Community / / Flughafen Altenrhein kündigt Austrian

Beitrag 1 - 4 von 4
Beitrag vom 19.10.2010 - 18:36 Uhr
Userskytrain
User (129 Beiträge)
Der Betreiber einer Verkehrsinfrastruktur bietet selbst Verkehrsleistungen an. Gleichzeitig nutzt er sein Monopol bei der Infrastruktur, um Wettbewerber von der Erbringung der Verkehrsleistung auszuschließen und sich ein weiteres Monopol im Verkehr zu sichern.

Diplomatisch würde ich dieses Vorgehen "fragwürdig" nennen. Wettbewerbsrechtlich ist es aus meiner Sicht in keinster Weise haltbar. Ich frage mich, ob es überhaupt sinnvoll ist, wenn ein Flughafen eine eigene Airline betreibt. Interessenkonflikte sind vorprogrammiert, wenn Infrastruktur und Verkehrsleistung in einer Hand liegen und es keine klare interne Trennung der Unternehmensbereiche und eine saubere Regulierung gibt.

In anderen Branchen (Energie, Eisenbahn, Telekommunikation etc.) gibt es seit langem Ansätze, wie ein diskriminierungsfreier Zugang zur Infrastruktur gewährleistet werden kann. Dort liegen aber Infrastruktur und Betrieb historisch bedingt oft in einer Hand. Genau aus diesem Grund gibt es aber zunehmend verschärfte Wettbewerbsregeln, die von der Regulierungsbehörde überwacht werden. Gleichzeitig müssen die Bereiche Infrastruktur + Betrieb innerhalb des Unternehms klar voneinander getrennt sein und unabhängig geführt werden. Hiermit scheint man es im Fall des Flughafens Altenrhein aber nicht so genau zu nehmen. Wenn das Beispiel Schule macht, müssen zukünftig auch im Luftverkehr verschärfte Regeln für den Betreiber einer Infrastruktur eingeführt werden, um den Wettbewerb zwischen den Anbietern von Verkehrsleistungen nicht zu unterlaufen.
Beitrag vom 19.10.2010 - 21:48 Uhr
UserGustl
User (299 Beiträge)
Es ist fast egal wie die wahre Geschichte tatsächlich ist; ob sich AUA und Altrhein vorher handelseinig waren.

Bei Monopolsystemen wie Strom, Gas und Bahn(!) fordern Ökonomen seit Jahrzehnten mit Berechtigung eine Trennung von Infrastruktur und Netzbetreiben. Ich war der Meinung, daß diese Debatte für die Luftfahrt inzwischen gegessen sei. Diese Idee von Altrhein kann doch so ( wie hier erzählt) vor Gericht kaum Bestand haben, oder?

Gruß Gustl
Beitrag vom 20.10.2010 - 01:07 Uhr
UserLumi
User (706 Beiträge)
Was bisher nicht erwähnt wurde :
Der Flughafen liegt auf Schweizer Hoheitsgebiet und ausserdem in Nähe zu Lichtenstein, dessen Betreiber unterliegt daher wohl Schweizer Recht;
Beitrag vom 20.10.2010 - 14:31 Uhr
Userbob.gedat
User (677 Beiträge)
Der Platz in Altenrhein ist in jeder Hinsicht ein Sonderfall. Als Werksflughafen (Pilatus, früher Dornier) hat der Platz für den Linienverkehr nach Wien lediglich eine jederzeit widerrufbare Sondergenehmigung. Darüber hinaus läuft dort nichts. Offenbar will der neue Eigentümer das jetzt ändern.

Die Wahl der Mittel ist allerdings höchst fragwürdig. Abgesehen davon, dass die AUA den Linienverkehr dort überhaupt erst entwickelt hat (zusammen mit der Seewald'schen Rheintalflug), axt der Airport sich mit der AUA ja auch seinen wichtigsten Partner im Linienmarkt: Ohne VIE-Transit dürfte das Peoples Projekt kaum lebensfähig sein, zumal Konkurrent Intersky mit seinen Turboprops die E-Jets preislich jederzeit im Schach halten kann.

Undenkbar auch, dass die AUA die Region Bodensee / Vorarlberg aufgibt. Wenn ACH deren Handling aussetzt, ist FDH jederzeit eine Option, zusammen oder im Wettbewerb mit Intersky.