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Erster Airbus A380 parkt in den Pyrenäen

Singapore Airlines Airbus A380
Singapore Airlines Airbus A380, © Ingo Lang

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TARBES - Der erste Airbus-Superjumbo, der den Dienst quittiert, wird auf einem Flugplatz in den französischen Pyrenäen geparkt. Die Motoren werden ihm zur Lagerung ausgebaut. Der Eigentümer sucht einen neuen Betreiber für das Flugzeug, mit dem Airbus 2007 die Auslieferungen der A380 begann.

Singapore Airlines, der erste Kunde des Superjumbos, gibt den Airbus A380 nach zehn Einsatzjahren an die Leasingfirma Dr. Peters zurück. Airbus kämpft um Neuaufträge für den Doppeldecker. Ein Markt für gebrauchte Flugzeuge dieses Kalibers hat sich bisher nicht etabliert.

Daher wird der erste Leasingrückläufer vorerst in Tarbes am Fuße der französischen Pyrenäen geparkt. Singapore Airlines hatte die 9V-SKA (MSN003) schon am 12. Juni aus ihrer aktiven Flotten genommen.

Nach Angaben der Dr. Peters Group, deren Fonds die ersten vier A380 gehören, halten die Gespräche mit potenziellen Neukunden an. Die Firma gibt sich gegenüber der Agentur "Bloomberg" optimistisch, dass es zu einer Einigung kommt. Gleichzeitig werden die Motoren ausgebaut und an den Hersteller Rolls-Royce zurückgegeben, damit er sie an andere Betreiber vermieten kann.

Das könnte dem Flugzeug Zeit verschaffen - oder seine Verschrottung einläuten. Im Januar, April und Juni 2018 wird Singapore Airlines insgesamt drei weitere A380 an Dr. Peters zurückgeben. Im März läuft zudem der Leasingvertrag der A380 aus, den Singapore Airlines mit Doric geschlossen hat.

Rückschlag für Airbus

Der Lufthansa-Partner gibt die Flugzeuge zurück, nimmt aber fünf werksneue A380. Singapore Airlines will damit ihre Flotte verjüngen und ihren Passagieren die neuesten Verbesserungen in der Kabine anbieten.

Dass die erste A380 eingemottet wird, ohne dass ein neuer Betreiber in Sicht ist, bedeutet einen Rückschlag für Airbus. Der französische Flugzeugbauer hofft, das A380-Programm mit einem Verkauf von zwanzig A380 an Emirates am Leben zu halten.

Emirates ist der größte Abnehmer des Airbus-Jumbos. Möglicherweise wird ein weiterer Deal nächste Woche auf der Dubai Air Show 2017 geschlossen. Er würde Airbus dabei helfen, die Produktion der A380 zumindest auf kleiner Flamme am Laufen zu halten.

Airbus kühlt das Programm auf acht Flugzeuge pro Jahr herunter und hat bisher mit dem Versuch ins Leere getroffen, die A380 als neue Version "A380plus" mit Sprit sparenden Winglets und zusätzlichen 80 Sitzen zu vermarkten.

Beliebtes Gelände

Der Tarbes-Lourdes-Pyrenäen Flughafen ist ein beliebter Parkplatz für Flugzeuge. Er liegt zirka 120 Kilometer von Toulouse im Südwesten von Frankreich. Tarmac Aerosave, Europas größtes Unternehmen für die Einlagerung von Flugzeugen, kann dort 25 Flugzeuge unterbringen und hunderte mehr in Teruel, Spanien.

Die zweite A380, die zurückgegeben werden soll, parkt derzeit auf dem Singapur Changi Flughafen. Dort wird sie weiß lackiert, ehe sie sich ebenfalls auf den Weg nach Frankreich macht.

Rolls-Royce hat einen Deal für die Triebwerke der ersten vier A380 der Dr. Peters Group, der bis 2019 verlängert werden kann. Das nimmt den Druck von der Leasingfirma, sofort einen neuen Betreiber finden zu müssen.  Die Trent 900 werden an Betreiber vermietet, deren Motoren für die Wartung ausgebaut werden, teilte die Sprecherin des Leasingunternehmens, Ulrike Germann, mit.

Singapur Airlines muss die Flugzeuge voll einsatzfähig zurückgeben. Das heißt, dass die Innenausstattung, die Triebwerke und andere Elemente in einwandfreiem Zustand sein müssen. Ansonsten muss die Airline laut Leasingvertrag 25 Millionen US-Dollar pro Flugzeug bezahlen.

Einnahmen durch Auseinandernahme

Die jetzigen Kabinen verbleiben nach Informationen von Dr. Peters in den Flugzeugen, werden aber renoviert. Das deutsche Unternehmen hatte zuvor gesagt, dass seine A380 möglicherweise auseinandergenommen und in Einzelteilen verkauft werden könnten.

Bei frühen A380 hat Airbus noch nicht den Serienstand späterer Flugzeuge erreicht. Ihr Umbau für neue Betreiber ist daher mit höherem Aufwand verbunden.

Pro Flugzeug könnte Dr. Peters mit einer Zerlegung etwa 100 Millionen Euro einnehmen. Gleichzeitig teilte das Unternehmen mit, dass es mit sechs potenziellen Anschlussbetreibern verhandle. Einer davon sei eine asiatische Billigfluglinie, die den Airbus mit 700 Sitzen in einer einzigen Klasse fliegen würde.

Auch US-Airlines und europäische Airlines sind laut Dr. Peters unter den Interessenten. Andere Interessenten haben demnach die Möglichkeit kurzfristiger Leasingverträge angefragt, um die Rentabilität eines A380-Einsatzes in ihren Systemen zu testen.

Der portugiesische ACMI-Anbieter Hi Fly will nach eigenen Angaben 2018 zwei gebrauchte A380 in seinen Flugzeugpark aufnehmen und als 560-Sitzer vermarkten.

Zusammen mit Airbus und Doric hat Dr. Peters den Schweizer Flottenvermarkter Sparfell & Partner engagiert. Der Händler preist die A380 auf seiner Homepage als Transportmittel im "Air Force One"-Stil für Regierungen an.

Malaysia Airlines plant unterdessen, ihre sechs A380 für den Transport muslimischer Pilger zur alljählichen Wallfahrt nach Mekka einzusetzen. Die Leasingfirma Amedeo muss auch noch Betreiber für seine 20 Superjumbos finden, die sie kaufen will.
© Bloomberg, aero.de (boa) | Abb.: Ingo Lang | 09.11.2017 11:06

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Beitrag vom 10.11.2017 - 10:51 Uhr
Das englische Wikipedia sagt:
"In 2000 Qantas were quoted a price of US$12.85 million per Trent 900. In 2012 Skymark Airlines signed a contract for 24 Trent 900s including long-term service support at a cost of US$1 billion (approx. US$46.7 million per engine)."
Beitrag vom 10.11.2017 - 10:14 Uhr
Was kostet denn so ein Triebwerk in etwa? Die 4 Triebwerke machen ja anscheinend einen beträchtlichen Teil des Gesamtpreises einer A380 aus...
Beitrag vom 09.11.2017 - 21:31 Uhr
...und die Airbus SE hat ihren Sitz in Leiden (Niederlande).

Welch alberne Diskussion.


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