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Säbelrasseln im Streit um Slots

AirBridgeCargo Boeing 747-8F
AirBridgeCargo Boeing 747-8F, © The Boeing Company

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AMSTERDAM - Airlines kämpfen mit harten Bandagen um die Slots in Schiphol. Weil die russische AirBridge Cargo einige ihrer begehrten Zeitfenster dort verloren hat, drohte Russland seinen Luftraum für niederländische Airlines zu schließen. Die Geschichte dazu.

Der Flughafen Schiphol stößt an seine Grenzen. Alle 500.000 Slots, die dem Drehkreuz pro Jahr zur Verfügung stehen, sind vergeben. Wie das? Zuständig für die Verteilung der Slots ist die Niederländische Flughafenkoordination.

Vom Infrastrukturministerium beauftragt, wird sie zu sechzig Prozent von den heimischen Airlines und zu vierzig Prozent von den Flughäfen (Schiphol, Eindhoven, Rotterdam The Hague) finanziert.

Die Flughafenkoordination verteilt die Slots zwei Mal pro Jahr nach dem Prinzip "use it or loose it". Nutzt eine Airline ein Slot nicht zu mindestens achtzig Prozent aus, verliert sie ihr historisches Recht daran. Für die Cargo Airlines kann das schnell zum Problem werden: sie müssen flexibler planen als Linienflieger.

Die russische AirBridge Cargo (ABC) war nach der Sommersaison 2017 einer der Verlierer der "use it or loose it"-Praxis. "AirBridge Cargo hat eine Reihe historischer Slots verloren, weil sie die 80 Prozent Regel nicht erfüllt hat", sagte Caroline Ditvoorst von der Slotkoordinationsstelle aero.de. "Sie haben weniger Slots als zuvor."

"Russland droht, seinen Luftraum für niederländische Airlines zu schließen", verbreitete der Niederländische ABC-Manager Henk-Jan van Keulen über die Zeitung "Telegraaf". Die Verteilung von Slots ist in Schiphol zum Politikum geworden.

Entscheidung mit millionenschweren Folgen

Ein politischer Streit über Start- und Landerechte an einem Flughafen? Die Drohung hatte Schockpotenzial. Hätte Russland tatsächlich seinen Luftraum für niederländische Airlines geschlossen, hätte allein KLM mit Verlusten in Millionenhöhe rechnen müssen.

Für AirBridge Cargo stand auch viel auf dem Spiel. Erst im Juni 2017 ist die Airline der "Pharma Gateway"- Initiative des Flughafens Schiphol beigetreten. Ein System, das den Transport von Medikamenten ermöglicht, indem es die Infrastruktur für die Lagerung und den Transport des empfindlichen Guts bereitstellt.

AirBridge Cargo hat für das lukrative Pharmageschäft in eine eigens umgebaute Boeing 747-8F Flotte investiert, die an Bord der jeweiligen Maschinen die ideale Temperatur für die Lagerung der Medikamente schafft.

Die weltweite Belieferung von Kunden mit Medikamenten vom drittgrößten Drehkreuz Europas aus: ein Milliarden schweres Geschäft, das den Verlust von Start- und Landerechten schlecht verträgt.

Diplomatische Spannungen

Eine Schließung des russischen Luftraums hätte zudem einen neuen handfesten diplomatischen Streit zwischen den Niederlanden und Russland herauf beschworen, noch ehe derjenige über den Abschuss einer Malaysia Air-Maschine über der Ostukraine geschlichtet ist. Damals waren zahlreiche Niederländer unter den knapp 300 Toten.

Welche Informationen hat das Niederländische Außenministerium über die russischen Drohungen? "Ich kann bestätigen, dass KLM und ABC eine Einigung über Slots für Frachter erzielt haben", antwortet prompt ein Pressesprecher des Infrastrukturministeriums auf die aero.de-Anfrage.

"Es handelt sich um eine Vereinbarung zwischen den beiden Airlines, die ich nicht weiter kommentieren kann." Nur soviel: "Der russische Luftraum bleibt für niederländische Airlines offen."

Wie genau diese Einigung aussieht, haben die beiden Airlines bisher nicht kommentiert. Neue Slots hat die Flughafenkoordination für ABC jedenfalls nicht geöffnet.  "Alle verfügbaren Slots sind verteilt", teilt Ditvoorst mit, "wegen der Kapazitätsgrenze des Flughafens konnten wir auch keine neuen Slots öffnen."

Schiphol an der Grenze

Der Streit um die Slots und das Konfliktpotenzial, das darin steckt, offenbart die angespannte Lage am Flughafen Schiphol. Das neue Terminal des Flughafens soll bis zum Jahr 2023 fertig werden. Schiphol will sich damit als Drehkreuz etablieren, das pro Jahr 80 Millionen Passagiere abfertigen kann.

Die Zahlen sprechen für sich. Im ersten Halbjahr 2017 zählte Schiphol bereits 32,3 Millionen Passagiere - damit könnte er noch in diesem Jahr an Paris CDG vorbeiziehen und zum zweitgrößten Hub in Europa hinter London-Heathrow erstarken.

Cargo Airlines haben unterdessen einen zweiten Versuch gestartet, eine lokale Sonderregelung durchzusetzen, die sie von der "use ist or loose it"-Praxis ausnehmen würde. Ein erster Versuch ist am Widerstand der anderen Airlines gescheitert.
© aero.de (boa) | Abb.: AirBridgeCargo | 07.11.2017 11:20


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