Folgen für den Wettbewerb
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Iran-Krieg verschiebt Kräfteverhältnisse am Himmel

Air France Airbus A350-900
Air France Airbus A350-900, © Air France

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FRANKFURT - Wegen des Iran-Kriegs stehen wichtige Drehkreuze am Persischen Golf seit Wochen still. Europäische Airlines profitieren kurzfristig, Lufthansa schiebt Flüge ins System nach. Doch wie lange hält dieser Vorteil an? Ein Drehkreuz dürfte gestärkt aus dem Krieg am Persischen Golf hervorgehen.

Grundsätzlich sind Kriege immer schlecht für den internationalen Luftverkehr, aber Lufthansa und anderen europäischen Interkontairlines spült die Lage am Persischen Golf Passagierströme zu.

Mindestens für einige Monate, wenn nicht sogar für Jahre ist die ärgste Konkurrenz der europäischen Airlines geschwächt, weil der Iran mit seinen Raketen auch die arabischen Staaten am Persischen Golf ins Visier genommen hat.

Von einem Tag auf den anderen standen die Drehkreuze von Fluggesellschaften wie Emirates, Qatar, Etihad und Gulf Air still, über die zuvor jeden Tag Tausende Touristen aus Europa zu Zielen in Asien, Australien und Afrika umgestiegen sind.

"Die Gesellschaften am Golf haben rund die Hälfte des Gesamtverkehrs zwischen Europa und Asien abgezogen. Erstaunlicherweise trifft das auch auf zehn Prozent des Verkehrs aus den USA nach Asien zu", beschreibt der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt die Situation vor dem Krieg.

Tickets deutlich teurer

Spohr und seine Kollegen in London und Paris können sich über eine Sonderkonjunktur freuen, denn die Passagiere suchen sich neue Wege. Die Maschinen auf den Direktverbindungen nach Fernost sind knallvoll, die Tickets entsprechend teuer.

Die Europäer haben massiv die Preise erhöht, weil die Nachfrage nach Direktflügen so sprunghaft angestiegen ist, sagt Luftfahrtberater Gerald Wissel. So kostete ein Trip über Ostern von München nach Bangkok und zurück in der vergangenen Woche mindestens 3.300 Euro.

Gesellschaften wie Lufthansa, British Airways oder Singapore Airlines haben zusätzliche Flüge aufgesetzt. Doch die Kapazitäten sind begrenzt, denn weiterhin kommen die Hersteller Boeing und Airbus mit dem Bau neuer Jets dem Bedarf kaum hinterher.

Wegen der gesperrten Lufträume über dem Iran, dem Irak und der Ukraine haben sich zwei schmale Korridore auf dem Weg zwischen Asien und Europa gebildet, die auf vielen Strecken deutliche Umwege und damit zusätzliche Kosten bedeuten.

Emirates fliegt wieder

"Wir wissen letztendlich nicht, wie lange dieser Effekt am Golf anhält. Ob das eine Zäsur ist oder nur eine vorübergehende Erscheinung", hatte Lufthansa-Chef Spohr bei der Bilanzvorlage gesagt.

Nach Daten des Dienstleisters Cirium hat als Erstes der Flughafen Dubai seine Kapazitäten inzwischen deutlich wieder hochgefahren, so dass Emirates nach zahlreichen Evakuierungsflügen zuletzt immerhin rund die Hälfte des geplanten Programms tatsächlich fliegen konnte. Weitgehender Stillstand herrscht hingegen weiterhin bei Qatar Airways in Doha und Gulf Air in Bahrain.

Die arabischen Airlines haben weltweit auch als Markenbotschafter für ihre Heimatregionen gewirkt, die sich so als Touristenziele etabliert haben. Mit dem Krieg ist die Fiktion der heilen Glitzerwelt nun aber nachhaltig gestört, sagt Großbongardt. "Die Region erlebt gerade einen riesigen Imageschaden. Sie hatte sich bislang erfolgreich als Insel des Wohlstands und des Friedens in einer brennenden Weltgegend dargestellt. Auch nach einem Kriegsende bleibt das ja eine Region mit sehr großen Spannungen und Risiken."

Strohfeuer oder längerfristige Probleme?

"Touristen sind vergesslich", meint hingegen Wissel und weist auf Erfahrungen nach Anschlägen in der Türkei oder in Ägypten, als die Reisenden sehr schnell wieder zurückkehrten. Er ist überzeugt: "Die Golfstaaten werden auch finanziell alles daran setzen, ihre Region wieder sicher zu machen."

Mit dem einsetzenden Sommer sei zumindest die touristische Saison ohnehin vorbei. Ob es zu längerfristigen Problemen kommen wird, könne man erst im Herbst erkennen.

Für die europäischen Airlines heißt es bis dahin, möglichst viele Kunden von ihren Vorzügen zu überzeugen, denn auf den meisten Routen entfällt immerhin ein Umstieg mitten in der Nacht. Doch die Konkurrenz auch außerhalb der Golfstaaten schläft nicht, warnt Großbongardt. "Zu den Profiteuren wird ganz sicher auch Turkish Airlines mit dem Drehkreuz Istanbul gehören."
© dpa, aero.de | Abb.: KLM | 24.03.2026 06:43

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Beitrag vom 24.03.2026 - 22:16 Uhr
Richtig spannend wird es, wenn der Korridor über den südlichen Kaukasus um Russland herum auch nicht mehr von den europäischen Airlines genutzt werden kann. So undenkbar ist das ja auch nicht.

Dann bleibt für die europäischen Airlines auf dem Weg nach China und Japan neben der überfüllten Route südlich der Golfstaaten nur noch die Route über den Nordpol. Die Lufthansa hätte dann sogar Glück im Unglück, da sie immer noch über eine nennenswerte Anzahl an vierstrahligen Flugzeugen unterhalb der Größenordnung des A380 verfügt, die dort einigermaßen frei einsetzbar sind.

Um die Polroute zu fliegen, braucht es keine Vierstrahler mehr, da reicht sogar ETOPS 180. Fast alle 2Strahler haben bereits eine ETOPS Zulassung von 330 oder gar 370, damit kann man so gut wie alle Routen ohne Probleme fliegen, sogar über den Südpazifik.
Und zur Zeit fliegen alle Rückflüge aus Japan und Korea nach Europa auch über die Polroute, auch LH mit dem A 350

In der Theorie, ja. In der Praxis kommt hinzu, dass die wenigen vorhandenen ETOPS-Alternates entlang der Polroute aber auch taugliches Wetter haben müssen - was in der Region zumindest nicht einfach so vorausgesetzt werden kann.
Beitrag vom 24.03.2026 - 15:54 Uhr
Richtig spannend wird es, wenn der Korridor über den südlichen Kaukasus um Russland herum auch nicht mehr von den europäischen Airlines genutzt werden kann. So undenkbar ist das ja auch nicht.

Dann bleibt für die europäischen Airlines auf dem Weg nach China und Japan neben der überfüllten Route südlich der Golfstaaten nur noch die Route über den Nordpol. Die Lufthansa hätte dann sogar Glück im Unglück, da sie immer noch über eine nennenswerte Anzahl an vierstrahligen Flugzeugen unterhalb der Größenordnung des A380 verfügt, die dort einigermaßen frei einsetzbar sind.

Um die Polroute zu fliegen, braucht es keine Vierstrahler mehr, da reicht sogar ETOPS 180. Fast alle 2Strahler haben bereits eine ETOPS Zulassung von 330 oder gar 370, damit kann man so gut wie alle Routen ohne Probleme fliegen, sogar über den Südpazifik.
Und zur Zeit fliegen alle Rückflüge aus Japan und Korea nach Europa auch über die Polroute, auch LH mit dem A 350
Beitrag vom 24.03.2026 - 10:15 Uhr
Richtig spannend wird es, wenn der Korridor über den südlichen Kaukasus um Russland herum auch nicht mehr von den europäischen Airlines genutzt werden kann. So undenkbar ist das ja auch nicht.

Dann bleibt für die europäischen Airlines auf dem Weg nach China und Japan neben der überfüllten Route südlich der Golfstaaten nur noch die Route über den Nordpol. Die Lufthansa hätte dann sogar Glück im Unglück, da sie immer noch über eine nennenswerte Anzahl an vierstrahligen Flugzeugen unterhalb der Größenordnung des A380 verfügt, die dort einigermaßen frei einsetzbar sind.

Dieser Beitrag wurde am 24.03.2026 10:16 Uhr bearbeitet.


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