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Patrick Ky macht die Boeing-Lobby nervös

Patrick Ky
Patrick Ky, © EASA

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FRANKFURT - Europas Luftfahrtaufsicht nimmt Boeing an die kurze Leine. Die EASA setzt nach der 737-MAX-Affäre bei der 777X eigene Standards - und sorgt damit in den USA für einige Irritationen. Eine Boeing-Lobby im US-Kongress wittert gar einen "grundlosen Angriff auf die US-Luftfahrtindustrie".

Getrickst, gekungelt, verschleiert - aufgeflogen: Boeing und der US-Luftfahrtaufsicht FAA haftet nach der 737 MAX ein gehöriger Imageschaden an.

EASA-Chef Patrick Ky zog zwischenzeitlich die "Methodik" der FAA in Zweifel. Und tatsächlich weht der Partnerbehörde ein neuer Wind aus Europa entgegen. Die EASA werde die "Aufsicht und unabhängige Prüfung von US-Produkten" intensivieren und in Zukunft "eigene Sicherheitsstandards" anwenden, düpierte Ky die FAA im Januar.

Wie nachhaltig der Vertrauensverlust ist, lässt sich seit Januar 2021 an der 777-9 festmachen. Die von Boeing um fast drei Jahre auf Ende 2023 verschobene Zeitachse bis zur Zulassung geht laut Medienberichten maßgeblich auf strengere Design-Anforderungen und Prüfkriterien der Europäer zurück.

Eine selbstbewusste EASA stellt sich einer vereinfachten Zulassung der 777-9 als simple Weiterentwicklung der 777-300ER - wie zwischen Boeing und FAA vereinbart - offen in den Weg. Die klare Kante des EASA-Chefs hat nicht nur Boeing überrascht, inzwischen schlagen die kontrollfreudigen Europäer auch in Washington hohe Wellen.

Abgeordnete: EASA untergräbt BASA

In den USA geht die Sorge um, dass Ky nicht nur die Muskeln spielen lässt - sondern der Fall 737 MAX das bisherige Zulassungssystem ins Wanken bringt.

Die EASA "kehrt von der bewährten Praxis ab, sich bei der Zertifizierung von US-Flugzeugen auf die FAA zu verlassen", wettern die republikanischen US-Kongress-Abgeordneten Sam Graves und Garret Graves in einem Schreiben an US-Verkehrsminister Pete Buttigieg, aus dem "Ainonline" zitiert.

Jüngste Äußerungen von Ky fassen die Republikaner als gezielte Provokation und "grundlosen Angriff auf das (EU-USA-Flugsicherheitsabkommen, Red.) BASA, Sicherheits- und Zulassungsmechanismen der FAA und die US-Luftfahrtindustrie im Allgemeinen" auf.

Allerdings steht die FAA auch in den USA in der Kritik. Erst im Dezember stellte der US-Senat der Behörde ein vernichtendes Zeugnis aus. Der sogenannte "Wicker-Bericht" sieht "erhebliche Versäumnisse" der FAA bei Ausübung ihrer Aufsichtsfunktion. Führende Mitarbeiter der Behörde hätten zudem versucht, die Aufarbeitung der 737-MAX-Abstürze zu behindern.
© aero.de | Abb.: EASA | 16.02.2021 18:07

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Beitrag vom 21.02.2021 - 18:56 Uhr
Ich bin immer erstaunt das solche Artikel wenig konkret werden.

Denn es bleibt die Frage offen, wie die FAA den neuen Flügel und die damit kommenden Änderungen der Avionik sowie des Klapmechanismus zulassen wollte.
Und was die EASA jetzt dazu ändern will.
Sie lassen nicht locker ;-) Keine Sorge, ich auch nicht. Sie bleiben noch den Link zur Leeham Aussage zu den vermeintlichen Problemen der Wingtips schuldig.
Wie die FAA den Klappmechanismus zulassen will steht hier, in diesem 10 Punkte Katalog.
 https://www.federalregister.gov/documents/2018/05/18/2018-10576/special-conditions-the-boeing-company-model-777-8-and-777-9-airplanes-folding-wingtips
Wie die EASA das macht? Überraschung, genau so. Deren Text steht hier, Achtung Spoiler, weitestgehend wortgleich bis auf die Nrn. der Bezugsparagraphen.
 https://www.easa.europa.eu/sites/default/files/dfu/Consultation%20-%20SC%20D-21-9%20-%20FINAL.PDF
Das hat auch alles geklappt, sonst hätten die Testflüge nicht so stattfinden können. Fand alles bereits 2018 statt und läuft seitdem.



Dieser Beitrag wurde am 21.02.2021 18:57 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 20.02.2021 - 23:52 Uhr
Hört, hört! "Die EASA werde die "Aufsicht und unabhängige Prüfung von US-Produkten" intensivieren und in Zukunft "eigene Sicherheitsstandards" anwenden, düpierte Ky die FAA im Januar."
Und warum hat das bei der MAX nicht geklappt -Zeit genug wäre ja gewesen-?
Vielleicht bin ich aber einfach nur falsch informiert, wenn ich der Meinung bin, dass die EASA nur wenige Tage nach der Rezertifizierung der MAX durch die FAA diese einmal wieder "übernommen" hat. Wegen Personalmangel u.ä. -also wie immer-.
Wer zertifiziert eigentlich die Passagiere, die in dieses "Wunderwerk" der Aerodynamik und Strömungslehre einsteigen sollen -mal abgesehen von Ryanair Kunden. Aber die merken wahrscheinlich eh nichts, da Ryanair die MAX wohl in "B 737 Gamechanger" umbenennen will (Quelle: "Welt" Artikel vom 6.6.2019 "Ryanair tauft Boeing 737 Max kurzerhand um").
Nach jetzigem Kenntnisstand also erst mal nur "heiße Luft", was Herr Ky da von sich gibt. Mit der MAX Thematik hat er die beste Chance vertan, seinen Worten auch Taten folgen zu lassen.
Beitrag vom 17.02.2021 - 19:14 Uhr
Arroganz und Dummheit liegen oft ganz dicht beieinander,
Und zwar hier auf Seiten der Boeing Lobbyisten. Es war die kriminelle Energie Boeings und der FAA die es notwendig macht. Der Angriff kam von Boeing und der FAA. Der Angriff auf die Sicherheit in der Luftfahrt.

und die Retour-Kutsche der Amerikaner kommt ganz bestimmt.
Demut wäre notwendig und angebracht von Seiten der USA.Das die dazu nicht fähig sind steht ausser Frage.

Bis jetzt hat sich immer noch gezeigt,dass die Amis, am Ende ,immer noch, am längeren Hebel gesessen haben.

Der Schulhofschläger ist nicht im Recht nur weil er alle anderen zusammenschlägt.

Dieser Beitrag wurde am 17.02.2021 19:14 Uhr bearbeitet.


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