VILLACH - Mit der Inbetriebnahme als saisonales 'Skiterminal' am Flughafen Genf bestand das von der österreichischen TMT Management GmbH entwickelte 'Mobile Terminal' im letzten Winter seine erste Bewährungsprobe. Das auf Basis von standardisierten Transporteinheiten errichtete Terminal hat in seiner Grundausstattung eine Abfertigungskapazität von 180 Fluggästen und ist modular beliebig ausbaubar für die simultane Abfertigung mehrerer Flugzeuge der Größe einer Boeing 737-800.
Thomas Melcher, flugaffiner Urbanist und Chef der TMT Management GmbH sieht sein mobiles Terminal als kostengünstige und schnell verfügbare Lösung, wo ein Flughafen kurzfristig bzw. temporär zusätzliche oder vom Regelbetrieb abgeschirmte Abfertigungskapazität braucht.
Modulare ArchitekturDas modulare, mehrfach verwendbare Terminalsystem besteht im Prinzip aus einer aus aufgeklappten Containern errichteten Halle, die mit pneumatisch gestützten Textilmembranen klimadicht umhüllt wird. Je nach Anforderungen wird die in nur einer Woche aufstellbare Halle dann individuell mit der nötigen Funktionshardware ausgerüstet, wie Check-In Terminals, Securitylanes, Gate-Möblierung, Gepäckverteiler und gegebenenfalls auch Schleusen für Pass bzw. Zollkontrolle.
Die vollklimatisierte Halle ist ähnlich wie in Flugzeugen mit autarken Toiletten/Restrooms und eigener Wasserversorgung ausgestattet und bietet auch Raum für Non-Aviation-Einrichtungen wie eine Cafébar oder Minishops. In der Regel werden Abflug und Ankunft der Passagiere über zwei separate Hallen abgewickelt, die Abfertigung kann aber auch in einer Halle erfolgen.
Ein operatives Basismodul setzt sich aus zwei Containereinheiten mit einer Grundfläche von ca 130 m² zusammen. Durch Anbau zusätzlicher Module sind Betriebsflächen von weit über 3.000 m² möglich. Zur Grundausstattung gehören ein Abflugmodul mit 310 m² Fläche, sowie ein Ankunftsmodul mit 220 m².
Vehikel für MarktentwicklerIm Gespräch mit aero.at sieht Melcher für mobile Terminals weltweit eine breite Anwendungspalette, unter anderem in Entwicklungsgebieten mit rudimentärer Infrastruktur, für die kurzfristige Aufnahme von zivilem Flugbetrieb auf aufgelassenen Militärflugplätzen, sowie in der Erschließung neuer Regionalmärkte auf Sekundär und Tertiärairports, vor allem in Indien, Südostasien und Südamerika. In Europa gebe es starkes Interesse auch im Eventbereich, wie auch für Ersatzkapazitäten bei Um- bzw. Ausbauten bestehender Terminals. Weitere Anwendungen seien Einsätze als Busgates mit bis zu 1.000 m² Fläche, als Exekutive Terminal oder als externes City Check-In Terminal, z.B. auf innerstädtischen Busbahnhöfen.
Projektierung von Raum und FunktionAuf Grund unterschiedlichster Anforderungen, je nach Einsatz und Einsatzort, versteht sich TMT Management weniger als Hersteller fertiger Plug & Play - Lösungen, sondern als Entwickler, Consultant und Projektcontractor. Über Niederlassungen in Barcelona und Singapur kann das Unternehmen mit Hilfe eines ausgeklügelten Designsystems innerhalb weniger Tage maßgeschneiderte Lösungen erarbeiten.
Schritt eins ist die Erfassung des Raumbedarfs: Die Konzeption der Halle als leere, klimatisierte Hülle unter Strom, optional auch mit Generator. In einer zweiten Phase werden die funktionalen Anforderungen analysiert und die operative Ausstattung der Halle(n) projektiert. Je nach Einsatzgebiet können bei gleicher Kapazität Raum- und Funktionsbedarf beträchtlich variieren. TMT-Chef Melcher verglich dazu einen Einsatz in Europa mit Indien. Kalkuliert man hier pro Passagier eine Check-In Abfertigung mit rund einer halben Minute, so muss in Indien mit mindestens drei Minuten gerechnet werden, mit höherem Raumbedarf für wartende Passagiere. Und ähnlich unterschiedlich seien auch die Anforderungen an die funktionale Ausstattung der Halle, so Melcher.
Gebaut werden die Terminals von Projektpartnern wie der Chiemgauer Koch Membranbau, diversen Ausstattern für Inneneinrichtung, Energieversorgung und Klimatisierung in Österreich und Tschechien, sowie einer slowenischen Stahlbaufirma für Struktur und Hallenbau.
Auf Grund der spezifischen Transport-, Auf- und Abbaulogistik, aber auch aus Kosten und Supportgründen plant TMT künftig auch die Zusammenarbeit mit Projektpartnern vor Ort, speziell in weit entfernten Märkten wie Südostasien, Indien oder Südamerika. Zusammengebaut wird das Terminal am Einsatzort von Spezialisten der TMT und ihren Projektpartnern.
Als Dienstleister mit breiter Erfahrung im Airportbetrieb unterstützt das TMT-Team seine Kunden auch in Planung, Finanzierung und Betrieb des Terminals.
Mobile FlexibilitätBillig ist das State of the art - Terminal nicht. Laut Melcher liegen die Kosten mit 1.800 bis 3.000 Euro pro m² im mittleren Bereich von Festbauterminals. Die hocheffiziente wie flexible Flächennutzung würde aber die Investitionskosten beträchtlich reduzieren, vor allem bei befristeten Mietverträgen, oder bei saisonaler Nutzenteilung durch mehrere Airports. Braucht ein Airport die Kapazität nur im Sommer, so kann das Terminal anderswo auch im Wintertourismus eingesetzt werden.
Auf- und Abbauzeiten zwischen 7 und 10 Tagen und eine ausgefeilte Transportlogistik von nur vier LKW für ein vollausgestattetes Basisterminal erlauben neben Mobilität auch ein hohes Maß an Flexibilität im aktiven Einsatz. So wird der Flughafen Genf sein 'Skiterminal' beim geplanten Umbau des Abfertigungsgebäudes ortsversetzt auch im Regelbetrieb einsetzen.
Das UnternehmenDie 2009 von Thomas Melcher und Airport-Consultant Max Schintlmeister gegründete TMT Management GmbH hat ihren Stammsitz in Villach und Niederlassungen in Barcelona und Singapur. Das Unternehmen beschäftigt zur Zeit zehn Mitarbeiter, davon vier Ingenieure in der Entwicklung.
© Bob Gedat, edition airside/aero.at | Abb.: TMT Management / Airport Genf | 25.07.2011 17:17
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