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Personalvertreter laufen Sturm gegen Ocean

eurowings Airbus A330 Flotte
Eurowings Airbus A330-200, © Eurowings

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FRANKFURT - Lufthansa trifft beim Ferienflieger Ocean auf Gegenwind. In einem offenen Brief an Bundesregierung und Bundestag prangerten Personal- und Betriebsräte am Mittwoch die geplante Umorganisation eines Teils des Lufthansa-Flugbetriebs als "Tarifflucht auf Steuerkosten" an.

Die von den Gewerkschaften unterstützten Arbeitnehmer der Tuifly, Condor und diverser Lufthansa-Gesellschaften forderten die Politik auf, das "beispiellose Vorgehen des Konzerns zur Not durch politische Intervention zu stoppen."

Die in der Corona-Krise teilverstaatlichte Lufthansa will künftig Flüge zu touristischen Zielen auf einer neuen Plattform namens "Ocean" organisieren, bei der nicht die Personalbedingungen des Konzerntarifvertrags gelten sollen. Mehrere hundert Stellen sind bereits ausgeschrieben.

Starten sollen die Ferienflieger frühestens ab 2021 auf der Lang- und Kurzstrecke von den Drehkreuzen München und Frankfurt, die bislang weitgehend der Stammgesellschaft Lufthansa vorbehalten sind. Gleichzeitig stehen die Beschäftigten der Lufthansa-Teilgesellschaften Germanwings und Sun Express Deutschland sowie Piloten der Stammmarke vor Entlassungen.

"Im Windschatten der Krise versucht der Konzern sein langgehegtes Projekt "Ocean" durchzuziehen, um in einem wiederholten Anlauf Arbeitsplätze ohne Einfluss von Gewerkschaften aufzubauen und sich erfolgreicher Konkurrenz in diesem Sektor zu entledigen", kritisierte der Vorsitzende der Kabinengewerkschaft Ufo, Daniel Flohr.

Es sei "unverfroren und unanständig", einerseits Tausende rauszuwerfen, um anderseits zu 1.400 Euro brutto wieder einzustellen.

Die angebotenen Vergütungsbedingungen lägen noch unterhalb des Niveaus von Ryanair, erklärte Verdi-Sekretär Marvin Reschinsky. "Bewerber werden ausschließlich in Teilzeit angestellt, Flugbegleiter können bei Ocean lediglich mit einem Einkommen von etwas über tausend Euro netto rechnen. Damit untergräbt die Lufthansa das deutsche Lohnniveau in der gesamten Branche und schafft ein prekäres Arbeitsumfeld."

Piloten erwarten "jahrelange Anlaufverluste"

Auch die Vereinigung Cockpit befürchtet einen Verdrängungswettbewerb mit den anderen, ebenfalls vom Staat gestützten touristischen Anbietern. "Es wird mitten in der größten Krise der Luftfahrt viel Geld in eine Plattform investiert, bei der mit jahrelangen Anlaufverlusten zu rechnen ist. Wir fordern die Politik auf, genauer hinzusehen, wie mit Milliarden an Staatshilfen umgegangen wird," erklärte der VC-Tarifvorstand Marcel Gröls.

Nach einem Bericht des Portals "aeroTelegraph" hat Lufthansa bei Ocean auf der A330 ein Einstiegsgehalt von 4.300 Euro pro Monat für Erste Offiziere und von 7.400 Euro für Kapitäne festgelegt - und wird Piloten laut Cockpit damit schlechter stellen als bei der bislang eingesetzten Plattform SunExpress. Lufthansa will Piloten und Flugbegleiter zudem vorerst nur in 70-Prozent-Teilzeiten einstellen.
© dpa-AFX | Abb.: Lufthansa | 30.09.2020 16:33

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Beitrag vom 06.10.2020 - 10:32 Uhr
Aber, und das stimmt leider auch, einen besseren Vorschlag was die LH mit Flugzeugen und Personal machen soll, habe ich nicht und ich habe ihn auch noch nicht gehört

Doc, doch, da gibt es Vorschläge;-)
Man nimmt einfach vorhandenes Personal und Equipment, vereinbart einfache, zeitlich befristete Kostenreduzierungen gegen einfache und zeitlich befristete Beschäftigungsgarantien.
Macht man doch. Man nimmt das SXD Personal (Die haben ja die Zusage bekommen) und die SN Flieger und gibt einen 2jahresvertrag. Passt doch ;-)


Schon verstanden ;-) Aber auch die müssen sich neu bewerben .....
Beitrag vom 06.10.2020 - 10:24 Uhr
Aber, und das stimmt leider auch, einen besseren Vorschlag was die LH mit Flugzeugen und Personal machen soll, habe ich nicht und ich habe ihn auch noch nicht gehört

Doc, doch, da gibt es Vorschläge;-)
Man nimmt einfach vorhandenes Personal und Equipment, vereinbart einfache, zeitlich befristete Kostenreduzierungen gegen einfache und zeitlich befristete Beschäftigungsgarantien.
Macht man doch. Man nimmt das SXD Personal (Die haben ja die Zusage bekommen) und die SN Flieger und gibt einen 2jahresvertrag. Passt doch ;-)
Beitrag vom 06.10.2020 - 10:19 Uhr
Sie schreiben, die Krise ist größer als dieses Atmen. Wenn keiner weiß, wie lange man die Luft anhalten muss, verlangen Sie konkrete Zusagen. Wie soll das gehen?

Naja, der Konzern hat aber ja auch gar kein Problem damit, "konkrete" langfristige Forderungen aufzustellen. Dann erwarte ich auch konkrete Zusagen.
Ich glaube, da mus man unterscheiden. Wir wissen, alle um uns herum räumen ihren Laden auf, werden effizienter, bringen die Kosten runter. Da muss man, wenn man weiter mitspielen will, auch hin. Das andere wäre das dann mögliche Volumen der neu aufgestellten Firma. Das ist nicht bekannt oder berechenbar, daher kann man da keine Zusagen bezüglich Arbeitsplätze machen.

Genau wie jeder andere Arbeitgeber, der in Deutschland sein Geschäft macht, bzw. gemacht hat. Es werden Zugeständnisse gefordert, dafür gibt es Zusagen.
Hätten Sie da ein Beispiel?

Achtung Zynismus!: Oder wollen Sie die Kinderarbeit in D wieder einführen, weil man schließlich mit den "Methoden im Rest der Welt" mithalten muss?
Natürlich nicht. Aber solange ich mich in einem freien globalen Markt bewege, kann ich dessen Bedingungen nicht ausblenden. Entweder, ich finde jemanden, der an den Bedingungen schraubt, passe mich an oder bin weg. Darauf läuft es hinaus.

Na klar, nichts ist statisch. Gleichzeitig bewegen sich Wizz, Ryan, Easy, TK EK und wie sie alle heißen. D ist nur ein Mosaikstein im Gebilde.

Jein, zum Einen haben sich in D ganz viele "bewegt" und für Rekordeinnahmen bei zumindest einem Anbieter in D gesorgt, zum Anderen ist der aktuelle Fall (die Kritik) aber ziemlich großer Mosaikstein auch für ausserhalb D.
Da weiß ich nicht, was Sie meinen? Hätten Sie das konkreter? Danke.

Das haben Sie richtig erkannt! Es geht nicht darum, ob die eigene Position neu bewertet wird, sondern darum, dass sie von den Firmen grundsätzlich in Frage gestellt werden.
Ich behaupte jetzt einfach mal, dass selbst wenn man bei LH 40% günstiger im Personal werden würde, es trotzdem keine Zusage in Form von Kündigungsschutz oder Positionen geben wird.
Wie auch, siehe oben. Nach der Anpassung an das wieder eingebrochene Volumen wird man einen Teufel tun und Zusagen geben. Ich bin mir sicher, man bereut auch den UFO Abschluss und die darin enthaltenen Garantien.

Dann stellen Sie aber die Systemfrage. Denn in einer sozialen Marktwirtschaft, hat der Unternehmer die Pflicht genau solche Zusagen zu machen und einzuhalten. Ansonsten können wir gerne alle Sozialleistungen streichen und uns dem amerikanischen System unterwerfen.
Solange wir noch in D wohnen, arbeiten und unser Unternehmen von den Zuverlässigkeiten des deutschen Systems profitieren, gibt es aber keinen anderen Weg.
Ich sage ja nicht, dass LH das rückgängig macht, sondern ich mir vorstellen kann, dass sie es bereuen, da sich der Markt viel schlechter entwickelt als erwartet. Daher wird man solche Zusagen in Zukunft eher nicht machen.

Sie hätten also vollstes Verständnis, wenn die VC in der jetzigen Situation auf die Einhaltung der Zusagen klagen würde?!?
Ich glaube kaum....
Käme auf die Zusage an. Aber Sie führen das ja immer wieder auf, ich habe das als etwas Grundsätzliches gesehen.

Das Thema wie man mit Zusagen umgeht, zieht sich aber durch den Konzern. Ich habe O-Ton gehört, dass man ja tarifliche(schriftliche) Zusagen in der aktuellen Situation wohl kaum einhalte könne und im gleichen Gespräch, dass man von anderen Verträgen ja nicht einfach so abweichen könne....
Das kann ja durchaus Sinn machen. Wenn man 200Km/h als Reisegeschwindigkeit mit Gertänkeservice im Vertrag hat und immer so schnell fährt und Getränke hat, aber plötzlich ist die Strecke gesperrt und Sie müssen einen kurvigen Umweg fahren, dann fahren Sie auch nicht mit 200 weiter, obwohl es im Vertrag steht. Den Getränkeservice können Sie aber weiter leisten.


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