Staatsrettung
06:25 Uhr

Wie Lufthansa ein mögliches Thiele-Veto aushebeln wollte

Lufthansa Aviation Center
Lufthansa Aviation Center, © Lufthansa

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FRANKFURT - Die Lufthansa-Rettung stand im Sommer 2020 spitz auf Knopf. Ein Großaktionär sperrte sich zunächst gegen eine Bundesbeteiligung in der Pandemie. Der damaligen Hauptversammlung drohte ein Eklat - der Konzern hätte sich über ein Veto des Großaktionärs wahrscheinlich hinweggesetzt.

Ein Virus riss Lufthansa 2020 aus steilem Wachstum in den Stillstand - Covid-19 leerte die Konten rasent, nur Wochen nach Ausbruch der Pandemie stand eine Insolvenz des größten europäischen Flugkonzerns im Raum.

Die Bundesregierung griff ein: 5,7 Milliarden Euro stille Einlage und 3,0 Milliarden Euro Kreditlinie machten Lufthansa krisenfest. Als Gegenleistung musste Lufthansa nicht nur hohe Zinsen, sondern auch einen staatlichen Einstieg hinnehmen.

"Ich hatte in der Corona-Krise gehofft, dass wir mit Garantien und Krediten arbeiten könnten", erinnert sich der kürzlich aus dem Amt geschiedene Lufthansa-Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley jetzt in einem Interview mit der "FAZ" an die Verhandlungen. Der Bund habe aber auf "ein paar Aktien" gepocht.

Tatsächlich stieg die Bundesregierung mit 20 Prozent bei Lufthansa ein, zeichnete die neuen Aktien für nur 306 Millionen Euro zum bloßen Nennwert. Ein gutes Geschäft: Nur zwei Jahre später stieß der Bund die Aktien mit 760 Millionen Euro Gewinn ab, mit Zinsen verdiente der Staat mehr als 850 Millionen Euro an der Lufthansa-Rettung.

Doch die stand im Corona-Sommer 2020 zunächst einmal auf der Kippe: Heinz Hermann Thiele, damals 15,5-Prozent-Aktionär bei Lufthansa, hegte Vorbehalte.

Der Industrielle war mit dem Verhandlungsergebnis unzufrieden - und machte die Abstimmung über die Staatshilfen, die eine Zweidrittelmehrheit einer außerordentlichen Hauptversammlung erforderte, zur Zitterpartie.

Ein Insolvenzantrag, so berichteten es ranghohe Lufthansa-Manager später, soll wegen des zunächst unsicheren Abstimmungsverhaltens des Großaktionärs bereits griffbereit gewesen sein.

Letztlich lenkte Thiele ein - unmittelbar vor der Hauptversammlung gab der Investor den Widerstand gegen das verhandelte Rettungspaket auf und trug das Ergebnis mit.

Lufthansa hätte Nein-Stimmen wohl schlicht ignoriert

Ansonsten wäre es auf der Hauptversammlung wohl zu einem echt Showdown gekommen, deutete Kley jetzt an. Er habe sich zwei Tage in juristische Literatur vertieft und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass etwaige Nein-Stimmen Thieles "nicht hätte zählen müssen, weil ein Aktionär auch eine Treueverpflichtung gegenüber dem Unternehmen hat", sagte Kley der "FAZ".

Thiele verstarb im Februar 2021.
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 02.07.2026 06:25


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