Beitrag vom 08.12.2024 - 13:38 Uhr
OK, nette Umschreibung für "der Steuerzahler soll dafür einstehen, dass ich mich bei der Nachfrage verzockt habe". Netter Versuch von MOL, aber die Nachfragesituation ändert sich dadurch nicht, und auch einen großen Teil der Cost Base kann die Regierung nicht einfach verschwinden lassen (Stichwort Tarifautonomie).
Wer ein bisschen rechnen kann, weiß, dass sich ein Sitz von Düsseldorf nach Mallorca nicht für weniger als 50â?¬ produzieren lässt.
Dieser Beitrag wurde am 08.12.2024 16:16 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 08.12.2024 - 14:26 Uhr
Leider fehlt ein nicht unwichtiger Teil Ihres Beitrages. Sollte da 20� stehen, oder eher 50�. Spielt am Ende keine Rolle. Für Passagiere die direkt in Düsseldorf leben mag der teurere Flug ab DUS weiterhin die bessere Alternative bleiben. Wenn Sie allerdings Aachen, Heinsberg... wohnen wäre eine Fahrt nach Brüssel auch eine Alternative. Ab dort können Sie bspw. am 16.12. für 20� nach Palma fliegen und am 29.12. für 34� auch wieder zurück. Tarifautonomie und andere Dinge sind valide Punkte, aber kaufen Sie bewusst Produkte aus Firmen mit Tarifvertrag wenn diese nur das selbe können wie andere Produkte ohne Tarifvertrag die jedoch weniger als die Hälfte kosten? Wenn ja vertreten Sie eine Minderheit.
Alleine die Ticketsteuer würde für diese Flüge ab DUS mit 31,06� zu Buche schlagen, das hat mit Tarifautonomie nichts zu tun. Die kommt bspw. beim Passagierentgelt zum Vorschein welches in DUS mit 17,06� alles andere als vergleichbar günstig ist und Belgien ist nicht als Niedriglohnland bekannt. Dann die Landegebühr, Emissionsentgelte, Lärmgebühr... Wir Deutschen haben einen Hang dazu es möglichst kompliziert und damit auch teuer zu machen. Und das hat nur sehr wenig bis gar nichts damit zu tun, dass dort den Angestellten ein Gehalt gezahlt werden muss.
Dieser Beitrag wurde am 08.12.2024 14:27 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 08.12.2024 - 16:15 Uhr
Hm, Danke für den Hinweis, tatsächlich standen da "kleiner 50�", aber ich nehme an, das Forum hat das Kleiner Als Symbol in den falschen Hals bekommen und den Rest abgeschnitten.
Die Frage ist doch, was über die Flughafengebühren und Ticketsteuern finanziert wird. Wenn Belgien entscheidet, z. B. die Kosten für die Sicherheitskontrolle nicht umzulegen, sondern zentral aus dem Staatssäckel zu bezahlen, dann ist das genau genommen eine Subvention (alle zahlen für eine Leistung, die nur von vergleichsweise wenigen auch in Anspruch genommen wird). Das lässt sich auf ziemlich viele Kosten anwenden - Flugsicherung, Flughafensicherheit, Verzicht auf oder Erhebung einer Kraftstoffsteuer, ...
Landegebühren sind Sache des Flughafenbetreibers, die fließen auch zu 100% in dessen Kasse (wobei Flughäfen in Dt'land ihre Landegebühren behördlich genehmigen lassen müssen und dem Lärmschutz Rechnung tragen müssen).
Nehmen wir mal politische Steuerungsabgaben (Lärmschutz, CO2-Preis) raus, dann bleiben immer noch Kosten für die Flugsicherung (incl. SAR), Infrastrukturkosten für den Flughafen (Pachten, Instandhaltung der Gebäude und Flächen, Beleuchtung, Energie- und Wasserkosten etc.), Handling-Kosten für die Bodenabfertigung, Kosten für die Flughafensicherheit (Passagier- und Gepäckkontrolle, Sicherheitspersonal), Flughafenfeuerwehr, und nicht zuletzt Personalkosten der Airline, Treibstoffkosten sowie Betriebskosten des Flugzeugs (Abschreibung, Wartung) und Verwaltungs- und Vertriebskosten der Airline. Nimmt man das alles zusammen, dann sind auch ohne staatliche Steuerungsabgaben die 50â?¬ wahrscheinlich knapp kalkuliert - für einen Airbus A320 wären das ca. 9.000â?¬ Gesamtkosten für einen Flug DUS-PMI (180 Sitzplätze). Allein für den Treibstoff für diese Strecke (ca. 5.200kg) muss man einiges einkalkulieren - ich weiß nicht, was Airlines tatsächlich zahlen, aber Privatpiloten legen i.d.R. ca 1,30â?¬ pro Liter Jet A-1 hin (excl. Märchensteuer und Energiesteuer).
Beitrag vom 08.12.2024 - 16:30 Uhr
Ryanair hat doch absolut recht. Die Marktwirtschaft wird in Deutschland Stück für Stück abgebaut und alles wird so lange reguliert, bis keiner mehr einen Anreiz hat zu investieren. Sieht in meiner Branche nicht anders aus. Auch ich plane derzeit meine Firma hier in Deutschland abzuwickeln. Es macht einfach keinen Spaß mehr. Und alle, die fleißig Beifall klatschen für diese sozialistische Politik, werde irgendwann sicher auch noch aufwachen. Die Grünen machen ja kein Geheimnis daraus, dass jeder Flug weniger der vom deutschen Boden in die Lüfte geht, ein guter Flug ist (natürlich ausgenommen deren eigenen Flüge, die sind natürlich unabdingbar).
Leistung in diesem Land lohnt nicht mehr, investieren schon gar nicht. Das habe ich nach 20 Jahren und 3 eigenen Unternehmen hier in Deutschland lernen müssen.
Beitrag vom 08.12.2024 - 17:41 Uhr
@Daemotron
Ich glaube Sie werfen hier einige Dinge durcheinander. Die Ticketsteuer in Deutschland fließt direkt in den Staatshaushalt. Sie dient nicht der Finanzierung irgendwelcher Dienstleistungen am Airport und ist auch nciht zweckgebunden, bspw. für Forschung für nachhaltiges fliegen. Da bedient sich einfach nur der Staat. Andere Staaten machen das nicht. In Schweden bspw. wurde die Ticketsteuer gerade wieder abgeschafft. Und Sie werden es vermuten, auch Belgien profitiert deutlich von der deutschen Ticketsteuer wie Studien beweisen.
Kerosin ist weltweit nicht besteuert, auch nicht in Belgien und auch nicht in Düsseldorf.
Ale Kosten des Flughafens sind mit den Abfertigungsgebühren und den Landeentgelten sowie der Parkgebühr abgegolten. Alle anderen Einnahmen fließen auch hier weder an den Flughafenbetreiber noch an die dortigen Angestellten. Es sind aber gerade diese variablen Kosten die Deutschland als Standort unattraktiv machen. Und wenn man für die oben genannten Preise ab Brüssel nach Palma und zurück fliegen kann und damit nicht einmal die Gebühren in Deutschland abgegolten werden können, geschweige denn die Kosten für den Flug und das eigene Personal, so ist die Entscheidung seitens Ryanair eben den deutschen Markt zu meiden doch durchaus nachvollziehbar, oder nicht? Ryanair ist kein allgemeinnütziges Unternehmen, es verdient mit der aktuellen Preispolitik quer durch Europa durchaus respektable Gewinne. Ab Deutschland ist das aber nicht möglich obwohl dort die operativen Kosten für die Airline kaum anders wären als bspw. in Belgien auch. Alle Kosten die operative auf Seiten von Ryanair anfallen (Personal, Wartung, Leasing, Kerosin,...) erlauben es also offensichtlich gepaart mit den Flughafengebühren und ATC europaweit Geld zu verdienen ausser eben in Deutschland. Da muss man sich als Standort Deutschland ggf. auch fragen ob man die Kuh nicht gerade zu viel gemolken hat. Es trifft ja auch nicht nur auf Ryanair zu. Auch Easyjet, Eurowings, Condor, Wizz... verschieben Kapazitäten ins Ausland. Dadurch steigen die Stückkosten in Deutschland weiter, denn Fixkosten wie Erhaltung der Infrastruktur werden nun auf weniger passagiere umgerechnet werden müssen. Leistung in Deutschland kann schon durchaus lohnen wie zahlreiche Unternehmen beweisen, allerdings sind die Bedingungen in Deutschland eben deutlich herausfordernder. Warum sollte man diese Bedingungen akzeptieren, wenn wir in Europa einen steuerfreien Binnenmarkt haben und mit Mercosur demnächst ganz Südamerika hinzu kommt? Das Märchen von den gut ausgebildeten Arbeitnehmern ist doch auch längst nicht mehr wahr, Pisa Studien und die Realität zeigen da ganz andere Dinge auf. Also kann ich jeden verstehen der dass Bürokratiemonster und Hochsteuerland Deutschland meidet. Auch Ryanair.
Beitrag vom 08.12.2024 - 18:27 Uhr
Ryanair hat doch absolut recht. Die Marktwirtschaft wird in Deutschland Stück für Stück abgebaut und alles wird so lange reguliert, bis keiner mehr einen Anreiz hat zu investieren. Sieht in meiner Branche nicht anders aus. Auch ich plane derzeit meine Firma hier in Deutschland abzuwickeln. Es macht einfach keinen Spaß mehr. Und alle, die fleißig Beifall klatschen für diese sozialistische Politik, werde irgendwann sicher auch noch aufwachen. Die Grünen machen ja kein Geheimnis daraus, dass jeder Flug weniger der vom deutschen Boden in die Lüfte geht, ein guter Flug ist (natürlich ausgenommen deren eigenen Flüge, die sind natürlich unabdingbar).
Leistung in diesem Land lohnt nicht mehr, investieren schon gar nicht. Das habe ich nach 20 Jahren und 3 eigenen Unternehmen hier in Deutschland lernen müssen.
Soweit der Vize-Ersatz Pressesprecher der AfD.
Und damit zurück ins Studio.
Mal ernsthaft, das waren fast sämtliche Talking Points die die Partei mit dem gesichert rechtsextremistischen Jugendverband und dem Rechtsextremisten als Vorsitzenden der Fraktion im Thüringer Landtag sonst so zu Protkoll gibt.
Ist denn scho wieder Wahlkampf?
Dieser Beitrag wurde am 08.12.2024 18:31 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 08.12.2024 - 20:12 Uhr
Und weil der Jugendverband gesichert rechtextrem ist sind nun alle Inhalte die von der AfD kommen Blödsinn? Ich bezweifle das. Vieles ist aus meiner Sicht weltfremd und nicht umsetzbar, aber vieles spricht eben vielen Wählern aus der Seele. Ansonsten wäre es nicht die aktuell zweitstärkste Kraft in Deutschland. Ob diese Punkte umsetzbar sind wage ich ebenfalls zu bezweifeln. Am besten würde man mMn dem Schreckgespenst AfD begegnen, wenn man sie einfach mal irgendwo regieren lassen würde. Danach merken die Wähler schnell, dass sich die vielen Versprechen nicht so einfach umsetzen lassen, dass gerade die Familien mit weniger Einkommen von der Steuerpolitik der AfD komplett in die Zange genommen werden, und dass am Ende sich kaum was ändert. Danach ist die AfD so eine leere Hülle wie derzeit die Grünen.
Beitrag vom 08.12.2024 - 20:40 Uhr
@Jumpfly,
es gibt wohl kaum eine Partei, die überhaupt keinen Programmpunkt hat, dem man nicht zustimmen kann.
Trump ist ein Beispiel dafür: Seine Ideen z. B. zur Abtreibung hat bestimmte Wähler angezogen, die an sich von seinen sonstigen Vorstellungen angwwidert sein müssten.
Dieser Beitrag wurde am 08.12.2024 20:40 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 08.12.2024 - 20:44 Uhr
Wie lang braucht man für eine grössere Flottenplanung und deren Umsetzung?
Beitrag vom 08.12.2024 - 23:31 Uhr
@Daemotron
Ich glaube Sie werfen hier einige Dinge durcheinander. Die Ticketsteuer in Deutschland fließt direkt in den Staatshaushalt. Sie dient nicht der Finanzierung irgendwelcher Dienstleistungen am Airport und ist auch nciht zweckgebunden
Habe ich auch nicht behauptet. MOL hat aber explizit die aus seiner Sicht zu hohen Flughafengebühren kritisiert, die sehr wohl der Finanzierung einer Dienstleistung dienen. Die Ticketsteuer fällt für mich ebenso wie der CO2-Preis oder die Lärmschutzkomponente in den Flugplatzgebühren in den Bereich der politischen Lenkungsabgaben (der Staat langt zu, um zumindest theoretisch einen Lenkungseffekt in die politisch gewünschte Richtung zu erzielen - z. B. weniger Fluglärm, oder weniger CO2-Emission - oder einfach weniger fliegen insgesamt).
Mein Punkt war: Ticketpreis unter 50� nach Palma ist ohne Subvention oder Trickserei bei den Personalkosten nicht zu machen, auch in Belgien nicht (die Spritkosten sind auf beiden Seiten der Grenze annähernd gleich, und die machen den Löwenanteil aus, zusammen mit den Personalkosten der Airline). Wenn das dort trotzdem klappt, dann entweder weil der belgische Staat bestimmte Kosten übernimmt (Subvention), oder weil die Regeln zum Arbeitnehmerschutz schwächer sind (Stichwort Scheinselbständigkeit beim fliegenden Personal).
Ansonsten kann der Unterschied eigentlich nur im Lohnniveau insgesamt liegen - das dürfte für eine Airline aber kein größeres Problem darstellen, da sich in Ländern mit höherem Lohnniveau auch höhere Ticketpreise durchsetzen lassen (von grenznahen Flughäfen abgesehen - ja, DUS verliert wahrscheinlich Passagiere an Belgien, umgekehrt gewinnt HAM Passagiere aus Dänemark). Oder eben an staatlichen Lenkungsabgaben.
Wenn man also über die zu hohen Produktionskosten für die Verkehrsfliegerei diskutieren will, dann nicht mit einem Rundumschlag à la MOL, sondern man muss - zumindest meiner Meinung nach - über die relevanten Faktoren getrennt sprechen. Das unterschiedliche Entgeltniveau zwischen Ländern mit Ticketsteuern zu vermischen halte ich nicht für sachdienlich (und ja, an einer Ticketsteuer festzuhalten, die in den meisten Nachbarländern nicht erhoben wird, halte ich ebenfalls nicht für clever).
Ale Kosten des Flughafens sind mit den Abfertigungsgebühren und den Landeentgelten sowie der Parkgebühr abgegolten.
Falsch. Die meisten Flughäfen erhalten Zuwendungen, weil sie sich nicht wirtschaftlich betreiben oder zumindest bauen/erweitern lassen. Das geschieht nach Auskunft der Bundesregierung "im Einklang mit den 'Leitlinien für staatliche Beihilfe für Flughäfen und Luftverkehrsgesellschaften' der EU-Kommission" (WD 5 - 3000 - 099/17). Bei Regionalflughäfen handelt es sich meist um direkte Subventionen zur Deckung der Betriebskosten, bei den 39 Verkehrsflughäfen ist das durch EU-REcht verboten, hier erfolgt die Unterstützung durch staatliche Beteiligung oder durch Einzelförderung von Infrastrukturentwicklungsmaßnahmen (und jetzt raten Sie mal, wie viel vom BER über die Landegebühren finanziert werden). Das gilt im wesentlichen für alle EU Länder.
Es sind aber gerade diese variablen Kosten die Deutschland als Standort unattraktiv machen.
Was denn nu, die staatlichen Eingriffe, oder doch die variablen Kosten (insbesondere also Personal)?
Und wenn man für die oben genannten Preise ab Brüssel nach Palma und zurück fliegen kann und damit nicht einmal die Gebühren in Deutschland abgegolten werden können, geschweige denn die Kosten für den Flug und das eigene Personal, so ist die Entscheidung seitens Ryanair eben den deutschen Markt zu meiden doch durchaus nachvollziehbar, oder nicht?
Die Entscheidung über den Ticketpreis liegt bei FR. Wenn die nicht über ein bestimmtes Limit gehen wollen (auch nach mehreren Jahren mit hoher Inflation), das mit den bekannten Rahmenbedingungen die Kosten deckt, sondern sich lieber vom Markt zurückziehen, ist das eine Entscheidung von FR. Dafür können sie aber nicht andere verantwortlich machen. Andere Fluggesellschaften produzieren ja auch unter denselben Bedingungen, haben halt entsprechend die Preise anheben müssen. Dass das nicht schön ist, ich will auch gar nicht bestreiten, dass es einen Einfluss auf die Passagierzahlen hat, aber FR tut halt so, also gäbe es in Dt'land einen einzigartig gegen FR gerichteten Wettbewerbsnachteil, und dem ist nicht so.
denn Fixkosten wie Erhaltung der Infrastruktur werden nun auf weniger passagiere umgerechnet werden müssen.
Auch nicht richtig, der Luftverkehr in Dt'land wächst (siehe einschlägige Berichte des Statistischen Bundesamtes), nur nicht so schnell wie in anderen europäischen Ländern. Die Kosten spielen hierbei (wahrscheinlich) eine Rolle, genauso aber, dass die Nettoeinkommen inflationsbereinigt gesunken sind.
Beitrag vom 09.12.2024 - 00:41 Uhr
Manche Leute nehmen immer noch den niedrigsten Preis für ein Flugticket und rechnen den auf das ganze Flugzeug hoch, um damit Lohndumping und was weiß ich nicht alles zu beweisen.
Schon wieder vergessen, dass man auch bei Ryanair gerne mal mehr als 50 Euro für das Ticket bezahlt und danach noch viele Gelegenheiten bekommt, der notleidenden Airline weitere Euros zuzustellen?
Beitrag vom 09.12.2024 - 01:26 Uhr
Habe ich auch nicht behauptet. MOL hat aber explizit die aus seiner Sicht zu hohen Flughafengebühren kritisiert, die sehr wohl der Finanzierung einer Dienstleistung dienen. Die Ticketsteuer fällt für mich ebenso wie der CO2-Preis oder die Lärmschutzkomponente in den Flugplatzgebühren in den Bereich der politischen Lenkungsabgaben (der Staat langt zu, um zumindest theoretisch einen Lenkungseffekt in die politisch gewünschte Richtung zu erzielen - z. B. weniger Fluglärm, oder weniger CO2-Emission - oder einfach weniger fliegen insgesamt).
MoL kritisiert alle Kosten, aber in erster Linie nicht die Flughafenabertigung. Die muss er andernorts ja auch zahlen. Aber die deutschen Großflughäfen sind mit den Entgelten doch sehr weit vorne in der europäischen Spitzengruppe weshalb das für FR eben uninteressant ist. Lenkungswirkung hin oder her müssen wir uns doch irgendwo ehrlich machen und fragen ob Deutschland etwas gewinnt, wenn im benachbarten Ausland mehr geflogen wird und in Deutschland weniger. Ich denke nicht dass damit weder der Umwelt, noch der deutschen Wirtschaft in irgendeiner Weise gedient ist.
Mein Punkt war: Ticketpreis unter 50� nach Palma ist ohne Subvention oder Trickserei bei den Personalkosten nicht zu machen, auch in Belgien nicht (die Spritkosten sind auf beiden Seiten der Grenze annähernd gleich, und die machen den Löwenanteil aus, zusammen mit den Personalkosten der Airline). Wenn das dort trotzdem klappt, dann entweder weil der belgische Staat bestimmte Kosten übernimmt (Subvention), oder weil die Regeln zum Arbeitnehmerschutz schwächer sind (Stichwort Scheinselbständigkeit beim fliegenden Personal).
Diese Ticketpreise sind in erster Linie Werbung. Damit wird der Flug ab Brüssel eben auch mit längerer Anreise plötzlich attraktiv und einige Passagiere die weiter weg wohnen werden es nutzen. Mit fixen Daten kann FR auch sehr teuer werden, aber au der Strecke Brüssel-Palma eher nicht so teuer, dass man aus Brüssel darüber nachdenkt ab Düsseldorf zu fliegen.
Ansonsten kann der Unterschied eigentlich nur im Lohnniveau insgesamt liegen - das dürfte für eine Airline aber kein größeres Problem darstellen, da sich in Ländern mit höherem Lohnniveau auch höhere Ticketpreise durchsetzen lassen (von grenznahen Flughäfen abgesehen - ja, DUS verliert wahrscheinlich Passagiere an Belgien, umgekehrt gewinnt HAM Passagiere aus Dänemark). Oder eben an staatlichen Lenkungsabgaben.
Lustig, dass Sie ausgerechnet HAM auflisten. Ausgerechnet dort wird es nächstes Jahr durch die Abgänge von Easy, Ryanair und Condor besonders ruhig werden. Und die Passagiere die dieses Jahr aus Dänemark nach Hamburg anreisen um dort abzufliegen können Sie vermutlich an einer Hand abzählen. Dänemark hat bisher keine Ticketsteuer, soll sich aber 2025 ändern. Dennoch werden die Kapazitäten in HAM sinken.
Wenn man also über die zu hohen Produktionskosten für die Verkehrsfliegerei diskutieren will, dann nicht mit einem Rundumschlag à la MOL, sondern man muss - zumindest meiner Meinung nach - über die relevanten Faktoren getrennt sprechen. Das unterschiedliche Entgeltniveau zwischen Ländern mit Ticketsteuern zu vermischen halte ich nicht für sachdienlich (und ja, an einer Ticketsteuer festzuhalten, die in den meisten Nachbarländern nicht erhoben wird, halte ich ebenfalls nicht für clever).
In den meisten Interviews u dem Thema kritisiert MoL in erster Linie die Ticketsteuer. Da wir allerdings auch bei ATC Gebühren in Deutschland sehr weit oben in Europa sind stellt sich ja auch für mch die Frage warum das so ist? Sind wir in diesem Bereich zu ineffizient oder ist es evtl. sogar nicht mehr zeitgemäß, dass Fluglotsen ab 57 Jahren in Rente gehen und dann für 10 Jahre bis zum offiziellen Renteneintrittsalter vom Staat 70% des letzten Einkommens bekommen? Solche Regeln kenne ich sonst nur vor der Bundeswehr, ach ja, ist ja auch ein Staatbetrieb...
Falsch. Die meisten Flughäfen erhalten Zuwendungen, weil sie sich nicht wirtschaftlich betreiben oder zumindest bauen/erweitern lassen. Das geschieht nach Auskunft der Bundesregierung "im Einklang mit den 'Leitlinien für staatliche Beihilfe für Flughäfen und Luftverkehrsgesellschaften' der EU-Kommission" (WD 5 - 3000 - 099/17). Bei Regionalflughäfen handelt es sich meist um direkte Subventionen zur Deckung der Betriebskosten, bei den 39 Verkehrsflughäfen ist das durch EU-REcht verboten, hier erfolgt die Unterstützung durch staatliche Beteiligung oder durch Einzelförderung von Infrastrukturentwicklungsmaßnahmen (und jetzt raten Sie mal, wie viel vom BER über die Landegebühren finanziert werden). Das gilt im wesentlichen für alle EU Länder.
Unglücklich ausgedrückt, damit sind seitens der Airline alle Kosten für die Nutzung des Flughafes gedeckt. Alle anderen Abgaben landen eben nicht beim Flughafen, sondern in anderen Taschen, meist ungebunden beim Staat.
Es sind aber gerade diese variablen Kosten die Deutschland als Standort unattraktiv machen.
Was denn nu, die staatlichen Eingriffe, oder doch die variablen Kosten (insbesondere also Personal)?
Steht eigentlich deutlich da, nochmal lesen vielleicht?
Die Entscheidung über den Ticketpreis liegt bei FR. Wenn die nicht über ein bestimmtes Limit gehen wollen (auch nach mehreren Jahren mit hoher Inflation), das mit den bekannten Rahmenbedingungen die Kosten deckt, sondern sich lieber vom Markt zurückziehen, ist das eine Entscheidung von FR. Dafür können sie aber nicht andere verantwortlich machen. Andere Fluggesellschaften produzieren ja auch unter denselben Bedingungen, haben halt entsprechend die Preise anheben müssen. Dass das nicht schön ist, ich will auch gar nicht bestreiten, dass es einen Einfluss auf die Passagierzahlen hat, aber FR tut halt so, also gäbe es in Dt'land einen einzigartig gegen FR gerichteten Wettbewerbsnachteil, und dem ist nicht so.
Ich kann mich nicht errinnern, das MoL irgendwo geschrieben hat, dass Deutschland nur für FR zu hohe Kosten abruft. Sollten Sie da einen Hinweis haben gerne mit Quelle verlinken. Ansonsten ist FR auch nächstes Jahr nach wie vor in Deutschland aktiv, nur eben deutlich weniger. Das hat weniger damit zu tun, dass FR in Deutschland kein Geld verdienen kann, sondern dass es in anderen Märkten wegen niedriger Kosten eben deutlich mehr Geld zu verdienen gibt. Sollten diese Märkte irgendwann bedient sein wird FR auch in Deutschland wieder wachsen, mit den Lieferproblemen von Boeing wird es allerdings frühestens 2027 wieder so weit sein. Dass dies eine direkte Folge der Entgelte und Steuern ist bezweifle ich nicht.
Auch nicht richtig, der Luftverkehr in Dt'land wächst (siehe einschlägige Berichte des Statistischen Bundesamtes), nur nicht so schnell wie in anderen europäischen Ländern. Die Kosten spielen hierbei (wahrscheinlich) eine Rolle, genauso aber, dass die Nettoeinkommen inflationsbereinigt gesunken sind.
Wenn Sie auf das Statistische Bundesamt hinweisen wäre evtl. auch die Zeitspanne Ihres Vergleiches sinnvoll? Vom Passagierniveau von vor Corona sind wir im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern noch ein gutes Stück entfernt und werden dieses Niveau auch nächstes Jahr nicht erreichen. Somit werden seit einigen Jahrne nun schon die Fixkosten eben doch auf deutlich niedrigere Passagierzahlen umgerechnet.
Beitrag vom 09.12.2024 - 01:28 Uhr
Und weil der Jugendverband gesichert rechtextrem ist sind nun alle Inhalte die von der AfD kommen Blödsinn?
Nein, das ist wohl eher eine Korrelation und keine Kausalität.
Am besten würde man mMn dem Schreckgespenst AfD begegnen, wenn man sie einfach mal irgendwo regieren lassen würde. Danach merken die Wähler schnell, dass sich die vielen Versprechen nicht so einfach umsetzen lassen,
So ähnlich hatte sich das die Zentrumspartei 1933 auch vorgestellt. Nazis einhegen durch Regierungsbeteiligung.
Hat bombig funktioniert...
Dieser Beitrag wurde am 09.12.2024 01:29 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 09.12.2024 - 07:42 Uhr
Kritisieren ist immer einfach, für alles findet man Gegenbeispiele. Selbst konstruktive Vorschläge machen ist da schon etwas schwerer. Glauben Sie ernsthaft, dass die heutige Verfassung mit der von 1933 weitgehend übereinstimmt? Wenn dies so wäre hätte es Deutschland vielleicht mangels Lernkurve auch nicht besser verdient...
Fakt bleibt, dass die AfD zweitstärkste Kraft ist und weiterhin starke Zuwächse verzeichnet. Ohne die Demokratie auszusetzen wird man da nicht mehr lange darum umhin kommen der AfD auch Regierungsverantwortung zu geben. 2025 wird es vermutlich noch nicht so weit sein, 2029 kann es schon ganz anders aussehen. Das liegt mMn vor allem auch daran, dass egal welche Partei den nächsten Kanzler stellt, er steht vor nahezu unlösbaren Aufgaben.
Beitrag vom 09.12.2024 - 08:39 Uhr
Diese Ticketpreise sind in erster Linie Werbung. Damit wird der Flug ab Brüssel eben auch mit längerer Anreise plötzlich attraktiv und einige Passagiere die weiter weg wohnen werden es nutzen. Mit fixen Daten kann FR auch sehr teuer werden, aber au der Strecke Brüssel-Palma eher nicht so teuer, dass man aus Brüssel darüber nachdenkt ab Düsseldorf zu fliegen.
Einige Passagiere, die weit weg wohnen nutzen dann auch die Angebote ab Frankfurt und Amsterdam und fahren hoffentlich mit dem Zug (wenn das bequem gemacht wird und inkludiert ist) zum Flughafen dort. Und zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Margen im ohnehin ruinösen Flugbetrieb können gesteigert werden und man "könnte" wieder mehr Service im Gegenzug anbieten. Auf der anderen Seite entfällt ein Flug, dessen Daseinsberechtigung im Falle FR nur aus sich raus entstanden ist. Im übrigen - auch wenn Sie das nicht geschrieben haben, sondern nur darauf reagiert - ein Ticketpreis von 50� ist viel zu günstig. Immernoch!
Da wir allerdings auch bei ATC Gebühren in Deutschland sehr weit oben in Europa sind stellt sich ja auch für mch die Frage warum das so ist? Sind wir in diesem Bereich zu ineffizient oder ist es evtl. sogar nicht mehr zeitgemäß, dass Fluglotsen ab 57 Jahren in Rente gehen und dann für 10 Jahre bis zum offiziellen Renteneintrittsalter vom Staat 70% des letzten Einkommens bekommen? Solche Regeln kenne ich sonst nur vor der Bundeswehr, ach ja, ist ja auch ein Staatbetrieb...
Vielleicht sind die Gehälter auch einfach teurer, vielleicht sind die Aufwände auch höher, weil der Luftraum anders gegliedert ist und mehr Verkehr (nur Vermutung) zu bewältigen hat? Vielleicht ist es die frühere Verrentung. Eines weiss ich aber auf jeden Fall. Es ist mir jeden Cent wert, denn die Flugsicherung ist bislang trotz sehr vieler Flugbewegungen zum Glück noch relativ unfallfrei geblieben. Und an Sicherheit sollte man niemals sparen wollen.
Das hat weniger damit zu tun, dass FR in Deutschland kein Geld verdienen kann, sondern dass es in anderen Märkten wegen niedriger Kosten eben deutlich mehr Geld zu verdienen gibt.
Das ist korrekt und auch gut so. Eine Airline wie Ryanair brauche ich hierzulande gar nicht.
Am besten würde man mMn dem Schreckgespenst AfD begegnen, wenn man sie einfach mal irgendwo regieren lassen würde. Danach merken die Wähler schnell, dass sich die vielen Versprechen nicht so einfach umsetzen lassen,
So ähnlich hatte sich das die Zentrumspartei 1933 auch vorgestellt. Nazis einhegen durch Regierungsbeteiligung.
Hat bombig funktioniert...
Wir alle sind gefordert die Populisten egal ob rechts oder links zu demaskieren. Denn im Gegensatz zu echten Politikern haben die Populisten immer nur laute Fragen oder einfache Lösungsansätze die aber nicht durchführbar sind.
Glauben Sie ernsthaft, dass die heutige Verfassung mit der von 1933 weitgehend übereinstimmt?
Natürlich nicht, aber wie schnell sich Verfassungen, Gerichte und ganze Demokratien binnen Wochen und Monaten aufweichen lassen und nicht mehr nicht wehrhaft sind, haben wir doch in den letzten Jahren mehrfach erlebt. Wieso wir immer noch denken, dass schon alles gut werden wird, will nicht in meinen Kopf. Es ist Zeit zu handeln, jetzt - und es spielt keine Rolle welchem politischen Spektrum man angehört. Parteien, die offenkundig gegen die Verfassung vorgehen wollen, haben in einem Parlament nichts zu suchen und deren Wähler muss man versuchen in Gesprächen klar zu machen, wessen Helfer sie gerade sind.