Dass Arianespace zehn neue Startaufträge an Land ziehen konnte, ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Jeder zusätzliche kommerzielle Flug trägt schließlich dazu bei, dass Entwicklung und Betrieb der Ariane 6 nicht ausschließlich vom europäischen Steuerzahler finanziert werden müssen. Dennoch bleibt das aus meiner Sicht eher ein Tropfen auf den heißen Stein.
Natürlich darf man den Flugplan der Ariane 6 nicht eins zu eins mit dem der Falcon 9 vergleichen. Ein hoher zweistelliger Prozentsatz der SpaceX-Flüge in diesem Jahr entfiel allein auf Starlink und war damit gewissermaßen hausgemacht. Auch zahlreiche amerikanische Regierungsmissionen (NASA, NRO, Space Force), sind für einen europäischen Anbieter ohnehin kein realistischer Markt.
Interessanter wird der Vergleich deshalb bei den Aufträgen, die grundsätzlich auch an Arianespace hätten gehen können: kommerzielle Satellitenbetreiber, Rideshare-Missionen, aber auch zivile institutionelle Kunden wie die italienische Raumfahrtagentur ASI. Und auch in diesem tatsächlich adressierbaren Markt führt SpaceX regelmäßig Missionen durch.
Bei Ariane 6 sieht die Bilanz bislang deutlich schmaler aus. Von den vier Flügen in diesem Jahr entfielen drei auf denselben kommerziellen Großkunden, Amazon, für dessen Leo-Konstellation. Der vierte Start erfolgte für EUMETSAT und war damit eine europäische institutionelle Mission.
Selbst wenn man bei SpaceX also die Starlink-Eigenmissionen sowie die praktisch gebundenen amerikanischen Regierungsaufträge herausrechnet, verbleiben in diesem Jahr bereits rund dreimal so viele Flüge für externe beziehungsweise frei adressierbare Kunden wie bei Ariane 6.
Die zehn neuen Aufträge sind deshalb zweifellos erfreulich und wichtig für die Auslastung der Ariane 6. An der grundsätzlichen Frage ändert das jedoch wenig: Wie attraktiv ist die Rakete außerhalb institutioneller europäischer Missionen und einzelner großer Rahmenverträge tatsächlich für den internationalen Markt?
