Ich wünsche dem Team von Isar Aerospace ausdrücklich viel Erfolg. Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass der aktuelle Hype um das Unternehmen der tatsächlichen Entwicklung ein Stück weit vorausläuft.
Das zeigt sich für mich nicht erst jetzt: Bereits 2021 war der Erstflug für das folgende Jahr angepeilt. Dass sich solche Zeitpläne verschieben, ist nicht ungewöhnlich – schon gar nicht bei einem neuen Launcher. Trotzdem sollte man diese Vorgeschichte im Hinterkopf behalten, wenn das Unternehmen heute sehr stark als Erfolgsstory erzählt wird.
Damit meine ich weniger den ersten, sehr kurzen Testflug – solche frühen Flüge sind nun einmal genau dafür da, Daten zu sammeln. Eher denke ich an die Abläufe danach: etwa den nächsten Startversuch, der zunächst durch ein Boot im Sperrgebiet verzögert wurde, bei dem der Countdown dann aber offenbar neu angesetzt wurde, obwohl T-0 außerhalb des Startfensters gelegen hätte. Natürlich passieren solche Dinge auch großen Organisationen – siehe STS-88 – aber der Kontext war dort jeweils ein anderer.
Hinzu kommen offenbar Themen wie Schwierigkeiten bei den Cryo-Cycles der Tanks. Das sind wahrscheinlich Kinderkrankheiten und grundsätzlich lösbare Probleme. Trotzdem zeigt es, dass der Weg in den Orbit eben nicht nur von ambitionierten Ankündigungen lebt, sondern von verlässlich beherrschten Abläufen, Disziplin und technischer Reife.
Ich hoffe sehr, dass Isar Aerospace diesen Weg erfolgreich geht. Aber der Weg zu den Sternen ist bekanntlich holprig – und es wäre schade, wenn sich am Ende Parallelen zu Astra ergeben würden.
