Die Zahlen zeigen zwar, dass sich der Luftverkehr in Deutschland langsamer erholt als in vielen anderen europäischen Ländern. Daraus aber automatisch die Forderung nach mehr Kurz- und Mittelstreckenflügen abzuleiten, greift zu kurz. Gerade die Hitzewellen und Wetterextreme dieses Jahres führen eindringlich vor Augen, dass der Klimawandel längst keine abstrakte Zukunftsgefahr mehr ist. Der Luftverkehr gehört insbesondere auf Kurz- und Mittelstrecken zu den emissionsintensivsten Verkehrsmitteln – oft dort, wo es -wenn auch nicht immer zuverlässige - Bahn-Alternativen gibt.
Der vom BDF angeführte "Wertschöpfungsverlust" von 40 Milliarden Euro betrachtet zudem nur die entgangenen wirtschaftlichen Umsätze. Die erheblichen Umwelt- und Klimafolgekosten des Luftverkehrs – von Treibhausgasemissionen über Lärm bis hin zu den volkswirtschaftlichen Schäden durch Extremwetter, Ernteausfälle oder Gesundheitsbelastungen – bleiben in dieser Rechnung vollständig außen vor. Wer eine ehrliche Bilanz ziehen will, muss beide Seiten der Medaille betrachten und darf nicht nur die entgangenen Einnahmen, sondern auch die verursachten Kosten berücksichtigen.
Dass Urlaub bezahlbar bleiben muss, steht außer Frage. Günstiger Urlaub setzt jedoch keinen Flug voraus. Deutschland und seine Nachbarländer bieten zahlreiche attraktive Reiseziele, die bequem mit Bahn oder Fernbus erreichbar sind. Wer früh bucht, kann oft ebenso preiswert verreisen wie mit einem Billigflug – bei einem deutlich geringeren ökologischen Fußabdruck.
Statt den Luftverkehr um jeden Preis wieder auf Wachstum zu trimmen, sollte die Politik die Rahmenbedingungen für klimafreundliche Mobilität verbessern. Zukunftssicherung bedeutet heute nicht, möglichst viele Flüge zu ermöglichen, sondern wirtschaftliche Interessen mit den ökologischen Grenzen unseres Planeten in Einklang zu bringen.
