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Ehemaliges Luftkreuz des Westens

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Der Butzweilerhof in Köln

Foto
Butzweilerhof anno 1936, © mit freundlicher Genehmigung der Stiftung Butzweilerhof Köln
Der Butzweilerhof in Köln
Der Butzweilerhof in Köln - Eingang von der Stadtseite aus mit Gedenkstele (© Prof. Dr. Claus Schwarze, Köln)
Der Butzweilerhof in Köln
Butzweilerhof Empfangsgebäude und Gebäudeflucht im Bauhausstil, im Hintergrund der Tower (© Prof. Dr. Claus Schwarze, Köln)
Der Butzweilerhof in Köln
Alte Holzpropeller, oben eine Ka 6 Siegermaschine (© Prof. Dr. Claus Schwarze, Köln)
Der Butzweilerhof in Köln
Ein seltenes Exemplar der französischen Henri Mignet HM 8 (© Prof. Dr. Claus Schwarze, Köln)
Der Butzweilerhof in Köln
Modell der Junkers Ju 52 aus den 1930er Jahren. Diese Maschine war regelmäßig auf dem Butzweilerhof. (© Prof. Dr. Claus Schwarze, Köln)
Der Butzweilerhof in Köln
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KÖLN - Köln feiert in diesem Jahr den 85. Geburtstag seiner zivilen Luftfahrtgeschichte. Die Fliegerei begann aber in der Domstadt eigentlich bereits viel früher, nämlich schon vor über 100 Jahren.

Bevor auf dem Butzweilerhof ab 1912 eine Kaiserliche Fliegerstation mit der ersten deutschen Flugschule gegründet wurde, gab es Demonstrations- und Schauflüge auf dem Gelände der Pferderennbahn in Köln-Merheim, dem heutigen Weidenpesch. 1909 veranstalteten französische Luftakrobaten über 10 Tage lang Flugvorführungen, die tausende von begeisterten Zuschauern anzogen. 1911 bestritten ausschließlich deutsche Piloten einen nationalen Flugtag.

aero.de Autor, Univ.- Prof. Dr. Claus Schwarze, einst selbst Flugschüler und Pilot auf diesem ruhmreichen Flugplatz, hat das kürzlich wieder im alten Stil restaurierte Flughafengebäude besucht. Dies ist eine gute Gelegenheit, einige Fotos der wunderbaren aerophilen Sammlung zu zeigen und alte Zeiten wieder aufleben zu lassen.

Am 6.1.2011 feierte übrigens auch die erste "Deutsche Luft Hansa AG" ihren 85. Geburtstag! Sie war durch den Zusammenschluss der Deutschen Aero Lloyd AG und Junkers Luftverkehr AG entstanden. Ab Ende 1933 schrieb man die beiden Worte zusammen als "Lufthansa".

Cöln, Hochburg der Ballonfahrer und Luftschiffer


Cöln (offizielle Schreibweise von 1900-1919) war schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts Ort der Ballonfahrer und Flugpioniere. Im Jahre 1909 wurde die auf kaiserlichen Befehl erbaute riesige "Reichsluftschiffhalle" in Cöln-Bickendorf fertiggestellt. Die Einweihung wurde mit einem Besuch von Graf Zeppelin am Donnerstag, dem 5. August 1909, mit dem von ihm gesteuerten LZ 5 bzw. Z II (militärische Kennung) gefeiert, zu der auch Kaiser Wilhelm II. anwesend war.

Einige Jahre später besuchte Hugo v. Eckener mit dem von ihm gesteuerten LZ 127 am Dienstag, dem 2. Oktober 1928, Köln, und wie wir kürzlich im RTL über die verunglückte "Hindenburg" (LZ 129) hörten, wurde von diesem Luftschiff auf seiner letzten Fahrt 1937 in Postsäcken Luftpost über dem Butzweilerhof abgeworfen.

Bereits 1888 wurde der "Ballon-Sport-Club Cöln" gegründet. Maximilian Wolff tat sich als Veranstalter der Kölner Wochenend-Ballonfahrten (1880-1889) hervor. Seit 1889 gab es in Köln eine "Vereinigung zur Förderung der Luftschifffahrt". Am 9. September 1906 wird aus den Reihen der Cölner Automobilisten der Cölner Club für Luftschiffahrt (CCfL) gegründet.

Seither ist Köln dem Ballonluftsport in besonderem Maße verbunden geblieben, die Zahl der sog. "Balloonings", der Zusammenkünfte und Wettfahrten von Ballonfahrern in Köln ist Legion und lockt immer wieder zahlreiche interessierte Zuschauer an.

Zu den ersten Kölner Ballon-Luftsportlern gehören prominente Bürger der Stadt, wie z. B. Prof. Dr. Eckert, der spätere Rektor der Universität zu Köln, Josef Stelzmann, die Gebrüder Stollwerck und die Gebrüder Clouth in Köln-Niehl, die im Rahmen ihrer Produktion von speziell gummierten Baumwollstoffen sehr zum Aufschwung des Ballonsports und der frühen Luftschiffentwicklung beigetragen haben.

Die ersten Flieger


Bereits in den Jahren 1909 und 1911 präsentierten die beiden Flugpioniere Louis Blériot und Léon Delagrange auf dem Gelände der Pferderennbahn ihre Maschinen, zeigten ihr fliegerisches Können und begeisterten die Cölner bereits um diese Zeit.

Ursprünglich bestand das Fluggelände des Butzweiler Hofes aus den Feldern zweier Gehöfte im Nordwesten vor den Toren der Stadt. Das erste Flugzeug startete im Jahre 1910 vom Butzweilerhof. Der Kölner Motorflieger Jean Hugot konnte seine selbst entwickelte Flugmaschine einige Meter über den Wiesen in der Luft halten. 1912 übernahm er die Organisation des ersten Großflugtages auf dem Butzweilerhof.

Arthur Delfosse (1883-1956) war erster Flugzeugkonstrukteur und bekannter Hersteller von Flugmotoren in Köln.

Die Sportflieger mussten den Militärfliegern weichen

Cöln war damals mit seinen zahlreichen wehrhaften preußischen Forts Festungsstadt. Es bestand Überflugverbot für zivile Flugzeuge. Luftfotos waren streng verboten! Wohl auch deshalb verzögerte sich die geplante Einrichtung eines zivilen Fluggeländes.

Dennoch waren in Köln zu allen Zeiten Luftfahrtpioniere aktiv und bastelten an ihren Eigenkonstruktionen, die sie auch flogen.

Mit der im Jahr 1912 eingerichteten Kaiserlichen Fliegerstation und der angeschlossenen Flugschule mit Werft wurde eigentlich schon damals der Grundstein zum Flughafen Köln-Butzweilerhof gelegt. Damit beginnt jedenfalls der offizielle Flugbetrieb in Köln und nicht erst im Jahre 1926! Die zivilen Flieger mussten in die Merheimer Heide auf der rechten Rheinseite ausweichen.

Flugboote auf dem Rhein


Die aufkommende Fliegerei unterstützten die Kölner Bürger mit einer großzügigen Spende von ca. 100.000 Reichsmark. Es konnten fünf "Albatros-Tauben" gekauft werden, die auf dem Butzweilerhof stationiert wurden. Die Maschinen bekamen sinnigerweise die Kennungen: "Cöln I" bis "Cöln V".

Die Pilotenausbildung erfolgte u. a. auf den besagten Maschinen vom Typ "Albatros Taube". Auch der "Rote Baron", Manfred von Richthofen, sowie die Fliegergrößen Werner Voss und Gerhard Fieseler erhielten ihre ersten Flugstunden auf dem Butzweilerhof.

Was nur wenigen bekannt ist, in Köln gab es sogar einen Wasserflughafen am linken Rheinufer, von dem aus mit fest eingerichteten Linien nach Frankfurt, Duisburg und Rotterdam geflogen wurde. Außerdem waren verschiedene Anlegestellen für Wasserflugzeuge auf der linken Rheinseite vorhanden.

Während der Linienverkehr mit Junkers F 13-Maschinen erfolgte, "landete" im September 1927 das Katapult-Luftpostflugzeug des Schnelldampfers Bremen, eine Heinkel He 12 "New York", in der Nähe des Niehler Hafens. Im Jahre 1932 wasserte das zwölfmotorige Dornier-Riesenflugboot Do X und 74 Jahre später, im Jahr 2006, das dreimotorige Flugboot Do 24 mit dem Enkel von Dornier am Steuer.

Berühmte Persönlichkeiten auf dem Butzweilerhof


Seit 1906 waren die Kölner Luftsportler auf dem Butzweilerhof beheimatet. Die ersten waren die Ballonfahrer in dem im selben Jahr gegründeten Cölner Club für Luftfschifffahrt (CCfL). Hans Hiedemann (1862-1948) war Mitbegründer und erster lizensierter Ballonfahrer Kölns.

Später kamen die Segel- und Motorflieger hinzu, und der Platz war bald sportlicher Mittelpunkt mehrerer Vereine und Austragungsort verschiedener fliegerischer Großveranstaltungen.

Jakob (auf kölsch "Köbes") Möltgen (*1888 in Brüggen/Erft, + 1975 Köln) war ab Mitte der 1920er Jahre eine der bekanntesten Kölner Fliegerpersönlichkeiten. Ab 1926 war er Leiter der Kölner Fliegerschule des Kölner Clubs für Luftfahrt (KCfL), später Kölner Klub für Luftsport (KKfL). Er war Fluglehrer, Sachverständiger und Mitbegründer des Sportflugplatzes Köln Butzweilerhof und außerdem Vorsitzender der Motorsportabteilung sowie Flugleiter.

Der Autor hat Jakob Möltgen selbst noch kennengelernt, als er ab 1970 bei seinem Sohn Hans und den unvergessenen Fluglehrern Fritz Pullmann und Paul Billstein zu schulen begann.

Liesel Bach (*1905 Bonn, +1992 Bandol, Südfrankr.), wegen ihrer zierlichen Gestalt und ihrer Flugkünste auch "Bachstelze" genannt, erste Kölner Pilotin und berühmte Kunstfliegerin der 1930er Jahre, lernte 1928 bei Jakob Möltgen, dem weithin bekannten Kölner Fluglehrer, das Fliegen.

Auch der "Fliegerpater" Paul Schulte (*1895 Magdeburg, +1974 Namibia) war auf dem Butzweilerhof vertreten. Er gründete 1927 in Köln eine Fliegerschule für Patres und die "Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft MIVAG", später "MIVA", die Katholische Missionen in der ganzen Welt mit gespendeten Automobilen, Motorrädern, Motorbooten und Flugzeugen versorgte.

Oberbürgermeister Konrad Adenauer und die Stadt Köln leisteten dem Pater vielfache Hilfe, unter anderem mit einer Geldsammlung zur Instandsetzung einer Junkers-Maschine, der Erlaubnis zum freien Unterstellen der MIVA-Flugzeuge auf dem Kölner Flughafen und dem Erlass der Start- und Landegebühren. Bis 1933 hatte die MIVA bereits 14 Flugzeuge und hunderte von Fahrzeugen in die Missionen geschickt. Der Fliegerpater starb 1974 in Südafrika.

© Prof. Dr. Claus Schwarze | Abb.: Stiftung Butzweilerhof Köln | 08.04.2011 14:20
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