"Epstein Files"
06:12 Uhr   EXKLUSIV 

Epstein suchte neues Flugzeug – und wollte bei der Küche sparen

Boeing 737 BBJ
Boeing 737 BBJ, © Boeing

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NEW YORK - Eine Boeing 727-100 spielt im Epstein-Skandal eine wichtige Nebenrolle - Täter und Opfer flogen mit dem zum Business Jet umgebauten Airliner um die Welt. Aus den "Epstein Files" geht hervor, dass der Sexualstraftäter wenige Jahre vor seinem Tod wohl über Ersatz für die berüchtigte 727-100 nachdachte.

Die VP-BBJ ist keine normale Boeing 737-700. Boeing baute das Flugzeug 1998 im hauseigenen Business-Jet-Programm. Über die Jahre ging die Maschine durch mehrere Hände - ab 2020 gehörte der Business Jet laut Registereinträgen zur Flotte des NFL-Teams Indianapolis Colts.

Vorher gab es einen anderen Interessenten für die VP-BBJ: Jeffrey Epstein. Das geht aus den vom US-Justizministerium veröffentlichten "Epstein Files" hervor.

Der 2019 in Untersuchungshaft verstorbene Sexualstraftäter nutzte mehrere Privatjets. Besonders bekannt und berüchtigt ist eine Boeing 727-100. Der Dreistrahler, ein früheres Flottenmitglied von TWA, trug die Eignerinitialen im Kennzeichen: N908JE.

In Epsteins Missbrauchsring spielte die 727-100 eine wichtige Nebenrolle: Flugprotokolle legen nahe, dass an Bord der 727-100, zynischer Spitzname "Lolita Express", teils minderjährige Frauen zu Epstein-Anwesen geflogen wurden - ebenso Toppolitiker, Wirtschaftslenker und Prominente aus Epsteins Umfeld.

Immer wieder schwebte die 727-100 am Karibikflughafen Cyril E. King Airport auf Saint Thomas ein - von dort war es mit dem Boot nicht weit zu "Epstein Island". Die Privatinsel Little St. James gilt als eines der Zentren im Epstein-Kosmos, an dem über Jahre der Missbrauch an Mädchen und jungen Frauen stattfand.

Ersatz für den "Lolita Express"

Die betagte 727-100, Baujahr 1969, sollte Mitte der 2010er Jahre offenbar ersetzt werden. Hier kommt die 737-700 VP-BBJ ins Spiel. Epstein hatte augenscheinlich einen Broker mit der Suche nach einem neuen Flugzeug beauftragt.

Das Vorhaben war zwischenzeitlich recht konkret, wie sich den "Epstein Files" entnehmen lässt. Der Broker holte für die seinerzeit in Genf abgestellte VP-BBJ bei Lufthansa Technik ein Angebot für eine "Pre Buy Inspection" und einen "A2 Check" ein. Kostenpunkt: 38.700 Euro für die Kaufinspektion und 31.500 Euro für die kleine Wartung.

Ein direkter Kontakt zwischen Epstein und Vertretern von Lufthansa Technik geht aus den Akten nicht hervor. Der Broker leitete E-Mails lediglich an Epstein weiter.

"Lufthansa Technik ist über die Veröffentlichung bestimmter Unterlagen durch das US Department of Justice informiert", sagte ein Lufthansa-Technik-Sprecher aero.de. "Es handelt es sich ausschließlich um routinemäßige geschäftliche Korrespondenz zu möglichen technischen Arbeiten im Rahmen eines Kaufs eines Flugzeugs. Zu einem Geschäftsabschluss ist es nicht gekommen, auch gab es keine persönlichen Kontakte zu dem dahinter stehenden Interessenten."

Neues Interieur, gebrauchte Bordküche

Für die VP-BBJ war ein Kabinenumbau mit einer ersten Skizze lose angedacht - gegenüber dem Broker überschlug Lufthansa Technik die Kosten auf rund fünf Millionen Euro, um die plüschige 90er-Jahre-Einrichtung zu ersetzen.

Kurios: Offenbar wollte der Auftraggeber im Hintergrund beim Kabinenumbau Kosten sparen - der Broker fragte an, ob eine Bordküche aus einer Gulfstream in der Boeing nicht wiederverwendet werden könnte. Epstein nutze über die Jahre mehrere Gulfstream-Modelle, zuletzt eine G550.

Das Kaufvorhaben zur VP-BBJ verlief 2015 im Sand. Der Broker graste den Markt für Epstein weiter ab, im E-Mail-Verkehr findet sich ein Angebot für einen Airbus A318 im Jahr 2017.

Epstein verstarb am 10. August 2019 vor einem Prozess in Untersuchungshaft in New York. Todesursache laut Autopsiebericht: Selbstmord durch Erhängen.
© aero.de | Abb.: Boeing | 20.02.2026 06:12


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