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Neuer Investor will Condor ganz

Condor Boeing 767-300ER
Condor Boeing 767-300ER, © Condor

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FRANKFURT - Der kriselnde Ferienflieger Condor hat nach langer Zitterpartie einen neuen Mehrheitseigner: Der Vermögensverwalter Attestor steigt mit 51 Prozent ein, teilte die Fluggesellschaft am Donnerstag mit. Der Investor betont ein langfristiges Interesse am Fluggeschäft - und will Condor komplett übernehmen.

Condor ist gerettet. Der neue Investor bringt 200 Millionen Euro frisches Eigenkapital ein und hat weitere 250 Millionen Euro zur Modernisierung der betagten Langstreckenflotte zugesagt.

"Condor ist eine starke Marke mit einem bewährten Geschäftsmodell in einem attraktiven Markt", erklärte Attestor-Gründer und -Inhaber Jan-Christoph Peters. "Mit unserem Investment schaffen wir nicht nur die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Neustart, sondern auch für die langfristige Weiterentwicklung der Condor zum führenden europäischen Ferienflieger."

Attestor, ein Verwalter von 5,5 Milliarden Euro Vermögen von Universtitätsstiftungen und Familiy-Offices, ist bisher nicht in der Luftfahrt engagiert. Doch der 2012 von Peters gegründete Fonds besitzt Hotels in Italien und den Niederlanden sowie Teile des Autoverleihers Europcar.

Bisher sei noch keine Beteiligung verkauft worden, unterstrich Investment-Chef Friedrich Andreae die langfristig orientierte Anlagestrategie.

Der neue Eigner wolle die übrigen 49 Prozent möglichst bald übernehmen, ergänzte Andreae. Diese sind noch im Besitz von Bund und Land, welche die vom Pech verfolgte Airline mit insgesamt 550 Millionen Euro Kredit stützten.

Um die Fortführung des Unternehmens zu ermöglichen und Arbeitsplätze zu sichern, verzichten Bund und Land auf insgesamt 150 Millionen Euro, wie die Regierungen erklärten. Das verbleibende Darlehen werde wie vereinbart zurückgeführt, sagte Condor-Finanzchef Christoph Debus. Dem Kauf muss noch das Kartellamt zustimmen, die EU-Kommission eine beihilferechtliche Genehmigung erteilen. Debus ergänzte, er rechne bald mit grünem Licht der Behörden.

Condors wilder Ritt

Condor war durch die Pleite ihres Mutterkonzerns Thomas Cook 2019 und damit schon vor der Corona-Krise in Existenznot geraten. Sie musste ein Insolvenzverfahren für überlebensfähige Unternehmen durchlaufen, das sie Ende 2020 erfolgreich beendete. Unterdessen brach das Geschäft mit dem Ausbruch der Pandemie ein, sodass die Airline mit einem Teil ihrer 50 Flugzeuge auf Frachtflüge umsattelte.

Die Lufthansa-Konkurrentin hält sich seither wie diese mit staatlicher Finanzhilfe in der Luft. Der erste Versuch, einen neuen Eigentümer an Bord zu nehmen, war vor gut einem Jahr wegen des Ausbruchs der Corona-Krise gescheitert. Das polnische Luftfahrtunternehmen PGL, bekannt durch die Marke Lot, war abgesprungen. Jemand, der gleich drei Mal k.o. geschlagen wurde und immer noch stehe, habe Qualität, lobte Attestor-Manager Andreae.

Die Führung der Airline solle in bewährten Händen von Condor-Chef Ralf Teckentrup bleiben, Attestor wolle sich nicht einmischen ins Tagesgeschäft. Es sei wichtig, dass die Lufthansa-Rivalin in Deutschland erhalten bleibe, von diesem Wettbewerb profitierten die Reisebranche und ihre Kunden.

Teckentrup: "Arbeitsplätze sind gesichert"

Der 63-jährige Teckentrup versprach Kontinuität der Führungsmannschaft des Ferienfliegers, der sich gerade einen harten Konkurrenzkampf und rechtliche Auseinandersetzungen mit der Lufthansa über Zubringerflüge zu Condor-Langstsreckenverbindungen lieferte.

"Alle derzeit 4.050 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben an Bord. Die Arbeitsplätze sind gesichert", ergänzte Teckentrup und zeigte sich zuversichtlich, dass Condor nach mehr als einem Jahr Flaute durch die Corona-Krise wieder durchstarten kann.

Die Erholung der Nachfrage nach Flügen sei jetzt nicht mehr aufzuhalten. "Wir sehen es jeden Tag an den Buchungszahlen, und der Jubel aus Teilen der Industrie spricht für sich." Die Gewerkschaft Verdi begrüßte den Einstieg von Attestor. Denn dieser habe zugesagt, die tariflichen und sozialen Standards der Beschäftigten in der Kabine, in der Technik und am Boden zu übernehmen.

Verdi sowie die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und die Flugbegleitergewerkschaft UFO hatten tarifliche Zugeständnisse gemacht, durch die Condor die Personalkosten senken konnte
© aero.de, Reuters | Abb.: Flughafen Nürnberg | 21.05.2021 08:07

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Beitrag vom 22.05.2021 - 07:19 Uhr
Boeing757767 wird´s schon richten. Der bereitet sich bereits auf einen arbeitsreichen Herbst vor. Vermutlich im Trainingslager in der Sportallee.

Bei Condor waren schon alle in der Sportallee und haben da im Gegensatz zu dir bestanden.
Beitrag vom 21.05.2021 - 13:34 Uhr
Falsch gedacht. Von den 550 Mio wurde bereits knapp die Hälfte schon zurückgezahlt.

Der neue Investor steckt also 450 Mio € in Condor welche vom Staat 550 Mio bekommen hat und davon 150 Mio nicht zurückzahlen muss. Bleiben 400 Mio direkte Verpflichtungen beim Staat, also am Ende 50 Mio an Kapital über (ohne Schulden andernorts als beim Staat zu berücksichtigen) um die alten 767 durch moderne jets zu ersetzen und auch einige A320 neigen sich dem Ende des Lebenszyklus zu. Also entweder plant man von Beginn an mit einer beträchtlichen Summe an Krediten zu operieren oder der Investor wird erneut tief in die Tasche greifen müssen um Condor zu erneuern. Ich wünsche den Mitarbeitern dass das alles klappt, es macht auf mich zumindest den deutlich besseren Eindruck als bei Lot. Das Damoklesschwert der vermutlich demnächst nicht mehr verfügbaren Feederflüge seitens LH bleibt dennoch erst einmal da.
Beitrag vom 21.05.2021 - 12:51 Uhr
die weitere Frage, die sihc mir stellt: Attestor Capital LLP ist eine englische Firma, wenn diese 51% übernimmt entfällt eigentlich die Erlaubsnis für Flüge innerhalt der EU?


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