Iran-Krieg
Vor 6 Tagen

Das Klumpenrisiko am Persischen Golf

Qatar Airways Airbus A350-1000
Qatar Airways Airbus A350-1000, © Airbus

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DUBAI - Die Drehkreuze am Persischen Golf sind Taktgeber im globalen Luftverkehr - zumindest in Normalzeiten. Der Iran-Krieg und Luftraumsperren legen die geopolitische Achillesferse von Emirates, Etihad Airways und Qatar Airways offen. Wurde das Risiko zu lange unterschätzt?

Abu Dhabi Zayed International: 32,5 Millionen Passagiere, plus 12,8 Prozent. Dubai International: 95,2 Millionen Passagiere, plus 3,1 Prozent. Doha Hamad International: 54,3 Millionen Passagiere, plus 3,0 Prozent.

Die drei großen Luftfahrtadern am Persischen Golf pulsierten auch 2025 - und das vor allem durch den boomenden Interkonttransit. Weniger als 400 Kilometer Luftlinie trennen Dubai und Doha, Dubai und Abu Dhabi nur gut 100 Kilometer.

Das Städtedreieck spielt seine Ideallage für den Luftverkehr zwischen den Kontinenten gekonnt aus - Emirates, Etihad Airways und Qatar Airways haben das Hub-and-Spoke-Modell perfektioniert. In zwei Wellen - morgens und abends - schwappen Flüge in Dubai, Abu Dhabi und Doha ein und aus, bisher so planbar wie Gezeiten.

In die hocheffektiven Verteilersysteme für Passagiere und Luftfracht klinken sich längst auch andere Größen des Weltluftverkehrs ein: Qantas, United Airlines und auch der deutsche Ferienflieger Condor haben sich mit Emirates vernetzt.

Qatar Airways mischt beim British-Airways-Konzern IAG als Kernaktionär mit. Lufthansa testete 2016 eine Codeshare-Allianz mit Etihad Airways an - und arbeitet mit der Etihad Gruppe eng bei Technik und Wartung zusammen. Air Asia drängt 2026 über ein regionales Drehkreuz in Bahrain zurück ins Interkontgeschäft nach Europa.

An den Golfdrehkreuzen laufen immer mehr Passagier- und Frachtströme zusammen. Diese Konzentration wurde bisher allenfalls als Wettbewerbsproblem mit Sozialkomponente wahrgenommen, schließlich gelten die restriktiven Golfmonarchien immerhin als politisch stabil. Spätestens seit Samstag tritt eine Risikodimension hinzu.

Der Iran beantwortete einen Angriff durch die USA und Israel mit Raketen und Drohnen, die offenbar auch direkt auf die Flughafeninfrastruktur auf der anderen Golfseite zielten.

Der asynchrone Angriff verfehlte die von Teheran wohl bezweckte Wirkung nicht. Nach Luftraumsperren erlitten die Drehkreuze in Dubai, Abu Dhabi und Doha zeitgleich einen Infarkt.

Nach nur drei Tagen strahlt der temporäre Totalausfall auf die Welt ab: Millionen Passagiere müssen umgebucht werden, Lieferketten ruckeln, Ticketpreise und Frachtraten schießen hoch - Business-Class-Flüge zwischen Europa und Asien kosten bei kurzfristiger Buchung für die nächsten Tage 7.000 Euro und mehr - oneway.

Allein mehr als 100.000 Australier sind aktuell in den Golfstaaten gestrandet, viele im Transit zwischen zwei Flügen. Inzwischen läuft der Verkehr mit Sonderflügen zwar wieder an, Emirates flog am Dienstag erste Passagiere mit mehreren Airbus A380 aus Dubai aus. Der Ausnahmezustand hält vorerst aber an.

Und gilt auch für die Luftracht. Dubai International und Dubai Al-Maktoum können pro Jahr vier Millionen Tonnen Luftfracht umschlagen - oft binnen 90 Minuten zwischen zwei Flügen. Doha Hamad bietet 2,5 Millionen Tonnen jährliche Luftfrachtkapazität. Der Flughafen Bahrain wickelt pro Jahr 1,7 Millionen Tonnen Fracht ab, das Drehkreuz Abu Dhabi immerhin rund 700.000 Tonnen.

"Echtes Problem"

Nach Daten des Weltairlineverbands IATA stellte der Nahe Osten 2025 13,2 Prozent - ein knappes Siebtel - der weltweiten Luftverkehrskapazität.

Weil viele Sendungen an den Drehkreuzen und bei Absendern feststecken, "lassen sich Kühlketten und Liefertermine schon jetzt nicht mehr einhalten", beschrieb ein Manager eines deutschen Luftfrachtanbieters aero.de am Montagnachmittag die Lage. "Die Forwarder disponieren jetzt alles um, was geht. Wenn der Zustand länger anhält, laufen wir in ein echtes Problem."
© aero.de | Abb.: Airbus, Etihad Airways | 03.03.2026 10:54

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Beitrag vom 03.03.2026 - 14:43 Uhr
Dazu kommt noch das, was man im Rechtsverkehr so gern "rückschauende Betrachtungsweise" nennt. Mit anderen Worten: "hinterher ist man immer klüger". Die Sicherheitslage im Mittleren Osten hat sich in den letzten Monaten sicher stark verschlechtert, aber das war vor ein paar Jahren noch nicht absehbar. Und ich glaube, kein Airlinemanager, der vor drei, vier Wochen gesagt hätte "Wir dürfen nicht mehr über Dubai fliegen" wäre in der Branche für verrückt erklärt worden.

Die Lage istattraktiv, der Treibstoff günstig, die Infrastruktur vorhanden, also ist man hin geflogen und hat mit den ME3 kooperiert. Das kann man glaube ich niemandem, der Geschäftsentscheidungen trifft, wirklich zum Vorwurf machen.

Das ist die rein ökonomische Sicht auf die Dinge, meine persönliche Einstellung dazu ist anders. Ich hätte persönlich Bauchschmerzen, Geld in einem Land zu lassen, das meinesgleichen kriminalisiert. Und für mich hat sich der touristische Wert von mit Hochhäusern vollgeklotzten Wüstendiktaturen generell nie erschlossen, aber das ist meine persönliche Meinung. Ich bin mir sicher, dass ich die außen vor lassen würde, wenn ich entsprechende Geschäftsentscheidungen zu treffen hätte.
Beitrag vom 03.03.2026 - 13:37 Uhr
Anzumerken wäre da, dass (bei aller berechtigten Kritik daran) nicht der "Lebensstil" der ME3 Drehkreuz-Staaten die aktuelle Krise ausgelöst hat, sondern ein Krieg zwischen den USA/Israel und dem Iran über völlig andere Konfliktpunkte.

Und ein aggressiver Nachbar und starre, hierarchische/monarchische Strukturen gehört am Golf wohl zum unvermeidbaren Standort-Risiko, wie im Westen zB die Gewerkschaften, Streiks oder populistische Parteien.

Und ich glaube ich bin nicht zu zynisch, wenn ich unterstelle, dass man - sobald dieser Krieg rum ist - die "stabilen" Staaten der Region, darunter die ME3, um so mehr hofieren und ihren Wünschen nachkommen wird. Denn mit Sklaverei und Unterdrückung haben erstaunlich viele Menschen/Firmen gar kein Problem, solange nicht zu viele Informationen dazu öffentlich werden und man so tun kann, als wüsste man von nichts.




Dieser Beitrag wurde am 03.03.2026 13:45 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 03.03.2026 - 11:38 Uhr
Das lange ausgeblendete Risiko - jetzt ist es eingetreten. In den Golfstaaten wird gelebt, dass es der Schöpfung Hohn spricht. Und "Dribbdebach" leben im Iran und in Afghanistan hard-core Fundamentalisten. Warum hat es in den Golfstaaten lange keine Anschläge gegeben? Hat man sich davon freigekauft?
Ich habe weder Verständnis für den dort gezeigten Lebensstil noch dafür, dass man hinreist (oder umsteigt) und sich nicht nur der auf Sklavenhaltung basierenden Verhältnisse bedient - nein, das wird der Welt auch noch als Beispiel vorgehalten.
Kriege sind schrecklich - völlig ausser Frage. Aber wenn der Wasserstand am Golf sch wieder Normal Null annähert, dann kann ich das nur begrüßen.
Die Gebäude wachsen viellicht in den Himmel, die Bäume sicher nicht.


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