Roberto Kriete
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United erzwingt Führungswechsel bei Avianca Colombia

Avianca Airbus A320neo
Avianca Airbus A320neo, © Avianca Airbus A320neo

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BOGOTÁ - United Airlines hat dem Milliardär Germán Efromovich die Führungsgewalt über Avianca Colombia entzogen. Möglich gemacht hat das ein Deal vom Dezember 2018: damals hinterlegte Efromovich sein 51,1 Prozent schweres Avianca-Aktienpaket als Sicherheit für einen United-Kredit über 456 Millionen US-Dollar.

Germán Efromovich hielt es bis zuletzt nicht für möglich: "United hat kein Interesse daran, die Kontrolle über Avianca an sich zu ziehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass United das tut, geht gegen Null", sagte er am 21. Mai gegenüber dem kolumbianischen Radio Blu.

Drei Tage später gab United bekannt, dass sie die Befehlsgewalt über die kolumbianische Avianca an den salvadorianischen Milliardär Roberto Kriete überträgt. Begründung: Efromovich habe sich nicht an alle Kreditbedingungen gehalten, die United und er im vergangenen Jahr ausgehandelt hatten.

Efromovich zufolge zählte dazu unter anderem, dass die Airline stets über eine gewisse Summe in der Kasse verfügt. Im ersten Quartal 2019 hat Avianca 68 Millionen US-Dollar Verlust verzeichnet.

Für die Rückzahlung des Kredits in Höhe von 456 Millionen US-Dollar an United war laut Efromovich ein Zeitraum von sieben Jahren vereinbart. Efromovich macht für die finanzielle Schieflage der kolumbianischen Airline unter anderem den Pilotenstreik Anfang 2018 und die politischen Zerwürfnisse im Nachbarland Venezuela verantwortlich.

Ihm zufolge drückten diese Entwicklungen mit Kosten von insgesamt knapp 600 Millionen US-Dollar massiv das Ergebnis der Avianca. In der Folge stornierte das Airline-Management einige A320neo-Aufträge, bei anderen vereinbarte sie mit Airbus die Verschiebung von Lieferterminen.

Scheinbar nicht überzeugend genug in den Augen des United-Managements. Die Konsolidierung der Finanzen der kolombianischen Star Alliance-Airline Avianca soll nun federführend Efromovichs Rivale Roberto Krieto übernehmen. Er ist Chef der salvadorianischen Grupo Taca und als Eigner der Kingsland Holding zweitgrößter Aktionär der Avianca Holding.

United offiziell nicht an Avianca interessiert

United Airlines streitet tatsächlich jedes Interesse ab, direkt in die Geschicke der kolumbianischen Avianca einzugreifen - weder operationell noch strategisch. Die Airline habe ihr Recht ausgeübt, einen Führungswechsel bei Avianca Colombia herbeizuführen und die Entscheidungsgewalt an einen "neutralen Dritten" übergeben, zitieren kolumbianische Medien aus einer United-Mitteilung.

Verträge mit den Mitarbeitern verbieten es dem United-Management derzeit, die Kontrolle über ausländische Airlines zu übernehmen. Ein Schachzug der United, Kriete ans Steuer zu setzen?

Die Avianca Holding ist jedenfalls eine verlockende Chance. Neben Avianca Colombia gehören ihr unter anderen die salvadorianische Taca International Airlines, die ecuadorianische Aerolíneas Galapagos, die peruanische Trans American Airlines und das Bonusprogramm Life Miles an.

Weiter südlich zeichnet sich indes eine weitere Chance ab, die sich hervorragend in die Expansionsstrategie der United für Lateinamerika fügen würde.

Das Grounding der brasilianischen Namensvetterin Avianca Brasil fällt zusammen mit dem Beschluss des brasilianischen Senats, die Erlaubnis der hundertprozentigen Übernahme für brasilianische Airlines endgültig gesetzlich zu verankern. Ein Interesse an Avianca Brasil streitet United allerdings ebenfalls ab.
© aero.de (boa) | Abb.: Boeing | 27.05.2019 12:30


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