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FCAS kommt nicht – und jetzt?

FCAS - neuer Kampfjet für Europa
FCAS - neuer Kampfjet für Europa, © Airbus

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BERLIN - Das FCAS-Programm endet, bevor es richtig begonnen hat. Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron geben einem gemeinsamen Kampfjet keine Chance mehr. Das FCAS-Aus sprengt Projektallianzen über Dassault und Airbus hinaus - jetzt formieren sich neue Gruppen.

Airbus und Dassault - eine Liebesheirat war das ungleiche FCAS-Gespann nie. Weil die Konzerne "nicht zusammenfinden", verwerfen Deutschland und Frankreich das Projekt eines gemeinsam entwickelten Kampfjets der sechsten Generation. So sei nun mal die "Realität", hieß es zu Wochenbeginn aus Berlin.

Risse im Industriekonsortium zeichneten sich 2025 ab: Dassault-Chef Eric Trappier sprach Airbus das "Know-How" für die Entwicklung eines neuen Kampfjets ab und beanspruchte den FCAS-Taktstock.

Airbus hielt gegen, in kleiner Runde verdrehten Airbus-Manager über eine "Befehl und Kontrolle"-Kultur bei Dassault die Augen.

Zur "Realität" gehört allerdings auch, dass Deutschland und Frankreich ganz unterschiedliche Vorstellungen von einem FCAS-Kampfjet hatten.

Auf abweichende "Anforderungsprofile" hatte Merz bereits öffentlich hingewiesen. Frankreich will ein flugzeugträger- und atomwaffenfähiges Flugzeug, die Bundeswehr braucht solche Eigenschaften nicht.

Nun soll zumindest das "System der Systeme" hinter FCAS gemeinsam vorangetrieben werden - die dezentrale "Combat Cloud" wird europäische Verbände aus Flugzeugen und Begleitdrohnen in Echtzeit koordinieren.

Wie es beim eigentlichen Kampfjet weitergeht - derzeit ist das völlig offen. In Frankreich wird damit gerechnet, dass die Regierung Dassault schon sehr zeitnah mit einer Alleinentwicklung beauftragen wird.

Für Deutschland ist die Sache nicht so klar. Airbus traut sich zwar eine Projektleitung zu, ein Alleinrisiko will sich der Konzern aber nicht aufbürden.

"A350-900 und A350-1000 sind zwei unterschiedliche Flugzeuge mit vielen Gemeinsamkeiten", hatte Airbus-Chef Guillaume Faury in einem Interview mit dem Sender "BFM" einen Vergleich gezogen. "Und dann gibt es in Europa Kampfflugzeuge, bei denen kein Teil gleich ist." Dies sei ein mögliches Spektrum.

Der Chef von Airbus Defense und Space, Michael Schöllhorn, richtete am Mittwoch auf der ILA in Berlin an Merz die Erwartung, dass die Industrie nun einen "klaren Auftrag" für das weitere Vorgehen sowohl beim geschrumpften FCAS-Projekt als auch für die Entwicklung eines neuen Kampfflugzeugs erhält. Beide Projekte zusammen hätten das Potenzial, "das technologische und wirtschaftliche Leuchtturmprojekt für die deutsche und europäische Industrie zu werden".

Kein "deutscher Alleingang" geplant

Er betonte, dass die NATO-Luftwaffen weiterhin bemannte Kampfjets benötigten, die dann mit unbemannten Drohnen vernetzt werden könnten. Die deutsche Industrie wolle weiterhin ein Kampfflugzeug "für und mit Europa" entwickeln. "Wir plädieren nicht für einen deutschen Alleingang, wir denken europäisch", sagte Schöllhorn. Die deutsche Industrie müsse aber "wesentlich und in verantwortungsvoller Rolle beteiligt werden".

Als möglicher neuer Partner wird Saab gehalt. Dessen Gripen-E sei allerdings "keine Alternative" für einen Kampfjet der sechsten Generation, hatte Schöllhorn schon vor der ILA klargestellt.

Zudem will Spanien, das mit Indra Sistemas den dritten ursprünglichen FCAS-Pfeiler stellte, in einem möglichen neuen Konsortium berücksichtigt werden.

Jeder Neustart wird nun zwangsläufig Zeit kosten - auch, weil sich im Hintergrund ein Konsortium der Triebwerksbauer wohl ebenfalls neu aufstellen muss.

MTU Aero Engines arbeitet mit Safran Aircraft Engines und dem spanischen Zulieferer ITP Aero im Gemeinschaftsunternehmen Eumet (European Military Engine Team) an einem FCAS-Triebwerk, das bis zu 40 Prozent mehr Schub als aktuelle Fighter-Antriebe wie das M88 der Dassault Rafale oder das EJ200 des Eurofighters liefern soll.

Eine schnelle Möglichkeit wäre, zumindest beim Triebwerk in bestehenden Strukturen weiterzumachen. "Das scheitert aber an den beiden Airframern", sagte MTU-Chef Johannes Bussmann der "Flug Revue" schon im Februar 2026. Wenn man jetzt eine Änderung des Konsortiums verhandeln müsse, koste das Zeit.

"Team Gen 6"

Zunächst will Airbus nach Medieninformationen die engsten Programmpartner an sich binden. Eine Arbeitsgruppe, das "Team Gen 6", soll unter Führung von Airbus Defence and Space die Arbeiten an einem Kampfjet der sechsten Generation auf eine neue Schiene stellen.

Die Initiative, der auch MTU, MBDA, Hensoldt, Diehl Defence, Autopflug, Rohde und Schwarz und Liebherr angeschlossen haben, ist bereits an die Bundesregierung herangetreten, meldete zunächst die "Financial Times".

Schon der bisherige Plan, der eine FCAS-Einsatzreife gegen 2040 vorgesehen hatte, galt in Fachkreisen als ambitioniert. "Jetzt fällt das FCAS-Kartenhaus zusammen", sagte ein Programmkenner aero.de diese Woche. Weil damit die "industrielle Basis" für das Programm entfällt, "sind zwei, eher drei Jahre Verzögerung der Best Case".

Als Zwischenlösung könnte die Bundeswehr weitere Eurofighter oder F-35 bestellen. Fähigkeitslücken als Folge der FCAS-Bruchlandung will die Bundeswehr in jedem Fall vermeiden.

Neue Weichenstellungen schon im Juli

Merz (CDU) sieht im Scheitern des Kampfjet-Projekts auch eine Chance für die deutsche Rüstungsindustrie. "Damit lösen wir zwar eine langjährige Blockade auf, wir eröffnen der Industrie aber auch neue Möglichkeiten, beim Bau moderner Kampfflugzeuge auf anderem Wege voranzukommen", sagte der CDU-Vorsitzende bei der Eröffnung der ILA.

Er betonte, dass ein Teil des von Deutschland und Frankreich geplanten Future Combat Air Systems (FCAS) weitergeführt werde: die sogenannte "Combat Cloud", über die unterschiedlichste Waffensysteme vernetzt werden sollen. Darin liege eine große Chance für ein "zentrales deutsch-französisches verteidigungspolitisches Zukunftsprojekt", betonte der Kanzler.

Mit der Umsetzung würden sich die Verteidigungsminister bis zum nächsten deutsch-französischen Regierungstreffen Mitte Juli befassen.
© aero.de, dpa-AFX | Abb.: FCAS | 11.06.2026 05:31

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Beitrag vom 11.06.2026 - 21:59 Uhr
Wo genau kommen in der Ukraine "HighTech-Flugzeuge" zum Einsatz?

Gilt eine 50 Jahre alte F16 A oder eine Suchoi oder Tu95 jetzt als "HighTech-Flugzeug" oder wie?

Als sich Raketen etabliert haben wurden diese "HighTech-Flugzeuge" schon mal totgesagt aber nur von Großbritannien welches seine Luftfahrtindustrie dadurch nachhaltig ruiniert hat.

Jetzt machen sich eben neue Sorten kleiner Flugkörper auf dem Schlachtfeld breit und wie schon bei den Raketen wird man feststellen dass man deren Reichweite, Reaktionszeit, Durchsetzungsfähigkeit und Kosten stark verbessern kann wenn man sie von einem größeren Trägersystem aus einsetzt und ob das bemannt ist oder nicht macht finanziell ohnehin kaum noch einen Unterschied.
Deswegen hat QuantumSystems also ein Drohnenhersteller (!) am Montag auf der ILA auch ein MockUp eines Trägersystems vorgestellt.

Wenn man wirklich Schaden anrichten will kommt man um die klassische Fliegerbombe mit so und so vielen Tonnen sowieso nicht herum.
Beitrag vom 11.06.2026 - 19:04 Uhr
Mich würde mal interessieren, welche Rolle F35 o.ä. in der Ukraine spielen - die Ukrainer schaffen es immerhin, Russland mit Drohnen Paroli zu bieten und ihre Linien zu verteidigen. Wie gross ist dort der Einfluss und Nutzen bemannter Kampfflugzeuge?

Gut, Abschreckung ist sicher ein gewichtiger Wert. Es ist anzunehmen, dass alleine schon die Existenz von Abfangjägern die russische Seite vorsichtiger agieren lässt als wenn diese Abschreckung nicht vorhanden wäre. Trotzdem muss man dann feststellen, dass die (vermutlich wengen) vorhandenen Kampflugzeuge diesen Effekt schon ohne Vernetzung mit Drohnen erreichen, zumindest ist aus der Presse keine solche FCAS-ähnliche Vernetzung bekannt. Was also soll eine solche Vernetzung an zusätzlichen Vorteilen überhaupt bringen?

Das einzige bisher immer wieder bekannt gewordene Szenario ist der von Drohnen begleitete Kampfjet, der dann die Drohnen vorausschickt und sich selbst gar nicht in gegnerische Reichweite zu bringen braucht.

So ein Szenario ist aber eine Bankrotterklärung, denn wenn solche Drohnen erfolgreich agieren, dann spielt es keine Rolle, ob sie nach hinten Kontakt zu einem Flugzeug, einer Bodenstation oder vielleicht sogar gar nicht halten. Welche Vorteile soll eigentlich ein Ein- oder Zweimann-Kampfflugzeug gegenüber einem heimischen Steuerungszentrum haben? Das Wirkungsfeld im Cockpit ist nie so optimal wie es eine feste Rinrichtung sein kann. Der Vorteil des Cockpits ist doch nur die optische Sicht auf den Gegner - und wenn die nicht gebraucht wird, dann wird der bemannte Flieger schlicht überflüssig. Hinfliegen und bomben kann auch ein Automat.

Die logische Folge daraus ist, dass zwar weiterhin durchaus Kampfflugzeuge gebraucht werden, nicht aber ihre Fähigkeit, parallel fliegende Drohnen zu managen. Diese Fähigkeit bekommt man auf andere Weise einfacher, sicherer und last not least billiger.

Im übrigen wissen die Militärs schon seit jeher, dass Klasse durch Masse ersetzt in der Praxis meist bessere Resultate bringt: So ein paar supertolle Düsenjäger sind schnell ausser Gefecht gesetzt - wie man im Ukraine-Krieg sieht, fallen manchmal ja selbst die besten HighTech-Flugzeuge weit hinter der Front den preiswerten Drohnen zum Opfer - aber gegen Drohnenschwärme ist noch immer kein gutes Kraut gewachsen. Und das, was da gerade wächst, ist für grosse Flugzeuge sowieso noch viel gefährlicher als für kleine Drohnen.

Wozu also Geld in Sinnloses stecken?

Beitrag vom 11.06.2026 - 08:59 Uhr
Das Ziehen der Reißleine war schon längst überfällig, allein schon die Tatsache, dass man sich von französischer Seite weigerte den „Quellcode“ weiterzugeben, hätte die „Zusammenarbeit“ beenden müssen, aber ein politisch initiiertes Projekt setzt natürlich andere Prioritäten als ein wirtschaftlich Fundiertes.

Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen, und man liest überall von möglichen Alternativen, mehr oder weniger an die Realität und den wirtschaftlichen und technischen Möglichkeiten angepasst.

Airbus schnellt, wie zufällig, mit einem passenden Konzept hervor, dies deutet natürlich auf eine lange Zeit der Vorbereitung hinter den Kulissen hin, natürlich getrieben von der Möglichkeit, noch ein großes Stück von Kuchen der üppig fließenden Steuergelder im Rahmen der „Wehrtüchtigkeit“ zu ergattern. Man muss mit dabei sein, solange die „Kriegstrommeln“ mit ihrem ohrenbetäubenden Dröhnen zu vernehmen sind.

Aber jetzt die Frage, welches Konzept ist für uns am sinnvollsten, ein gänzlich neuer Flieger, selbst konstruiert sofern möglich, oder in Zusammenarbeit mit anderen europäischen Ländern?

Oder reicht nicht das in den nächsten Jahren bestehende Duo mit F35 und Eurofighter in den neuen Varianten aus, um abschreckend zu wirken, auch mit der Möglichkeit, immer bessere abstandsfähige Waffen zu entwickeln?

Man vernimmt oft deutliche Hinweise auf die „Vorbildfunktion“ des Krieges zwischen Russland und der Ukraine, der aus meiner Sicht aber überhaupt nicht in den Rahmen westlicher Militärdoktrin und strategischen Vorgehens passt, er erinnert in Teilen eher einer Abnutzungsschlacht auf Basis des Ersten Weltkrieges, ergänzt durch moderne Instrumente, wie Drohnen, letztendlich aber nur eine Variante eines Grabenkrieges vergangener Zeiten. Luftwaffen spielen auf beiden Seiten kaum die Rolle, wie z. B. bei den Israelis, oder den Briten, die von Zypern aus mit dem Eurofighter bis in den Jemen hineinwirken.

Und dann bleibt natürlich noch die Alternative, nach der Ära Trump wieder mit den Amis in Kontakt zu treten, wenn sie denn bereit sind, neueste Technik zu verkaufen, um in 20 Jahren oder so, alle Bundeswehr- Flieger durch eine Neuanschaffung zu ersetzen.

Persönlich sehe ich die Gefahr, dass hier wieder unter dem Deckmantel der Abschreckung Milliarden verbrannt werden, für unsinnige Projekte, getrieben durch das Schreien der „Falken“, die nicht nur der Sache dienlich sind, sondern auch ihren eigenen Interessen vertreten.


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