Beitrag vom 27.06.2024 - 15:56 Uhr
Wenn man eh davon ausgeht bzw. damit plant, dass sowohl die Raumstation, wie auch das "Vehikel" zerstört werden, ist das dann wirklich so komplex? Müsste man dann nicht nur den Schub liefern um es Richtung Erde zu "schieben" und der Rest passiert quasi alleine? Oder geht man davon aus, dass sie nicht komplett zerstört wird?
Und hier auch eine Frage an die Experten:
Derzeit befinden sich neun Menschen an Bord der ISS. In der Nacht zum Donnerstag mussten sie sich nach Angaben der NASA vorübergehend in ihre jeweiligen angedockten Raumschiffe zurückziehen, nachdem ein Satellit unweit der Station zerbrochen war.
Ist das ein Ã?bersetzungfehler oder haben die da alle wirklich "ihr" eigenes Raumschiff angedockt? Ich dachte, dass die, die runter fliegen in der Regel mit runter fliegen, mit dem die anderen hochgeflogen sind. Oder irre ich mich da?
Beitrag vom 27.06.2024 - 18:23 Uhr
Wenn man eh davon ausgeht bzw. damit plant, dass sowohl die Raumstation, wie auch das "Vehikel" zerstört werden, ist das dann wirklich so komplex? Müsste man dann nicht nur den Schub liefern um es Richtung Erde zu "schieben" und der Rest passiert quasi alleine? Oder geht man davon aus, dass sie nicht komplett zerstört wird?
Letzteres.
Bei dem Vorfall in Florida vor ein paar Wochen ist "nur" ein Akkupack von ca. 2t in die Atmosphäre eingetreten. Dabei haben nicht verglühte Stahlstutzen ein Hausdach durchschlagen.
Die ISS hat etwa 430t Masse im Orbit. Wenn sie über bewohntem Gebiet abstürzt, könnten die Schäden sehr hoch ausfallen.
Was zum 2. Problem führt: Eine Struktur von 80x110m und 430t muss man erst mal überhaupt kontrolliert/ausbalanciert soweit abbremsen können, dass sie gezielt am gewünschten Ort (vermutlich Pazifik) in die Atmosphäre eintritt.
Zum Vergleich: Eine angedockte Sojus Kapsel kann den Orbit der ISS um 5-8km anheben, was alle paar Monate notwendig wird.
Ein Bremsmanöver mit so wenig Schub würde zu einem sehr flachen und damit sehr schlecht planbaren Absturz führen.
Und hier auch eine Frage an die Experten:
Derzeit befinden sich neun Menschen an Bord der ISS. In der Nacht zum Donnerstag mussten sie sich nach Angaben der NASA vorübergehend in ihre jeweiligen angedockten Raumschiffe zurückziehen, nachdem ein Satellit unweit der Station zerbrochen war.
Ist das ein Ã?bersetzungfehler oder haben die da alle wirklich "ihr" eigenes Raumschiff angedockt? Ich dachte, dass die, die runter fliegen in der Regel mit runter fliegen, mit dem die anderen hochgeflogen sind. Oder irre ich mich da?
Vorweg: Bin kein Experte, sondern interssierter Laie, vielleicht kanns ja ein wirklicher Experte korrigieren oder bestätigen.
Aber normalerweise fliegen Astronauten mit dem älteren Raumschiff runter. Das ist typischerweise in der Tat das, mit dem sie angekommen sind.
Hintergrund: Jedes Raumschiff hat nur eine begrenzte Standzeit im Orbit.
Die Sojus Kapseln werden darüber hinaus für Orbit-boost Maneuver genutzt. Der Treibstoff wird also verbraucht.
Das neu angekommene Raumschiff übernimmt dann die Rolle des älteren (Booster, Rettungsboot)
Die "jeder in sein Schiff" Formulierung hängt vermutlich zudem mit der aktuellen Konstellation zusammen, da im Moment 3 verschiedene Raumschiffe mit ganz unterschiedlicher Technik angedockt sind :
1 x Sojus
1 x Crew Dragon
1 x Starliner
Und der Raumanzug einer Astronaut:in passt in dieser Konstellation auf genau das Raumschiff (Elektik, Kommunikation, Sauerstoff, .. ) mit dem er/sie ankam.
Könnte also aktuell schon sein...
Beitrag vom 27.06.2024 - 20:11 Uhr
Bevorzugt werden die großen Teile im Point Nemo versenkt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Raumschifffriedhof
Beitrag vom 27.06.2024 - 22:04 Uhr
Wenn man eh davon ausgeht bzw. damit plant, dass sowohl die Raumstation, wie auch das "Vehikel" zerstört werden, ist das dann wirklich so komplex? Müsste man dann nicht nur den Schub liefern um es Richtung Erde zu "schieben" und der Rest passiert quasi alleine? Oder geht man davon aus, dass sie nicht komplett zerstört wird?
Letzteres.
Bei dem Vorfall in Florida vor ein paar Wochen ist "nur" ein Akkupack von ca. 2t in die Atmosphäre eingetreten. Dabei haben nicht verglühte Stahlstutzen ein Hausdach durchschlagen.
Die ISS hat etwa 430t Masse im Orbit. Wenn sie über bewohntem Gebiet abstürzt, könnten die Schäden sehr hoch ausfallen.
Danke. Ich kann es mir bei der Struktur und Bauweise kaum vorstellen, dass man das Ding selbst in einem Stück runter bekommen, was wahrscheinlich dann auch einen weiteren Teil der schwierigkeiten ausmacht. Als ich vorhin darüber nachgedacht habe, kam mir irgendwie die Vorstellung in den Sinn, dass Musk da jetzt eine Möglichkeit entwickeln wird das Ding auf seiner Landeplattform zu landen :D
Was zum 2. Problem führt: Eine Struktur von 80x110m und 430t muss man erst mal überhaupt kontrolliert/ausbalanciert soweit abbremsen können, dass sie gezielt am gewünschten Ort (vermutlich Pazifik) in die Atmosphäre eintritt.
Zum Vergleich: Eine angedockte Sojus Kapsel kann den Orbit der ISS um 5-8km anheben, was alle paar Monate notwendig wird.
Ein Bremsmanöver mit so wenig Schub würde zu einem sehr flachen und damit sehr schlecht planbaren Absturz führen.
Um das Abschätze zu können, wissen Sie zufällig bzw. haben Sie eine Vorstellung wie viele Sojus-Kapseln-Schub man bräuchte?
Und hier auch eine Frage an die Experten:
Derzeit befinden sich neun Menschen an Bord der ISS. In der Nacht zum Donnerstag mussten sie sich nach Angaben der NASA vorübergehend in ihre jeweiligen angedockten Raumschiffe zurückziehen, nachdem ein Satellit unweit der Station zerbrochen war.
Ist das ein Ã?bersetzungfehler oder haben die da alle wirklich "ihr" eigenes Raumschiff angedockt? Ich dachte, dass die, die runter fliegen in der Regel mit runter fliegen, mit dem die anderen hochgeflogen sind. Oder irre ich mich da?
Vorweg: Bin kein Experte, sondern interssierter Laie, vielleicht kanns ja ein wirklicher Experte korrigieren oder bestätigen.
Aber normalerweise fliegen Astronauten mit dem älteren Raumschiff runter. Das ist typischerweise in der Tat das, mit dem sie angekommen sind.
Hintergrund: Jedes Raumschiff hat nur eine begrenzte Standzeit im Orbit.
Die Sojus Kapseln werden darüber hinaus für Orbit-boost Maneuver genutzt. Der Treibstoff wird also verbraucht.
Das neu angekommene Raumschiff übernimmt dann die Rolle des älteren (Booster, Rettungsboot)
Die "jeder in sein Schiff" Formulierung hängt vermutlich zudem mit der aktuellen Konstellation zusammen, da im Moment 3 verschiedene Raumschiffe mit ganz unterschiedlicher Technik angedockt sind :
1 x Sojus
1 x Crew Dragon
1 x Starliner
Und der Raumanzug einer Astronaut:in passt in dieser Konstellation auf genau das Raumschiff (Elektik, Kommunikation, Sauerstoff, .. ) mit dem er/sie ankam.
Könnte also aktuell schon sein...
Danke. Da war ich vielleicht etwas der Sci-Fi Vorstellung unterlegen, dass es für den Notfall separate "Sicherheitskapseln" gibt und da nicht sowieso immer quasi ein Raumschiff "vor Ort" ist.
Ich merke, ich sollte mich mal mehr damit beschäftigen :-D
Beitrag vom 28.06.2024 - 07:13 Uhr
Danke. Ich kann es mir bei der Struktur und Bauweise kaum vorstellen, dass man das Ding selbst in einem Stück runter bekommen
Werden sie auch nicht. Das Trümmerfeld wird sich ähnlich wie bei der Mir damals über ein paar 100km erstrecken.
Um das Abschätze zu können, wissen Sie zufällig bzw. haben Sie eine Vorstellung wie viele Sojus-Kapseln-Schub man bräuchte?
Nein, keine Idee.
Speziell da ich nicht weiß, wie genau man den Luftwiderstand und damit die Verzögerung der ISS beim Wiedereintritt abschätzen kann.
Je ungenauer diese Abschätzung ist, desto steiler muss der Wiedereintritt sein, um die Trümmer sicher in einem vorgegebenen Gebiet niedergehen zu lassen.
Und je steiler der Wiedereintritt, desto mehr Verzögerung/Schub benötigt man dafür.
Dieser Beitrag wurde am 28.06.2024 07:14 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 28.06.2024 - 09:25 Uhr
Ich erinnere mich noch wie das damals war mit der Mir,
wir wollten die uns anschauen beim Absturz, ging aber irgendwie nicht.
Die Mir wurde ja im Betrieb gehalten und immer wieder verlängert, bist klar war das mit der ISS ein Nachfolger kommt.
WIe sieht es dahingehend aus?
Die ISS ist ja dann 30 Jahre im Betrieb, aber von jetzt 6 Jahre sind verdammt schnell.
Beitrag vom 28.06.2024 - 10:37 Uhr
Einen internationalen Nachfolger wird es wohl nicht geben.
Schon alleine die westliche internationale Zusammenarbeit ist ja aktuell nach innen eher schwer verkäuflich, dank "unser Land zuerst" Strömungen in vielen Ländern.
Die Amerikaner werden sich wohl auf Artemis konzentrieren. Lunar Gateway und Mondstation (MMn zu ambitioniert für ihre aktuellen technischen Fähigkeiten). Die ESA wird dafür, je nach politischer Großwetterlage, weiter einige Brocken beisteuern.
Russland ist erst mal aus dem Spiel, die haben ihre Spezialisten lieber in der Ukraine verheizt.
China ist aktuell interessant. Technisch anspruchsvolle und erfolgreiche robotische Missionen kombinieren sie mit einer erfolgreich geführten eigenen Raumstation ... zumindest soweit die Berichte nicht an den Zensoren hängengeblieben sind.
Insgesamt schwer einzuschätzen, kommen aber für eine internationale Zusammenarbeit durch den übersteigerten nationalen Fokus, Geheimhaltung und Zensur auch nicht in Frage.
Indien kann ich nicht einschätzen.
Beitrag vom 12.07.2024 - 19:38 Uhr
Zum Vergleich: Eine angedockte Sojus Kapsel kann den Orbit der ISS um 5-8km anheben, was alle paar Monate notwendig wird.
Ein Bremsmanöver mit so wenig Schub würde zu einem sehr flachen und damit sehr schlecht planbaren Absturz führen.
Um das Abschätze zu können, wissen Sie zufällig bzw. haben Sie eine Vorstellung wie viele Sojus-Kapseln-Schub man bräuchte?
@FloCo
Dazu hat vor ein paar Tagen Bernd Leitenberger in bewährter Weise eine hervorragende Zusammenfassung geschrieben.
https://www.bernd-leitenberger.de/blog/2024/07/09/die-deorbitierung-der-iss/#more-17565Dieser Beitrag wurde am 12.07.2024 19:39 Uhr bearbeitet.