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BDF fordert Schlussstrich

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Flughafen Lübeck soll mehr Zeit für Investorensuche erhalten

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Zwischen Ausbau und Abwicklung: Flughafen Lübeck, © Flughafen Lübeck
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LÜBECK - Ausbau statt Abwicklung. Überraschend haben die Fraktionen von SPD und Grünen in der Lübecker Bürgerschaft von ihrem vorbereiteten Antrag zur schrittweisen Abwicklung des Flughafens Lübeck Abstand genommen. Stattdessen soll an diesem Donnerstag in der Hansestadt über eine Vorlage beraten und abgestimmt werden, die eine Bereitstellung weiterer Mittel zum Einstieg in den Flughafenausbau vorsieht.

Damit gewinnt Lübeck zunächst einmal Zeit für die Suche nach einem neuen Investor. Der bisherige Betreiber Infratil Airports Europe beendet nach vier Jahren in diesem Monat sein Engagement am Flughafen. Trotz intensiver Suche ist gegenwärtig aber noch kein neuer Investor in Sicht.

SPD und Grüne hatten daher einen Antrag vorbereitet, der eine Rückstufung der Betriebspflicht des Flughafens auf Luftfahrzeuge bis 14 Tonnen vorsah. Während die Grünen grundsätzlich weiterhin eine schnelle Abwicklung des Flughafenbetriebs bevorzugen, schlägt sich die SPD nunmehr in das Lager um CDU und FDP.

Die bürgerlichen Parteien hatten sich im Vorfeld für die Bereitstellung weiterer kommunaler Gelder für den Flughafen ausgesprochen. Eine Abwicklung des Flughafens würde Verhandlungen mit Interessten von vornherein kompromitieren, argumentierten CDU und FDP.

Sollte die Suche nach einem neuen Investor für Lübeck allerdings weiterhin erfolglos bleiben, kündigte die SPD an, zu ihrem ursprünglichen Abwicklungskonzept zurückzukehren.

Für das laufende Jahr erwartet Lübeck rund 800.000 Passagiere am Flughafen. Mit einem Ausbau soll die Kapazität zunächst auf jährlich 1,3 Millionen Reisende gesteigert werden. Ein kostendeckender Flughafenbetrieb wäre nach Expertenschätzungen ab 1,4 bis 1,6 Millionen Reisenden jährlich zu realisieren.

BDF gegen weitere Investitionen in Lübeck

Das offenkundige Fehlen einer langfristigen Planung für den Flughafen bedeutet unter dem Strich auch, dass jetzt eingesetzte Gelder sich bereits in naher Zukunft als fruchtlos aufgewandte Ausbauinvestitionen darstellen könnten. Kritiker sehen hierin ein Vabanquespiel mit Steuermitteln.

Vor der am Donnerstag stattfindenden Bürgerschaftssitzung in Lübeck zur Zukunft des Flughafens hat sich so auch der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) für ein Ende des defizitären Flughafen-Projekts ausgesprochen.

Nach öffentlichen Zuschüssen von inzwischen über 60 Millionen Euro hat die Lokalpolitik zu erkennen gegeben, noch einmal Geld in den verlustreichen Regionalflughafen stecken zu wollen, teilte der BDF in einer unserer Redaktion vorliegenden Stellungnahme mit.

"Der Flughafen Lübeck hat keinen Betreiber mehr und so gut wie keine Kunden. Die Stadt sollte einsehen, dass die Steuergelder, die in den Flughafen fließen, weder rentabel noch dauerhaft gut angelegtes Geld sind", sagte BDF-Geschäftsführer Michael Engel am Dienstag in Berlin.

Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, Vernunft walten zu lassen, einen Schlussstrich zu ziehen und den Flughafen zu schließen, so Engel weiter.

Lübeck ist nach Ansicht des BDF ein Parade-Beispiel dafür, wie teuer der öffentlichen Hand ein Flughafen kommen kann, für den es keinen ausreichenden Bedarf gibt. Mit dem Ziel, Fluggesellschaften wie die irische Ryanair an den Flughafen zu binden, hatte der bisherige Betreiber über viele Jahre nicht kostendeckende Konditionen akzeptiert und Verluste angesammelt – ein wirtschaftliches Debakel, für das jetzt der Steuerzahler aufkommen soll, so der BDF.

Land: Airportbus nach Hamburg

Erst in diesem Jahre hatte die Bundesregierung ihr Flughafenkonzept beschlossen, um solchen Fehlentwicklungen in der Flughafenlandschaft Deutschlands in Zukunft vorzubeugen. Einige Länder setzen das Konzept inzwischen um.

So heißt es im Koalitionsvertrag von Schleswig-Holstein, dass die neue Landesregierung für sich eine direkte Flughafenbeteiligung ausschließt. „Die Stadt Lübeck wäre besser beraten, einen Airportbus vom Lübecker Hauptbahnhof zum Hamburger Flughafen einzusetzen, das wäre kostengünstiger und umweltfreundlicher.“

© aero.de | Abb.: Flughafen Lübeck | 27.10.2009 15:38




Leser-Kommentare (2)

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27.10.2009 22:45
Den Airport-Shuttle gibt es bereits seit Jahren, und zwar in beide Richtungen.
Der Flughafen Lübeck wird offensichtlich gut angenommen, entgegen dem allgemeinen Trend wächst die Passagierzahl in diesem Jahr um mehr als 30%. Das Geschäftsmodell kann sich rechnen (s. Airport Weeze und andere europäische Low-Cost-Airports), der "Break-Even" liegt in Lübeck bei 1,2 Mio Passagieren, davon ist man nicht mehr allzu weit entfernt.
Das der BDF einen Airport, der ausschließlich von ausländischen Konkurrenz-Airlines angeflogen wird, schließen lassen möchte ist mehr als bezeichnend.
Es wäre, meiner Meinung nach, jetzt so kurz vorm Ziel die falsche Entscheidung. Es wurden in den letzten Jahren einige Millionen in eine Planfeststellung zum notwendigen Ausbau (der Beschluß liegt jetzt vor), in eine optimale Straßennbindung (A1/A20) und einen neuen Flughafenbahnhof investiert. Der Airport hat eine gute touristische Lage (Ostseenähe, nicht weit von Hamburg, Schwerin und Kiel).
Mittel- bis langfristig stößt der Hamburger Stadtflughafen Fuhlsbüttel an seine Kapazitätsgrenzen (17-18 Mio Passagiere), ein neuer Großflughafen Kaltenkirchen (oder anderswo) wird nicht mehr gebaut. Umso sinnvoller ist es, vorhandene Flughafeninfrastruktur fit für die Zukunft zu machen, und nicht sie zu vernichten. HAM und LBC können sich mittelfristig ergänzen, dazu bedarf es jetzt nur ein wenig guten Willen und ein Sich-Verabschieden von alten "Feindbildern", damit einem der ältesten Flughäfen Deutschlands nicht die Chance auf eine Zukunft unwiederbringlich genommen wird. Davon wird, meiner Meinung nach, in Zukunft die gesamte Metropolregion profitieren.
27.10.2009 17:15
Ein Airport-Shuttle nach Hamburg - endlich mal ein vernüftiger Vorschlag.

Der Ausstieg von Fraport am Hahn ist doch das beste Beispiel dafür, dass Regionalflughäfen mit reinem LowCost-Schwerpunkt schlicht das Geschäftsmodell fehlt. Hahn ist gut ausgelastet aber immer noch unrentabel.

Lübeck ist drauf und dran, schlechtem Geld sehr viel gutes Geld hinterherzuwerfen.


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