"Relativ starke Normalisierung"
Älter als 7 Tage

Tui-Chef rechnet 2021 mit deutlicher Trendwende

Start einer Boeing 737-800 von Tuifly
Start einer Boeing 737-800 von Tuifly, © Tuifly

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HAMBURG - Das Hin und Her mit den Reisewarnungen für einzelne Urlaubsregionen wird Kunden und Reiseanbieter aus Sicht von Tui-Chef Fritz Joussen noch bis ins nächste Jahr hinein in Atem halten. Der Manager erwartet für 2021 aber eine Reisewelle - die Kunden buchen mit langem Vorlauf.

"Reisewarnungen kommen und gehen", sagte der Chef des weltgrößten Reisekonzerns am Montag bei einer Veranstaltung der Hamburger Touristik-Fachzeitschrift "FVW", der er per Internet zugeschaltet war. "Ich gehe nicht davon aus, dass sich das im Winter groß ändern wird."

Dennoch erwartet er, dass das Reisegeschäft 2021 deutlich anzieht. Und das Jahr 2022 werde "sehr stark". Der Manager zeigte sich daher zuversichtlich, dass der Konzern die milliardenschweren Staatshilfen nach der Krise zurückzahlen kann.

Für eine rasche Erholung des Reisegeschäfts spricht Joussen zufolge ausgerechnet das Buchungsverhalten der Urlauber in der Krise. "Der Spaß an der internationalen Urlaubsreise ist ungebrochen", sagte er. So könnten Kunden, die heute einen Urlaub für die Herbstferien planten, nicht wissen, "ob es dann nicht doch irgendwo eine Reisewarnung gibt, wo es sie heute nicht gibt". Angesichts dessen müsse man sich "überhaupt wundern, dass es trotzdem solche erheblichen Buchungen gibt".

Nachdem das Auswärtige Amt die Reisewarnungen für die meisten EU-Mitgliedsstaaten Mitte Juni aufgehoben hatte, wurden inzwischen wieder neue Reisewarnungen für bestimmte Regionen verhängt - etwa für das spanische Festland und die Balearen einschließlich der bei deutschen Urlaubern besonders beliebten Insel Mallorca.

Joussen zufolge buchen viele Kunden ihre Reisen zwar derzeit "wesentlich kurzfristiger" als in der Zeit vor der Pandemie. Andererseits gebe es für 2021 "eine relativ starke Normalisierung" bei den Buchungszahlen. Derzeit lägen die Buchungen für 2021 etwa doppelt so hoch, wie es sonst zu diesem Zeitpunkt für das Folgejahr zu erwarten sei. Dennoch will er bei der Festlegung des Reiseangebots für das kommende Jahr vorsichtig sein: "Wir werden eher am unteren Ende planen und uns dann positiv überraschen lassen."

Joussen rechnet "für eine gewisse Zeit" mit Überkapazitäten bei Hotels, Kreuzfahrten und im Flugbetrieb. Im Fluggeschäft reagiert die Konzernführung bereits mit herben Kürzungsplänen auf die Herausforderungen. So will sie die Flotte des deutschen Ferienfliegers Tuifly auf 17 Maschinen in etwa halbieren.

Spekulationen über einen möglichen Zusammenschluss von Tuifly mit der Konkurrentin Condor wollte Joussen nicht direkt kommentieren. "Wir können nicht warten. Wir müssen das tun, was wir aus eigener Kraft machen können." Condor befindet sich nach der Pleite ihres einstigen Mutterkonzerns Thomas Cook (Neckermann Reisen) vor knapp einem Jahr in einem Schutzschirmverfahren. Eine geplante Übernahme des Ferienfliegers durch die polnische Fluggesellschaft LOT war zu Beginn der Corona-Krise geplatzt.

Kapitalerhöhung

Unterdessen bereitete Joussen die Anteilseigner auf eine mögliche Kapitalerhöhung nach der Corona-Krise vor. "Wir müssen an der Bilanz etwas machen, das schauen wir uns an", sagte er. Möglich sei "zum Beispiel" eine Kapitalerhöhung oder ein Deal im Bereich Übernahmen und Fusionen.

So hatte der Konzern zuletzt seine Tochter Hapag-Lloyd Kreuzfahrten in das Gemeinschaftsunternehmen Tui Cruises eingebracht und damit 700 Millionen Euro erlöst.

Die milliardenschwere Staatshilfe sei zwar für die Krisenphase gut gewesen, sagte Joussen. "Langfristig müssen wir uns aber über den Kapitalmarkt finanzieren." Dem Reisekonzern war wegen der vom Staat verhängten Reiseverbote infolge der Corona-Krise ab Mitte März drei Monate lang praktisch das komplette Geschäft weggebrochen. In der verspätet angelaufenen Sommersaison liegt das Geschäft auf deutlich geringerem Niveau als im Vorjahr.

Der deutsche Staat stützt Tui mit einem Darlehen über 1,8 Milliarden Euro. Zudem hat sich der Konzern weitere staatliche Unterstützung von 1,2 Milliarden Euro gesichert. Zu diesem Paket gehört auch eine Option für den Staat, sich durch die Umwandlung einer Wandelanleihe an dem Reisekonzern zu beteiligen. Joussen zeigte sich überzeugt, dass der Konzern die Staatshilfe zurückzahlen kann, wenn die Nachfrage im Reisegeschäft nach der Krise zurückkommt.
© dpa-AFX | Abb.: Tui | 31.08.2020 18:33

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Beitrag vom 01.09.2020 - 19:16 Uhr
Sehr gut! Da muss man ja dann wirklich keinen entlassen oder die Flotte reduzieren ☺️
Ja genau. Ich plane schon mal eine 10 prozentige Gehaltserhöhung ein.
Beitrag vom 01.09.2020 - 18:13 Uhr
TUI UK arbeitet hart daran das Vertrauen zurück zugewinnen:

Tui
Fast 200 Passagiere nach Urlaubsflug in Quarantäne

Auf dem Flug 6215 von der Insel Zakynthos nach Cardiff (Wales) am 25. August sollen etliche Passagiere die Corona-Schutzmaßnahmen ignoriert haben. Viele hätten nicht wie vorgeschrieben Masken getragen; die Besatzung sei kaum eingeschritten, hieß es.


Ich hoffe die Besatzungen von TUI D sind da konsequenter

Ja, zu Flug 6215 gab es auch schon eine ausführliche Grundsatzdiskussion hier im Forum. :-) Ich gehe aber ganz optimistisch davon aus, dass das nicht der Standard von TUI war und ist. Im Übrigen kann man nur hoffen, dass Herr Joussen für 2021 Recht behält. Jedenfalls kann es nicht schaden, in der Flug- und Reisebranche derzeit auch einfach mal etwas Mut zu machen.

Was mich an diesem Statement dann doch irritiert ist eher, dass er schon wieder als eine Art Ceterum Censeo auf den Punkt zu sprechen kommt, es müsse an der Bilanz von TUI herumgebastelt werden. Damit ist ja wohl mehr gemeint als Kosten senken und Angebot der Nachfrage anpassen (das allein wäre eine operative Verbesserung der GuV-Rechnung und nicht unmittelbar bezogen auf die Bilanz). Warum soll also an der Bilanz von TUI gebastelt werden? Und wie soll da was genau neu gebastelt werden? Und welche Auswirkungen hätte dann das Bastelergebnis? ... ???


Dieser Beitrag wurde am 01.09.2020 18:14 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 01.09.2020 - 09:12 Uhr
TUI UK arbeitet hart daran das Vertrauen zurück zugewinnen:

Tui
Fast 200 Passagiere nach Urlaubsflug in Quarantäne

Auf dem Flug 6215 von der Insel Zakynthos nach Cardiff (Wales) am 25. August sollen etliche Passagiere die Corona-Schutzmaßnahmen ignoriert haben. Viele hätten nicht wie vorgeschrieben Masken getragen; die Besatzung sei kaum eingeschritten, hieß es.

Ich hoffe die Besatzungen von TUI D sind da konsequenter


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