach Amerika umziehen, und Trump regelt dir den Rest per Dekret. Keine lästigen Verhandlungen, keine Mitbestimmung, keine Kompromisse – einfach durchregieren.

Bis dahin hilft weiter kollektives Jammern über die Gründerväter, die damals das Betriebsverfassungsgesetz geschrieben haben und die Mitbestimmung implementiert haben. Der LH VV hat messerscharf erkannt, dass der einzige Zweck, den sie hatten war, Lufthansa zu gängeln.
Zehntausende von Betrieben in Deutschland kommen mit der Mitbestimmung hervorragend klar. Nur bei Lufthansa funktioniert es nicht.
Woran könnte das wohl liegen....?

Wer Reformunwilligkeit ausschließlich beim Arbeitgeber verortet und jede Forderung der Beschäftigten zum Beweis der eigenen Reformbereitschaft erklärt, macht es sich verdammt einfach. Das ist keine Analyse, sondern gewerkschaftliche Selbstbestätigung mit eingebautem Heiligenschein.

Natürlich muss niemand freiwillig auf 30 bis 40 Prozent seiner Vergütung verzichten. Daraus folgt aber nicht, dass jede bestehende Vergütungsstruktur und jeder über Jahrzehnte gewachsene Besitzstand sakrosankt sind. Wer ernsthaft reformieren will, muss auch bereit sein, den eigenen Status quo kritisch zu hinterfragen. Alles andere ist die Forderung, dass sich ausschließlich die anderen bewegen sollen.

Ein Kompromiss ist keine Einbahnstraße. Ja, Tarifverträge sind einzuhalten und Mitbestimmungsrechte zu respektieren. Aber Mitbestimmung bedeutet nicht, dass jede Veränderung nach dem Geschmack der Beschäftigten ausfallen muss. Sie garantiert Beteiligung, nicht den ewigen Erhalt sämtlicher Besitzstände.

Die persönlichen Spitzen gegen Kley, Spohr, Business Class, Afrika und Trump mögen polemisch unterhaltsam sein. Sie ersetzen allerdings kein Sachargument. Die entscheidende Frage bleibt: Welches konkrete Reformkonzept soll Lufthansa verfolgen, wenn jede Veränderung bestehender Strukturen bereits als Angriff auf die Beschäftigten gilt?

Lufthansa muss wirtschaftlich tragfähige Strukturen schaffen, die Beschäftigten wollen ihre Vergütung und Arbeitsbedingungen sichern. Beides sind legitime Interessen. Aber sie lösen sich nicht dadurch auf, dass man die eigene Position moralisch überhöht und der Gegenseite Arroganz oder Inkompetenz unterstellt.

Reformbereitschaft zeigt sich nicht darin, Veränderungen zu begrüßen, solange sie ausschließlich andere betreffen. Sie zeigt sich darin, auch dann verhandlungsfähig zu bleiben, wenn es an den eigenen Geldbeutel und lieb gewonnene Besitzstände geht.

Das gilt für den Vorstand ebenso wie für Gewerkschaften und Belegschaft. Wer immer nur erklärt, warum die andere Seite sich bewegen muss, betreibt keine Sozialpartnerschaft, sondern Interessenvertretung mit moralischem Überlegenheitsanspruch.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wer ist wirklich bereit, einen wirtschaftlich tragfähigen Kompromiss mitzutragen – und wer erwartet, dass allein die andere Seite die Rechnung bezahlt