NTSB
Älter als 7 Tage

Bryants Hubschrauber fehlte Warnsystem

LOS ANGELES - Der Basketball trauert um eine Ikone: Kobe Bryant starb am Sonntag mit acht weiteren Menschen, darunter seine 13 Jahre alte Tochter, bei einem Hubschrauberabsturz in Kalifornien. Der verunfallten Sikorsky S-76B fehlte ein Sicherheitssystem, das eigentlich seit 15 Jahren Standard sein sollte.

Dichter Nebel hängt in den Hügeln um Los Angeles. Nur unter "Special VFR"-Regeln kann der Hubschrauber mit Bryant an Bord überhaupt vom John Wayne Airport in Orange County starten. Übliche Sichtweiten und Wolkenabstände dürfen unterschritten werden, die Flugsicherung hilft dem Piloten im Sichtflug.

Absturzstelle nahe Calabasas
Absturzstelle nahe Calabasas, © NTSB

Vor der späteren Absturzstelle fliegt der Helikopter einige Schleifen, der Tower warnt vor zu geringen Höhe - der Pilot will aus dem Nebel ausbrechen. Dann nur noch Stille.

"Der Hubschrauber ist mit mehr als 2.000 Fuß pro Minute abgestürzt, als er eine scharfe Linkskurve flog", sagte Jennifer Homendy, die die Ermittlungen der US-Flugfallbehörde NTSB in Los Angeles leitet. "Wir sind sicher, dass dies ein Aufprall mit hoher Energie war, (...) nicht mit normaler Landegeschwindigkeit."

Laut NTSB war die Sikorsky nicht mit einem System ausgestattet, das Piloten vor gefährlicher Bodennähe warnt. Das NTSB hatte nach einem Absturz 2004 solche Kollisionswarner zwar für alle mittelgroßen und großen Hubschrauber ausdrücklich empfohlen - die Luftfahrtaufsicht FAA schrieb die Systeme später jedoch nur für Rettungshubschrauber vor.

Das konnte man beim NTSB schon damals nicht nachvollziehen. Die Behörde nannte die Entscheidung der FAA "völlig inakzeptabel".

Das betroffene Luftfahrtunternehmen Island Express hatte laut Homendy keine Lizenz für Flüge in dichtem Nebel. In den vergangenen 35 Jahren gab es bei der Firma vier Abstürze.
© aero.de, Bloomberg News | Abb.: NTSB | 29.01.2020 09:02

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Beitrag vom 01.02.2020 - 03:21 Uhr
Typisch FAA.Die hat Sicherheit noch nie interessiert. Entsprechender Lobbyismus reicht aus um solche Entscheidungen hervorzubringen. Deswegen folgen auch mehr und mehr Behörden weltweit der EASA.

Die EASA gibt genauso einen Dreck auf Sicherheit und huldigt lieber den Lobbyisten. Vor Einführung der neuen Dient- und Ruhezeitregeln gab es mind. zwei Studien welche vor den erhöhten Gefahren warnten. Eine Dritte Studie hat dann festgestellt dass die neuen Regeln mind. genauso sicher sind wie die alten. Natürlich wurde dann nur Studie #3 herangezogen (ratet mal wer die finanziert hat..) und die Bedenken der Studie 1 + 2 wurden komplett verworfen.

Wer also meint hier FAA bashing betreiben zu müssen der sollte erstmal vor der eigenen Haustür kehren! Die FAA hat im selben Zuge die Dienstzeiten (gerade Nachts) deutlich verringert bzw die Regelungen verschärft.
Beitrag vom 30.01.2020 - 20:55 Uhr
"Special IFR" dient in den USA nicht dazu, die üblichen VFR-Mindestsichten (die z.B. In Luftraum G gelten) aufzuheben. Es dient eigentlich dazu, IFR und VRF-Verkehr voneinander zu separieren. Durch Special VFR braucht man auch im Luftraum D eine Clearance für VFR-Flüge - und damit kann der Lotse dann entsprechend Abstände sicherstellen.

Beispiel: 1000 ft Wolkenuntergrenze. 1000 ft Platzrundenhöhe - dann kann man den vertikalen Mindestabstand von 500 ft als VFR Pilot nicht einhalten. Der Abstand existiert, damit ein IFR-Flieger der aus den Wolken schießt noch genug Zeit zum Ausweichen hat. Und in Luftraum D wird - trotz Lotse - IFR nicht von VFR gestaffelt. In Luftraum G reicht auch "frei von Wolken"; auch in Europa. Offensichtlich ist das also nicht gefährlich. Durch Special VFR wird einfach nur die Separierung IFR-VFR sichergestellt. Und weil man keinen Anspruch darauf hat, kann der Lotse die zusätzliche Arbeitsbelastung auch für sich begrenzen.

Mit VFR in IMC hat Special VFR nichts zu tun.

Und wenn es ein Lufttaxiunternehmen war, dann hat der Pilot eine CPL - und da ist in den USA ein IFR-Rating zwingend erforderlich.

Zur FAA: Die setzen halt tendenziell mehr auf Eigenverantwortung. Ground Proximity war empfohlen. Wenn einer meint ohne auskommen zu wollen - bitte sehr. In den USA ist z.B. IFR ohne Autopilot zulässig, obwohl das praktisch niemand macht - zumindest länger als ein paar Minuten.

Warum es zu dem Unfall kam ist also nicht so ad hoc zu beantworten. Warten wir den NTSB-Bericht ab.
Beitrag vom 30.01.2020 - 19:31 Uhr
Welche Auflösung haben die Warnsysteme?


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