Martin Gauss im Interview
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Air Baltic-Chef: Große Pläne mit der CSeries

Air Baltic CEO Martin Gauss
Air Baltic CEO Martin Gauss, © aero.de

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SYDNEY - Air Baltic will im Baltikum weiter expandieren, ein Wetlease-Geschäft hochziehen und Charterflüge anbieten. Arlinechef Martin Gauss setzt dabei auf die CSeries: 50 CS300 hat Air Baltic inzwischen fest bestellt, auf dreißig weitere eine Option. Im Interview mit aero.de erläutert Gauss seine Strategie. 

aero.de: Herr Gauss, werden Sie nach Ihrer erneuten Großbestellung bei Bombardier bald Ehrenbürger von Quebec? 

Martin Gauss: Nein, denn es war ja lange bekannt, dass wir noch weitere C-Series-Jets bestellen müssen für unsere Flottenerneuerung. Das hat relativ lange gedauert, aber jetzt haben wir die Verhandlungen abgeschlossen - wir haben 30 CS300 fest bestellt und über 30 weitere Optionen aufgenommen. Das erscheint viel, mit den 20 die wir bereits bestellt hatten, bis zu 80 insgesamt, aber fest sind das ja nur 50 Flugzeuge.

Diese Bestellung sichert unsere Zukunft und die C-Series bietet bei steigenden Ölpreisen ja auch eine Art natürliches Fuel Hedging, weil sie sehr sparsam fliegt. 

Air Baltic hat bereits eine Fast-Pleite nach Überexpansion hinter sich, besteht diese Gefahr mit einem solchen Wachstum nicht wieder? 

Gauss: Ja, in der Tat. Ich bin ja 2011 geholt worden, weil die Firma nach Über-Expansion in Schieflage war. Die Firma ist jetzt sehr solide aufgestellt, hat im Moment 31 Flugzeuge, zum Jahresende werden es 34 sein. Und sie wird dieses Jahr vermutlich einen noch höheren Gewinn ausweisen als letztes Jahr. Das heißt, wir haben ein komplett anderes Unternehmen.

Air Baltic Bombardier CS300
Air Baltic Bombardier CS300, © Bombardier

Und das wächst nicht nur in Riga, sondern in allen drei baltischen Staaten. Aus Tallinn hatten wir bei meinem Amtsantritt eine Strecke nach Riga, heute sind es neun Strecken aus Tallinn. Das heißt, wir sind ein baltischer Carrier - und da gibt es noch eine ganze Menge Luft nach oben. 

Was heißt das in Zahlen? 

Gauss: Wenn ich am Jahresende 2018 insgesamt 34 Flugzeuge betreibe und bis Ende 2025 minimal 50 Flugzeuge: dann bedeutet das Baltikum plus Wet Leasing plus Charter. Ich glaube, es ist machbar, in sieben Jahren so viele Flugzeuge hinzuzufügen. Das klingt nach einer großen Nummer, aber wir müssen ja eine ganze Menge ältere Flugzeuge gegen neue CS300 tauschen.

Wir haben immer noch elf Boeing 737-300. Zwei gehören uns und neun sind geleast. Außerdem zwölf Bombardier Dash 8Q400, die alle bis 2022 gegen neue CS300 ausgetauscht werden. Danach gibt es noch zwei Jahre Wachstum dazu. Unsere Planung bezieht sich derzeit nur auf das Baltikum. Wenn wir weitere Optionen ziehen, dann könnte es auch sein, dass wir außerhalb des Baltikums unterwegs sein werden.

Wir könnten Flugzeuge auch anderswo stationieren, aber dazu können wir heute noch nichts sagen. In den letzten Monaten sind wir zweistellig in allen drei baltischen Märkten gewachsen. 

Sie haben mit Abu Dhabi mit der CS300 quasi eine Langstrecke aufgenommen. Kommt da noch mehr an langen Routen aus dem Baltikum? 

Gauss: Das ist das Gute an der CS300, dass sie alles abdecken kann. Abu Dhabi ist mit sechseinhalb Flugstunden aus Riga an der Grenze zur Langstrecke und wir haben jetzt auch Almaty und Lissabon eröffnet. Wir könnten noch ein bisschen weiter fliegen als nach Abu Dhabi, wenn es noch ein Ziel mit knapp sieben Stunden Flugzeit geben würde, ginge das. Wir haben da keine Limitierung an weiteren Strecken, es muss nur wirtschaftlich funktionieren. 

Air Baltic Bombardier CS300
Air Baltic Bombardier CS300, © Bombardier

Es war mal von möglichen China-Diensten von Air Baltic die Rede, ist das noch auf der Agenda? 


Gauss: Die CS300 schafft es nicht nach China und das mit einem Stopp zu fliegen macht wirtschaftlich keinen Sinn. Wir selber planen im Moment keine Langstrecke, wir würden es aber begrüßen, wenn jemand eine Langstrecke nach Riga eröffnet, weil wir dann ein perfekter Feeder wären. 

Wie werden Ihre nächsten Jets überhaupt heißen, wenn sie ausgeliefert werden - Airbus A200? 

Gauss: Wir wissen selbst noch nicht, wie das Flugzeug bald heißen wird, das soll uns in den nächsten Wochen bekanntgegeben werden. Und wir erhalten dann von Bombardier die entsprechenden Sticker. Je nachdem, wann das genau sein wird und wer dann die nächste Auslieferung erhält sind entweder wir, Swiss oder Korean Air die ersten Betreiber des dann neuen Airbus-Jets. 

Wie wirkt sich denn der Airbus-Einstieg auf das Programm generell aus nach Ihrem Eindruck? 

Gauss: Das Flugzeug hat Anfangsphase und Kinderkrankheiten überstanden und fliegt jetzt sehr verlässlich. Airbus hat eine andere Macht auf dem Weltmarkt im Bereich der Zulieferer, da wird der Einstieg den größten Effekt haben. Ich gehe davon aus, dass für Airbus die Diskussionen mit Zulieferern leichter sind als für Bombardier.

Ansonsten wird das Flugzeug aus den gleichen Hallen ausgeliefert wie bisher und von den gleichen Leuten gebaut, insofern kriegen wir weiter das gleiche Flugzeug, es heißt dann aber Airbus. Und dann wird Airbus uns erklären, was sie eventuell anders machen, das wissen wir heute noch nicht. Aber unsere Verträge mit Bombardier gelten natürlich genauso auch mit Airbus.

Der Airbus-Einstieg sichert der bisherigen C-Serie die Zukunft, oder? 

Gauss: Dass das Flugzeug etwas Besonderes ist, haben wir immer gesagt. Das hat Airbus jetzt auch erkannt und mit der Übernahme eine gute Entscheidung getroffen, der Markt sieht das auch so. Ich glaube an die Zukunft des Flugzeugs und wir werden sicher auch mehr Bestellungen sehen. Aber dann liegt es bei Airbus, zu zeigen, dass sie davon mehr verkaufen können. Es ist noch ein junges Programm und hat bereits über 400 Festbestellungen. Warten wir mal ab, was in Farnborough passiert. 

Herr Gauss, wir danken Ihnen für das Gespräch.
© Andreas Spaeth, aero.de | Abb.: Bombardier | 09.06.2018 01:23


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