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Grund sind die stillstehenden Drehkreuze der Golf-Airlines Emirates und Qatar aus den Arabischen Emiraten, die sonst einen Großteil des Verkehrs nach Asien, Australien und Afrika abwickeln.
Angesichts der fortgesetzten Raketen- und Bombenangriffe im Iran und Anrainerstaaten werde die Lufthansa alles tun, um gestrandete Gäste von eigenen und fremden Fluggesellschaften aus der Region zu holen, sagte Spohr. Derzeit könnten die Lufthansa-Airlines jedoch aus Sicherheitsgründen manche Flughäfen nicht ansteuern.
Die Flugzeuge kann das Unternehmen aber an anderer Stelle gut gebrauchen: Wegen der starken Nachfrage werde der Konzern in den nächsten Tagen zusätzliche Flüge etwa nach Bangkok, Singapur, Kapstadt, Shanghai oder Delhi anbieten, kündigte Spohr an. Auch bei der Luftfracht gebe es eine Sondernachfrage, berichtete er aus dem Geschäft von Lufthansa Cargo.
In den kommenden Wochen will Lufthansa auch Riad in Saudi-Arabien verstärkt anfliegen. Dorthin war am Freitag ein Linienflug aus München unterwegs, musste aber wegen einer Flughafensperre nach Kairo abdrehen. Das Flugzeug sollte später dennoch den saudischen Flughafen ansteuern, um danach mit mehr als 200 Passagieren an Bord zurück nach München zu fliegen.
Höhere Ticketpreise kommen
Kunden müssen sich wegen des verknappten Angebots und der notwendigen Umfliegung gesperrter Lufträume auf höhere Ticketpreise einrichten. Es sei aber noch zu früh, um langfristige Entwicklungen zu erkennen, sagte Spohr.
Grundsätzlich sei es ein hohes Risiko für Europa, wichtige Verkehrsströme unmittelbar an der iranischen Grenze zu bündeln. Gegen starke Preissteigerungen beim Kerosin sei Lufthansa im laufenden Jahr großenteils mit Termingeschäften geschützt.
"Wir wissen letztendlich nicht, wie lange dieser Effekt am Golf anhält. Ob das eine Zäsur ist oder eine nur eine vorübergehende Erscheinung", sagte der Lufthansa-Chef. Allerdings dürften sich die Reiseströme nach seiner Einschätzung nicht nur kurzfristig verschieben. So werde die Golfregion als Reiseziel sicher künftig attraktiv bleiben, doch die dortigen Drehkreuze für Umsteigeverbindungen dürften langsamer wachsen als zuletzt. Allerdings macht sich Spohr keine Illusionen: "Es gibt Menschen, die schnell vergessen und das günstigste Ticket wieder kaufen."
Im laufenden Jahr will der Manager das Flugangebot auf der Langstrecke ausbauen und den Gewinn des Konzerns im Tagesgeschäft deutlich steigern. Dazu beitragen soll das Sanierungsprogramm für die Kernmarke Lufthansa Airlines, die 2025 in die schwarzen Zahlen zurückkehrte.
Keine Rückkehr in den Dax
Am Finanzmarkt kamen die Neuigkeiten zum Handelsstart zunächst gut an: Die Lufthansa-Aktie legte am Morgen um vier Prozent zu, sackte dann aber ins Minus und verlor am frühen Nachmittag rund ein Prozent. An den Vortagen hatte die Lufthansa-Aktie bereits deutlich verloren und verpasste deshalb die Rückkehr in den deutschen Leitindex Dax.
Im vergangenen Jahr hatte die Lufthansa noch von einem Rückgang der Kerosinpreise profitiert. Zudem musste sie ihren Kunden deutlich weniger Entschädigungen wegen verspäteter und ausgefallener Flüge bezahlen. Zugleich kletterte der Umsatz um fünf Prozent auf den Rekordwert von 39,6 Milliarden Euro.
Dadurch wuchs der operative Gewinn des Konzerns vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten (bereinigtes Ebit) um knapp ein Fünftel auf 1,96 Milliarden Euro. Der Überschuss sank wegen negativer Steuereffekte jedoch von 1,4 auf 1,3 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr sollen Umsatz und operativer Gewinn weiter steigen, kündigte das Management an. Die Aktionäre erhalten für 2025 33 Cent Dividende je Aktie, zehn Prozent mehr als im Vorjahr.
Insgesamt steigerten die konzerneigenen Passagier-Airlines wie Lufthansa, Swiss, Austrian, Brussels, Eurowings und der neue italienische Ableger Ita 2025 ihr bereinigtes operatives Ergebnis um vier Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte davon stammte trotz Rückgängen von der Schweizer Konzerntochter Swiss.
Lufthansa Airlines steuerte nach Verlusten im Vorjahr 148 Millionen Euro bereinigtes Ebit zum operativen Konzernergebnis bei. Bei Swiss und Eurowings fiel das bereinigte Ebit mit 600 Millionen Euro beziehungsweise 132 Millionen Euro geringer aus als im Vorjahr.
Bei Eurowings machten sich unter anderem gestiegene Wetlease-Aufwendungen im Ergebnis bemerkbar, Swiss plagen nach der letzten Tarifrunde mit den Piloten laut Spohr Produktivitätsprobleme.
100 Jahre Lufthansa
Das Unternehmen feiert in diesem Jahr die Gründung der ersten Lufthansa vor 100 Jahren und hat sich dabei explizit zur Verstrickung in den Nationalsozialismus bekannt.
Vorstandschef Spohr distanzierte sich von früheren Bemühungen, die Rolle des Unternehmens im NS-Staat auszublenden und sich ausschließlich auf die 1955 erfolgte Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg zu berufen. Neben einer in diesen Tagen erscheinenden neuen Unternehmensgeschichte soll der Einsatz von Zwangsarbeitern für die erste Lufthansa weiter erforscht werden.
Mit dem Jubiläum hat Lufthansa eine umfassende Produktoffensive verbunden. Für 2026 erwartet das Unternehmen 45 neue, sparsamere Flugzeuge. Auf der Langstrecke kommt zunehmend die Kabinenausstattung "Allegris" zum Einsatz, die für Zusatzerlöse sorgt.
© aero.de, dpa-AFX | Abb.: Lufthansa | 06.03.2026 07:11







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