Airline stellt Betrieb ein
Älter als 7 Tage

Corona-Krise zwingt Flybe in die Knie

Flybe Bombardier Q400
Flybe Bombardier Q400, © Bombardier

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LONDON - Der britische Regionalflieger Flybe hat mit sofortiger Wirkung seinen Flugbetrieb eingestellt. Der Airline stand das Wasser schon länger bis zu Hals - die Corona-Krise hat die Situation verschärft. Passagiere sollten nicht zum Flughafen fahren, schrieb die Airline am Donnerstag auf ihrer Webseite.

Ende in Exeter: Flybe gibt auf. Vor allem kleine Flughäfen in abgelegenen Regionen wie Cornwall, Wales und dem Norden Schottlands trifft das Aus für Flybe hart. Verkehrsminister Grant Shapps versprach, gemeinsam mit den Flughafen-Betreibern nach Lösungen zu suchen.

In einem BBC-Interview machte er auch die gesunkene Nachfrage durch den Coronavirus-Ausbruch für das endgültige Scheitern der Airline verantwortlich.

Noch am Mittwoch hatte es Krisengespräche über eine Rettung gegeben, allerdings ohne die erhoffte Lösung für die Finanzprobleme der Gesellschaft zu finden. Vier führende Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst and Young wurden als Insolvenzverwalter eingesetzt. Flybe beschäftigt mehr als 2.000 Mitarbeiter.

"Alles Mögliche versucht"

Die Fluglinie mit Sitz im südwestenglischen Exeter hätte wegen anhaltender Verluste beinahe bereits im Januar aufgegeben. Großbritannien verliere mit der Gesellschaft "einen ihrer größten regionalen Vermögenswerte", sagte Flybe-Geschäftsführer Mark Anderson in einer Mitteilung.

Darin betonte er, die Firma habe "alles Mögliche versucht", eine Pleite zu verhindern. Doch sei sie nicht in der Lage gewesen, ihre Finanzprobleme zu lösen.

Flybe hatte in der Vergangenheit mit der britischen Regierung über einen staatlichen Rettungskredit in Höhe von 100 Millionen Pfund (etwa 115 Millionen Euro) verhandelt.

Doch das hatte andere Fluggesellschaften auf den Plan gerufen. Willie Walsh, Chef der British-Airways-Mutter International Airlines Group, kritisierte im Januar in einem Brief an die Wettbewerbshüter der EU-Kommission, der Deal sei ein "eklatanter Missbrauch von öffentlichen Geldern".

Virgin Atlantic wollte erreichen, "dass der Steuerzahler die Rechnung für ihr Missmanagement begleicht", so Walsh weiter. 2019 hatte sich ein Konsortium um die britische Virgin Atlantic, an der die US-Linie Delta Air Lines beteiligt ist, bei Flybe eingekauft.

Gewerkschaften empört

Einem Bericht des Senders BBC zufolge sagten damals auch die britische Easyjet und die irische Ryanair, Steuergelder sollten nicht herangezogen werden, um einen Konkurrenten zu retten.

 Das Aus der Gesellschaft löste bei britischen Gewerkschaftern Empörung aus. "Während andere europäische Länder in der Lage sind, Maßnahmen zu ergreifen, um die Fluggesellschaften am Leben zu erhalten, wenn sie Insolvenz anmelden müssen, ist Großbritannien unfähig oder nicht gewillt, dies zu tun", kritisierte Oliver Richardson von der Fluggewerkschaft Unite.

Flybe war 1979 unter dem Namen Jersey European Airways gegründet und 2002 in Flybe umbenannt worden. 2019 war dann Virgin Atlantic eingestiegen. Die Airline stellte an mehreren Flughäfen in Großbritannien den größten Anbieter, etwa in Anglesey in Wales, Aberdeen in Schottland, Manchester und Southampton in England sowie Belfast in Nordirland. Auch europäische Ziele flog Flybe an
© dpa | Abb.: Flybe | 05.03.2020 05:40

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Beitrag vom 07.03.2020 - 08:47 Uhr
...habe ich da was falsch verstanden?flybe war doch schon vorher am ende...der "virus"ist doch nur der vorgeschobene grund den toten vogel unter die erde zu bringen.
Beitrag vom 05.03.2020 - 10:14 Uhr
Das ist sehr schade, vor allem natürlich für die Beschäftigten. Völlig überraschend kommt es leider nicht. Die "Corona-Virus-Krise" kam für flybe zur Unzeit und bedeutete nun offenbar so etwas wie den letzten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Großbritanniens Luftfahrt hat in den letzten Jahren von Monarch über Thomas Cook UK bis jetzt flybe tatsächlich einige herbe Rückschläge einstecken müssen, nach der Air-Berlin-Insolvenz wohl die heftigsten im gesamteuropäischen Markt.

Willie Walshs Privatfehde mit Richard Branson hat mit dem Grounding von flybe allerdings eher weniger zu tun - und dass sich ausgerechnet Ryanair öffentlich über staatliche Subventionen für eine Airline aufregte hatte schon etwas von Realsatire.

Dieser Beitrag wurde am 05.03.2020 10:16 Uhr bearbeitet.


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