Verzögerungen
Älter als 7 Tage

Fluglotsen kritisieren Airlines und Flugsicherung

Maastricht UAC Eurocontrol
Maastricht UAC Eurocontrol, © Eurocontrol

Verwandte Themen

FRANKFURT - Die deutschen Fluglotsen wollen nicht für die zahlreichen Verspätungen und Flugausfälle in diesem Sommer verantwortlich gemacht werden. Nach Ansicht der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) werden Airlines gerade von Rotstiftrunden bei der Luftraumkontrolle eingeholt, die sie selbst einforderten.

Die Stauwarnungen auf Europas Luftfahrtkarte nehmen zu: die Gründe dafür liegen in einer falschen Personalplanung bei der bundeseigenen Flugsicherung sowie der einseitige Lobby-Politik der Fluggesellschaften in den vergangenen Jahren, erklärte die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) am Montag in Frankfurt.

Die Talsohle der augenblicklichen Misere sei noch nicht erreicht und aus Sicht der GdF auch keinesfalls schnell zu lösen.

Namentlich Ryanair-Chef Michael O'Leary habe gemeinsam mit anderen Airlines wie der Lufthansa Druck bei der EU für niedrigere Flugsicherungsgebühren gemacht, kritisierte GdF-Chef Matthias Maas. Die Flugsicherungen hätten die Vorgaben aus Brüssel nur mit großen Personaleinsparungen und dem Verschieben wichtiger technischer Erneuerungen leisten können.

Nun verlangten dieselben Lobbyisten auf einmal eine höhere Leistung, was nicht funktionieren könne: "Man kann nun mal nicht alles haben: Billiger fliegen, aber gleichzeitig einen besseren Service durch noch mehr Mitarbeiter und mehr Kapazität durch neue Flugsicherungssysteme erwarten."

Der von den Airlines beklagte Fluglotsenmangel bestehe in Deutschland und europaweit, räumte Maas ein. Der bundeseigenen DFS hielt der Gewerkschafter vor, es in "fahrlässiger Weise" versäumt zu haben, die Ausbildungskapazitäten wieder zu steigern. Die Geschäftsführung habe mit Blick auf die Geschäftszahlen stets argumentiert, dass man teure personelle Überkapazitäten vermeiden müsse.

Dies habe bei der GdF und fast allen Mitarbeitern für ungläubiges Kopfschütteln gesorgt, da es von der Anwerbung bis zum eigenständigen Arbeiten eines Fluglotsen zwischen drei und fünf Jahren brauche. Die Flugsicherung äußerte sich zunächst nicht.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Eurocontrol | 16.07.2018 15:05

Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie sich bei aero.de registrieren oder einloggen.

Beitrag vom 19.07.2018 - 08:23 Uhr
Die Spirale nach unten dreht weiter und nun ist der Aufschrei gross.
Es passt eben nicht zusammen, in der gesamten Branche, viel Fliegen wollen und beim Personal massiv kürzen um die Billigpreise zu halten.

Es wurden in der Vergangenheit ja speziell geringere Gebühren pro Flugbewegung gefordert.
Amsonsten hätte ja das gestiegenen Flugaufkommen für einen Mehrumsatz und damit für eine gewisse Planungssicherheit bei der DFS gesorgt, was es ihr ermöglicht hätte, mehr Personal auszubilden.

Auch wenn ich die allgemeine Kritik an der nachlassenden öffentlichen Daseinsvorsorge von LH1649 durchaus teile, so war der Grund für die Privatisierung der DFS seinerzeit ein völlig anderer. Man wollte bei der Flugsicherung gerade von beamtenrechtlichen Vorschriften (Bezahlung, Beförderung usw.) wegkommen, um durch attraktivere Rahmenbedingungen mehr Personal anlocken zu können.

Ich denke es braucht eine sebstbewusst auftretende DFS Geschäftsführung, die nicht auf ihrer eigenen Schleimspur ausrutscht um den Airlines gefügig zu sein, sondern die ihre eigenen Interessen so gut vertritt, dass sie zumindest arbeitsfähig bleibt.

Und in diesem Zusammhang sehe ich die Doppelrolle des Herrn Scheurle als langjähriger Leiter der DFS und neuerdings auch Präsident des BDL also als oberster Interessenvertreter und Lobbyist der Airlines durchaus als gewaltigen Interessenkonflikt.

Ein Interessenkonflikt zwischen fordernden Airlines und einer schwachen DFS, der zu genau der heutigen Situation mit der zu dünnen Personaldecke der DFS geführt hat.

Beitrag vom 17.07.2018 - 12:01 Uhr
Der Kernpunkt des Problems ist ein ganz anderer:
Der Staat meint er müsse hoheitliche Aufgaben wie Flugsicherung und Passagierkontrollen oder Straßenbau privatisieren, weil das besser und billiger würde. Aus öffentlicher Daseinsvorsorge, die genau wie öffentliche Krankenhäuser bei maximaler Versorgung einfach Geld kosten und nicht wirtschaftlich sein können, wird ein Unternehmen, dass nach betriebswirtschaftlichen Regeln arbeiten muss.

Ja und Nein.
Wäre die DFS nach wie vor eine Behörde, wäre sie nach wie vor Weisungsgebunden. Käme also vom Verkehrsministerium eine Weisung an die untergeordnete Behörde "DFS", dass würden die auch Stellen abbauen (müssen) - mit dem gleichen Ergebnis wie aktuell.

Auch wenn ich die allgemeine Kritik an der nachlassenden öffentlichen Daseinsvorsorge von LH1649 durchaus teile, so war der Grund für die Privatisierung der DFS seinerzeit ein völlig anderer. Man wollte bei der Flugsicherung gerade von beamtenrechtlichen Vorschriften (Bezahlung, Beförderung usw.) wegkommen, um durch attraktivere Rahmenbedingungen mehr Personal anlocken zu können.
Beitrag vom 17.07.2018 - 11:25 Uhr
@networkcomplexity
Da das ganze eine dpa Meldung ist, hat aero nichts anderes, als Copy and Paste gemacht, was öfters vorkommt. Wenn man sich die dpa Meldungen der letzten Zeit ansieht, stellt man fest, dass es der dpa sehr oft an Qualität und Fachwissen fehlt.
Man sollte also auch hier mal den Inhalt hinterfragen.
Natürlich ist es so, dass die Forderung nach billig von den Airlines kam und dass die DFS das mit Verringerung des Personals erreichen musste.
Es ist tatsächlich so, dass die Kontrollzone von Hamburg immer mal wieder wegen zu wenig Lotsen für den VFR Verkehr geschlossen wird und dass der Fluginformationsdienst oft einzelne Lufträume nicht besetzt hat und auch keine Informationen mehr geben kann.
Tatsache ist aber auch, dass die DFS es verschlafen hat in der benötigten Zahl Nachwuchs für regulär ausscheidende Lotsen auszubilden und das erklärt wiederum den Lotsenmangel.
Die GdF tut nichts anderes, als genau das anzuprangern.

Der Kernpunkt des Problems ist ein ganz anderer:
Der Staat meint er müsse hoheitliche Aufgaben wie Flugsicherung und Passagierkontrollen oder Straßenbau privatisieren, weil das besser und billiger würde. Aus öffentlicher Daseinsvorsorge, die genau wie öffentliche Krankenhäuser bei maximaler Versorgung einfach Geld kosten und nicht wirtschaftlich sein können, wird ein Unternehmen, dass nach betriebswirtschaftlichen Regeln arbeiten muss.
Das bedeutet dann weniger Personal oder höhere Gebühren. Da seitens der EU an den Kosten gedreht wird, ist die Konsequenz also weniger Personal...

Als Pilot muss ich jeden Mist von der DFS für horrendes Geld im Vergleich zum Ausland kaufen. Auch das dient nämlich der Finanzierung der DFS...

Man muss endlich mit diesem Unfug der Privatisierung aufhören und hoheitliche Aufgaben auch so behandeln.
Über die Lufverkehrssteuer wird genug Geld eingenommen, um daraus die Flugsicherung angemessen auszustatten.

Das Problem des Lotsenmangels wird aber wie gesagt noch eine ganze Weile weiter bestehen, weil die DFS wie gesagt die Ausbildung vernachlässigt hat. Und so schließt sich der Kreis, dass eben viele Schuld an der Misere haben...


Stellenmarkt

Schlagzeilen

PaxEx.de Passenger Experience

Meistgelesene Artikel

Community

FLUGREVUE 1/2019

Take-off TV Video-Blog

KLM Boeing 747-400 Amsterdam - St. Martin

Kurzreportage über den Anflug mit einer KLM Boeing 747-400 auf St. Martin. Der Landeanflug führt tief über den Maho Beach, an dem sich Passagierjets sehr gut beobachten lassen und schon viele spektakuläre Filmaufnahmen und Fotos entstanden sind. Dieses Video gibt einige interessante Hintergrundinformationen zum Anflug.

Shop

Es gibt neue
Nachrichten bei aero.de

Startseite neu laden